Versiegelung und Beschichtung Oberflächenveredelung: Fehler, Pflege, Trends

Oberflächenveredelung entscheidet über Lebensdauer und Optik eines Bodens – und über Reklamationen. Fachleute erklären, was moderne 2K-, PU- und MMA-Systeme leisten müssen, wo bei Untergrund und Verarbeitung die meisten Fehler passieren und warum sich Pflegeberatung bei der Übergabe für Betrieb und Kunden auszahlt.

Loba
Der Trend bei Loba, einem Spezialisten für die Veredelung und Pflege von Oberflächen, geht weiterhin zu natürlichen und authentischen Holzober­flächen. Besonders gefragt sind matte Optiken, die den Charakter des Holzes betonen. - © Bild: Loba

Das Wichtigste in Kürze

  • Verarbeiter erwarten Systeme mit kurzen Trocknungszeiten, langer Topfzeit, hoher Verarbeitungssicherheit und emissionsarmen, lösemittelfreien Formulierungen; isocyanatfreie 2K-Systeme gewinnen an Bedeutung.
  • Die Bestandsbodensanierung wächst – nicht wegen des Schlagworts Nachhaltigkeit, sondern wegen Kosten und kurzer Stillstandzeiten. Bisher wird nur ein Bruchteil der Bestandsböden saniert.
  • Häufigste Fehlerquelle ist die unzureichende Untergrundbeurteilung: Pflegefilme, falsch eingeschätztes Parkett, Schleiffehler, zu geringe Auftragsmengen, nicht eingehaltene Verarbeitungsfenster. Circa 70 Prozent der Sanierungszeit entfallen auf die Bodenvorbereitung.
  • „Wartungsfrei“ gibt es nicht: Werksschutzschichten verschleißen. Pflegeintervalle und die Reinigungs- und Pflegeanleitung nach DIN 18365 gehören aktiv in die Übergabe.
  • Gestalterisch gefragt sind matte bis ultramatte Oberflächen, Rohholzoptik, gedeckte Erdtöne, Color-Chips, Betonlook und Lavastein-Optik.

Moderne Oberflächenveredelung muss heute weit mehr leisten als reinen Schutz. Verarbeiter erwarten sichere, effizient einsetzbare Systeme mit kurzen Trocknungszeiten, hoher Belastbarkeit und verlässlichen Ergebnissen, um Böden zu erhalten und zu gestalten. Doch über die Qualität einer Oberfläche entscheidet nicht allein das gewählte Ausführungsprodukt, sondern auch die Untergrundprüfung, die Verarbeitung und der spätere Werterhalt.

Zugleich steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Design und Pflege. Durch die richtige Pflege erreichen Bodenbeläge eine längere Lebensdauer. Fußbodenbeschichtungen dienen aber nicht nur der Erhaltung, sondern auch der Gestaltung neuer Böden. Dieser Beitrag zeigt, worauf es ankommt und wo Fehler lauern.

Was Verarbeiter von moderner Oberflächenveredelung erwarten

Welche Eigenschaften moderner Systeme sind für den Verarbeiter heute besonders relevant? „Die Anforderungen sind vielfältig – entscheidend ist daher ein passgenaues, sicher anwendbares System. Verarbeiter erwarten heute Lösungen mit breitem Anwendungsspektrum, hoher Verarbeitungssicherheit und reproduzierbaren Ergebnissen“, sagt Jochen Röck, Leiter der Anwendungstechnik bei Pallmann.

Zugleich gewinnen aus seiner Sicht Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekte weiter an Bedeutung. Emissionsarme und lösemittelfreie Produkte, die zu einer sehr guten Raumluftqualität beitragen, seien für viele Bauherren und Endkunden heute ein wesentliches Entscheidungskriterium. Auch gestalterisch wachse der Anspruch, hat Röck beobachtet: Ein Parkettboden solle weiterhin langlebig und belastbar sein, zusätzlich aber den individuellen Einrichtungsstil unterstreichen.

„Gefragt sind Produkte, die eine schnelle Fertigstellung von Projekten ermöglichen, beispielsweise durch Ein-Tages-Systeme oder kurze Trocknungszeiten“, berichtet Claus Wissutschek, Technical Brand Manager bei Loba. Gleichzeitig gewännen universell einsetzbare Produkte für Renovierungen und Sanierungen an Bedeutung, da Bestandsbauten einen immer größeren Anteil am Markt ausmachten.

„Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verarbeitungssicherheit. Emissionsarme Systeme mit hoher Anwendungstoleranz helfen dabei, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen und Reklamationen zu vermeiden“, so Wissutschek weiter. Neben der technischen Leistungsfähigkeit spiele auch die Wirtschaftlichkeit eine wesentliche Rolle. Ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis bleibe daher entscheidend.

Parkettboden
Ein Parkettboden soll belastbar sein, aber darüber hinaus auch den individuellen Einrichtungsstil unterstreichen. Mit der „Pall-X 333 Color Collection“ bietet zum Beispiel Pallmann eine ­Reihe von Gestaltungsoptionen für Parkettböden an. - © Bild: Pallmann

Schnelle Nutzbarkeit: lange Topfzeit, kurze Trocknung, isocyanatfreie Härter

RZ ist Teil von Pallmann, einer Marke der Uzin Utz SE für die professionelle Werterhaltung von Bodenbelägen. Pascal Petr, Vertriebsleiter RZ, nennt die schnelle Trocknung und Aushärtung – also die schnelle Nutzbarkeit der Fläche – als wichtiges Kriterium.

„Moderne 2K-Systeme verbinden dabei eine lange Topfzeit mit kurzer Trocknungszeit: Sie bleiben im Gebinde über einen längeren Zeitraum gut verarbeitbar und bieten damit ein ausreichend großes Zeitfenster für ansatzfreies Arbeiten. Nach dem Auftrag auf dem Boden trocknen sie jedoch schnell, so dass die Fläche zeitnah weiter genutzt werden kann“, führt er aus. Auch ein gutes Verlaufverhalten sei entscheidend. Zudem spielten lösemittelfreie Formulierungen eine immer größere Rolle.

Moderne Systeme basieren heute überwiegend auf Wasser, etwa wasserbasierte PU-Siegel. Ergänzend gewännen isocyanatfreie 2K-Systeme an Bedeutung, sagt Petr. Während klassische Härter allergieauslösende Isocyanate enthalten könnten, setzten moderne Systeme zunehmend auf alternative Vernetzer, die ohne Gefahrstoffkennzeichnung auskämen.

Gerade in Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sei darüber hinaus die Chemikalien- und Desinfektionsmittelbeständigkeit wichtig. Auch Weichmacher, etwa aus Autoreifen in Autohäusern oder aus bestimmten Matten, könnten eine Herausforderung darstellen.

„Neben einer einfachen Verarbeitung gewinnen kurze Ausfallzeiten und die Möglichkeit, bestehende Bodenbeläge zu erhalten, indem sie saniert statt ausgetauscht werden, zunehmend an Bedeutung in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen“, heißt es von KLB Kötztal, einem Anbieter von Systemlösungen auf Reaktionsharzbasis.

Bestandsbodensanierung: Kosten und Stillstandzeiten entscheiden

Für den Verarbeiter gewinnt die Bestandsbodensanierung aktuell immer mehr an Bedeutung, weiß Andreas Carstens, Geschäftsführer der Alster-Nord Gebäudedienstleistung GmbH aus Henstedt-Ulzburg. „Deshalb ist für moderne Systeme die schnelle Überarbeitungsfähigkeit der einzelnen Aufbauschichten sehr wichtig. Dies führt zu einem schnellen Sanierungsablauf und zur Zeitersparnis. Bestandsbodensanierung wird in der Regel im laufenden Betrieb oder unter möglichst geringer Zeit der Betriebsunterbrechung durchgeführt, da diese Betriebsunterbrechung rechnerisch die Kosten der Sanierung erhöht.“

Die Nachhaltigkeit einer Bestandsbodensanierung sei ein Schlagwort. Seiner Erfahrung nach seien aber die Kosten und geringeren Stillstandzeiten in den Unternehmen ausschlaggebender dafür, dass sich der Markt in Richtung Bestandsbodensanierung statt Bodenerneuerung verschiebe. Carstens: „Dieses Verschiebungspotenzial ist gewaltig, da gegenwärtig nur Bruchteile der Bodenbeläge im Bestand saniert werden.“

Verarbeitungsfenster und Belastbarkeit bei fugenlosen Flächen

Für Jeroen Strecker, Head of Business Arturo, müssen „moderne Beschichtungssysteme ein ausreichend großes und klar definiertes Verarbeitungsfenster bieten. Gerade bei größeren, fugenlosen Flächen entscheidet die Zeit zwischen Anmischen, Verteilen und Entlüften maßgeblich über die optische Qualität.“

Maßgeblich seien zudem gute Verlaufseigenschaften für homogene Oberflächen, eine hohe Robustheit auch bei geringer Schichtdicke sowie eine sichere Haftung durch abgestimmte Systemkomponenten. Gleichzeitig gewännen emissionsarme, geruchsarme und möglichst lösemittelfreie Systeme an Relevanz.

