Massive Ahorndielen können große Kräfte aufbringen. Wer sie unterschätzt, erlebt sein blaues Wunder, wie der etwas zu mutige Verleger in diesem Schadensfall. Feuchtigkeit und fehlende Verschraubung führten zu Aufwölbungen.
Schlicht falsch konstruiert
Beim Ortstermin war das Problem sofort offensichtlich. Der erste Versuch, die Türen der seit Fertigstellung vor drei Monaten unbewohnten Erdgeschosswohnung zu öffnen, scheiterte und erst nach kräftigem Drücken gelangte man in den Flurbereich. Der massive, naturgeölte Ahorndielenboden hatte sich dort erheblich aufgewölbt und glich beim Begehen eher einem Schwingrasen als einem fest arretiertem Fußboden. In einem seitlichen Arbeitszimmer war sogar ein Buckel von ca. 15 Zentimeter entstanden.
„Wir haben die Räume noch nicht in Nutzung genommen, denn bereits kurze Zeit, nachdem wir aus dem Obergeschoss in die neu fertiggestellte untere Wohnung ziehen wollten, zeigten sich die jetzt immer noch vorherrschenden Mängel“, berichtet der Wohnungseigentümer. Der Verlegebetrieb wurde sofort informiert und schickte zwei Mitarbeiter, die den Boden bereits in einem Raum frei schnitten, indem sie von oben mit einer Kreissäge die Längsstöße öffneten. „Damit lagen die Parkettdielen zwar wieder eben auf, aber mit dem Bild wollen wir eigentlich nicht leben. Seitdem haben wir niemanden mehr gesehen. Wahrscheinlich wusste der Auftragnehmer nicht weiter oder hoffte auf die Winterperiode“, mutmaßte der gut informierte Kunde.
Sachlage
Der Privatsachverständige, der in diesem Falle um Rat gefragt wurde, bemerkte sofort, dass das herrschende Raumklima für einen Ahorndielenboden eine recht große Herausforderung war, ohne auch nur eine Messung vorzunehmen. Die Holzfeuchte, die er dann elektrisch mit etwa 12,9 Prozent HF bei relativen Luftfeuchten von ca. 70,5 Prozent feststellte, ließen ihn ahnen, dass der Boden sich aufgrund dieser Bedingungen aufgewölbt hatte. Er nahm zunächst die Angaben zur Konstruktion des Bodens auf:
Auf einem alten, grob geschliffenen und spannungsarm gespachteltem Dielenboden war eine 22 Millimeter dicke Verlegespanplatte verschraubt worden, hieß es. Das konnte der Sachverständige kaum glauben.
In den freigeschnittenen Bereichen konnte er tatsächlich die Dielen problemlos anheben, die sich dann inklusive der damit verbundenen Spanplatte offenbarte. In der Tat war diese 22 Millimeter dick, aber sie war nicht verschraubt, sondern lag lose auf dem alten gespachtelten Dielenboden.
„Der Aufbau ist in allen Bereichen gleich.Wir haben geglaubt, eine 22 Millimeter dicke Spanplatte verklebt mit einer 21 Millimeter dicken Massivdiele, wäre konstruktiv geeignet, die auf sie einwirkenden Kräfte aufzufangen. Wenn die Hausherren sofort eingezogen wären, wie angekündigt, wäre das alles nicht passiert“, fühlte sich der Parkettleger immer noch im Recht, denn die Luftfeuchten von 70 Prozent lägen erheblich über den in der nachweislich übergebenen Pflegeanweisung genannten.
Schadensanalyse
Doch darauf wollte sich der Gutachter keineswegs einlassen. Zwar ist das vorgefundene Raumklima durchaus eine Herausforderung für den Ahornmassivdielenboden, zumal dann, wenn er offenporig geölt statt versiegelt ist.
Denn es baut sich sehr rasch ein Feuchtegefälle von oben nach unten auf und damit entsteht aufgrund seiner zunächst einseitig ausgeprägten Quellneigung das Bestreben des Bodens, sich flächig aufzuwölben. Doch gerade das gilt es konstruktiv zu verhindern und das schafft man nur mit einer ausreichend biegesteifen Konstruktion. Die ist hier keinesfalls gegeben. Eine schwimmende Verlegung mit den gewählten Materialdicken, sogar ohne trennende Unterlagsbahn, direkt auf dem alten Dielenboden ist eindeutig fachlich falsch und das völlig unabhängig vom Raumklima.-