Alle reden von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein – bis es um den Preis geht, sagen viele Anbieter von Korkbodenbelägen und Böden aus Linoleum. Wie interessant diese klassischen Bodengattungen dennoch bis heute sind, hat nun die Messe BAU gezeigt.

Kork als Bodenbelag bedeutet heute immer seltener Naturkork. Den gibt es natürlich auch noch, aber er spielt keine ganz große Rolle mehr. Kork kann, muss aber längst nicht mehr wie Kork aussehen. Und vor allem muss er nicht braun sein, wenn er an den Boden kommt. Wenn man von Trittschalldämmung aus Kork absieht, geht es beim Thema Kork am Boden heute meist um Designbodenbelag mit Korkoberfläche. Diese Produkte sind robuster und authentischer denn je. Eine härtere und unempfindlichere Oberfläche kann weniger Kork-Effekt, also Federung, bedeuten. Genau diese Elastizität ist aber ein wichtiges Argument pro Korkbodenbelag, neben vielen anderen. Die Entwicklung ist hier längst noch nicht ans Ende gelangt.
Bedruckte Korkböden: Enorme Sprünge
Katrin Gärtner-Tison, Geschäftsführende Gesellschafterin bei KWG, hatte am Stand auf der BAU in München unter anderem Neues von Samoa, dem digital bedruckten Kork des Unternehmens, dabei. Die Nachfrage nach Naturkork sei zuletzt eher rückläufig gewesen, Samoa dagegen – eingeführt 2008 - habe über die Jahre technologisch enorme Sprünge gemacht, erklärte sie. Neu bei KWG ist hier zum Beispiel eine Lärche.
„Dunkle Böden machen nicht die Masse aus, aber der eine oder andere sucht das“, sagte Katrin Gärtner-Tison. Die Oberfläche der Samoa-Produkte ist vergleichsweise unempfindlich, der Kork hoch verdichtet. „Kork ist ein nachwachsender Rohstoff, aber die Entwicklung der Preise tut dem Produkt nicht gut. Wir müssen daran arbeiten, neue Generationen, die in die Geschäfte kommen, anzusprechen“, so die Geschäftsführende Gesellschafterin.
Und Linoleum? Thomas Biebusch, Geschäftsführer Vertrieb/Marketing, zeigte drei „Linosa“ digital bedruckte Lino-Produkte mit Hydrowood-Trägerplatte: feuchtraumgeeignet, raumübergreifend verlegbar und weg von traditionellen Optiken. Linosa gab es schon vorher, aber nicht mit digital bedruckt im Beton-Look, der im Moment einfach „gefragt ist ohne Ende“, so Biebusch.
Linoleum lose verlegen
Neben Teppichfliesen, homogenen Belägen und Designbelägen setzte der Hersteller Tarkett am Stand auch einen Schwerpunkt auf Linoleum. Daniel Mai, Produktmanager DACH, hatte Lino Looselay xf2 dabei – nach Angaben des Unternehmens der einzige Linoleumbelag für die lose Verlegung auf dem Markt. Das Produkt ist in zwölf Farben zu haben und besteht zu 91 Prozent aus natürlichen und zu sechzig Prozent aus biobasierten Materialien, ist PVC- und phtalatfrei und kommt ohne Weichmacher aus. Es ist zudem nach dem Gebrauch zu hundert Prozent recycelbar und wird zu 23 Prozent aus recycelten Materialien produziert.
„Normalerweise wird Lino ja vollflächig verklebt. Dieses Produkt wird nur mit Klebeband fixiert. Ein Vorteil: Schnelligkeit“, berichtete Mai. Es handele sich um einen vollwertigen Bodenbelag in einer Breite von zwei Metern, der auch über bestehende Beläge wie PVC, Holz oder auch einen bestehenden Linoleumboden gelegt werden könne. Aufgrund der Dicke von 4,3 Millimetern gebe es keinen Telegrafieeffekt. „Der liegt sehr satt auf dem Boden – so, als ob er verklebt wäre, ohne Einschränkungen bei den technischen Eigenschaften“, erklärte Mai. Nach der für einen längerfristigen Einsatz konzipierten Nutzung seien Rückbau und Recycling einfach. Sonderfarben sind ab 350 Quadratmetern ein Thema.