Kurze Überarbeitungs- und Aushärtezeiten seien insbesondere in Sanierungen, im Ladenbau, in der Gastronomie oder bei gewerblichen Objekten weitere wichtige Faktoren. Ergänzend schreibt Strecker klaren Verarbeitungsvorgaben, einem verlässlichen technischen Support und Schulungsangeboten eine zentrale Rolle zu. Fugenlose Böden lieferten nur im Zusammenspiel von Material, Untergrundprüfung und fachgerechter Verarbeitung gute Ergebnisse.

Hubert Weimann, Geschäftsführer Silikal, sagt: „Für viele Projekte ist es unabdingbar, den laufenden Betrieb nur kurz zu unterbrechen und die Flächen schnell wieder nutzen zu können.“ Installierte Böden seien bereits eine Stunde nach dem Aufbringen der letzten Schicht voll belastbar. Verarbeiter schätzten, dass Silikal-Systeme untergrundtolerant seien und auf nahezu allen Untergründen funktionierten, sagt Weimann. Bedingung: Die Basis müsse entsprechend vorbereitet werden.

Häufigster Fehler: unzureichende Untergrundbeurteilung

Ungeachtet aller professionellen Produkte und Systeme: In der Praxis kann immer etwas schieflaufen. Eine hochwertige Oberfläche beginne mit einer sorgfältigen Untergrundvorbereitung, heißt es von KLB Kötztal. In der Praxis würden vorhandene Pflegefilme, Verschmutzungen oder haftungsmindernde Rückstände häufig unterschätzt, teilt das Unternehmen mit. Werde die Oberfläche vor dem Auftrag der eigentlichen neuen Nutzschicht der 2K-PU-Versiegelung nicht ausreichend vorbereitet, könne dies die Qualität und Dauerhaftigkeit des Ergebnisses beeinträchtigen.

Diese Einschätzung teilt Hubert Weimann (Silikal): „Aus unserer Sicht ist einer der häufigsten Fehler eine unzureichende Untergrundbeurteilung. Außerdem ist es wichtig, die Belastung des zukünftigen Bodens zu kennen und richtig einzuschätzen: Fahren Stapler darüber, muss eine andere Schichtdicke gewählt werden als bei leichteren Belastungen.“

Auch die klimatischen Baustellenbedingungen spielen eine Rolle und dürfen nicht unterschätzt werden, sagt Jochen Röck (Pallmann): „Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrund- und Materialtemperatur haben einen unmittelbaren Einfluss auf Verlauf, Trocknung, Topfzeit und Haftung einer Oberfläche. Bei hohen Temperaturen reagieren beispielsweise 2K-Lacke deutlich schneller. Niedrige Temperaturen können dagegen insbesondere bei Grundierölen die Trocknung spürbar verzögern.“

Werden die empfohlenen Verarbeitungsfenster nicht eingehalten, könne dies zu Rollansätzen, ungleichmäßigen Optiken oder Haftungsproblemen führen. In der Praxis seien solche Fälle glücklicherweise die Ausnahme – auch, weil professionelle Verarbeiter die Bedeutung sauberer Rahmenbedingungen kennen.

Bestand richtig beurteilen: Holzart, Pflegeschichten, Auftragsmengen

„Viele Probleme entstehen bereits in der Vorbereitung und Bewertung des vorhandenen Bodens. Gerade bei Renovierungen und Sanierungen stellt die fachgerechte Beurteilung des Bestands eine große Herausforderung dar“, so Claus Wissutschek (Loba). Häufig würden Holzart, Sortierung, Alter und Zustand des vorhandenen Parketts nicht vollständig erfasst oder falsch eingeschätzt. Auf dieser Grundlage werde dann unter Umständen ein ungeeigneter Systemaufbau ausgewählt. Das könne später zu optischen oder technischen Mängeln und letztlich zu Schäden führen.

