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Diese 5 Faktoren erhöhen die Lebensdauer von Mehrschichtparkett

Die Lebensdauer von Parkett ist ein Merkmal, mit dem man punkten kann. Speziell bei mehrschichtigen Varianten kommt es aber auf Details an. Ausgehend von einem ­Schadensfall fasst nachstehender Beitrag die wichtigsten Einflussfaktoren zusammen.

Mehrschichtparkett
Die Rollen des Sessels hatten den eingetragenen Schmutz ins Holz gepresst. -

Die Sache war eindeutig. Der Parkettboden zeigte mechanische Einwirkungen wie Dellen, Kratzer, und Druckstellen, deren Ursache dem Verhalten des Nutzers zuzuweisen war. Der hatte den „sandigen“ Boden mit den Rollen seines Couchstuhles malträtiert und seine Katze mit ihren scharfen Krallen sah sich ebenfalls nicht gemüßigt, die angemahnte Vorsicht auf dem Parkett walten zu lassen. Konsequenz waren die oben genannten Erscheinungsbilder, deren Einordnung an dieser Stelle nicht diskutiert werden soll.

Das Privatgutachten ließ über die Frage der Verantwortung keine Zweifel aufkommen, allerdings in der Folge nicht ohne Gegenwehr. Im Sanierungsvorschlag war angemerkt, dass die Nutzschicht des Mehrschichtparketts allenfalls einen einzigen Abschliff mit Neuversiegelung zuließ. Und selbst diese Maßnahme stellte der erfahrene Privatgutachter in Zweifel, waren ihm doch bei seinem Ortstermin drei sich vom Träger lösende Decklamellen aufgefallen. Er empfahl, den Boden komplett auszutauschen.

Jetzt landete die Sache doch noch vor Gericht, wobei ein neu hinzugezogener Gutachter sich lediglich mit der gutachterlichen Frage, was die Lebensdauer von Mehrschichtparkett beeinflusse, auseinandersetzen sollte. Die Antwort wollte sich der Richter für seine Urteilsfindung zu Eigen machen, bei seiner Entscheidung, ob der Verleger den Auftraggeber bei der Materialauswahl falsch beraten hatte. So lautete jetzt die Behauptung des Bauherren.

Ein Ortstermin des Gerichtsgutachters war für die rein theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik unnötig. Er konnte mit seiner Stellungnahme, die nachfolgende Punkte anführt, auch ohne genaue Kenntnisse der Situation vor Ort beginnen.

Mehrschichtparkett

Die Lebensdauer eines Mehrschichtparketts wird von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst. Produkt, Konstruktion, Oberfläche, Holzart oder Pflege spielen eine ganz entscheidende Rolle, wenn es da­rum geht, wie lange ein Parkettboden hält. Jegliche Einschätzung der Lebensdauer eines Mehrschichtparketts ist ohne Kenntnis der Nutzung Makulatur. Das gilt für Anspruch als auch Beanspruchung. Liegt der Boden im begehbaren Kleiderschrank oder auf der Tanzfläche einer Disco? Nahezu unberührt versus Extrembelastung. Die Unterschiede sind greifbar.

1. Nutzungsart und Pflege


Jedes Wirtschaftsgut, das man verwendet und mit dem man sich umgibt, muss gereinigt, gepflegt, gewartet und im Rahmen der Möglichkeiten geschont werden, um langfristig seinen Dienst zu tun. Das gilt namentlich für Parkett.

Ein ganz wesentlicher Einflussfaktor auf die Langlebigkeit ist das umgebende Raumklima, das sich immer in definierten Grenzen halten sollte, um Feuchteänderungen des Holzes in den tolerablen Grenzen zu minimieren.

Genauso wichtig ist die Art der Reinigung und Pflege. Die Öloberflächen bzw. die Versiegelung des Holzes müssen durch ständige und belastungsabhängige Pflege geschützt werden, um Verschleißerscheinungen zu reduzieren bzw. weitest möglich in den Hintergrund zu drängen. Belastungen durch Wasser, die entstehen, wenn das Parkett damit zu intensiv und dauerhaft beaufschlagt wird, müssen vermieden werden. Somit hat die Pflege des Parketts einen gravierenden Einfluss auf dessen Lebensdauer. Neben Nutzungsart und Pflege lassen aber insbesondere die verschiedenen Ausstattungsmerkmale das Produkt Mehrschichtparkett länger leben.

2. Holzart und Nutzschicht


Ein wichtiges Kriterium ist die Holzart in der Nutzschicht, also der Schicht, die der täglichen Belastung direkt ausgesetzt ist. Die Vielfalt der eingesetzten Parketthölzer ist umfassend. Neben weiteren arteigenen Eigenschaften weisen sie alle eine unterschiedliche Härte auf. Die Nadelhölzer gehören zu den weicheren, die Laubhölzer zu den härteren, und tropische Holzarten zu den sehr harten Hölzern.

Diese pauschale Einordnung lässt aber durchaus Ausnahmen zu. Pitch Pine nimmt es beispielsweise in der Härte locker mit einer Erle auf und Teakholz bleibt bei dieser Eigenschaft hinter der Robinie weit zurück. Mit dem holztechnischen Begriff der sogenannten Brinellhärte werden die Hölzer üblicherweise über die Tiefe von Eindrücken bei definierter Belastung eingeordnet. Doch eine Einstufung über die Härte als Kriterium seiner Lebensdauer kann in die Irre führen.

