Fachgruppe Holz: Tagung im Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig Parkett quälen für den Fortschritt

Decklamellenablösungen bei Mehrschichtparkett sind die Ausnahme, nicht die Regel. Im Rahmen der Tagung wurden ­gängige Prüfmethoden für Klebstoffe hinterfragt und neue Projekte vorgestellt. Denn einheitliche Kriterien gibt es bislang nicht.

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    Wilhelm Nürnberger, Fachgruppenleiter Holz: „Vielleicht sollte man sich unterschiedliche Prüfverfahren überlegen, wenn praxisgeeignete Materialien bei bestimmten Tests versagen.“
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    Peter Fendt, Bundesinnungsmeister und Moderator der Tagung, wandte sich an die Hersteller: „Wir haben Anspruch auf gute Produkte und ebenso auf gute Produktunterlagen.“
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    Dr. Andreas Rapp, Professor für Holztechnik und Didaktik an der Leibniz Universität Hannover: „Nicht der Silanklebstoff ist das Problem, sondern die Rezeptur. Klare Regeln gibt es nicht.“
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    Decklamellenablösungen standen im Zentrum der hochkarätigen Vorträge anlässlich der Tagung der Fachgruppe Holz, die sich auf Einladung des Wilhelm-Klauditz-Institutes in Braunschweig traf.
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    Dr. Jörn Haferkorn, Leiter des Produktmanagements Klarlacke beim Versiegelungshersteller Loba in Ditzingen: „Stellschrauben sind vorhanden, aber nicht ohne Nebenwirkungen.“
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    Dr. Falko Wepner, Leiter der technischen Produktentwicklung bei Hamberger Flooring: „Wir sind mittendrin in der Prüfungsphase des von den DACH-Regionen und EU-Ländern geförderten Projekts.“

Mit einem hochkarätig besetzten und sehr anspruchsvollen Seminar wollte die Fachgruppe Holz die Lieferanten ein wenig „kitzeln“, wie es Bundesinnungsmeister Peter Fendt in seinem Grußwort ausdrückte: „Wir haben Anspruch auf gute Produkte und ebenso gute Produktunterlagen“, begründete er die Themenwahl bei der Veranstaltung, die vom Leiter der Fachgruppe Holz, Wilhelm Nürnberger, moderiert wurde.

Professor Dr. Andreas Rapp (Universität Hannover), begann das „Kitzeln“ mit einem Vortrag über Untersuchungen von Silanklebstoffen, die in Verbindung mit Parkett zu Schäden geführt hatten. Rapp hatte bereits auf dem Forum Handwerk, das im Rahmen der Domotex 2015 in Hannover stattfand, die Problematik angerissen und sammelte in der Folge weitere Erkenntnisse über immer wiederkehrende Reaktionsmechanismen im Umgang mit diesen Klebstoffen. Er stellte fest: „Es  ist wichtig, nicht alle Hersteller über einen Kamm zu scheren. Außerdem sind nicht alle Typen von Schadensanhäufungen betroffen.“ In der anschließenden Diskussion lautete der Grundtenor, dass vornehmlich die älteren Klebstoffe mit hohem Weichmacheranteil auffällig seien, während weichmacherfreie, silanterminierte Klebstoffe bisher keine Schäden verursacht hätten. Nicht der Silanklebstoff als solcher, sondern die Rezeptur sei das Problem, betonte Rapp. Klare Regeln gibt es bislang noch nicht. Es steht auch kein bestimmter Untergrund im Verdacht, Auslöser für die manchmal erst nach Jahren auftretenden Schäden mit der Folge von oftmals teuren und für die betroffenen Handwerker sehr misslichen Beanstandungen zu sein.

In einem weiteren Beitrag präsentierte Rapp das bereits auf dem Deutschen Sachverständigentag in Feuchtwangen vorgeschlagene Klassifizierungssystem für Parkett auf fußbodenbeheizten Konstruktionen auf Grundlage der DIN 1264 (siehe bwd 10/2015 – „Mit der A-Klasse ins Wohnzimmer“). Der Vorschlag muss praktikabel und verständlich für Hersteller, Planer, Nutzer, Anwender und auch für Gutachter formuliert sein, betonte Rapp, der im Rahmen des Sachverständigen-Arbeitskreises mittlerweile auch mit der Parkettindustrie Gespräche geführt hat. Der Verband der deutschen Parkettindustrie (VDP) hat seinerseits mit viel Geld ein eigenes, europaweites Forschungsvorhaben mit ins Leben gerufen. Die Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor. Deshalb stehen die Parketthersteller dem Vorschlag der Klassifizierung erst einmal abwartend gegenüber. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt müssten in die Einstufungsansätze mit eingebracht werden, hieß es analog dazu in einem in der Zwischenzeit veröffentlichten Artikel in der Fachpresse.

