Holz mit anderen Augen sehen

Bei der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren im Bundesverband Parkett- und Fußbodentechnik hat ein junges Team das Ruder übernommen. Den Auftakt unserer Serie macht Fachgruppenleiter Christian Killer aus Pocking: Parkettlegermeister, Betriebswirt, Master Professional – und seit einigen Monaten Chef eines Meisterbetriebs mit genau einem Mitarbeiter, ihm selbst.

Stadtwappen von Pocking
Stadtwappen von Pocking mit Pferdekopf, von Christian Killer im Rahmen eines Lehrgangs als Parkettarbeit hergestellt - © privat

Das wichtigste in Kürze:

  • Christian Killer (37) leitet seit September 2025 die Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren, Stellvertreter ist Eddy Keilbach.
  • Beide gehören zu den ersten acht Absolventinnen und Absolventen des im Herbst 2024 abgeschlossenen Master-Professional-Kurses für Parkettrestauratoren.
  • Das neue Führungsteam setzt auf Arbeitskreise, flache Hierarchien und breite Mitverantwortung.
  • Killer führt seit einigen Monaten einen eigenen Meisterbetrieb in Pocking im niederbayerischen Landkreis Passau; Neuverlegung spielt darin nur noch eine untergeordnete Rolle.
  • Sein Weg: Ausbildung zum Parkettleger, Meister in Vollzeit, nach acht Jahren Betriebswirt in Teilzeit, dann Master Professional – geplant seit dem 18. Lebensjahr.
  • Beim Nachwuchs sieht er den Lohn als Kernproblem: Was nützt ein Tariflohn, fragt er, wenn Gesellen in manchen Städten keine bezahlbare Wohnung finden?

Ein junges Team an der Spitze der Bundesfachgruppe

Bei der Fachgruppentagung der Parkettrestauratoren im September 2025 sind mit Christian Killer und seinem Stellvertreter Eddy Keilbach zwei junge Männer an die Spitze eines neuen Führungsteams gewählt worden. Die beiden gehören zu den Absolventinnen und Absolventen des im Herbst 2024 abgeschlossenen Master-Professional-Kurses für Parkettrestauratoren. Es sind die ersten acht überhaupt, die diese Berufsbildung durchlaufen haben.

Sie alle wollen den Fortbestand der Fachgruppe sichern und die Entwicklung vorantreiben. In neu entstandenen Arbeitskreisen wurden die Aufgaben auf verschiedene Köpfe verteilt. Ein Wunsch des jungen Teams: flache Hierarchie und breite Mitverantwortung. Übernommen hat die Gruppe im Herbst 2025 im badischen Kippenheim beim Parketthersteller Jaso.

In unserer Serie "Parkettrestauratoren im Profil" werfen wir einen genaueren Blick auf dieses Team. Den Anfang macht der Fachgruppenleiter.

Würfelmuster in Ahornboden
Würfelmuster in Ahorn – Musterboden aus Massivparkett von Christian Killer. - © Killer

Immer unterwegs: der Betrieb in Pocking

Christian Killer ist nicht leicht zu erreichen, meistens ist er unterwegs. Die Website? In Arbeit. "Get Ready… Something Really Cool Is Coming Soon", steht da. Auch auf Instagram hat der 37-Jährige schon eine Weile nichts mehr gepostet. Der Mann hat gerade einfach viel zu tun: Seit einigen Monaten leitet er einen Meisterbetrieb mit ihm selbst als erstem und bislang einzigem Mitarbeiter. Verantwortlich für alles: Christian Killer.

Angesiedelt hat er sein Unternehmen in Pocking, einer Stadt im niederbayerischen Landkreis Passau. Sein Einzugsgebiet umfasst Landshut, Dingolfing und Passau. Die österreichische Grenze ist nah, und Killer nimmt diesen Markt mit.

Vom Parkettleger zum Master Professional

Ausbildung zum Parkettleger, dann Meister, dann Master Professional-Restaurator im Parkettlegerhandwerk – wie kam es dazu?

"Ich habe mit zwölf, 13 Jahren in den Ferien mitgeholfen im elterlichen Betrieb, aber meine Eltern haben mich nie gedrängt, eines Tages da einzusteigen. Was ich einmal werden wollte, wusste ich damals noch nicht, nur ein Büroberuf sollte es nicht sein. So kam ich zur Bodenbelagsbranche. Ich wusste also, worauf ich mich da einlasse. Körperliche Arbeit hat mich nie abgeschreckt."

Klar war ihm aber auch: "…dass man das in dem Maß mit 55, 60 und weiter nicht mehr machen kann. Darum habe ich immer auf Weiterbildungen geachtet für die Zeit, in der die Erdanziehung größer wird", berichtet Killer.

Schon immer interessiert: Restaurator und Gutachter

Und das bedeutet: Restaurator und Gutachter. Killer hat sich frühzeitig einen Zeitplan gemacht, was er wann sein möchte – und in dem ist er bis heute drin. "Meine Ziele, meine Motivation, das habe ich alles schon früh beschlossen. Mit 18 habe ich, noch in der Ausbildung zum Parkettleger, gesagt: Mit vierzig bist du spätestens Sachverständiger. Da wusste ich aber noch nicht, was da alles dazugehört. Der Bereich hat mich schon immer interessiert, auch wegen der Berichte in boden wand decke, die ich damals schon gelesen habe. Das hat mich immer motiviert, wenn es mal Phasen gab, in denen ich mich durchquälen musste."

Wichtig sei gewesen, immer den Nutzen zu sehen. Killer: "Das habe ich bei allem, was ich gemacht habe, und das hat auch geklappt, zum Beispiel bei der Ausbildung zum Betriebswirt. Das ist manchmal trocken, aber hat mir sehr viel Input gegeben, den ich heute noch verwende. Ich bin froh, das gemacht zu haben."