Darüber hinaus zählen laut Wissutschek Schleiffehler nach wie vor zu den häufigsten Ursachen für Reklamationen. Ein weiterer kritischer Punkt sei die Einhaltung der empfohlenen Auftragsmengen. Häufig führe ein zu geringer Materialauftrag zu einem unruhigen Verlauf, einer ungleichmäßigen Optik und damit zu einem insgesamt weniger hochwertigen Oberflächenbild.

„Bei elastischen Bodenbelägen wie PVC, Vinyl, Linoleum, Kautschuk oder Polyurethan- und PU-Böden liegt der häufigste Fehler in der unvollständigen Entfernung alter Pflegeschichten vor dem Auftrag einer neuen Versiegelung“, erläutert Pascal Petr (RZ). Und: „Wird der Boden vor der Einpflege oder PU-Versiegelung nicht gründlich und tiefenrein gereinigt, kann das neue Produkt nicht sicher auf dem Untergrund haften.“ Die Folge könnten unschöne Flecken, Abplatzungen der neuen Versiegelung oder klebrige Oberflächen sein.

Andreas Carstens (Alster-Nord Gebäudedienstleistung): „Für den Verarbeiter ist die größte Herausforderung immer wieder die Bodenvorbereitung. Hier werden in der Regel circa 70 Prozent des gesamten Zeitaufwandes der Sanierung verbraucht. Die Optik und die Haltbarkeit der Sanierungsoberfläche sind aber entscheidend davon abhängig. Und genau hier entstehen in der Praxis auch die häufigsten Fehler.“

Häufig würden Flächen zu früh begangen, eingerichtet oder mit ungeeigneten Materialien abgedeckt. Auch Punktlasten, scharfkantige Möbelgleiter oder ungeeignete Reinigungsmittel könnten die Oberfläche frühzeitig schädigen, ergänzt Jeroen Strecker (Arturo).

Checkliste: Die häufigsten Fehlerquellen bei der Oberflächenveredelung

  • Untergrund nicht beurteilt: Pflegefilme, Verschmutzungen und haftungsmindernde Rückstände unterschätzt (KLB Kötztal)
  • Bestand falsch eingeschätzt: Holzart, Sortierung, Alter und Zustand des Parketts nicht vollständig erfasst – Folge: ungeeigneter Systemaufbau (Loba)
  • Alte Pflegeschichten auf elastischen Belägen nicht vollständig entfernt – Folge: Flecken, Abplatzungen, klebrige Oberflächen (RZ)
  • Künftige Belastung nicht berücksichtigt: Staplerverkehr erfordert eine andere Schichtdicke als leichtere Belastungen (Silikal)
  • Schleiffehler (Loba)
  • Empfohlene Auftragsmengen unterschritten – Folge: unruhiger Verlauf, ungleichmäßige Optik (Loba)
  • Klimabedingungen ignoriert: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrund- und Materialtemperatur beeinflussen Verlauf, Trocknung, Topfzeit und Haftung (Pallmann)
  • Verarbeitungsfenster nicht eingehalten – Folge: Rollansätze, ungleichmäßige Optik, Haftungsprobleme (Pallmann)
  • Fläche zu früh begangen, eingerichtet oder mit ungeeigneten Materialien abgedeckt; Punktlasten, scharfkantige Möbelgleiter, ungeeignete Reinigungsmittel (Arturo)

Pflege und Auffrischung: Werterhalt wird unterschätzt

Die professionelle Pflege und Auffrischung sind wichtig für den Werterhalt der Oberfläche. Wird dieser Aspekt in der Praxis bei Betreibern und Verarbeitern unterschätzt?

Andreas Carstens (Alster-Nord Gebäudedienstleistung): „Ja. Die Lebensdauer einer Oberfläche ist entscheidend von der Instandhaltungstätigkeit abhängig. Zur Instandhaltung gehören die richtige Ausführung der täglichen Unterhaltsreinigung, aber auch die regelmäßige Prüfung der Oberfläche auf Beschädigungen sowie die notwendige Überarbeitung der Flächen.“ Die Verarbeiter hätten in der Vergangenheit offensichtlich wenig darüber gesprochen. Aus seiner Sicht hat sich bei den Betreibern und Verantwortlichen für die Instandhaltung das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Instandhaltungsmaßnahmen „über die vergangenen Jahre extrem verringert“.