Magazin für Kunden
Bei Ziro hatte Prokurist Jan Zipse nicht nur Produktneuheiten, sondern gleich ein ganzes Magazin für Händler, Kunden und Interessierte dabei: "Beweg_Gründe" heißt es und soll Kunden und Interessenten jährlich über das Unternehmen, seine Werte und Produkte informieren – und über die vielen interessanten Eigenschaften des Naturmaterials Kork. Neben Korkfassaden aus „Backkork“ ging es auch um Produkte für den Boden. Auf der Fläche am Stand lagen ausschließlich natürliche Bodenbeläge – genau in der Mitte befand sich ein Linoleumboden, unbedruckt, zum Klicken, schwimmend verlegt.
Zipse: „Wir haben zwar den bedruckten Kork, aber die Optiken, die Lino hergibt in den neuen Farben, die kommen wieder“. Wachsen auch die Freunde von Kork eigentlich nach? Also: Gibt es auch jüngere Menschen, die sich für das vielfältige Material als Bodenbelag interessieren? „Ja, natürlich! Wer sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, kommt an Kork nicht vorbei“, sagte Zipse. Menschen zum Beispiel, die ihren Kinderzimmern Korkboden liegen hatten, fragen auch als Erwachsene danach.
Stichwort Konsolidierung
Wer von Kork spricht, landet früher oder später bei Amorim. Die Amorim Deutschland GmbH gehört zum portugiesischen Weltmarktführer im Bereich Kork-Bodenbeläge. In manchen Jahren oft auf Domotex und Bau parallel unterwegs, stellte Amorim diesmal nicht in München aus.
Erst im August vergangenen Jahres hatte das Unternehmen die cortex korkvertriebs GmbH in die Amorim Deutschland GmbH eingegliedert. Zudem haben sich unter dem Namen Amorim Cork Solutions unlängst mit Amorim Cork Flooring, Amorim Cork Composites und Amorim Cork Insulation die Unternehmensbereiche, die nicht Korkverschlüsse betreffen, unter einem neuen Dach zusammengeschlossen.
Das habe viel Kraft und Zeit erfordert, sagte Tomas Cordes, Geschäftsführer Amorim Deutschland. Er besuchte die Bau als Gast und berichtete von der Restrukturierung und Konsolidierung. Zuletzt, auf der Domotex, hatte Amorim Wicanders Hydrocork gezeigt – da, so Cordes, werde es 2026 den nächsten Step geben.
Nachhaltige Kleber für Kork und Linoleum
Bei Birgit Hansen, Leiterin Vertriebsinnendienst/Marketing bei der Wakol GmbH, waren der Sportboden und die entsprechenden Verlegewerkstoffe am Stand ein großes Thema. Hier kommt Wakol D 3318 MultiFlex faserhaltig ins Spiel: ein überarbeiteter Klassiker. Der faserarmierte Dispersionsklebstoff ist geeignet für die Verlegung von homogenen und heterogenen PVC-Belägen in Bahnen und Fliesen, PVC-Designbelägen in Planken und Fliesen, PVC-freien Bodenbelägen, aber auch für Linoleumbeläge und Kautschukbeläge bis 4 mm Dicke.
Christian Müller, Marketing Forbo eurocol, war zuletzt 2018 auf einer Messe, damals der Domotex, unterwegs. Die Spezialisten für Grundierungen, Spachtelmassen, Klebstoffe, Lacke für Parkett und Kork sowie Pflege- und Reinigungsmittel aus Erfurt zeigten nun in München neue Produkte und Systeme. Das Thema Nachhaltigkeit war auf der Messe insgesamt und natürlich auch am eurocol-Stand ein wichtiger Punkt. Ein Highlight hier war 616 Eurostar Lino Green, ein biobasierter Kleber mit hohem Anteil an biobasierten Rohstoffen in der Emissionsklasse EC1 Plus, „der klimafreundlichste Linoleum-Klebstoff“, wie es eurocol heißt. Im Zusammenspiel mit Forbo Marmoleum bleibe der Anwender nachhaltig im System, sagte Müller. „Man kann hier bei uns die Dinge anfassen, das ist etwas anderes, als das nur im Internet zu sehen, und das kommt hier sehr gut an.“ Linoleum sei ein nachhaltiges Produkt, das viele Architekten und Planer begeistere.