Wenn Stefan Klewe nach den Öffnungszeiten seines Showrooms gefragt wird, erntet er nicht selten erstaunte Blicke: „Wir haben Montag bis Freitag 9.59 bis 12.59 Uhr und 13.59 bis 18.29 Uhr geöffnet.“ Eine sehr ungewöhnliche Zeitangabe, mit der sich die Zweik GmbH auch auf ihrer Website präsentiert. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein Versehen − nein, das ist bewusst so gewählt. Außergewöhnliche Informationen, dessen ist sich Klewe sicher, bleiben beim Kunden besser in Erinnerung. Es geht ihm darum, nicht vergessen zu werden und sich von der Masse abzuheben. Eine Strategie, die er auch beim Facebook-Auftritt für sein Unternehmen verfolgt. Wie beispielsweise bei der Auswahl der Bilder: „Sie sollen Gefühle ansprechen. Idealerweise zeigen sie Menschen, am besten schöne Menschen.“ Auch mit Tiermotiven könne er diesen Effekt erreichen und erinnert sich an eine Aufnahme, die einen pitschnassen Hund auf einem Vinylboden zeigt.
2011 gründete Klewe gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Parkettlegermeister Eddy Keilbach, die Zweik GmbH in Hockenheim. Seitdem ist der Betrieb auch im Internet präsent − und das gleich mehrfach. Die eigene Website, Facebook, Google Plus und ein YouTube-Kanal gehören bei Zweik genauso zum Tagesgeschäft wie die Beratung im Geschäft oder die Verlegearbeit beim Kunden. „Wir sind ein kleines Handwerksunternehmen. Es ist schwer, in Print oder Hörfunk auf uns aufmerksam zu machen. Facebook ist eine schnelle und kostenlose Alternative“, sagt Klewe. Etwa eine Stunde am Tag wendet der 50-Jährige für Facebook auf −getreu seinem Motto „Learning by Doing“. Die Website wurde von einem Designer entworfen. Entstanden ist eine Corporate Identity, die sich vom Logo bis hin zur Typografie auf allen Dokumenten durchzieht. Doch genau an dieser Stelle stößt Klewe bei Facebook an seine Grenzen. Weder die für Zweik typische Schriftart noch das Markenzeichen, die außergewöhnlichen Öffnungszeiten, lassen sich innerhalb der starren Maske Facebooks umsetzen.
Aber Klewe stört das nicht. Für ihn zählen die Vorteile des sozialen Netzwerks mehr: aktuelle Angebote präsentieren, den Kunden zu sich locken und eine Beziehungsebene schaffen. Bilder, sagt Klewe, ermöglichen es, diese emotionale Bindung zu seinen Kunden aufzubauen. Auf Facebook zeigen zahlreiche Fotoalben einen Blick hinter die Kulissen: Firmenfeiern, Baustellen oder das Team von Zweik. „Damit sind wir für den Nutzer greifbar und nicht mehr so steril“, erklärt er.
Mit Emotionen punkten
Mit den Usern interagieren und auf sie zugehen, das ist die Arbeitsweise von Klewe auf Facebook. Das gilt auch dann, wenn er sich Kritik stellen muss. In sechs Bewertungen erhielt Zweik fünf Sterne, somit die volle Punktzahl − allerdings auch zwei Mal nur drei Sterne. In solchen Situationen sucht Klewe das Gespräch. In einem der beiden Fälle stellte sich heraus, dass sich die Person bei der Vergabe der Sterne nur verklickt hatte. In dem anderen Fall war nichts mehr zu machen. Unklarheiten und Terminschwierigkeiten hatten die Kundin zu ihrer Bewertung veranlasst. Klewe sieht das sportlich: „Netzwerke wie Facebook sind auch dazu da, sich auszutauschen und die Meinung frei zu äußern zu dürfen.“
