Blick in den Markt Designbodenbeläge: Comeback in kleinen Schritten

Im Markt der Designbodenbeläge haben die Pfeile über viele Jahre nur nach oben gezeigt. Wie sieht das in Zeiten schwacher Bautätigkeit aus? Ist die Party vorbei? Oder geht sie 2025 erst richtig los? Was ist am Markt derzeit gefragt, auf welche Features setzt die Industrie?

Allura von Forbo
Allura von Forbo: „Die Designbelagskollektion Allura bildet unser umfangreichstes Vinyl-Portfolio und deckt zahlreiche Formate und alle Verlegearten ab“, erklärt Forbo-Marketingleiter Mirko Bachmann. - © Forbo Flooring

Das Volumen mag derzeit bei den erfolgsverwöhnten Designbodenbelägen nicht oder nicht stark rückläufig sein, doch es verteilt sich auf eine stark gewachsene Zahl von Anbietern. Welche Erfolgschancen haben die Produkte in solch einem Umfeld? Und wie kann es gelingen, sich als renommiertes Unternehmen von Billiganbietern abzuheben?

Für Volkmar Halbe, den Vorsitzenden des Fachverbandes der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB), haben Designbodenbeläge ihren Zenit noch nicht erreicht. „Natürlich haben alle Anbieter unter dem deutlichen Rückgang der Nachfrage gelitten. Stark zurückgegangene Aktivitäten im Neubau, verhaltenes Renovieren und die vor dem Hintergrund starker Preissteigerungen gebremste Lust am Verschönern haben Spuren hinterlassen. Festgestellt werden muss auch, dass das breite Sortiment der Designböden im Abgleich mit anderen Bodensortimenten offensichtlich den geringsten Mengenrückgang verzeichnen durfte. Und der untere Wendepunkt wurde 2024 erreicht – da sind sich die allermeisten Branchenkenner einig.“ Darum, so Halbe, würden die Produkte im laufenden Jahr wiederkommen. „Und eigentlich waren sie ja gar nicht wirklich weg.“ Für den ganz großen Schritt müsse die Baubranche indes erst wieder richtig Fuß fassen.

LVT-Bodenbeläge sind weiter gefragt

Die Industrie schließt ich der Einschätzung an: „Der langjährige Markttrend zeigt, dass weiterhin LVT-Bodenbeläge gefragt sind und diese weiterwachsen, wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo“, erklärt Mirko Bachmann, Marketingleiter DACH Forbo Flooring. Die Überflutung von Produkten aus den asiatischen Ländern sei nach wie vor eine Herausforderung. Bachmann: „Wir sehen, dass der Objektmarkt sehr preisgetrieben ist. Neben der Preisgestaltung überzeugen wir durch jahrelange Erfahrung, Qualität und Produktvielfalt.“

Designbodenbeläge könnten sich gegen den Trend behaupten und in einzelnen Bereichen sogar weiter wachsen, der Absatz werde aber nicht unbegrenzt steigen, glaubt Gerold Schmidt, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Hamberger Flooring: „Wenn die Bau- und Renovierungsbranche insgesamt rückläufig ist und die Zahl der Anbieter sowie die Wettbewerbsintensität eher steigt, wird es auch für Traditionshersteller hochwertiger Böden immer herausfordernder, sich am Markt zu behaupten. Natürlich erwarten wir eine Reaktion auf die Anti-Dumping-Regulierung bei Parkett, von der auch Designböden profitieren könnten.“

Designbodenbeläge spielen auch in Zukunft eine bedeutende Rolle

Herbert Kendler, Geschäftsführer der tilo GmbH, verweist auf die internationale Politik und die erklärte Liebe des US-Präsidenten Donald Trump zu Zöllen: „Die Entwicklung der amerikanischen Zollpolitik bleibt spannend. Die Produktionskapazitäten wachsen weiter, da sich Unternehmen zunehmend von China abwenden und in benachbarte zollfreie Länder verlagern. Sollte sich dieser Trend auf Europa ausweiten, könnte die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen.“

Der Markt für Designbodenbeläge sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, hat Oliver Kluge, CSO Chief Sales Officer bei der Windmöller GmbH (wineo), beobachtet: „Dank kontinuierlicher Innovationen in Design, Qualität und Funktionalität entwickelt sich die Gattung dynamisch weiter. Wir glauben daran, dass Designbodenbeläge auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden.” Im April werde Windmöller die neue Kollektion wineo 800 präsentieren und damit ”einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Marktes leisten”, kündigt Oliver Kluge an.

