Werksbesuch Chêne de l'est Parkett: Vom Rohholz zum verlegefertigen Boden

Chêne de l'est Parkett steht für französische Eiche, massiv oder als Dreischichtparkett, aus lokalem Rohstoff und mit kurzen Lieferketten. Die Manufaktur aus Lothringen fertigt rund die Hälfte ihrer Böden nach Kundenwunsch – von geräucherter Eiche im französischen Fischgrät bis zum Tafelparkett im Versailles-Muster. Für Parkettleger und Fachhandel im DACH-Raum zeigt der Werksbesuch, was der Hersteller kann und welche Muster gerade gefragt sind.

Bei der Produktion in Hambach in Lothringen wird nach wie vor viel auf Handarbeit gesetzt. - © Radziwll

Im Januar hat sich Chêne de l'est den Besuchern der Messe erstmals präsentiert, und das kam gut an. So gut, dass die Parkettmanufaktur aus Lothringen auch im kommenden Jahr in Frankfurt Präsenz zeigen wird – und nicht wie in früheren Jahren in München auf der Bau.

Das Familienunternehmen steht für Handwerk und für die Liebe zum Holz, für französische Eiche, massiv oder als Mehrschichtparkett, für Produkte aus lokalem Rohstoff und kurze Lieferketten. Wer die Manufaktur unweit der deutschen Grenze besucht, sieht schnell: Die Produkte, die hier entstehen, sind keine Massenware. Rund die Hälfte der Produkte wird nach individuellen Wünschen der Kunden gefertigt.

Vom Baum bis zum verlegefertigen Endprodukt entsteht alles in drei eigenen Fertigungsstätten. Chêne de l'est steht für Massivparkett und -dielen sowie für Dreischichtparkett, roh und endbehandelt.

350.000 m² Parkett aus drei Fertigungsstätten

Rund 350.000 Quadratmeter Parkett produziert der Hersteller im Jahr – 250.000 m² Massivparkett und 100.000 m² Mehrschichtparkett. Sechzig Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das rund 130 Köpfe große Unternehmen aus Lothringen auf dem französischen Markt, vierzig Prozent macht der Export mit den Schwerpunkten Deutschland, Schweiz und USA aus. Das Holz kommt aus PEFC-zertifizierten Wäldern aus dem Elsass, Lothringen, Luxemburg und zum Teil auch aus der Pfalz.

Jenseits des Standards: Antikoptik und Sägeschnitte quer zur Diele

Fällt der Name Chêne de l'est in Deutschland, geht es oft um Designs abseits des Standards oder um antik wirkende Oberflächen. Den speziellen Fertigungsprozess, der die Böden wie natürlich gealtert wirken lässt, hat das Unternehmen im Haus entwickelt. Ebenfalls eine Eigenentwicklung ist die Technik, die senkrecht zur Diele verlaufende Sägeschnitte ermöglicht.

Produktion und Oberflächenbearbeitung sind stark von Handarbeit geprägt. Mehr als 250 Veredelungen ermöglichen individuelle Farbtöne ganz nach Kundenwunsch.

KennzahlAngabe
Jahresproduktionrund 350.000 m² Parkett
davon Massivparkett250.000 m²
davon Mehrschichtparkett100.000 m²
Mitarbeiterrund 130
Umsatzanteil Frankreich60 Prozent
Umsatzanteil Export40 Prozent (Schwerpunkte Deutschland, Schweiz, USA)
HolzherkunftPEFC-zertifizierte Wälder: Elsass, Lothringen, Luxemburg, zum Teil Pfalz
Fertigungsstättendrei eigene
Individuelle Fertigungrund die Hälfte der Produkte
Veredelungenmehr als 250
Gründung1960 durch den Schreiner Joseph Bach

Die Eiche des Ostens: Rohstoffe und Nasslagerung in Hambach

Der Name Chêne de l'est bedeutet "Eiche des Ostens", denn aus dem Osten Frankreichs kommt der wichtigste und bei Weitem dominierende Rohstoff des Unternehmens: die französische Eiche. Daneben verwendet der Hersteller in deutlich geringerer Quantität, meist als Akzent, weitere Holzarten:

  • kanadischer Ahorn
  • amerikanischer Kirschbaum
  • Merbau
  • Wenge
  • amerikanischer Nussbaum
  • Esche
  • finnische Birke
  • Burma Teak
Geschäftsführer Jean-Michel Bach stammt aus der zweiten Generation; mittlerweile arbeitet bereits die dritte im Unternehmen.
Geschäftsführer Jean-Michel Bach stammt aus der zweiten Generation; mittlerweile arbeitet bereits die dritte im Unternehmen. - © Radziwll

In Hambach, 24 Kilometer von Saarbrücken entfernt, befindet sich die Hauptproduktionsstätte. Dort wird das Holz vom Stamm über Blockware bis hin zum fertigen Parkett verarbeitet. Allein zwei Produktionsanlagen fertigen ausschließlich Massivholzparkett.

Auf dem Werkgelände liegt alles nah beieinander; Sägewerk und Massivdielenproduktion sind nur wenige Meter voneinander entfernt. In der Luft liegt der Geruch von gesägtem Holz, Maschinengeräusche wehen herüber, Rundholz in Nasslagerung soweit das Auge reicht. „Alle unsere Rundhölzer sind ständig eingelagert und werden permanent bewässert, um Insektenbefall zu vermeiden“, erklärt Jean-Michel Bach, ein Sohn des Gründers und einer der Geschäftsführer von Chêne de l'est.

Trocknung und Produktionsstraße: So wird aus dem Stamm Parkett

Die Eiche ist der Rohstoff für fast alles, was das Unternehmen produziert. Sofort nach dem Sägen wird das Holz sehr langsam schrittweise auf bis zu 28 Prozent Restfeuchte vorgetrocknet. Die Vortrockenkammer ist tausend Kubikmeter groß; die Trockner-Kapazität im Werk beläuft sich auf 800 Kubikmeter.

Mindestens zwei Monate bleibt das Holz in der Vortrockenkammer. Bis daraus Parkett wird, durchläuft es eine komplexe Produktionsstraße von 110 Metern Länge.

Oberflächen

  • glänzend oder matt lackiert
  • geschliffen
  • geölt
  • gebleicht
  • geräuchert
  • gebürstet
  • sandgestrahlt
  • sägefein

Muster und Varianten

  • Flechtmuster
  • Leiterboden
  • französisches Fischgrät
  • Tafelparkett im Versailles- oder Gehrfriesmuster
  • Eiche Altholz
  • Parkett für hochfrequentierte Bereiche wie Hotels
  • Massivparkett Barrique

Die Liste ließe sich fortsetzen. Am Standort wird außerdem Chêne-Antik in alter Tradition hergestellt und von Hand geölt oder hartwachsveredelt.

Firmengeschichte: Vom Dachstuhlholz über Küchenfronten zum Parkett

Gegründet wurde der Familienbetrieb 1960 von dem Schreiner Joseph Bach in einem von dessen Großvater erbauten kleinen Gebäude. Dort sägte er zunächst Holz für Dachstühle. Heute ist bereits die dritte Generation im Unternehmen tätig.

In den achtziger Jahren war Chêne de l'est in erster Linie ein Zulieferer von Füllungen für die Küchenindustrie. Einsätze für die Fronten von Küchenschränken waren ein Geschäft, solange Massivholz noch nicht von HDF verdrängt worden war. "Die rustikale, massive Küche war irgendwann nicht mehr in", erinnert sich Jean-Michel Bach.

Seit den neunziger Jahren dreht sich die Produktion in dem Familienunternehmen zunehmend um Parkett, aber nicht ausschließlich. Im Programm sind außerdem Tischplatten sowie Verkleidungen von Treppenstufen – Kanten, Stufen, Gegenstufen nach Maß, auf Gehrung gefertigt.