Dass allerdings die immer wieder angeführten Schichtablösungen bei Mehrschichtparkett weit weniger im Fokus stehen, als es gemeinhin den Anschein hat, zeigte Dr. Dirk Lukowsky (WKI, Braunschweig) eindrucksvoll bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse eines Forschungsprojektes, in dem die Verleimungsqualität verschiedener Parkette unter Berücksichtigung möglicher Renovierungszyklen untersucht wird. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Leistungseigenschaften des Parketts selbst, die Vorhersage der Leistungseigenschaft und die Vorhersage der Lackierbarkeit, das heißt die optimale Beschichtungsstrategie des zu renovierenden Parketts, zu erforschen. 23 unterschiedliche Typen wurden unter extremen Verhältnissen auf 0,5 Quadratmeter großen Flächen „gequält“, das heißt mit Hilfe von Fußboden-Heizungen extremen raumklimatischen Bedingungen ausgesetzt, die Holzfeuchten von bis zu drei Prozent nach sich zogen. Nur bei drei Parketten, die bereits als schadensauffällig bekannt waren, zeigten sich geringe Delaminierungserscheinungen. Die strengen Anforderungen aus dem „Rapp-Projekt“ wurden nahezu von allen Produkten bestanden, bemerkte Lukowsky. Zwar waren bei extremer Untertrocknung teilweise erhebliche Risse festzustellen, aber keineswegs systembedingte, sondern holztypische, genauso wie sich die Parkette erwartungsgemäß  erheblich verformten. Ebenfalls waren lokale Ablösungen in den Fugenbereichen erkennbar. Nebenbei zeigte sich bei diesen Prüfungen, dass die Breite eines Elementes im Gegensatz zu massiven Elementen keinen Einfluss auf die Spannungen innerhalb der Decklagenverbindung hatte. Aus diesen Erfahrungen sollen nun praktikable Erkennungsmöglichkeiten erarbeitet werden, die dem Handwerker ermöglichen sollen, im Voraus abschätzen zu können, ob das Abschleifen eines Bodens mit einem erhöhten  Risiko verbunden sein könnte, um letztendlich ­
den Auftraggeber rechtzeitig zu informieren.

„Enthaftungen“ müssen vorher geprüft werden

Als Maßnahme ist laut Lu-­kowsky in Anlehnung an die ISO 26842-1 B2 für Mindestqualitäten eine 24-stündige Wasserlagerung bei 60 °C eine praktikable Prüfung. Er empfiehlt weiterhin, Decklagen von Mehrschichtparkett dahingehend zu untersuchen, ob sie sich verschieben, das heißt vom Trägeruntergrund „enthaften“. So seien auch nach Versiegelung alter Mehrschichtböden festgestellte große Fugen häufig ein Zeichen dieser „Enthaftungen“. Allein aus der Erfahrung der Holzwerkstoffe wisse man, dass – falls die vorgeschlagenen Tests positiv ausfallen – eine dauerhafte Festigkeit von
20 Jahren garantiert sei. Weiterhin wurden die Strategien der Beschichtung in die Untersuchungen mit einbezogen, wobei Lukowsky die Verwendung von Wasserlacken mit fachgerechten Versiegelungsmaßnahmen und selbst die baustellenmäßige UV-Lackbeschichtung als diskus­sionswürdig befand. Die Ergebnisse des Prüfungsvorhabens wird bwd in einer der nächsten Ausgaben ausführlich vorstellen.

Dr. Falko Wepner (Hamberger, Rosenheim) stellte den aktuellen Stand des europaweiten „Cornet“-Projektes vor, in dem es um Methoden zur Beurteilung von mehrschichtigen Parkettböden in Bezug auf Oberflächenqualität, Klimabeständigkeit und Verklebungsqualität geht. Auch die Vereinheitlichung und Reproduzierbarkeit der Prüfverfahren der Werkskontrollen der Hersteller stehen im Fokus der Prüfreihen, in die unterschiedliche Leime wie PVAc D4, UF, EPI oder PUR-Hotmelt sowie verschiedene internationale Testmethoden von Verleimqualitäten mit einbezogen wurden. In diversen namhaften Instituten laufen derzeit umfangreiche Ringversuche, die unter anderem zeigten, dass praxisbewährte Produkte mit HDF-Träger oder mit bestimmtem PVAc-Leim bei einigen der Tests nicht funktionierten. Genaueres aus diesen noch längere Zeit laufenden Projekten erfahren die bwd-Leser ebenfalls, sobald konkrete Ergebnisse vorliegen.