Christian Killer bei der Arbeit
Parkettrestaurator Christian Killer bei der Arbeit an einem Holzboden – Restaurierung und restauratorische Tätigkeiten machen heute den größeren Teil seines Arbeitsalltags aus. - © Kranl

Unternehmer sein

Parkettlegermeister in Vollzeit, nach acht Jahren folgte der Betriebswirt in Teilzeit. Im Anschluss daran hat er die Parkettabteilung im elterlichen Betrieb komplett eigenständig geführt, auch unternehmerisch, dann kam der Restaurator. Sein Augenmerk, sagt er, habe einerseits dem Thema Holz gegolten, andererseits dem Unternehmertum – denn frühzeitig war ihm klar, dass er ein eigenes Unternehmen wollte.

Christian Killer: "2024 habe ich mich geschäftlich, betriebswirtschaftlich von meinen Eltern getrennt – und nur dort, denn wir verstehen uns nach wie vor super. Wenn ich etwas machen will, dann genau so, wie ich mir das denke, darum haben wir da eine Trennung beschlossen. Wenn es passt, arbeiten wir heute natürlich auch wieder zusammen. Meine Eltern haben derzeit noch einen Angestellten; in zwei Jahren geht mein Vater in Rente, dann wird das Unternehmen beendet und den Mitarbeiter übernehme ich, wenn er will."

Ehrenamt ist wichtig

Zur Innung hat Killer eine klare Meinung: "Ja, man muss etwas hineinstecken. Aber was man herausbekommt, ist um einiges mehr. Von Anfang an gab es diese Bindung nicht, denn mein Vater hat das Thema nicht sehr interessiert. Mich schon. Wir sind keine große Branche, da braucht es das Ehrenamt."

Mit der Innung hat der Restaurator sich zuerst 2020 auseinandergesetzt. Mit dem Start der eigenen Firma ging es auch bei der Innung und dem Engagement dort los. "Ich komme aus Niederbayern, da war die Innung recht klein. Zum 1. Januar 2023 gab es dann den Zusammenschluss der Innungen für das Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik Mittel-/Oberfranken und Niederbayern/Oberpfalz zur Innung Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik für Mittel- und Oberfranken, Niederbayern und Oberpfalz. Seitdem ist da ein großer Zusammenhalt."

Was den Arbeitsalltag ausmacht: Substanzerhalt statt Neuverlegung

Die Neuverlegung von Böden ist im Arbeitsalltag von Christian Killer heute eher untergeordnet. Einen größeren Anteil haben Restaurierung und Tätigkeiten mit restauratorischem Ansatz. Die Böden nach dem Aufbereiten in die nächsten Jahrzehnte schicken – das, sagt er, reize ihn. Oberflächentechniken, Reinigung, Flecken entfernen auf Restauratorenniveau machen vieles aus. Höherwertiges Parkett, Dielen, Tafeln, auch mal Intarsien und Musterböden im Bereich Massivparkett seien der Großteil seiner Arbeit.

Bis heute setzt er regelmäßig Techniken ein, die aus dem Restauratorenkurs stammen. Killer: "Ich bin nach wie vor begeistert von dem, was uns da an Wissen mitgegeben wurde."

Braucht man fürs Restaurieren eines Bodens nicht irrsinnige Geduld? "Absolut. Für Außenstehende sieht das manchmal so aus, als würde so gut wie nichts passieren, wenn wir da mit dem Wattestäbchen hantieren. Wir nehmen unser Wissen und erarbeiten uns Lösungsansätze. Wie man da herangeht, das geht über das Wissen des normalen Handwerkers hinaus. Du siehst den Werkstoff Holz irgendwann mit anderen Augen."

Eine große Rolle spielte für ihn von Anfang an das Thema Nachhaltigkeit – sei es beim Material, seien es die Techniken.

Begeisterung vermitteln – und Nachwuchs finden

Restaurator, das sei auch so etwas wie eine Mission, sagt Killer. Aus Unternehmersicht möchte er sich Mitarbeiter selbst ausbilden und ihnen die Chance geben, diesen Beruf zu erlernen, "und die Begeisterung vermitteln, die mich antreibt". Handwerk sei spannend, findet der Bodenprofi; das Zusammenspiel von digitalen und alten Techniken biete sehr viele Möglichkeiten.

"Aktuell bin ich eine One-Man-Show. Im Betrieb meiner Eltern war ich für acht Mitarbeiter verantwortlich. Da wieder hinzukommen, ist nicht einfach, und Parkettlegergesellen sind rar. Ein Geselle wäre super – ich glaube aber nicht, dass es den aktuell gibt, daher schaue ich mehr nach einem Azubi."

Killer geht zu Ausbildungsmessen und zu Schulen. Man sollte streuen und sich nicht auf eines verlassen, sagt er. Social Media gehöre dazu, aber die persönliche Ansprache führe zu den besten Ergebnissen.

Killer: "Der Lohn ist bei uns nicht gleich zu Anfang ansprechend. Und je anstrengender es wird, desto mehr stellt man das in Relation zum Lohn. Was nützt ein Tariflohn eines Gesellen, wenn der in manchen Städten gar keine für ihn bezahlbare Wohnung findet? Bei uns geht das noch, aber es zieht auch an. Das muss sich ändern, sonst wird man auch die guten Gesellen nicht halten können."

Zur Serie: "Parkettrestauratoren im Profil" stellt das neue Führungsteam der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren vor. Weitere Mitglieder folgen zeitnah. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie in der Serienübersicht.

Der Autor

Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.