Die Carl Prinz Geschäftsführung hat sich zum 1. Juli zur Doppelspitze erweitert: Michael Berns führt den Profil- und Leistenhersteller aus Goch nun gemeinsam mit Katharina Prinz. Im Interview erklären beide, wie Prinz seine 98-Prozent-Lieferquote hält, warum Digitalisierung dort kein Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess ist und welche Stanz- und Biegelösungen Prinz Bodenlegern für organische Architekturformen anbietet.
Die Carl Prinz Geschäftsführung ist seit dem 1. Juli eine Doppelspitze: Michael Berns, bislang Leiter der Materialwirtschaft, führt das Unternehmen gemeinsam mit Katharina Prinz. Das Familienunternehmen aus Goch am Niederrhein zählt zu den führenden Herstellern hochwertiger Profile und Sockelleisten für Boden- und Wandlösungen. Katharina Prinz führt es in vierter Generation.
Die vergangenen Jahre standen im Zeichen von Modernisierung, Prozessoptimierung und dem Anspruch, trotz globaler Krisen verlässlich zu liefern. Die Geschäftsführung beschäftigt heute die Frage der Nachfolge auf vielen Schlüsselpositionen. Angesichts des Fachkräftemangels ist dieses Thema alles andere als leicht zu lösen.
bwd: Frau Prinz, gemeinsam mit Ihrer Schwester Bettina, die das Personalwesen verantwortet, und deren Ehemann Thomas Prinz, zuständig für die Finanzen, ist das Unternehmen familiär bestens aufgestellt. Bisher waren Sie alleinige Geschäftsführerin. Was hat Sie dazu bewogen, die Geschäftsführung zu erweitern?
Katharina Prinz: Wir sind innerhalb der Familie ungefähr alle im gleichen Alter. Deshalb stellte sich die Frage der nächsten Generation. Externe Kandidaten kamen für die Erweiterung der Geschäftsführung erst einmal nicht infrage. Mir war es wichtig, für die Co-Geschäftsführung jemanden zu finden, der unsere Werte versteht, das Unternehmen von innen kennt und aktiv mitgestaltet hat.
Michael Berns und ich arbeiten bereits seit vielen Jahren gut und vertrauensvoll zusammen, Werte und Mentalität passen einfach. Und zwischen uns liegen zwanzig Jahre, das ist wie die nächste Generation. Da war es naheliegend, zu fragen, ob er Interesse hat. Mich hat überzeugt, dass er, wie viele bei uns im Unternehmen, Probleme angeht und versucht, sie zu lösen, auch wenn sie nicht zu seinen eigentlichen Aufgaben zählen.
„Mir war es wichtig, für die Co-Geschäftsführung jemanden zu finden, der unsere Werte versteht.“
Katharina Prinz, Geschäftsführerin Carl Prinz GmbH & Co. KG
bwd: Gibt es zwischen Ihnen beiden eine klare Aufgabenteilung? Wer übernimmt welche Verantwortlichkeiten?
Katharina Prinz: Viele Aufgaben greifen ineinander und wir stimmen uns ab. Themen wie Jahresabschlüsse und strategische Entscheidungen bearbeiten wir gemeinsam. Dennoch bin ich aktuell in erster Linie wie bisher für alles rund um den Vertrieb zuständig und Michael Berns für interne Bereiche wie Logistik, Materialwirtschaft und IT.

98-Prozent-Lieferquote und Digitalisierung: Die Schwerpunkte von Michael Berns
bwd: Herr Berns, Sie kennen das Unternehmen seit vielen Jahren. Welche neuen Impulse möchten Sie als Co-Geschäftsführer setzen?
Michael Berns: Als Co-Geschäftsführer möchte ich vor allem dort Impulse setzen, wo wir aktuell die größten Hebel für Stabilität und Zukunftsfähigkeit sehen. Ein zentraler Punkt bleibt für mich dabei die Sicherstellung unserer Lieferketten, denn die politischen Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell externe Faktoren unsere Arbeit beeinflussen können. Trotz Corona, Ukrainekrieg und anderen geopolitischen Krisen halten wir seit Jahren eine 98-Prozent-Lieferquote. Das gelingt durch stabile Lieferantenbeziehungen, frühzeitige Planung und ein gutes Team im Unternehmen.
Zudem werden uns die Themen Digitalisierung und Automatisierung unserer Prozesse weiter beschäftigen. Hier haben wir in den vergangenen Jahren bereits einiges umgesetzt, angefangen bei einem ERP-System über das papierlose Warehouse-Management bis hin zu Tracking-Prozessen und Frachtkostenoptimierung im Versand.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das neue Dokumentenmanagementsystem, das wir Bereich für Bereich einführen. Das wird uns helfen, Abläufe zu vereinheitlichen, Wareneingänge automatisiert zu verbuchen und Termine besser zu steuern.
Ganz wichtig in der heutigen Zeit ist es aber auch zu wissen, dass die Mitarbeiter hinter einem stehen und sich dem Unternehmen verbunden fühlen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Denn Ergebnis und Erfolg hängen immer vom Miteinander und nicht von einer einzelnen Person ab. Da es sehr schwierig geworden ist, das passende Personal zu finden, gehört das sicher mit zu den drängendsten Herausforderungen.
