In einem Blumenladen hat sich nach der Anlieferung von Blumen die Farbe im heterogenen PVC-Bodenbelag verändert. Milchige Flächen im Holzdesign bilden die Auflageflächen von Blumentöpfen nach – und verschwinden nach einiger Zeit wieder.

Das Blumengeschäft erhält die bestellten Blumen und Pflanzen von einem Großhändler aus den Niederlanden. Dieser hat einen Schlüssel zum Geschäft und liefert am späten Abend sowie am Wochenende die bestellten Blumen und Pflanzen, die er direkt hinter dem Eingang auf den Boden stellt. Am nächsten Morgen werden die Blumen in die vorgesehenen Verkaufsständer und Regale platziert. Hierbei fällt auf, dass sich danach der Bodenbelag verändert hat. Das Holzdesign wirkt milchig und bildet 1 : 1 die Auflagefläche von Blumentöpfen und Schalen nach. Auch andere Stellen im Blumengeschäft zeigen solche Veränderungen am Bodenbelag.
Bestandsaufnahme des PVC-Bodenbelags
Der heterogene PVC-Bodenbelag wurde von einem Raumausstatter erst vor circa sechs Monaten vollflächig auf einen vorbereiteten Zementstrich verlegt. Der neue heterogene PVC-Bodenbelag wurde mit einer PU-Versiegelung versehen. Grund dafür waren die Erfahrungen mit dem zuvor verlegten PVC-Bodenbelag, der die Farbe von gefärbten Blütenblättern o. Ä. angenommen hatte. Diese Farbstoffe sind so intensiv, dass sie selbst bei Grundreinigungen nicht mehr zu entfernen waren. Der Raumausstatter hatte daher empfohlen, eine zusätzliche Versiegelung zum Schutz vor solch intensiven Farbstoffen aufzubringen.
Nach geraumer Zeit stellte der Ladeninhaber fest, dass sich unter den abgestellten Blumentöpfen der PVC-Bodenbelag auffällig verändert. Das Holzdesign zeigte milchige Flächen. Diese optische Veränderung wurde im Laufe der Monate immer intensiver. Bereits nach wenigen Stunden treten deutlich zu erkennende Veränderungen in der Optik des PVC-Belags auf. Ein Sachverständiger sollte klären, was ursächlich für diese milchigen Veränderungen ist.
Prüfungen des PVC-Bodenbelags
Die Prüfungen vor Ort haben ergeben, dass die Farbveränderungen unter PVC-Blumentöpfen und unter größeren PVC-Schalen entstehen. Nach einigen Stunden verliert sich jedoch die milchige Veränderung und der Bodenbelag sieht wieder so aus wie an den angrenzenden Flächen. Demzufolge ist die Veränderung reversibel. Auffällig war, dass an allen milchig veränderten Flächen stets oberflächliche Kratzer vorhanden waren.
Wie bekannt, sind PVC-Bodenbeläge mit einem PVC-Klarstrich als Nutzschicht gegen Wassereinwirkung resistent. Demzufolge muss ein Zusammenhang mit dem Blumen-Gießwasser vor Ort oder mit der aufgebrachten PU-Versiegelung bestehen.
Für weitere Versuche wurde Wasser von den Rosen, vom Fußboden als auch Leitungswasser entnommen. Ferner war noch ein eingelagertes Reststück von dem heterogenen PVC-Bodenbelag vor Ort. Davon nahm der Sachverständige eine Materialprobe mit. Der Raumausstatter teilte außerdem mit, welche PU-Versiegelung verwendet wurde. Somit standen alle relevanten Angaben zur Verfügung, die für eine Nachstellung zur Klärung der Schadensursache notwendig waren.
Laborversuche
Ein Teil der Bodenbelagsprobe wurde mit der PU-Versiegelung nach Angaben des Herstellers beschichtet. Die restliche Bodenbelagsprobe ist wie geliefert verblieben. Zusätzlich wurden noch Glasplatten mit der PU-Versiegelung beschichtet.
Um sicherzustellen, dass die beschichteten Materialproben vollständig getrocknet sind, wurden diese fünf Tage unter Laborbedingungen gelagert. Im Anschluss daran wurde das Wasser – wie vor Ort übernommen – auf die vorbereiteten Probekörper aufgebracht. Um eine frühzeitige Austrocknung zu vermeiden, wurde immer die exakte Menge Wasser auf runde Vliespads aufgebracht. Diese Pads verblieben dann jeweils 30 Minuten, eine Stunde, zwei Stunden, vier Stunden, sechs Stunden, zwölf Stunden und 24 Stunden auf den Proben.
Da zunächst selbst nach 24 Stunden keine milchigen Veränderungen wie im Blumengeschäft zu erkennen waren, mussten weitere Einflussfaktoren berücksichtigt werden.
Da minimale Kratzer im Blumengeschäft zu erkennen waren, musste die Versuchsreihe wiederholt werden. Im Labor wurde daraufhin die Oberfläche der Bodenbelagsproben mit einem 160er Schleifpapier einmalig unter leichtem Druck angeschliffen. Als der gesamte Versuch unter gleichen Bedingungen wiederholt war, konnten die milchigen Veränderungen bereits nach sechs Stunden Einwirkzeit nachgestellt werden.
Ebenso trat auf der Glasplatte eine Veränderung ein: An einigen Stellen löste sich bereits nach zwei Stunden die PU-Versiegelung in Form von Blasen minimal von der Glasplatte ab. Auffällig war, dass nach einigen Stunden auch bei diesem Versuch die PU-Versiegelung wieder vollständig transparent war und keine negativen Veränderungen erkennbar waren.
Fazit
Der gut gemeinte Vorschlag des Raumausstatters, den PVC-Bodenbelag zusätzlich mit einer PU-Versiegelung zu schützen, führte leider nicht zu dem erwarteten Erfolg. Bodenhandwerker sollten daher stets die Herstellerangaben berücksichtigen und im Zweifelsfall in der Anwendungstechnik der Hersteller nachfragen sowie sich die geplante Vorgehensweise von dort bestätigen lassen.