Bürokratie, fehlende Aufträge und Fachkräfte Parkettforum Baden-Württemberg: Bewerber da, Ausbilder fehlen

Sinkende Auslastung, fehlende Ausbildungsbetriebe, überbordende Bürokratie und neue Pflichten vom Gesetzgeber. Die Landesinnung Parkett Baden-Württemberg hat auf ihrer Mitgliederversammlung wichtige Themen angesprochen, die aktuell jeden Verlegebetrieb betreffen.

Am ersten Tag gab es eine Mitgliederversammlung am und dann Workshops am zweiten Tag.  - © Landesinnung Parkett- und Fußbodentechnik Baden-Württemberg

Ein Parkettleger, der keine Zeit mehr für seine Arbeit hat, weil die Bürokratie ihn auffrisst. Ein Kollege, der unruhig schläft, weil sein Auftragsbuch nur noch zwei, drei Wochen weit reicht. Einem anderem wiederum bereiten die fehlenden Fachkräfte Kopfzerbrechen, um aktuelle Aufgaben zu erledigen.

Obermeister Timo Dätsch nutzte die Mitgliederversammlung der Landesinnung Parkett- und Fußbodentechnik Baden-Württemberg am 22. und 23. Oktober 2026 in Bad Rappenau für offene Einblicke in die Branche. Seinen Lagebericht verknüpfte er mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Betriebe.

Minus 1,5 Prozent – Jahr für Jahr

Die Zahlen, die Dätsch von einer Veranstaltung von Handwerk BW mitbrachte, klangen zunächst harmlos: ein kleines Plus für das Handwerk 2025. Inflationsbereinigt aber verliert die Branche seit fünf Jahren jährlich rund 1,5 Prozent. Bauchemie, Holz, Zubehör – alles wurde teurer, und nicht alles ließ sich an die Kunden weitergeben. Wo früher sechs bis acht Wochen Vorlauf standen, klafften in vielen Betrieben nun Lücken nach zwei, drei Wochen. Nicht nur bei Bodenlegern, auch in anderen Branchen, etwa bei den Malern.

Dätschs Rat war unbequem, aber klar: Kurzarbeit prüfen, statt Leute zu entlassen, die man in einem halben Jahr wieder braucht. Und vor allem: die Preise halten. "Jammern ist immer die schlechteste Lösung", sagte er. Wer seinen kalkulierten Preis unterbietet, könne gleich zu Hause bleiben – denn der Kollege gehe dann noch weiter runter, und am Ende arbeite niemand mehr kostendeckend.

4.000 Bewerbungen – und kaum einer greift zu

Auch der Nachwuchs stand im Fokus: "Die Azubis sind da. Was wir nicht haben, sind die Ausbildungsbetriebe." Dätsch, der im Bundesverband die Nachwuchsinitiative "Das ist Bodenhandwerk" begleitet, zeigte die Zahlen: Über 4.000 Direktbewerbungen gingen 2025 über den Stellenfinder der Initiative und die angebundenen Plattformen ein. Auf der Deutschlandkarte der gemeldeten Stellen dagegen herrschte gähnende Leere – zwischen Hannover und Berlin, zwischen Kassel und Hamburg seit Jahren.

Dabei kostet die Meldung einer Stelle den Betrieb nichts. Die Initiative trägt die rund 1.000 Euro, die eine eigene Schaltung auf allen Plattformen kosten würde. Eine Viertelstunde Eingabe, Bewerbungen per E-Mail, jederzeit pausierbar. Einzige Bedingung, die Dätsch den Kollegen mitgab: schnell reagieren. Wer einen guten Bewerber vier Wochen warten lässt, hat ihn verloren.

Dass sich Ausbildung lohnt, zeigte ein Innungsbetrieb bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin: Sein Azubi gewann den Gestaltungspreis "Die gute Form" für das schönste Gesellenstück 2025. Bundesweit befanden sich 552 Parkettleger und 393 Bodenleger in Ausbildung – bei den Parkettlegern mit sinkender Tendenz seit Corona.

Asbest: Erst die Probe, dann die Fräse

Aus dem Bundesverband brachte Dätsch drei Themen mit, die jeden Betrieb treffen. Das erste: Asbest. Jedes Gebäude von vor 1993 gilt grundsätzlich als verdächtig. Wer alten Fliesenkleber abfräst oder eine Wand anbohrt, muss vorher beproben lassen – auch wenn sich der Kleber am Ende als harmlos erweist. Arbeiten sind anzumelden, Mitarbeiter namentlich zu benennen.

Eine Lockerung gab es beim Überdeckungsverbot: Flexplatten und ähnliche Beläge dürfen inzwischen überdeckt werden, allerdings nur mit einem schwimmenden System, das sich rückstandsfrei entfernen lässt. Die BG Bau hat ihren Leitfaden dazu aktualisiert. Dätsch selbst zog eine persönliche Konsequenz: Seine Mitarbeiter führen keine Asbestarbeiten aus. Nicht, weil sie es nicht könnten – sondern weil das Haftungsrisiko zu groß sei.

