Die Restaurierung historischer Parkett- und Holzfußböden bewegt sich zwischen Bewahren, Reparieren und Erneuern. Der Beitrag beleuchtet die Rolle des Parkettleger-Handwerks in der Denkmalpflege, konservierende Maßnahmen sowie Chancen und Grenzen in der Praxis.
Im Zentrum denkmalpflegerischen Handelns bei Parkett- und Holzfußböden steht stets der Erhalt der originalen Substanz:
- Pflege,
- Schadensvermeidung und
- konservierende Maßnahmen
haben Vorrang vor Eingriffen. Erst wenn der Bestand gefährdet ist, folgen
- Restaurierung,
- behutsame Ergänzung oder –
- als letzte Option – die Rekonstruktion einzelner Bereiche oder ganzer Böden.
Parkett- und Holzböden werden als gleichwertige Gestaltungselemente im Raum verstanden. Als „sechste Fläche“, die ebenso viel über Nutzung, Gestaltung und handwerkliche Intention verrät wie Wand und Decke. Gerade ihre hohe Beanspruchung macht sie jedoch besonders schadensanfällig. Sie stellt hohe Anforderungen an fachliche Beurteilung und Ausführung.
Grundlagen der Restaurierung
Neben den Grundlagen von Konservierung und Restaurierung stellt dieser Beitrag typische Maßnahmen
- von der Sanierung
- über Teilrekonstruktionen
- bis hin zur vollständigen Wiederherstellung historischer Verlegemuster
dar. Dabei werden
- Chancen – wie Nachhaltigkeit, Werterhalt und gestalterische Authentizität – ebenso aufgezeigt
- wie technische und wirtschaftliche Grenzen.
Ergänzend gibt der Beitrag einen kompakten Überblick über die Entwicklung historischer Holzfußböden –
- von einfachen Dielenkonstruktionen
- bis hin zu aufwendig gestalteten Intarsienarbeiten.
Er verdeutlicht deren handwerkliche und kulturhistorische Bedeutung für die heutige Restaurierungspraxis.
Restaurierung: Denkmalpflegerische Maßnahmen
Für die Restaurierung von Parkett- und Holzfußböden ergibt sich folgende Reihenfolge denkmalpflegerischer Maßnahmen:
- Die Erhaltung des Bestandes, so wie er ist. Seine Pflege, damit er noch lange in dem vorgefundenen Zustand bleibt und das Vermeiden von Schäden. Dazu gehört auch, dass man außerhalb des Gegenstandes liegende Schadensquellen nach Möglichkeit ausschaltet.
- Die Restaurierung und die Instandsetzung, wenn nur dadurch weitergehende Schäden vermieden werden können. Das Ergänzen von Teilen, die bereits verloren sind oder die so zerstört sind, dass ihr Belassen die Erhaltung des Restes unmöglich macht oder gefährdet.
- Der teilweise oder vollständige Ersatz eines nicht mehr restaurierbaren Teiles. Wenn das Ganze, wozu es gehört, noch erhalten ist. Das kann bis zur Neuanfertigung etwa eines verlorenen Bodens innerhalb einer noch vorhandenen Reihe von Böden etwa in einem Schloss gehen.
Aufgaben des Restaurators
Diese Reihenfolge ist auch eine Reihenfolge der Werte denkmalpflegerischen Handelns. Die primäre und wichtigste Aufgabe des Restaurators im Parkettleger-Handwerk ist
- die Erhaltung von Böden,
- nicht ihre Neuanfertigung.
Dabei ist für Denkmalpflege grundsätzlich kein Unterschied zwischen einem einfachen Dielenboden und einem kostbaren Intarsienboden zu sehen.
Der Boden gehört bei der Restaurierung eines Innenraums grundsätzlich in die gleiche Wertekategorie wie die übrige Ausstattung der Wände und Decken. Der Parkett- und Holzboden ist die sechste Begrenzungsfläche eines Raumes. Er ist genauso wichtig wie die restlichen Flächen. Gleichgültig, ob er das Dekorationssystem der Decke und der Wände aufnimmt oder vielleicht gerade nicht.