Dies sei zum einen den Unternehmensberatern geschuldet, die vor Jahrzehnten durch eine Welle der Einsparungen in der Reinigung eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt hätten. Zum anderen sei es dem Vertrieb der Belagsindustrie zuzuschreiben, der im Markt seit einigen Jahren behaupte, die Oberflächen bedürften keiner besonderen Pflege, da die werksseitigen Oberflächenvergütungen die Beläge dauerhaft schützten. Dem sei nicht so, glaubt Carstens – und das werde in der Regel beim Lesen der Pflegeanleitungen auch klar.

Auch Jochen Röck (Pallmann) sagt, dass eine hochwertige Oberfläche ihre Schutz- und Gestaltungseigenschaften langfristig nur bewahren könne, wenn sie fachgerecht gereinigt und regelmäßig gepflegt werde. Angesichts der großen Zahl veredelter Böden im Markt müsste der Anteil an eingesetzten Reinigungs- und Pflegeprodukten deutlich höher sein. Fehle die kontinuierliche Pflege, verschleiße die Oberfläche schneller. Dadurch könnten frühzeitig Renovierungs- oder Schleifmaßnahmen notwendig werden – mit zusätzlichem Aufwand und vermeidbaren Kosten für den Betreiber.

„Die zentrale Herausforderung besteht darin, Endkunden für dieses Thema zu sensibilisieren, da Hersteller und Verarbeiter nicht immer im direkten Kontakt mit ihnen stehen“, so Röck. Umso wichtiger sei es, dass das Fachhandwerk die richtige Pflege bereits bei der Übergabe des Bodens aktiv thematisiere und konkrete Empfehlungen mitgebe.

Pflegeintervalle einhalten – sonst drohen Grundreinigung und Nachölen

„Viele Betreiber und Nutzer konzentrieren sich zunächst auf die Reinigung des Bodens, während regelmäßige Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen oft vernachlässigt werden. Dabei sind diese entscheidend, um die Schutzfunktion der Oberfläche dauerhaft zu erhalten“, betont auch Claus Wissutschek (Loba).

Werden Pflegeintervalle nicht eingehalten, entstünden mit der Zeit Abnutzungserscheinungen, durch die Feuchtigkeit und Schmutz leichter in die Oberfläche eindringen könnten. In solchen Fällen reiche eine einfache Reinigung häufig nicht mehr aus. Stattdessen seien aufwendigere und kostenintensivere Maßnahmen wie Grundreinigungen, Renovierungspflegen, Nachölen oder sogar Überarbeitungen der Oberfläche erforderlich. Regelmäßige Pflege stelle daher keine zusätzliche Belastung dar, sondern sei eine wirtschaftliche Investition in die Werterhaltung des Bodens.

RZ Turbo Protect Plus
Mit „RZ Turbo Protect Plus“, einer transparenten Versiegelung für ­elastische Bodenbeläge, lassen sich Oberflächen bei Neuverlegungen und Renovierungen schützen. - © Bild: RZ

„Wartungsfrei“ gibt es nicht: Werksschutzschichten verschleißen

Sowohl Betreiber und Nutzer als auch viele Verarbeiter unterschätzen diesen Aspekt Pascal Petr (RZ) zufolge deutlich. Elastische Bodenbeläge müssten deshalb oft weit vor dem Ende ihrer eigentlichen technischen Lebensdauer ausgetauscht werden. Viele Betreiber kauften moderne Beläge wie Design-Vinyl oder werkseitig PU-vergütetes Linoleum im Glauben, der Boden sei „wartungsfrei“. „Dass jede Werksschutzschicht durch Sand, Straßenschmutz und aggressive Reinigungsmittel irgendwann verschleißt und erneuert werden muss, wird oft erst bemerkt, wenn der Boden bereits stumpf, vergraut oder irreparabel verkratzt ist“, führt er aus.

In vielen Objekten werde das Reinigungsbudget zugunsten einer schnellen, oberflächlichen Unterhaltsreinigung zusammengestrichen. Die für den Werterhalt essenzielle, periodische Intensivreinigung und Sanierungsmaßnahme werde aus Kostengründen oder Unwissenheit verschoben. Hinzu komme, dass Betreiber schlichtweg nicht wüssten, dass sich ein elastischer Boden für einen Bruchteil der Kosten eines Neukaufs durch moderne PU-Versiegelungssysteme optisch und funktional in den Neuzustand versetzen lasse.