Ein Wort kann teuer werden

Das zweite Thema klang nach Juristerei, hat aber Sprengkraft: Seit dem 27.09.2026 gilt das EU-Verbot pauschaler Umweltaussagen in der Werbung. "Klimafreundlich", "umweltfreundlich", "nachhaltig" – ohne Nachweis sind solche Begriffe nicht mehr zulässig, egal ob auf dem Firmenwagen, dem Briefkopf oder der Website. Selbst erfundene Siegel ebenso wenig.

Was das bedeutet, wusste Dätsch aus eigener Erfahrung: Für ein Foto auf seiner Website, für das er die Rechte nicht besaß, wurde er zur Kasse gebeten. Abmahnkanzleien, so seine Warnung, warteten nur auf Formulierungen wie "biologischer Wasserlack". Sein Appell: Flyer, Website und Social-Media-Profile jetzt durchsehen.

© Landesinnung Parkett- und Fußbodentechnik Baden-Württemberg

Zwei Merkblätter gegen den Streit auf der Baustelle

Das dritte Thema betraf die Schnittstelle zum Estrichleger. Ein neues Merkblatt stellt klar: Für den Fugenplan ist der Planer verantwortlich, der Parkettleger prüft aber, ob der Randdämmstreifen überall sauber angearbeitet ist – und meldet sonst schriftlich Bedenken an. Runde Raumecken, in die man "fast eine Bierflasche stellen kann", sind nicht zulässig und vom Estrichleger kostenlos nachzuarbeiten. Und: Der Randdämmstreifen darf bereits nach dem Spachteln abgeschnitten werden, nicht erst nach der Belagsverlegung. Dätsch hatte sich darüber mit einem österreichischen Sachverständigen in den sozialen Medien gestritten – und konnte nun auf das Merkblatt verweisen.

Ein zweites Merkblatt regelt das nachträgliche Einfräsen von Fußbodenheizungen: Es ist eine Sonderkonstruktion und muss gesondert vereinbart werden. Fräskanäle maximal 20 mm tief, das Rohr mindestens 2 mm unter Oberkante Estrich, luftfrei verfüllt, darüber mindestens 5, besser 8 mm Spachtelmasse. Und das Funktionsheizen vor der Verlegung – danach streuen die Ergebnisse stark.

Eine Aluminiumader in der Meisterplatte

Die Prüfungszahlen fielen ordentlich aus: 27 von 31 Parkettlegern und 9 von 12 Bodenlegern bestanden die Gesellenprüfung, zwei Parkettleger qualifizierten sich für den Bundeswettbewerb – einer davon war nach eineinhalb Tagen mit seinem Gesellenstück fertig. Die Innung hat inzwischen den fünften Meisterkurs abgeschlossen und damit mehr als 100 Meister hervorgebracht.

Dass der Nachwuchs zu Lösungen fähig ist, zeigte eine Anekdote aus der Meisterprüfung: Ein Teilnehmer hatte eine Aluminiumader in seine Platte eingearbeitet – und bekam beim Schleifen Kratzer und Aluminiumstaub auf der Eiche. Statt in Panik zu verfallen, arbeitete er das Problem ruhig ab. Genau diese Haltung, so der Prüfungsausschuss, zeichne den Kurs 2026 aus. Neu war die Situationsaufgabe: Die Prüflinge mussten Material selbst berechnen und ihren Ablauf eigenständig planen.

Ein Zirkel aus einer Wasserwaage

Zum Schluss der stimmungsvollste Teil: "Parkettleger on Tour" hatte 25 Kollegen in ein historisches Gebäude im Weinbaugebiet an der Unstrut geführt. Dort verlegten sie rund 57 Quadratmeter Tafelparkett mit einem 4,50 Meter großen Mittelfeld – angerissen mit einem selbst gebauten Zirkel aus einer Wasserwaage, in einer Halle vorgefertigt, in Segmenten mit Spanngurten transportiert. Nebenbei schliffen sie 52 Quadratmeter in einer Jugendherberge. Rund 1.000 Arbeitsstunden steckten in dem Projekt. Für 2027 wird noch ein Objekt gesucht.

Die Formalien waren schnell erledigt: einstimmige Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung und ein einstimmig angenommener Haushaltsplan für 2027/28.

Termine zum Vormerken

  • 21./22. Januar 2027: Workshop der Bundesfachgruppe Restauratoren, 120 Euro
  • 2027: Start des neuen Kurses Master Professional Restaurierung in Fulda (bis zu 75 Prozent BAföG-Förderung, wenige Plätze frei)
  • September 2027: EuroSkills in Düsseldorf – Niklas Koch vertritt das Parkettlegerhandwerk
  • 14./15. Oktober 2027: Fachgruppentagung des Bundesverbands