Rekonstruktion eines Parkettbodens Villa Hänsch in Großschönau: Ring für Ring ein Meisterwerk

Die 1927 erbaute Villa Hänsch in Großschönau wird seit über zehn Jahren renoviert. Vor Kurzem rekonstruierte Ernst Müller zusammen mit Meisterschülern ehrenamtlich einen Parkettboden für das historische Gebäude. Als Vorlage dienten zwei alte Postkarten.

Rekonstruierter Parkettboden mit Einlegearbeiten in Räuchereiche, Eiche, Hainbuche, Buche, Kirschbaum und Akazie
Rekonstruierter Parkettboden mit Einlegearbeiten in den Holzarten Räuchereiche, Eiche, Hainbuche, Buche, Kirschbaum und Akazie. - © Ernst Müller

Die Villa Hänsch in der Bahnhofstraße der sächsischen Gemeinde Großschönau hat eine wechselvolle Geschichte. 1927 vom Architekten Richard Linke entworfen, war die Jugendstilvilla viele Jahre eines der beiden Herrenhäuser der Fabrikanten-Familie Hänsch. Nach dem Krieg diente es zeitweise als Erholungsheim und befindet sich nun im Eigentum von Patrons of Sciences and Art e.V., dessen Geschäftsführer Dirk Besserer ist. Seit über zehn Jahren wird das historische Gebäude Raum für Raum renoviert. Der Verein organisiert kulturelle Veranstaltungen in dem einstigen Herrenhaus, das mit seiner historischen Atmosphäre die Besucher in längst vergangene Zeiten eintauchen lässt.

Aufwendig gestalteter Parkettboden in der Villa Hänsch

Im vergangenen Jahr stand die Renovierung des ehemaligen Esszimmers an. Dirk Besserer fragte bei der Meisterschule in Berlin nach, ob diese im Rahmen der Ausbildung den ehemals aufwendig gestalteten Parkettboden des Esszimmers rekonstruieren würden. Er wurde an den Verein Parkettleger on Tour e.V. verwiesen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alten Parkettböden wieder neuen Glanz zu verleihen. Vorstand Ernst Müller machte sich umgehend ein Bild vor Ort.

Alte Postkarten zeigen sternförmige Einlegearbeiten im einstigen Parkettboden

Der alte Parkettboden war nicht mehr vorhanden, stattdessen bereits ein neuer Zementestrich eingebaut. Lediglich auf zwei alten Postkarten in Schwarz-Weiß war der einstige Parkettboden mit seinen sternförmigen Einlegearbeiten zu erahnen. Das wird nicht einfach, dachte sich Müller, fand aber, dass es eine gute Gelegenheit sei, die Rekonstruktion des Parkettbodens mit Meisterschülern während des Meisterkurses in Ehingen durchzuführen. Bis zum endgültigen Entwurf – es dienten tatsächlich nur die zwei alten Postkarten zur Rekonstruktion – waren viele Gespräche mit der unteren Denkmalbehörde erforderlich.

Als der Entwurf stand, suchte Müller über die sozialen Netzwerke nach einem Holzlieferanten, der das Projekt unterstützt. Alexander Drüsedau, Geschäftsführer der Holzhandlung Drüsedau & Müller aus Jesberg, meldete sich und stellte nach Vorlage des Entwurfs die entsprechenden Holzarten – Räuchereiche, Eiche, Hainbuche, Buche, Kirschbaum und Akazie – zusammen. Drüsedau lieferte für die Rekonstruktion des Bodens insgesamt einen Kubikmeter Holz als Brettware.

Der Entwurf stand, das Holz war da, vier Freiwillige aus dem Meisterkurs auch, also begann Müller mit den Meisterschülern Marcej Ertmann, Jan Dickschnieder, Jannik Wagner und Hannes Varel den inneren Stern in Ehingen anzufertigen. Mittels einer Vorrichtung für die Handkreissäge erfolgte der Zuschnitt der Zacken wie am Schnürchen. Dann war eine Woche Evaluierung im Meisterkurs, danach sollte der Werkstattunterricht beginnen. Aus organisatorischen Gründen hat Ernst Müller deshalb in der Evaluierungswoche den Boden alleine fertiggestellt. Am Ostersonntag 2024 holte Dirk Besserer das Material für den Boden ab und brachte es zur Baustelle nach Großschönau. Dort warteten bereits die Parkettschleifmaschine von FG Floortec und die von Pallmann gesponserten Verlegewerkstoffe (Klebstoff, Öl und Lack) auf ihren Einsatz.

Ring für Ring nach außen gearbeitet

Am Dienstag nach Ostern hieß es dann für Ernst Müller, Moritz Schöfer (Meisterkurs 2024), Ernst Joshua Scholz (Meisterkurs 2022) und Phillip Buhl (Meisterkurs 2021) in der Villa Hänsch: Ärmel hochkrempeln und los. Zunächst ermittelten die Parkettprofis den Mittelpunkt des runden Zimmers. Dann begannen sie mit dem Verlegen des Innenkreises und arbeiteten Ring für Ring nach außen. Das Anarbeiten an den äußeren Fries konnte in Ehingen nicht vorbereitet werden und musste vor Ort erfolgen. Kein Problem für Müller, der eine Bandsäge und eine Kantenschleifmaschine mit im Gepäck hatte. Während sich das Anarbeiten an den äußeren Fries etwas hinzog, begannen Ernst Josuha Scholz und Moritz Schöfer derweil mit dem Verlegen von Fischgrat im angrenzenden Raum. Da das Holz schon ein paar Jahre gelagert war, ließ die Maßhaltigkeit etwas zu wünschen übrig und erforderte handwerkliches Können. Die beiden Jungprofis haben die Herausforderung jedoch gut gemeistert. Zeitgleich wurde in einem kleinen Vorraum auf circa fünf Quadratmetern noch Holzpflaster verlegt.

Nach dem Verlegen der Parkettböden wurden diese abgeschliffen und mit einer Ölgrundierung versehen. Nach der Trocknung erhielt der Parkettfußboden eine zweimalige Lackierung – am Samstagmorgen erfolgte der letzte Auftrag. Dann war die Rekonstruktion des aufwendig gestalteten Parkettbodens nach nur fünf Tagen Verlegearbeit in Großschönau abgeschlossen. Nun öffnet ein weiterer Raum für Kunst und Kultur seine Pforten und erinnert mit seinem historischen Charme an einstige herrschaftliche Zeiten.