Die Form, das Material, die Technik eines Bodens sind eine genauso wertvolle Quelle wie die gleichen Eigenschaften an Wand und Decke. Auch ein Parkett kann genauso viel Information
- über die Funktion eines Raumes,
- über seine Gestaltung und
- über die Absichten des Künstlers oder Handwerkers
geben wie die anderen Begrenzungsflächen.
Eine besondere Schwierigkeit ist natürlich, dass
- der Boden die am stärksten beanspruchte Fläche des Raumes ist und
- somit von allen Flächen die ersten Schäden aufweist, die ersetzt oder restauriert werden müssen.
Der Fachmann, der diese Schäden beurteilen kann, ist der Restaurator im Parkettleger-Handwerk. Er muss bei der Entscheidung mitwirken können, die der Architekt bzw. die Denkmalbehörde trifft.
Restaurieren
Unter Restaurieren versteht man die Abnahme stark vergilbter und störender Überzüge und Schichten. Entfernung entstellender Eingriffe und Veränderungen, Ergänzungen und Retuschen auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Mit dem Ziel, durch das Schließen von Fehlstellen und Lücken das Original erlebbar zu machen. Ergänzungen nicht mehr vorhandener Teile, z. B. durch Teilrekonstruktionen, Teilkopien oder Retuschen, liegen im Grenzbereich zwischen restauratorischer und renovierender Tätigkeit. Sie sind jedoch vertretbar, wenn das fehlende Teil aus dem vorhandenen Bestand eindeutig erschlossen werden kann. Und: das hinzugefügte von der Originalsubstanz gleichsam getragen wird, d.h., wenn das Original an Masse oder Bedeutung dominiert.
Eine Restaurierung ist im Allgemeinen nur dann sinnvoll, wenn Konservierungsmaßnahmen parallel dazu durchgeführt werden, abgeschlossen oder nicht erforderlich sind.
Konservieren
Konservierungsmaßnahmen sichern den materiellen Bestand eines Parkettbodens. Sie sind vorrangig durchzuführen, um Substanzverlust zu verhindern. Konservierende Maßnahmen zur Erhaltung und Bewahrung sind:
- Festigung, z. B. statische Korrekturen,
- Material unterstützende Maßnahmen,
- Auswechselungen und Ergänzungen, sofern sie unterstützenden Charakter haben,
- Tränkung,
- Hinterspritzen,
- Niederlegen von Fasern und
- Reinigung, d. h. Entfernen von schädlichen Schmutzschichten und Verunreinigungen, wenn sie Substanz gefährdend sind.
Facetten der Parkettbearbeitung
- Sanierung/Aufbereitung: Ziel ist die Wiederherstellung der Optik durch das Reinigen der Oberfläche und die anschließende Beschichtung oder Imprägnierung. Kleinere Schäden wie Kratzer oder Beschädigungen werden mit farblich passendem Materialien oder Knochenleim-Gemischen ausgebessert.
- Teilweise Rekonstruktion: Hierbei werden nur beschädigte oder fehlende Segmente originalgetreu ersetzt. Die Herausforderung liegt im Finden passender Holzarten und der farblichen Anpassung an die Patina des Altbestands. Hierzu wird immer ein abgelagertes Altholz verwendet.
- Vollständige Rekonstruktion: Bei denkmalgeschützten Objekten wird das ursprüngliche Verlegemuster nach historischem Vorbild mit historischen oder nachgefertigten Materialien neu aufgebaut. Eine Rekonstruktion ist eine Wiederherstellung eines nicht mehr existierenden Parkettbodens. Dessen ehemaliges Aussehen ist aber noch weitgehend bekannt, z.B. aufgrund von Beschreibungen, Plänen oder bildlichen Darstellungen. Rekonstruktion bezieht sich also auf eine Handlung der Wiedererrichtung oder Wiederherstellung in gleicher Gestalt,
- also gleicher Form und Farbe,
- in gleichem Material,
- in gleicher Herstellungstechnik und
- soweit möglich ortsgebunden, am gleichen Ort.