Dr. Jörn Haferkorn (Loba, Ditzingen) befasste sich mit den Stellschrauben, an denen die Lackhersteller drehen könnten, um die Lösungsmittelarmut ihrer Produkte zum Wohle von Mensch und Umwelt beziehungsweise im Speziellen im Sine der Bauberufsgenossenschaften weitestgehend gewährleisten zu können. Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, die aber auch nicht ganz wirkungsfrei wären.

Lösemittel reduzieren hat Vor- und Nachteile

So könnte man eine Lösemittelreduzierung mit dem Nachteil eines weicheren Lackes erreichen, was im Fußbodenbereich zwangsläufig problematisch wäre. Die Frage der VOCs oder SVOCs (Semi Volatile Organic Compounds) beeinflusse insbesondere die  Trocknungsgeschwindigkeit. Die Nutzung alternativer Lösemittel sei vor allem unter Berücksichtigung der Aushärtungs- und Verschmelzungsprozesse zu beleuchten.

Haferkorn brachte auch die UV-härtenden Baustellenlacke ins Gespräch. Sie bräuchten keine Verschmelzungsreaktion, weil die UV-Initiatoren das Koaleszenzmittel ersetzen und dadurch ein sofort vernetzter und gehärteter Lackfilm entsteht. Auch für die – wegen der vorhanden Lösemittel von den von der Bauberufsgenossenschaft ins Visier genommenen „Hartwachsöle“ – seien Alternativen vorhanden, so Haferkorn. Diese müssten jedoch erst auf ihre Funktionalität in der Praxis bewertet werden.

Wirksamkeit von Schalldämmunterlagen

Mit der Wirksamkeit beziehungsweise Unwirksamkeit von sogenannten „Schalldämmunterlagen“ unter schwimmend verlegten Parkett- und Laminatböden setzte sich Prof. Dr. Alfred Schmitz (TAC-Akustik) auseinander. Gefährliches Halbwissen beherrsche die Materie, sagte Schmitz und verwies auf die diversen Datenblätter, in denen mit Trittschallverbesserungsmaßen bestimmter Unterlagen von 14, 17 oder gar 23 dB geworben werde. Das wäre Unfug, weil die Nennung eines solchen Wertes ohne Aufbelag keine Aussagekraft hätte. In der Praxis sei dies gefährlich, weil heute vielmals weiche Teppichböden durch Hartbeläge ersetzt würden und sich vor Gericht daraus die Standardfrage ergibt, wer für die im Untergeschoss des Altbaus plötzlich hörbaren Geräusche verantwortlich ist. Im Neubau sei es hingegen völlig egal, für welchen Oberbelag sich der Handwerker entscheidet, denn für den Trittschall ist der schwimmende Estrich verantwortlich, so Schmitz.

Messwerte nicht verallgemeinern

Die Standardwerte, die in den  Werbebroschüren der Hersteller angegeben werden, rührten daher, dass die verbesserten Schallangaben der verschiedenen Unterlagen unter den Prüfbedingungen einer Betondeckenbelegung stattfinden und gemessen werden, eine Situation, die  lediglich bei Verbundestrichen im Altbau vorkommt. Die Faustregel, die Schmitz nannte, dass bei schwimmenden Estrichen die Aufbeläge mit Werten von 2,0   bis 3,0 dB ins Gewicht fallen würden, deckte sich übrigens sehr gut mit den Zahlen, die Mensch/Dietrich schon 1974 in ihrem Handbuch für Fußbodenaufbauten angeführt hatten, wie Veranstaltungsleiter Nürnberger bemerkte. Mit der Empfehlung, sich bei schalltechnischen Fragen als Handwerker keinesfalls aus dem Fenster zu lehnen und die Finger in dieser von vielen unbeeinflussbaren Dingen geschaffenen Situation zu lassen, endete der „akustisch“ sehr gut untermalte Vortrag.

Mit zunächst theoretisch anmutenden Fragen zur Feuchterekonstruktion von Deckschichten und der Erkennbarkeit beziehungsweise Rückstellbarkeit der plastischen Verformung von Holz beendete WKI-Gastgeber Lukowsky die Veranstaltung, die einen hohen Informationswert bot.