Nachhaltige Bodenbeläge sind gefragt

Designbodenbeläge haben ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht, sondern erleben derzeit eine völlig neue Blütezeit – insbesondere durch die Innovation von Hybridbodenbelägen“, ist Céline Quervel, Leitung Corporate Marketing und Gesamtvertrieb Classen Group, überzeugt. Insbesondere dünne, preiswerte SPC-Beläge stünden zunehmend in der Kritik, während die Nachfrage nach hochwertigen, langlebigen und nachhaltigen Bodenbelägen stark wachse.

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    Volkmar Halbe, Vorsitzender des Fachverbandes der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB).
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    Gerold Schmidt, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Hamberger Flooring GmbH & Co KG mit der Marke Haro.
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    Herbert Kendler, Geschäftsführer Tilo.
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    Oliver Kluge, CSO Chief Sales Officer Windmöller GmbH.
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    Céline Quervel, Leitung Corporate Marketing und Gesamtvertrieb Classen.

Designbodenbeläge: Was wird Erfolg haben?

Nachhaltige Produkte sind nun nichts Neues. Viele verschiedene Varianten existieren derzeit am Markt der Designbodenbeläge nebeneinander, seien es LVT zum Kleben oder Klicken, seien es Stein-, Beton- oder Holzoptiken, weichermacher- und/oder phthalatfreie Alternativen auf Basis unterschiedlicher Materialien, als „gesund“ beworbene Böden und manches mehr.

Bei welcher Art von Designbelägen bestehen die größten Erfolgschancen am Markt? „Genau den erfolgreichen Belag wird es auch in den kommenden Jahren nicht geben. Denn die Designbodenbeläge leben von der Vielfalt. Anwendungssituationen und Produktausprägung machen den richtigen Match aus“, erklärt Volkmar Halbe vom FEB. Die Erfolgsformel laute im Kern „Produktaufbau x Design x technische/ökologische Eigenschaften x Format“. Daraus entstehe eine Vielfalt von Möglichkeiten, die für nahezu jeden Einsatzzweck, die konkreten Produktalternativen biete.

Volkmar Halbe: „Und die Hersteller werden nicht müde, die Designböden entlang der erwähnten Formel immer weiter zu optimieren. Und das ist das wesentliche Fundament für den fortdauernden Erfolg der Designbodenbeläge.“

Ein großes Potenzial sieht Christoph Wellekötter, Produktmanager Designflooring bei Hersteller Parador, insbesondere bei den nachhaltigen Alternativen: „Mit steigendem Umweltbewusstsein der Verbraucher gewinnt der Markt für weichmacher- und phthalatfreie Materialien an Bedeutung. Produkte aus recycelten oder biologisch abbaubaren Materialien sprechen umweltbewusste Käufer an. Diese Materialien bieten nicht nur ökologische Vorteile, sondern können auch in Qualität und Design überzeugen und sich so von herkömmlichen Alternativen abheben.“

Technologische Fortschritte wie verbesserte Oberflächenveredelungen, die die Kratzfestigkeit und Pflegeleichtigkeit erhöhen, würden ebenfalls dazu beitragen, dass PVC-freie Varianten eine hohe Marktrelevanz haben.

SPC, die stabile Option

Bernhard ter Hürne, Geschäftsführender Gesellschafter beim Hersteller ter Hürne, ist überzeugt: „In Zukunft werden aus unserer Sicht die Themen Wohngesundheit, Nachhaltigkeit und Zirkularität zunehmend wichtiger werden für die erfolgreiche Absatzentwicklung. Deshalb sehen wir noch einmal höhere Absatzzuwächse für PVC-freie Produktkonzepte.“ Eine überproportional positive Perspektive gebe es zudem für holzwerkstoffbasierte Designböden auf Basis von Laminattechnologien.