Was nützt das härteste Holz, wenn es sehr schnell auf Feuchtewechsel reagiert und zudem ein hohes Quell- und Schwindmaß aufweist. Ein eindruckwiderstandsfähiges Holz kann Schwächen in der Formstabilität zeigen. Gerade bei beheizten oder gekühlten Konstruktionen treten diese Eigenschaften in den Vordergrund, zumeist über das Fugenbild oder mögliche Verformungen mit unmittelbarem Einfluss auf die Lebensdauer.

3. Farbe, Struktur und Oberflächenbehandlung


Nicht unwesentlich sind auch die Farbe und Struktur. Nahezu ideal und deshalb in vielen Regionen als Fußbodenholz hochgeschätzt ist die Holzart Eiche. Sie bietet neben ihrem mechanischen Widerstand gegenüber Druckstellen auch einen optischen Vorteil, der aus ihrer Struktur und Farbe hergeleitet werden kann. Während ein hartes, dichtes und helles Mehrschichtparkett aus Ahornholz die Gebrauchsspuren, die sich im Laufe der Nutzung bilden, kontrastreich hervorhebt und schnell verschlissen aussieht, gehen solche Erscheinungsbilder in der gröberen Struktur einer grauen, gelb- bis bräunlichen Eiche unter. Das wiederum erfordert einen früheren Abschliff mit Einfluss auf die Lebensdauer.

Die optische Wirkung hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit wird auch durch die Art der Oberflächenbehandlung mitbestimmt. Ein matt geöltes Parkett zeigt vorhandene Abrieberscheinungen deutlich geringer als ein glänzend versiegeltes. Dabei kann es technisch sehr wohl Unterschiede in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen geben, die von der Art der Oberflächenbehandlung abhängig sind. In erster Linie spielt die Qualität der Auftragsmaterialien eine Rolle wie auch deren Schichtdicke, ganz abgesehen von der handwerklichen Güte der Ausführung bzw. der Wahl, Abfolge und Kombination der einzelnen Oberflächenaufträge in der Fertigung von Mehrschichtparkett. Eine hohe Abriebfestigkeit des Decklackes verlängert dessen Lebensdauer.

4. Dicke der Decklage und Parkettaufbau


Bei Mehrschichtparkett dient die Dicke der Decklage als Indikator, wie oft das Holz abgeschliffen werden kann. Die Deckschichten reichen im Allgemeinen von etwa 2,5 bis 5.5 mm. Je dicker, desto öfter kann man das Parkett sanieren. Um normativ als Mehrschichtparkett eingeordnet zu werden, ist die Deckschicht mindestens 2,5 mm dick zu wählen, wodurch zwei Abschliffe bei normaler Nutzung möglich werden können. Dabei geht man im Allgemeinen davon aus, dass pro Abschliffzyklus etwa 0,5-0,7 mm Holz abgetragen werden, eine Größe, die allerdings von Zustand des Bodens hinsichtlich möglicher Verformungen, Überzähne, Eindrücke oder auch vorhandener Verfärbungen etc. abhängig ist.

Zu beachten ist, dass man durch die Schleifmaßnahmen lange bevor die Deckschicht durchgeschliffen ist, deren konstruktive Eigenschaften negativ verändert. Daher führt der Begriff Nutzschicht bisweilen in die Irre. Die Deckholzart ist ebenfalls nicht ganz zu vernachlässigen beim potenziellen Abtrag durch das Schleifen.

Es gibt Tabellen, in den ungefähre Nutzungserwartungen für Mehrschichtparkett bestimmter Hartholzdicke niedergeschrieben sind. Doch man muss schon genau hinschauen. Mehrschichtiges Parkett ist abgesperrt. Die Absperrung funktioniert allerdings nur dann, wenn konstruktive Anforderungen berücksichtigt werden. So muss die obere Nutwange so ausgebildet sein, dass der Träger diesen sensiblen Bereich wirkungsvoll unterstützt. Mangelt es dort an funktionierendem Gegenzug, erhöht sich die Verformungsneigung. Risse im hinteren Nutgrund schwächen die Funktion des Gegenzuges mit Folgen für die Lebensdauer. Auch der Träger selbst hat Einfluss. Die Wahl des Einsatzes von Stäbchenmittellagen, HDF-Träger oder Sperrholz hat über Verformungsabhängigkeiten Konsequenzen für das Langzeitverhalten.

5. Die Art der Verlegung

Unabhängig von der handwerklichen Qualität der Arbeit darf bei der Nennung der Einflussparameter der Lebensdauer von Mehrschichtparkett nicht die Art der Verlegung vergessen werden. Verklebtes Mehrschichtparkett verhält sich speziell im Bereich von Anschlüssen günstiger als schwimmende, nachgiebige Verlegungen und bietet auch einen größeren Widerstand gegenüber Belastungen durch einen Abschliff bzw. bestimmten Oberflächenbehandlungen. Darüber ist auch die gesamte Fußbodenkonstruktion mit ihrem Aufbau von der Dämmung über den Estrich und dem Aufbelag zu berücksichtigen. Werden Mehrschichtdielen auf Lagerkonstruktionen verlegt, ist die Art der Befestigung, die Wahl der Lagerabstände, der Elementdicken genauso wichtig wie die Frage, ob zusätzliche Böden eingezogen werden. Die Qualität von Dämmunterlagen ist im Hinblick auf die Lebensdauer durchaus systemrelevant.

Der Gutachter schickte, wie gewünscht, seine allgemeinen Ausführungen zu möglichen Einflüssen auf die Lebensdauer von Mehrschichtparkett ans Gericht, in der Ahnung, dass es wohl im Nachhinein noch einige Fragen geben würde. Dem war aber nicht so.

Walter Pitt

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