Blick in den Markt Akustiklösungen für Wand und Boden: Schön und dabei funktional

Wer sich mit Bodenbelägen und Wänden befasst, kommt früher oder später auf Akustik zu sprechen. Unterschiedliche Produkte stehen zur Wahl, um den Raum akustisch optimal zu gestalten. Alle Wege führen nach Rom – und viele zur besseren Akustik.

Die Akustikpaneele von KGM verbinden ästhetisches Design mit funktionaler Raumakustik. „Sie eignen sich für nahezu jeden Wohn- und Arbeitsbereich“, erklärt das Unternehmen aus Oettingen. - © KGM

Eine Trittschalldämmunterlage ist nach Abschluss der Verlegearbeiten unsichtbar. Der Nutzer weiß unter Umständen gar nicht, dass sie verbaut wurde, bemerkt aber zumindest unterbewusst ihre Wirkung. Ein Paneel an der Wand dagegen darf nicht nur sichtbar sein, es soll auch im Raum wirken, akustisch und optisch.

Akustik ist sowohl aus funktionaler als auch aus gestalterischer Sicht zunehmend Thema. So wird zum Beispiel Raumakustik ein inhaltlicher Schwerpunkt des Architects Space auf der Domotex im Januar in Hannover sein. „In Zeiten wachsender Anforderungen an Energieeffizienz und Multifunk­tionalität gewinnt die akustische Gestaltung von Innenräumen zunehmend an Bedeutung“, erklärt die Deutsche Messe AG dazu.

Jeder ist davon betroffen – Akustik

Akustik ist ein Thema, weil sie so gut wie jeden überall betrifft. Ob Sie mit der Familie ins Restaurant gehen oder ein geschäftliches Meeting haben, ob Sie es sich zu Hause gemütlich machen wollen oder im Hotelzimmer entspannen:

  • Wenn Sie sich nicht verständlich machen oder Ihr Gegenüber nicht hören können,
  • wenn lauter Trittschall den Aufenthalt beeinträchtigt:

Dann wurde beim Planen und Bauen etwas falsch gemacht.

Dabei hat es der Architekt womöglich gut gemeint: Bodenhohe Fenster mit großer Glasfläche sehen schick aus – Gardinen? Gelten vielen als von gestern, die werden weggelassen. Glatter Boden ohne einen einzigen abgepassten Teppich, hohe Decke? Mancher findet das schön. Und wundert sich, wenn es kaum möglich ist, ein vernünftiges Gespräch in so einem Raum zu führen. Vieles lässt sich im Nachhinein durch akustisch wirksame Um- und Einbauten korrigieren. Das freut die professionellen Anbieter im Innenausbau und der Raumausstattung, finden sie hier doch ein lukratives Betätigungsfeld.

FN Neuhofer etwa, vor allem für Leisten und Zubehör bekannt, bietet seit einigen Jahren mit „FN Living Akustikplatten“ auch

  • dekorative Wandverkleidungen aus MDF oder digital bedruckte Lösungen an.
  • Produkte aus PVC für Nassbereiche oder aus Alu für Außen sind ebenfalls im Programm.

Auf der Messe Bau in München im Januar hat dieses Segment einen Großteil des Messestandes ausgemacht, ebenso beim Branchentag Holz (Bericht folgt im nächsten Heft) im November in Köln.

Welche Rolle spielt der Bereich Akustik mittlerweile im Unternehmen? „Unsere Akustikpaneele haben in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung hingelegt und machen inzwischen einen beachtlichen Anteil am Gesamtumsatz aus. Kerngeschäft sind nach wie vor die Leisten. Aber in dem ganzen Segment der profilierten Wandgestaltung steckt enormes Potenzial. Unsere Produktentwicklung läuft auf Hochtouren, um neue funktionelle wie designstarke Ideen marktfähig zu machen“, erklärt Franz Neuhofer, Eigentümer und Geschäftsführer des österreichischen Familienunternehmens aus Zell am Moos.