Bei tilo wird SPC (also: mit starrem Steinverbundkern) weiterhin „als die stabile Option“, betrachtet, sagt Geschäftsführer Herbert Kendler: „Wir erwarten, dass seine Verbreitung weiterhin maßgeblich den Markt prägen wird. HDF-Vinyl bleibt für uns die bevorzugte Alternative, insbesondere für anspruchsvolle Untergründe.“

Gerold Schmidt (Haro): „Klassisch wächst momentan der SPC-Bereich. Das Thema Wood, also Designboden auf Holzwerkstoffträger, bleibt insbesondere für die DACH-Region ein Thema.“ Dort, wo es um Fragen der Nachhaltigkeit und des Ressourceneinsatzes gehe, dürfte dieser Boden wieder zulegen, „da das Material einfach unschlagbar ist und man bei einer solchen Konstruktion nicht über Wohngesundheit streiten muss“.

SPC-Beläge werden auch aus Sicht von Jan Dentzer Produktmanager bei der MeisterWerke Schulte GmbH in Rüthen-Meiste, in den kommenden Jahren eine führende Rolle spielen. Warum? „Sie sind robuster und formstabiler als klassische elastische Bodenbeläge, sie überbrücken kleinere Unebenheiten des Untergrunds und können sogar über bestehende Fliesen verlegt werden, ohne dass sich die Fugen nach einiger Zeit sichtbar machen – es tritt kein Telegrafie-Effekt auf. Diese Eigenschaften machen SPC-Beläge besonders geeignet und beliebt für Renovierungen. Darüber hinaus gibt es bereits etablierte Recyclingmethoden, um das Produkt wieder in den Kreislauf zurückzuführen.“

Leichter Trend zu lose verlegten Bodenbelägen

Bei Forbo sind die Marken Allura und Enduro für Vinylböden (LVT) etabliert. „Im Objektbereich sehen wir, dass Bodenbeläge überwiegend verklebt werden. Einen leichten Trend zu lose verlegten Bodenbelägen nehmen wir wahr“, berichtet Mirko Bachmann. Windmöller hat vor mehr als zehn Jahren Purline auf den Markt gebracht – und setzt auch weiterhin darauf. Die Beläge basieren auf Ecuran, einem Verbundwerkstoff, der zum überwiegenden Teil aus Pflanzenölen wie Raps- oder Rizinusöl und natürlich vorkommenden, mineralischen Komponenten wie Kreide hergestellt wird.

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    Christoph Wellekötter, Produktmanager Designflooring bei Parador.
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    Bernhard ter Hürne, Geschäftsführender Gesellschafter ter Hürne.
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    Jan Dentzer, Produktmanager bei den MeisterWerken.

Aktuelle Schwerpunkte bei Designbodenbelägen

Welche Schwerpunkte setzen Unternehmen derzeit im Bereich der Designbodenbeläge, was zum Beispiel Materialien und Oberflächen, Formate, Designs, Einsatzgebiete oder speziell technische Features angeht? Bei Windmöller/wineo geht es um natürliche und matte Oberflächen. „Als wichtigstes Design bleibt die Eiche, wobei wir besonders blumige Eichen ohne oder nur mit wenigen Ästen in unser Sortiment aufgenommen haben. Im Bereich Steindekore dominieren dezente und natürlich wirkende Beton-Optiken“, sagt Oliver Kluge.

Parador legt besonderen Wert auf den Werkstoff Polypropylen (PP) als hochwertige Alternative zum herkömmlichen PVC. „Darüber hinaus sehen wir eine anhaltende Nachfrage nach alternativen Formaten wie Fischgrät, Chevron und Großformaten wie Fliesen und Langdielen“, so Christoph Wellekötter. Und das Design? Selbstverständlich Eiche und natürliche Farben. Aber: „Wir beobachten, dass dunklere Farbtöne immer mehr in den Vordergrund rücken.“

Wasserbeständigkeit sei darüber hinaus mittlerweile Standard. Darüber hinaus sorgten Features wie akustische Verbesserungen, einfache Verlegung, stabile Klickverbindungen und integrierte Akustikgegenzüge für ein optimiertes Nutzungserlebnis.