Digitalisierung bei Prinz: umgesetzte und laufende Bausteine
- ERP-System – eingeführt
- Papierloses Warehouse-Management – eingeführt
- Tracking-Prozesse im Versand – eingeführt
- Frachtkostenoptimierung im Versand – eingeführt
- Dokumentenmanagementsystem – Einführung läuft Bereich für Bereich; Ziele: Abläufe vereinheitlichen, Wareneingänge automatisiert verbuchen, Termine besser steuern
bwd: Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen neigen dazu, den Digitalisierungsbedarf von sich zu schieben und haben Berührungsängste. Was motiviert Sie, dieses Thema so engagiert und zielgerichtet anzugehen und umzusetzen?
Michael Berns: Die Digitalisierung ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor. Wir sind davon überzeugt, dass derjenige am Markt erfolgreich ist, der seine Geschäftsprozesse gut im Griff hat. Genau daran arbeiten wir seit Jahren sehr konsequent. Digitalisierung ist für uns also kein Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess und einer der wichtigsten Bausteine für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.
Nachfolge in nahezu allen Abteilungen: Der geplante Generationswechsel
bwd: In der Geschäftsführung ist der Generationswechsel eingeleitet. Wie sieht es in anderen Bereichen Ihres Unternehmens aus?
Katharina Prinz: Wir haben eine sehr hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von rund 15 Jahren und viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind heute um die sechzig. Das bedeutet: In nahezu allen Abteilungen stehen in den kommenden fünf Jahren Nachfolgeregelungen an – vom Vertriebsinnendienst über die Arbeitsvorbereitung bis hin zu Produktion und Logistik.
Gerade gewerbliche Stellen sind schwer zu besetzen, und auch bei Auszubildenden wird es immer schwieriger. Maschinen- und Anlagenführer etwa findet man kaum noch. Deshalb investieren wir bewusst in Ausbildung, Onboarding und frühzeitige Personalplanung. Manche Positionen werden wir sogar eine Zeit lang doppelt besetzen müssen, damit Fachwissen nicht verloren geht und Übergänge vernünftig umgesetzt werden können.
Personalplanung bei Prinz: die Maßnahmen
- Nachfolgeregelungen innerhalb von fünf Jahren in nahezu allen Abteilungen: Vertriebsinnendienst, Arbeitsvorbereitung, Produktion, Logistik
- Gezielte Investitionen in Ausbildung, Onboarding und frühzeitige Personalplanung
- Zeitweise Doppelbesetzung einzelner Positionen, damit Fachwissen im Unternehmen bleibt
- Besonders schwierig zu besetzen: gewerbliche Stellen, Auszubildende, Maschinen- und Anlagenführer
Renovierungsbedarf und KI: Chancen für das bodenlegende Handwerk
bwd: Die Baubranche insgesamt steht unter Druck, nicht zuletzt durch den angesprochenen Fachkräftemangel, der sich auch auf das bodenlegende Handwerk und damit auf Ihre Zielgruppe auswirkt. Welche Chancen sehen Sie trotz der derzeit schwierigen Marktlage?

Katharina Prinz: Aus meiner Sicht bleibt der Bedarf im Markt weiterhin hoch. Es muss gebaut werden, und solange dieser Bedarf da ist, hat unsere Branche gute Aussichten, insbesondere im Bereich der Renovierung. Ein Großteil der Immobilien muss energetisch und baulich modernisiert werden. Hier bietet sich ein großes Potenzial.
Auch im Hinblick darauf, dass sich hoffentlich wieder mehr junge Menschen für einen Beruf im Handwerk entscheiden, weil viele kaufmännische Tätigkeiten durch KI überflüssig werden. KI kann aber kein Parkett verlegen. Insofern hat eine berufliche Zukunft im Handwerk vielleicht auch wieder bessere Aussichten.
bwd: Sie bieten bereits eine vielfältige Produktbandbreite. Welche Lösungen benötigen Ihre Kunden, um auf aktuelle Verlegeanforderungen reagieren zu können?
Katharina Prinz: Was wir im Moment sehr stark sehen, ist das Thema architektonische Gestaltung. Viele Architekten planen heute organische Formen, ohne darüber nachzudenken, wie das später handwerklich umgesetzt werden soll. Das führt auf der Baustelle zu Herausforderungen, auf die sich der Bodenleger einstellen muss.
Wir haben uns deshalb im vergangenen Jahr intensiv mit dem Thema Stanzen und Biegen beschäftigt und können inzwischen sehr individuelle, auf das jeweilige Projekt zugeschnittene Lösungen anbieten. Dazu gehören auch Sonderbeschichtungen, die unser Vertrieb direkt kalkulieren kann.
bwd: Wenn Sie sich für die Zukunft des bodenlegenden Handwerks eine Entwicklung wünschen könnten, welche wäre das?
Katharina Prinz: Da muss ich nicht lange überlegen. Ganz klar: Wir brauchen dringend mehr Nachwuchs in der Ausbildung.