Das „FN Living“-Angebot richte sich zwar in erster Linie an die Selbermacher, sagt Neuhofer, aber: „Für die Handwerksprofis arbeiten wir gerade intensiv an einer anderen Innovation, die voraussichtlich Ende des Jahres auf den Markt kommt.“

Akustiklösungen sorgen für Wohlfühlatmosphäre

Im Büro zählt textiler Bodenbelag zu den effektivsten Möglichkeiten, die Raum­akustik positiv zu beeinflussen. Neben Design, Form und Farbe können akustisch wirk­same Teppich­böden eine Wohlfühl­­­atmosphäre schaffen, in der sich effektiver ar­beiten und schöner wohnen lässt. Wie funktioniert eine akustisch wirksame Rücken­beschichtung?

Akustik, sagt Christine Rehermann, Head of Marketing & Communication bei der Anker Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG in Düren, sei für das Unternehmen ein Herzensthema: „Da wir mit unterschiedlichen Höhen, Dichten und Materialeinträgen in Web- und Tuftteppichboden arbeiten, sind unsere Rückenausrüstungen ebenso vielfältig und für jede Kollektion gibt es Lösungen, die höhere Schallabsorptionswerte erzielen. Neben unserer „SonicWave“-Beschichtung gibt es beispielsweise noch die „SW800“ sowie die „SW800 eco“ – allesamt unterschiedliche Lösungen für diverse Kollektionen und alle verminderten Trittschall.“

Häufig werde dabei „ein zusätzliches Material“ verarbeitet, das gemeinsam mit der textilen Oberfläche schallabsorbierend wirke. Diese werde auf die jeweilige Kollektion abgestimmt. Ein Flachgewebe als Bahnenware etwa werde anders gehandhabt als eine Fliesenkollektion.

Speziell für LVT-Produkte

Mit „Sound Choice+“ für LVT-Produkte hat Interface vor Kurzem ein Rückensystem vorgestellt, das die Trittschalldämmung verbessert und auch den CO₂-Fußabdruck reduziert. Die speziell für LVT-Produkte konzipierte integrierte Akustiktechnologie ist standardmäßig für alle neuen LVT unter anderem in Europa verfügbar.

Akustik spiele in Arbeitsumgebungen eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden und die Produktivität von Mitarbeitern, teilt das Unternehmen mit: „Lärm oder störende Geräuschkulissen können Stress erhöhen, die Konzentration mindern und sogar die Kommunikation zwischen Kollegen und Kolleginnen erschweren. In modernen Büroumgebungen, insbesondere Open-Space-Konzepten, beeinträchtigt schlechte Akustik die Effizienz deutlich und führt mitunter zu Frustration.“

LVT-Böden mit dem integrierten Rückensystem „Sound Choice+“

  • reduzierten die Schallübertragung und
  • sorgten dafür, dass weniger Geräusche durch Schritte, das Bewegen von Stühlen oder den Aufprall von Gegenständen in den Raum übertragen werden.

Akustisch optimierte LVT und Teppichfliesen könnten flexibel kombiniert werden, zum Beispiel in Konferenzbereichen, Lounges oder Großraumbüros, um unterschiedlichen Lautstärke-Anforderungen gerecht zu werden und eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen. „Die Interface LVT-Böden mit „Sound Choice+“ zeigen, dass auch elastische Bodenbeläge den Trittschall maßgeblich reduzieren können“, berichtet das Unternehmen.