Forbo Flooring führt einen hohen Anteil an recycelten Materialien, Recyclingfähigkeit und Verringerung des CO2-Fußabdrucks an. Mirko Bachmann: „Darüber hinaus setzen wir auf lose verlegbare Varianten und aktualisieren die Kollektionen laufend, um aktuellen Designtrends gerecht zu werden. Unsere Vinylböden sind gesundheitlich absolut unbedenklich und emissionsarm, was wir anhand geprüfter Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) belegen.“

Elegant und ruhig, warme und authentische Oberflächen

Herbert Kendler (tilo): „Wir sehen den tilo-Design-Verbund mit HDF-Vinyl, SPC und Klebe-Vinyl – auch im Landhausdielenformat und in softsynchron geprägter Oberfläche – als absolute Benchmark. Die eleganten, ruhigen Sortierungen aus unserer Parkettwelt finden nun auch in der Vinylkollektion ihren Platz.“

Hamberger Flooring hat zuletzt am Standort Stephanskirchen in erneuerbare Energie investiert. Das komme nicht zuletzt auch den Designböden zugute, sagt Gerold Schmidt: „Der neue Haro Nachhaltigkeitspass hilft Verbrauchern und Planern bei der Auswahl der richtigen Bodenbeläge und zeigt klar auf, welche Zertifizierung mit dem jeweiligen Produkt möglich ist.“

„Für uns“, sagt Céline Quervel, Classen Group, „ist nach wie vor von hoher Wichtigkeit, mit unseren Bodenbelägen weder Gesundheit noch Umwelt zu belasten. Von daher steht an oberster Priorität nach wie vor PVC-frei, gefolgt von dem Trend akustisch optimierter Lösungen für einen besseren Raumschall sowie warmen und authentischen Oberflächen.“

Bernhard ter Hürne: „Den Wunsch nach modernen, zum Teil außergewöhnlichen Optiken beantworten wir durch eine große Bandbreite von Designs, von dynamischen Fischgrät und Chevron Optiken bis hin zu opulenten XL-Steindekoren.“ An der Oberfläche seien Authentizität und Nutzerorientierung das A und O. „Daher haben wir die Anzahl synchroner Oberflächen verdoppelt und den Glanzgrad auf supermatt weiter verbessert.“

Ein besonderes Augenmerk liegt bei den MeisterWerken auf der Entwicklung nachhaltiger Alternativen sowie technologischen Weiterentwicklungen, die den Komfort und die Langlebigkeit der Böden weiter optimieren. „Das Meistercycle-Programm von MeisterWerke ist ein bedeutender Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Indem es eine Rücknahme- und Recyclinglösung für kunststoffbasierte Bodenbeläge wie MeisterDesign. rigid und MeisterDesign. allround (PVC-frei) bietet, ermöglicht es den geschlossenen Kreislauf von Materialien“, sagt Jan Dentzer.

Abheben von den anderen

Die Zahl der Anbieter am Markt der Designbodenbeläge ist groß. Wie schafft man es als renommiertes Unternehmen, sich von Billiganbietern abzuheben und professionelle Kunden für sich und seine Produkte zu begeistern?

Neben der Qualität der Produkte stellt für Forbo die Betreuung des Kunden von der Auswahl bis zur Verlegung, Reinigung und Pflege einen entscheidenden Faktor dar. Mirko Bachmann: „Hinzu kommt unsere Auswahl an verschiedenen Produktausführungen zum Kleben, Klicken und lose Verlegen, die passend auf die Objektanforderung ausgewählt wird.“

Exzellenter Service und enge Kundenbindung – in dieses Horn stößt auch Oliver Kluge (Windmöller): „Unser Ansatz basiert auf der Kombination aus einem hoch qualifizierten Team im Innendienst und Außendienst sowie einer tiefen Expertise in den jeweiligen Anwendungsbereichen. Wir hören genau hin, was der Markt braucht, und setzen diese Wünsche in maßgeschneiderte Lösungen um.“

Die MeisterWerke nennen Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit als fundamentale Säulen der Unternehmensstrategie.

Durch kontinuierliche Optimierungen in enger Zusammenarbeit den wichtigsten Kunden sei tilo stets am Puls der Zeit, teilt der Hersteller mit. Geschäftsführer Herbert Kendler: „Als Unternehmen mit über 75-jährigem Bestehen gewährleisten wir zudem hohe Stabilität und Sicherheit. Dank einer durchdachten und konsequenten Produkt- und Sortimentsentwicklung in der Parkett- und Vinylwelt setzen wir klare Akzente und heben uns deutlich vom Wettbewerb ab.“