Eine aus ungeklärten Gründen ausgelöste Sprinkleranlage flutete im vergangenen Jahr den Rittersaal im Schloss Mannheim. Auf dem Weg der minimalinvasiven Bohrlochinjektion gelang es, den stark wassergeschädigten Parkettboden zu retten.
Schloss Mannheim ist eine ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz. Die barocke Dreiflügelanlage wurde ab 1720 im Auftrag von Karl Philipp von der Pfalz nach einem Entwurf von Jean Clemens Froimon erbaut. Kunsthistorisch bedeutsam sind insbesondere das Treppenhaus, der Rittersaal und das kaiserliche Quartier. Die Schlossanlage wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört. Nach dem Krieg wurde der Wiederaufbau beschlossen und von 1957 bis 1964 umgesetzt. Seit 1967 dient Schloss Mannheim als Sitz der Universität Mannheim.
In dem prunkvollen, 360 Quadratmeter großen Rittersaal im Mittelbau des Schlosses ereignete sich an dem 13. Februar 2024 ein großer Wasserschaden. Aus noch ungeklärter Ursache war die Sprinkleranlage in der Bibliothek der Universität, die sich oberhalb der Beletage des Schlosses befindet, ausgelöst worden. Daraufhin drangen große Mengen an Wasser durch die Decke. Es floss insbesondere an den sieben Kronleuchtern herunter, ergoss sich in Sturzbächen in den Rittersaal und stand teilweise knöcheltief auf dem Parkettboden.
Das Schadensbild
Nach kurzer Zeit zeigte sich das Ausmaß der Schäden an dem Parkettboden. Deckschichten schüsselten sich, wölbten sich und lösten sich von der Rahmenfüllkonstruktion ab.
Die Schlossverwaltung rüstete den Rittersaal komplett mit einer Ebene unter der Decke ein. Das Deckenfresko wurde durch Restauratoren wochenlang auf Beschädigungen und Feuchte untersucht. Das Gerüst blieb bis zur vollständigen Trocknung der Decke stehen.
Schloss Mannheim: Parkettboden war zu retten
Auf den Parkettboden wurde während dieser Zeit keine Rücksicht genommen. Die Schlossverwaltung ging davon aus, dass der Parkettboden eh nicht mehr genutzt werden kann und erneuert werden muss. Doch dem war nicht so: Im Zuge der Schadensdokumentation des Parkettbodens, die im Frühsommer 2024 Eddy Keilbach, Geschäftsführer der Zweik GmbH in Hockenheim, ausführte, war schnell klar: Der Parkettboden ist zu retten. Allerdings ausschließlich, auf dem Weg der minimalinvasiven Bohrlochinjektion.
Nach der Rücktrocknung des Parkettbodens auf seine Ausgleichsfeuchte klopften die Parkettprofis den gesamte Parkettboden im Rittersaal ab, um die gelösten Decklagen zu identifizieren. Die Unterspritzarbeiten wurden von den Parkettrestauratoren Eddy Keilbach (Zweik GmbH), Lars Wildermann (Parketthandwerk Wildermann) und Marko Domschke Fachgruppenleiter der Parkettrestauratoren (Parkett & Restaurierungswerkstatt Domschke) ausgeführt.
Minimalinvasive Bohrlochinjektion mit rund 20.000 Injektionsstellen
Nach den Verleimarbeiten mit gut 20.000 Injektionsstellen haben die Restauratoren die Wasserlackoberfläche, die bei einer Renovierung des Schlosses 2007 aufgebracht wurde, abgenommen und eine traditionelle Oberfläche mit einem Öl und Öl/Wachs aufgebracht. Heute erstrahlt der restaurierte Parkettboden im Rittersaal in neuem Glanz.

