Technik -

Unangenehmer Geruch nach Sanierung mit Teppichfliesen

Dass der Bodenbelag große Auswirkungen auf die Raumluftqualität haben kann, zeigt unser aktueller Schadensfall: Nach der Verlegung von Textilfliesen entwickelte sich ein süßlich beißender Geruch. Wie ist das möglich? Ein Gutachter klärt auf.

In einem Bürogebäude wurden umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt. Doch der Mieter wollte am Ende nicht einziehen, da sich in den Räumen ein unangenehmer Geruch entwickelte. Die Suche nach der Quelle der Ausdünstungen begann. Anfänglich waren der Maler, der Deckenbauer sowie der Bodenleger unter Verdacht, mit Schadstoffen belastete Produkte geliefert zu haben. Der Auftraggeber ließ sich daraufhin verschiedene Sicherheitsdatenblätter und technischen Informationen zukommen. Diese Dokumente führten jedoch nicht zu der emittierenden Quelle, sodass die Beteiligten sich entschlossen, eine Raumluftanalyse durchführen zu lassen. In der Zwischenzeit meldete der Mieter Bedenken an, wonach der Geruch eventuell gesundheitsgefährdend sein könnte.

Die eingeleitete Raumluftanalyse ergab hinsichtlich der Schadstoffe jedoch keine Auffälligkeiten, die Frage nach der Ursache des Geruchs blieb aber weiterhin unbeantwortet. Der Auftraggeber entschloss sich daher, einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen. Beim Betreten des leeren Büroraumes konnte selbst nach 5 Wochen noch immer ein störender Geruch festgestellt werden. Da zwischenzeitlich der textile Bodenbelag als Verursacher unter Verdacht stand, sollte der Sachverständige eine Prüfung vornehmen.

Schadensbild

Die Schwierigkeit der Schadens­ermittlung lag in diesem Fall darin, im Konglomerat von vielerlei Gerüchen durch neu eingebrachte Baustoffe das Produkt ausfindig zu machen, welches als emittierende Quelle infrage kommen könnte. Dafür setzte der Sachverständige seine selbst entwickelte Frischluftkammer ein, mit deren Hilfe die Ausdünstung aus dem Bodenbelag von den Gerüchen der restlichen Stoffe im Raum abgesondert werden konnte. Es stellte sich heraus, dass der intensive Geruch offensichtlich von der Fußbodenkonstruktion ausging . Damit kamen als Ursache für die Ausdünstung sowohl die textilen Fliesen als auch die Unterbodenkonstruktion in Frage.

So funktioniert die Frischluftkammer:

  • Auf der rechten und linken Seite befindet sich jeweils ein Kugelventil, daran wird auf der einen Seite ein Ansaugschlauch und auf der anderen Seite ein ­Frischluftschlauch angeschlossen.
  • Anschließend wird der Frischluftschlauch aus dem leicht geöffneten Fenster gehängt.
  • Durch eine Absaugung wird eine definierte Menge Frischluft durch die Frischluftkammer gezogen. Nach etwa zehn Minuten ist der Luftraum mehrfach mit frischer Atemluft durchspült, sodass die Ansaugung abgestellt werden kann, um die Kugelventile auf beiden Seiten der Frischluftkammer zu schließen.
  • Nach einer Wartezeit von ca. 20 Minuten ist der Gutachter in der Lage, über die am Deckel befindliche und verschließbare Atemöffnung eine subjektive Bewertung des Luftraums innerhalb der ­Frischluftkammer vornehmen.

Schadensanalyse

Der Sachverständige entfernte die wiederaufnehmbaren textilen Teppichfliesen ohne jegliche Beschädigung auf einer Teilfläche in der Größe der Frischluftkammer, sodass der gespachtelte Untergrund zu erkennen war. Offensichtlich wurde der alte Klebstoff nicht ausreichend abgeschliffen, denn es war deutlich zu sehen, dass die Riefen der ehemalig verwendeten Klebstoffzahnung nur leicht überspachtelt worden waren. Die Spachtelmasse wies zudem dunkle Ver­fleckungen auf, die an der Oberfläche leicht ölhaltig schimmerten. Um festzustellen, ob der störende Geruch von der Spachtelung bzw. vom Unterbodenaufbau ausging, setzte der Gutachter die ­Frischluftkammer nochmals auf, durchspülte diese abermals mit ­Frischluft und sperrte den Luftraum ab. Bereits nach 20 Minuten lag das Ergebnis vor: Bei der Beurteilung zeigte sich, dass ein extrem süßlich beißender Geruch wahrnehmbar war. Der Verdacht lag daher nahe, dass der alte Klebstoff die Ausdünstung verursacht e. Um sich endgültig Gewissheit zu verschaffen, öffnete der Sachverständige zur Kontrolle noch vor Ort einen Elektranten (Vorrichtung zur Entnahme elektrischer Energie), um den darunter befindlichen Hohlboden ebenfalls zu prüfen. Bei dieser Prüfung des Hohlbodens konnte jedoch kein störender Geruch festgestellt werden.

Um weitere Einflussfaktoren, beispielsweise die Raumluft, auszuschließen, musste der Gutachter vor Ort die Spachtelmasse inklusive des darunter befindlichen Klebstoffs für eine spätere Geruchsüberprüfung im Labor abschaben. Darüber hinaus entnahm er auch eine Teppichbodenprobe aus dem noch nicht verlegten Restmaterial, welches zwischenzeitlich im Keller eingelagert worden war. Das entsprechende Probenmaterial schweißte der Sachverständige mit Hilfe eines Vakuumiergerätes in Aluminiumpapier und mit Folie ein.

Die Überprüfung im Labor mit einem Exsikkator (chemisches Laborgerät, das hauptsächlich zur Trocknung fester chemischer Stoffe zum Einsatz kommt) ergab, dass die Teppichbodenprobe keinen störenden Geruch absonderte. Die Probe mit dem abgeschabten Klebstoff und der anhaftenden Spachtelmaße entwickelte bei dieser Überprüfung jedoch den bereits bekannten, ­extrem süßlich beißenden Geruch. Somit konnte der Gutachter als Verursacher für die Ausdünstungen in der Luft definitiv eine Wechselwirkung zwischen dem alten, vorhandenen Kunstharzklebstoff sowie der neu aufgebrachten Spachtelmasse festhalten.

Schadensbeseitigung

Zur Schadensbeseitigung musste der Bodenleger die wiederaufnehmbaren Teppichfliesen auf der gesamten Fläche ausbauen. Danach fräste er die Spachtelmasse und den alten Klebstoff ab. Bereits nach dem Abfräsen war keine Ausdünstung mehr festzustellen. Somit konnte die Fläche wieder vorgestrichen und gespachtelt werden, um die Teppichfliesen erneut zu verlegen. Wie zu erwarten, kam es im Anschluss zu keiner störenden Geruchsentwicklung mehr.

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