Diskrepanz Calciumsulfatestrich „unter Wasser“: Entgegen DIN 18534-1 W2-I möglich!

Im Moment gibt es eine Diskussion bei Innenraumabdichtungen in häuslichen Bädern nach DIN 18534-1, wenn Calciumsulfatestriche eingebaut worden sind. Einerseits lassen die Festlegungen in der Norm einen großen Spielraum zu, andererseits wird im ZDB-Merkblatt „Abdichtungen im Verbund“ von 10/2022 die Meinung vertreten, dass Calciumsulfatestriche nicht eingebaut werden dürfen. Diese Diskrepanz führt rein juristisch zum Problem, dass ein Mangel ohne Schaden vorliegen könnte. Auf dieser Basis gibt es bereits mehrfache Regressforderungen.

Minospalast auf Kreta
Minospalast auf Kreta mit Gipsfußboden. - © Altmann

Der Titel „Calciumsulfatestrich unter Wasser“ ist natürlich provokativ gemeint, denn alle calciumsulfatgebundenen Baustoffe oder Bauteile, egal aus Anhydrit oder aus Branntgips, sind natürlich nicht wasserfest und dürfen wegen ihrer Wasserlöslichkeit keiner dauerhaften Wasserbelastung ausgesetzt werden. Das bedeutet aber nicht, dass ein Einsatz in Feuchtbereichen nicht möglich ist. In diesen Fällen muss eben gesichert werden, dass der Schutz vor Feuchte durch eine entsprechend konzipierte und fachgerecht ausgeführte Abdichtung gewährleistet wird.

Begriffsbestimmung anhydros

Der Begriff „anhydros“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet einfach „wasserfrei“. In der Chemie werden wasserfreie Substanzen Anhydrid, mit „Dora“, benannt. Ein Vertreter ist z. B. der Phthalsäureanhydrid. Wird Anhydrit aber mit „Theodor“ geschrieben, handelt es sich immer um die wasserfreie Modifikation des Calciumsulfates (Tabelle 1).

Variationen der Branntgipse:

  • Alpha – Halbhydrat = hochfeste Spezialgipse
  • Beta – Halbhydrat = Baugipse

Beide Variationen des Branntgipses unterscheiden sich infolge der unterschiedlichen Brennprozesse in der Kristallstruktur, auch in der ihrer Reaktionsprodukte mit Wasser.

Historisches zu Calcium­sulfat-Bindemitteln

In der Natur können sowohl Anhydrit, als auch Gips (Dihydrat) vorkommen. Branntgips muss, wie es schon der Name sagt, durch eine thermische Behandlung erzeugt werden. Da die Lagerstätten aus Sedimenten von Urmeeren entstanden sind, liegen die Calciumsulfatlagerstätten teilweise ­direkt an der Oberfläche und sind gut erreichbar. Abbau und Bearbeitung des Gesteins (Härte nach Mohs um etwa 3 bis 3,5) sind relativ einfach zu bewerkstelligen, sodass Calciumsulfate schon sehr zeitig als Baumaterialien, sowohl als Gestein als auch als Bindemittel, eingesetzt worden sind. Beispiele sind: