Der Beitrag beschreibt anhand der feuchtebezogenen Belegreife und Ausgleichsfeuchte, welchen Einfluss die Estrichmörtel-Zusammensetzung, nämlich die Zementmenge, die Zementart und der w/z-Wert auf das Trocknungsverhalten von Zementestrichen haben.
Neu eingebaute Zementestriche werden üblicherweise mit einem Bodenbelag belegt. Dazu muss der Estrich hinreichend getrocknet sein. Für die an der Erstellung der Fußbodenkonstruktion Beteiligten ist es daher aus unterschiedlichen Gründen wichtig, abschätzen zu können, wann die feuchtebezogene Belegreife erreicht sein kann:
- Der Planer soll eine verlässliche Bauzeitenplanung erstellen können,
- der Estrichleger soll einen dazu passenden Estrich anbieten können und
- der Boden-/Parkettleger soll eine sichere feuchtebezogene Belegreife nach seinen anerkannten fachtechnischen Regeln ermitteln können.
Bisher werden überwiegend Estrichmörtel auf Basis von CEM-I- oder CEM-II-A/LL-Zement im Mischungsverhältnis 1 : 6 und bei Bedarf EZM zur Einstellung der Verarbeitbarkeit und des Wasserbedarfs eingesetzt - hier als „übliche“ Zementestrichmörtel bezeichnet. Aktuell erleben wir einen Wandel hin zum vermehrten Einsatz von klinkerreduzierten Zementen mit niedrigerem CO2-Fußabdruck oder zu Mörteln mit reduziertem Zementgehalt.
Zur Abschätzung der Wartezeit bis zur feuchtebezogenen Belegreife für die unterschiedlich zusammengesetzten Estrichmörtel fehlt heute eine systematische Untersuchung zum Einfluss der einzelnen Rezepturbestandteile auf das Trocknungsverhalten. [1] liefert eine Vielzahl von Daten zur Ausgleichsfeuchte (AGF) von Zementestrichen, allerdings werden dort die Einflussfaktoren Zementgehalt und w/z nicht unterschieden, sondern als Zementleimgehalt zusammengefasst dargestellt.
Um hier dennoch zu einer Orientierung für die Beteiligten zu kommen, werden nachfolgend Einflussfaktoren aus der Estrichmörtel-Zusammensetzung, nämlich die Zementmenge, die Zementart und der w/z-Wert auf das Trocknungsverhalten von Zementestrichen anhand der beiden Parameter feuchtebezogene Belegreife und Ausgleichsfeuchte näher beschrieben. Dazu dient sowohl die Auswertung bereits publizierter Untersuchungen, als auch die Nutzung der Ergebnisse eigener Untersuchungen.
Das Trocknungsverhalten von Zementestrichen
Ein unbeheizter Zementestrich, hergestellt aus einem „üblichen“ Zementestrichmörtel, gilt heute als belegreif, wenn sein Feuchtegehalt noch maximal 2 CM-% beträgt. Das einfachste Kriterium zur Beschreibung des Trocknungsverhaltens ist die Wartezeit, die vergeht, bis der heute anerkannte Grenzwert für die feuchtebezogen Belegreife erreicht wird.