Standorte: Oberflächenbehandlung bei Metz, Mehrschichtparkett bei Atlanta

Eine weitere Produktionsstätte mit dem Schwerpunkt Oberflächenbehandlung befindet sich in Servigny-lès-Sainte-Barbe in Lothringen, neun Kilometer nordöstlich von Metz. Dort wird in einer modernen 130 Meter langen Lackier- und Ölstraße Massivholzparkett oberflächenbehandelt. Hartwachsöl wird in Hambach appliziert.

Außerdem stellt Chêne de l'est in der Nähe von Atlanta unter dem Namen "Mill and Wood" Mehrschichtparkett aus Eiche und Kiefer für den US-Markt her. Von dort aus wird auch das Eiche-Altholz importiert, und dort werden die französischen Massiv- und Fertigparkettböden unter dem Namen Chêne de l'est in den USA vertrieben.

Hambach (Lothringen)24 km von SaarbrückenHauptproduktionsstätte: Sägewerk, Vortrocknung, Verarbeitung vom Stamm über Blockware bis zum fertigen Parkett; zwei Anlagen ausschließlich für Massivholzparkett; Hartwachsöl-Applikation; Chêne-Antik
Servigny-lès-Sainte-Barbe (Lothringen)9 km nordöstlich von MetzOberflächenbehandlung: 130 m lange Lackier- und Ölstraße für Massivholzparkett
Nähe Atlanta (USA), „Mill and Wood“–Mehrschichtparkett aus Eiche und Kiefer für den US-Markt; Import von Eiche-Altholz; US-Vertrieb der französischen Massiv- und Fertigparkettböden
Woustviller (Lothringen)4 km vom Werk HambachVertriebsbüro mit Showroom
Paris–160 m² Ausstellungsraum für Kunden, Architekten und Dekorateure

Vertrieb: Büro in Woustviller, Showroom in Paris, Team für DACH

Das Verkaufsbüro in Woustviller liegt mitten im Grünen und ist von einem See umgeben.
Das Verkaufsbüro in Woustviller liegt mitten im Grünen und ist von einem See umgeben. - © Radziwll

Vier Kilometer vom Werk in Hambach entfernt befindet sich das Vertriebsbüro mit angeschlossenem Showroom. Der Komplex in Woustviller, den Chêne de l'est vor drei Jahren bezogen hat, liegt mitten im Grünen und ist umgeben von einem rund einen Hektar großen Teich.

In Paris verfügt das Unternehmen außerdem über einen 160 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Dort empfängt der Hersteller Kunden, Architekten und Dekorateure nach Terminabsprache und im Rahmen von Events wie etwa Messen.

In Deutschland gibt es Chêne de l'est seit dreißig Jahren. Frank Hemmers, Vertriebsleiter DACH, ist seit sieben Jahren mit dabei und leitet ein aktuell vierköpfiges Team.

Wie sich die Nachfrage nach Chêne de l'est Parkett im deutschsprachigen Raum verändert hat, beschreibt Frank Hemmers so: "Früher wollten in Deutschland alle nur Dielen, dann kam vor ein paar Jahren Fischgrät. Und jetzt ist auch französisches Fischgrät im Kommen. Zum Beispiel in der Variante geräucherte Eiche. Von dem Kuchen bekommen wir einiges ab, denn es gibt nicht so viele, die das anbieten."

Auf dem deutschsprachigen Markt sei in den vergangenen Jahren schon vieles erreicht worden, erklärt Hemmers, "aber es gibt auch noch vieles zu tun". Wichtig sei es, das eigene Portfolio immer weiterzuentwickeln und immer im Austausch mit Kunden zu bleiben.

Frank Hemmers: "Nur so können wir Trends beim Design erkennen und auch setzen. Wir müssen immer einen Schritt voraus sein. Wir brauchen einen Vorsprung vor den Mengenherstellern, um uns von denen abheben zu können. Und nur so können wir die höherpreisige Produktion in Frankreich mit ihrer ganzen Manpower am Leben erhalten. Wenn wieder jemand kommt und uns nachmacht, müssen wir schon die nächste Innovation im Portfolio haben."