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    Die Akustikpaneele von KGM verbinden ästhetisches Design mit funktionaler Raumakustik. „Sie eignen sich für nahezu jeden Wohn- und Arbeitsbereich“, erklärt das Unternehmen aus Oettingen.
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    © Haro
    1 „Haro Wall Design Stripe“: „Die Design-Wandelemente eignen sich hervorragend, um Räume ­abwechslungsreich zu gestalten und sind leicht zu montieren“, berichtet der Hersteller.
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    © Interface
    2 „ Sound Choice+“ reduziert den Trittschall nach Angaben von Interface um bis zu 19 dB. „LVT-Produkte mit dieser Rückenkonstruktion weisen außerdem einen besonders niedrigen CO₂-Fußabdruck von circa 6,8 kg CO₂e/m² auf“, erklärt das Unternehmen.
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    © XPFoam
    3 XPFoam sieht sich als Partner der Bodenindustrie für die Entwicklung hochwertiger Unter­lagenlösungen. Die Faltplatte „XP:CellPad“ etwa ist als Verlegeunterlage mit und ohne Folien­kaschierung als Dampfbremse erhältlich.
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    © FN Neuhofer
    FN Neuhofer bietet seit einigen Jahren mit „FN Living“ Akustikplatten auch dekorative Wandverkleidungen aus MDF oder auch digital bedruckte Lösungen an.
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    © Prinz
    „Strong Silent Max“ von Hersteller Prinz ist zu hundert Prozent recyclebar. Auch für den Einsatz auf beheizten Böden ist die Unterlage geeignet: Ihr niedriger Wärmedurchlasswiderstand sorgt für eine angenehme Fußwärme.

Die Faltplattenlösung

XPFoam ist ein noch relativ junger Her­steller von Dämmunterlagen für die euro­päische Bodenindustrie mit Sitz im Leutkirch im Allgäu. Das Unternehmen extrudiert ­Polymerschäume aus Polystyrol, die beispielsweise in Form von Faltplatten unter schwimmend verlegten Bodenbelägen eingesetzt werden. Diese sorgen für optimale akustische und thermische Eigenschaften und verleihen modernen Bodensysteme ein Plus an Komfort.

„Schaumprodukte übernehmen eine zentrale Funktion in der Raumakustik, da sie sowohl den Gehschall im Raum als auch den Trittschall in darunterliegenden Räumen wirksam reduzieren. Damit tragen sie entscheidend zur wahrgenommenen Qualität eines Bodens bei“, sagt Geschäftsführer Michael Mayer.

Ein wesentlicher Markttreiber sei der zunehmende Einsatz von schwimmend verlegten Bodenbelägen wie Vinyl, Laminat oder Parkett. Während früher häufig Teppichböden verlegt wurden, die den Schall von Natur aus dämpften, dominierten heute harte Oberflächen mit höherem akustischem Anspruch an die Unterlage, berichtet Mayer: „Diese Entwicklung führt zu einer steigenden Nachfrage nach Unterlagen, die die schallisolierende Funktion übernehmen und gleichzeitig den Boden schützen.“

Holz für die Wände

Mit „Holz für deine Wände“ bewirbt Haro sein Produkt „Wall Stripe“. Die Wandverkleidungen des Bodenbelagsherstellers verfügen über schallabsorbierende Eigenschaften. Zu sehen sind solche Elemente seit Langem zum Beispiel am Empfang von Hotels, sie eignen sich aber genauso gut für private Wohnräume, wenn die akustische Situation verbessert werden soll und natürliche Optik gefragt ist.

„Gerade wenn es zu Hause laut zugeht, stört dies das Arbeiten und die Konzentration im Homeoffice. Auch bauliche Entwicklungen spielen eine immer größere Rolle: Mehr freie, nicht abgedeckte, schallharte Flächen im Wohnbereich verstärken Schall, Lärm und damit die Lautstärke. Dagegen sind Akustikelemente eine wirksame Lösung“, sagt Stefanie Moschütz Marketing Managerin bei der Hamberger Flooring GmbH & Co. KG in Stephanskirchen.

Wenn es in erster Linie um akustische Verbesserungen geht, bietet Hamberger mit „akustikplus“ zudem technisch ausgereifte Lösungen für den gewerblichen und privaten Bereich.

