Trockenzeit für Estriche

Trockenzeit für Estriche

Trockenzeit für Estriche – vor Faustformeln wird gewarnt! Faustformeln werden gerne von Architekten und Bauherren benutzt, um Druck auf den Bodenleger auszuüben, wenn das Bauvorhaben nicht mehr im vorgesehenen Zeitplan abläuft und man terminlich in Schwierigkeiten kommt. Allgemein wird so argumentiert, dass die Trockenzeit von Estrichen bis 40 Millimeter Dicke pro Zentimeter eine Woche, also insgesamt vierWochen beträgt. Das stimmt jedoch nur in groben Zügen. Geringfügige Abweichungen ergeben sich sowohl für Zement- als auch für Calciumsulfatestriche. Bei größeren Schichtdicken der Estriche erhöht sich die Trockenzeit nicht linear, sondern im Quadrat. Das heißt, dass zum Beispiel für einen sechs Zentimeter dicken Estrich acht Wochen Trockenzeit vorgesehen werden müssen. Die Mehrdicke von zwei Zentimetern mal zwei erfordert eine vier Wochen längere Trockenzeit. Erst dann kann mit der Belegreife gerechnet und die ersten Feuchtigkeitsprüfungen vorgenommen werden. Die obigen Erkenntnisse stimmen zwar in etwa, wenn sie unter Laborbedingungen im Normalklima getroffen werden. Jeder von uns weiß, dass die Praxis anders aussieht, weil der Trocknungsprozess eines Estrichs nicht nur von seiner Dicke, sondern von vielen Faktoren abhängt. Unter anderem von der Raumtemperatur, der Luftfeuchte, dem Luftaustausch, der Rezeptur, der Ausführung des Estrichs und so weiter. Strittig ist noch immer der Zeitpunkt, an dem die Trocknung eines Estrichs beginnt. Fachleute bestätigen, dass die physikalische Trocknung nicht erst nach Abschluss des Abbindevorgangs beginnt, sondern in dem Augenblick, in dem der Estrich eingebracht wird. Allerdings davon abhängig, ob er zum Beispiel eine Woche (wie bei Zementestrich vorgeschrieben) abgedeckt wird oder nicht. Faustformeln sind infolgedessen nur grobe Anhaltspunkte, maßgebend für den Trocknungsvorgang sind die Umgebung und die Umstände, unter denen er stattfindet. Grundsätzlich darf keine Verlegung eines Bodenbelages erfolgen, ohne dass der Estrich fachgerecht auf seinen Feuchtegehalt, seine Belegreife geprüft worden ist.