Restaurierung: Herausforderungen, Chancen und Grenzen
Historische Böden unterliegen oft „invasiven Veränderungen“ der Vergangenheit oder leiden unter instabilen Untergründen (z. B. schwingende Balkendecken). Zudem erfordert das Arbeiten an historischen Parkettböden spezielle Kenntnisse alter Techniken und der Bauphysik.
Parkett hat eine Lebensdauer von vielen Jahrzehnten. Eine Restaurierung
- steigert den Immobilienwert,
- schont Ressourcen und
- erhält den einzigartigen Charakter eines Raumes mit seinem Fußboden.
Es ist durch eine Restaurierung möglich, auch einen sehr alten Parkettboden wieder zum Leben zu erwecken.
Jedoch kann ein Parkett nur so oft abgeschliffen werden, wie die Stärke der Nutzschicht es zulässt (meist zwei- bis viermal). Bei
- massiver Durchfeuchtung (Quellung),
- starkem Schädlingsbefall oder
- durch Fehlbenutzung
stößt die Erhaltung an ihre wirtschaftlichen und technischen Grenzen.
Der Autor
Marko Domschke ist Restaurator im Parkettlegerhandwerk und Fachgruppenleiter der Parkettrestauratoren im BVPF.
Historische Parkett- und Holzfußböden: Kleine Parkettkunde
Die Entwicklung der Schmuckfußböden bis hin zur Vollendung in Intarsienböden ist
- mit der Entwicklung der Geschichte und
- der Übernahme von Mustern und Bildern aller Art aus der Natur, Zeichnungen oder allem, was zweidimensional zu zeichnen ist,
entstanden. Bereits in historischen Zeiten wurden Ornamente geschaffen, die noch bis heute in unsere Zeit von Bedeutung sind, beispielsweise Mäanderband, Pflanzen oder Tiere. Folgende Pflanzen sind häufig auch in Schmuckfußböden vorhanden: Akanthusblatt, Rebe, Palmblatt, Lorbeerblatt, Lotus, Papyrus, Efeu.
Die Renaissance ist für die Schmuckfußböden von besonderer Bedeutung. In dieser Stilepoche wurden Holzfußböden erstmals als Parkett bezeichnet. Durch die Verbesserung von Zeichnungen und Maschinen wurde die Herstellung wesentlich verbessert. Die Gliederung nach gleichen Mustern oder Bereichen in Räumen wurde im Barock mit der Spiegelung der Decke sehr häufig auf den Fußboden übertragen. In dieser Zeit wurden die Techniken der Muster noch facettenreicher weiterentwickelt.
- Einfache Dielenböden mit einer Stärke von bis zu vier Zentimeter wurden meist aus Nadelholz wie Kiefer, Fichte und Tanne gefertigt und auf Balkenlagen genagelt.
- Gegliederte Dielenböden haben einzelne Felder und Kreuzfriesen aus Eiche, um die Weichholzfelder deutlicher abzusetzen. Hierbei wurden auch Kreise und Ovale eingesetzt, um die geometrische Gestaltung des Raumes hervorzuheben.
- Tafelparkett besteht aus massiven Parkettteilen (Versailler Tafelparkett) oder auch aus einer Rahmen-Füllungskonstruktion aus Nadelholz; oft kreuzweise mit Knochenleim verleimt und mit einer Deckschicht von meist acht Millimetern aus verschiedenen repräsentativen Holzarten wie Nussbaum, Ahorn, Kirsche und auch Palisander bzw. Mahagoni.
- Intarsienböden sind die „Die Königsklasse“ im Barock und Rokoko. Hier sind bis heute der Fantasie und des handwerklichen Geschicks mit allen möglichen Materialien keine Grenzen gesetzt. Ob rund oder geschwungen, Mäander oder asymmetrische Formen mit Metallen und Elfenbein.
- Blindböden sind hier noch zu ergänzen. Sie sind auf einer Holzbalkendecke mit oder ohne Einschub als Fehlboden mit Ausgleichslatten befestigt. Dazwischen befinden sich Schüttungen aus Sand oder ähnlichem Material. Darauf wurden Tafelparkett und Intarsienböden meist genagelt verlegt.