Drei Unterlagen

Die Carl Prinz GmbH und Co. KG ist vor allem bekannt für ihre Profile, doch schon seit 2009 umfasst das Programm des familiengeführten Herstellers auch hochwertige Trittschalldämmungen und Parkettunterlagen. Aktuell präsentiert das Unternehmen aus Goch drei Unterlagen, die nicht nur den Geh- und Trittschall reduzieren, sondern Nachhaltigkeit, Belastung und einfache Verarbeitung berücksichtigen.

So besteht das Premiumprodukt „Silent Pur Alu 3 mm“ aus

  • Polyurethan,
  • Mineralsand und
  • Kreide.

Es reduziert den Trittschall nachweislich um bis zu 19 dB und den Gehschall um bis zu 29 Prozent. Als wirtschaftliche Lösung für stark frequentierte Bereiche bietet sich die Unterlage „Strong Silent Max“ an. Sie besteht aus geschlossenzelligem, unvernetztem PE-Schwerschaum, ist zu hundert Prozent recycelbar und vereint Stabilität mit guter Schalldämmung.

Für alle, die besonderen Wert auf Wärmedämmung und eine unkomplizierte Verlegung legen, bietet Prinz die „XP Silent FELT“-Reihe aus extrudiertem Polystyrolschaum an. Die 3 mm starke Variante reduziert den Trittschall um 21 dB und den Gehschall um 21 Prozent, die 5-mm-Version erreicht bis zu 23 Prozent Gehschallminderung. Alle drei Prinz-Produkte sind für die schwimmende Verlegung von Laminat, Fertigparkett und sonstige Multilayer geeignet.

Zwei Designlinien

Die Akustikpaneele von KGM sind in drei verschiedenen Echtholz-Furnier-Designs erhältlich. Konzipiert sind sie für besseres Sprachverstehen, für eine angenehme Akustik und für ganzheitliches Wohlbefinden. Die Akustikprodukte führt das Unternehmen aus Oettingen seit 2022 im Sortiment – und verzeichnet seither ein stetig starkes Wachstum dafür.

Zwei Designlinien sind derzeit erhältlich:

  • „Blend“ setzt auf fünf unterschiedlich breite Lamellen innerhalb eines Paneels,
  • „Curve“ arbeitet mit sanft geschwungenen Lamellen und bringt dadurch eine elegante, weiche Linienführung in den Raum.

Ein dynamischer Anwendungsbereich sind nach Angaben des Herstellers übrigens Podcast-Studios: Dort steigt die Nachfrage derzeit stark.

Sind diese Produkte im Markt bereits „angekommen“ und bei Handel, Handwerk und Verbrauchern verstanden worden?

Ja, sagt Selina Kögel vom KGM-Marketing, allerdings mit zielgruppenspezifischen Unterschieden. Für Handel und Hersteller seien Akustikpaneele kein Nischenthema mehr; „sie sind breit im Sortiment verankert.

  • Renovierung /Modernisierung,
  • strengere Schall­schutzanforderungen und
  • höhere Designansprüche

machen das Thema sichtbar.“

Bei Architekten, Innenraumgestaltern und im Bauhandwerk sei das Bewusstsein zuletzt stark gewachsen. Selina Kögel: „In Großraumbüros, Gastronomie und Hotellerie gehört akustische Qualität zunehmend zum Standard – Akustikpaneele werden gezielt als Gestaltungsmittel geplant.“

Im privaten Segment sei die Bekanntheit derzeit noch uneinheitlicher. „Viele kennen Akustikpaneele als Lösung, aber design­orientierte Akustik, also sichtbar, schön und funktional, ist noch nicht überall im Mindset angekommen“, berichtet Selina Kögel. Oft sei die Assoziation da noch eher Studio oder Büro statt Wohnzimmer.

Als kommender Trend wird im Unternehmen übrigens der Raumteiler zur Zonierung und Aufwertung von Räumen gesehen; und zwar für private Wohnbereiche genauso wie für Büros, Hotels oder das Segment Retail.

Autor

Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.