Das Tafelparkett im Präsidentenzimmer der um das Jahr 1870 erbauten Unternehmervilla befand sich in einem bedauernswerten Zustand. Ausbrüche, Fehlstellen und miserable Auskittungen forderten bei der Restaurierung Sachverstand und Kunstfertigkeit.
Die zweigeschossige, spätklassizistische Villa wurde in den frühen 70er Jahren des 19. Jahrhunderts für Joseph Raab, dem damals größten Bergwerksunternehmer Wetzlars, errichtet. Das Gebäude besteht aus einem vierachsigen Hauptbau, dessen Fassaden durch flache Gesimsbänder und einen genuteten Putz gegliedert sind. Das flache Walmdach erhebt sich hier über einer flachen durchfensterten Attika.
An diesen Hauptbau schließt ein zurückgesetzter Gelenkbau mit einer bis 1927 offenen, von einem historisierenden Holzrahmen flankierten Loggia im Obergeschoß an. An den Gelenkbau anschließend befindet sich ein risalitartig vorspringender Seitenflügel mit hoher Attika unter einem flachen Dreiecksgiebel. Die Hauptfassade dominiert im Erdgeschoss eine dreigliedrige Fensterzone mit Pfeilerflankierung und dorischem Gebälk. Über der Gebälkzone erhebt sich eine Triumphbogenarchitektur mit Balustraden in den Fensterbrüstungen.
Historisches Tafelparkett im Präsidentenzimmer der Unternehmervilla
Der von uns vorgefundene Tafelparkettboden im Präsidentenzimmer befand sich bei der Besichtigung in einem sehr schlechten Zustand. Die Oberfläche wies starke Vergrauungen mit teilweise noch zu erahnenden restlichen Oberflächenfragmenten auf.
Die einzelnen Tafeln hatten Beschädigungen im Nut-Feder-Bereich, in dem es auch zu Ausbrüchen und Fehlstellen gekommen war. Im geaderten Friesbereich mit viereckigen Einlagen fehlten ebenfalls Teile beziehungsweise wurden die fehlenden Adern durch miserable Auskittungen ersetzt. Vor dem Kamin wurde aus furnierter Spanplatte der historisch geflieste Bereich zugedeckt.
Restaurierung des historischen Tafelparketts
Ein mit der Denkmalpflege zusammen erstelltes Konzept zur Restaurierung des historischen Tafelparketts sah vor, den Bereich vor dem Kamin mit Altholz-Stabparkett aus Eiche zu ersetzen. Hierbei legten die Restauratoren ein großes Interesse auf die historischen Fliesen. Dies führte zu der Lösung, in den Stabparkett eine Glasplatte einzulassen, um die darunterliegenden Fliesen sichtbar zu machen. Die Glasplatte wurde mit 8 mm Stärke als Viereck diagonal zu Parkett eingebaut.
Weiterhin haben wir alle fehlenden Holzteile mit Fischleim durch passendes Altholz bzw. Exotenholz ersetzt. Die Holzarten im Tafelparkett und Fries sind Eiche, Ahorn, Palisander, Nussbaum und Mahagoni.
Nach der Reinigung der Oberfläche von Verschmutzungen und Vergrauungen konnten wir nun mit dem Einsetzen und Verleimen der Fehlstellen beginnen. Zusätzlich haben wir zu große Fugen im Tafel- und Randbereich mit Altholz Eiche ausgespänt. Nach diesen Arbeiten egalisierten wir die überständigen neuen Altholzteile. Dann begannen wir mit der Oberflächenbehandlung.
Für die Oberflächenbehandlung hat sich die Denkmalpflege mit Abstimmung der Bauherren (IHK – Lahn-Dill) für ein imprägnierendes Öl entschieden. Dieses Öl wurde durch mehrmaliges Polieren auf die Oberfläche aufgebracht. Anschließend haben wir ein Wachs speziell für historische Böden verwendet, um einen besonderen Schutz der Oberfläche für die heutige Nutzung zu erreichen.
Der Autor
Marko Domschke ist Fachgruppenleiter der Parkettrestauratoren im BVPF.