Viele Bodenleger hingegen definierten ihr Kerngeschäft über das reine Verlegen neuer Böden. Das lukrative und nachhaltige Folgegeschäft der Sanierung und Langzeitpflege werde oft liegengelassen. Zudem kritisiert Petr die mangelnde Aufklärung bei der Übergabe. Nach der Fertigstellung eines Projekts herrsche oft Zeitdruck. Die vorgeschriebene Übergabe einer detaillierten Reinigungs- und Pflegeanleitung nach DIN 18365 erfolge häufig „nur als Alibi-Zettel in den Projektunterlagen, anstatt den Kunden aktiv einzuweisen“.

Falsche Reinigungsmittel greifen die Versiegelung an

Auf einen weiteren „großen Fehler“ weist Jeroen Strecker (Arturo) hin: „Stark alkalische, lösemittelhaltige oder scheuernde Produkte können die Oberfläche angreifen, den Glanzgrad verändern oder die Schutzwirkung einer Versiegelung mindern. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Unterhaltsreinigung mit geeigneten Produkten und Methoden. Besonders in hoch frequentierten Bereichen – etwa im Handel, in Büros, Praxen, Hotels oder der Gastronomie – sollte ein objektbezogenes Pflege- und Instandhaltungskonzept von Anfang an Teil der Planung sein.“

Auch Verarbeiter könnten hier eine wichtige Beratungsrolle einnehmen: Pflegehinweise, Übergabeprotokolle und konkrete Empfehlungen für Reinigung, Schutzmaßnahmen und Renovierungsintervalle sollten selbstverständlich zum System gehören.

Hubert Weimann (Silikal) hebt hervor: „Kein Boden funktioniert ohne Reinigung. Und das gilt auch für unsere Silikal-Bodenbeschichtungen auf Basis von Methylmethacrylat. Wenn Schmutz darauf liegen bleibt, nützt es eben auch nichts, wenn sich unsere Böden gut und leicht reinigen lassen.“ Bei Auffrischung und Aufarbeitung böten Silikal-Bodensysteme einen praktischen Vorteil: „Wann immer etwas Unvorhergesehenes passiert, zum Beispiel etwas runterfällt, der Boden abplatzt oder Ähnliches, sind die Silikal-MMA-Systeme reparabel. Neues Material haftet auf dem alten und somit ist der Reparaturaufwand gering – und vor allem ist eine solche Reparatur schnell erledigt“, so Weimann.

Gestaltungstrends: matte Farbflächen, Rohholzoptik, Color-Chips

Neben den funktionalen Aspekten spielt auch die Gestaltung bei der Oberflächenveredelung eine wichtige Rolle. Was ist angesagt? KLB Kötztal teilt mit: „Gefragt sind vor allem ruhige, matte Farbflächen in modernen Grau- oder Beigetönen, aber auch intensive Farben wie Grün oder Orange. Gleichzeitig wächst das Interesse an dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten wie Farbchips-Einstreuungen, mit denen bestehende Bodenbeläge optisch aufgewertet und an moderne Raumkonzepte angepasst werden können.“

Bei Pallmann gewinnt die helle, vergilbungshemmende Rohholzoptik deutlich an Relevanz. Sie verbinde die natürliche Ausstrahlung unbehandelten Holzes mit dem Schutz und der Alltagstauglichkeit einer professionell veredelten Oberfläche, führt Jochen Röck aus. Silikal setzt bei seinen MMA-Böden vor allem auf vielfältige Farben und Oberflächen und bietet darüber hinaus individuelle Farbkonzepte an.

Modulare Farbsysteme, Ultra-Matt-Finishes und Lavastein-Optik

„Verarbeiter und Planer greifen zunehmend auf modulare Farbsysteme zurück, mit denen sich unterschiedliche Farbtöne und Effekte flexibel realisieren lassen“, führt Claus Wissutschek (Loba) aus. Durch die Kombination von Farben, Beizen und Oberflächensystemen ließen sich individuelle Lösungen schaffen, die im privaten wie im gewerblichen Bereich eine hohe gestalterische Freiheit ermöglichten.

Erdige Terrakotta-Nuancen, Salbeigrün, gedämpftes Petrol oder Nebelblau würden vor allem im Objektbereich, etwa in Büros, Praxen oder Spa-Zonen, verstärkt nachgefragt, gibt Pascal Petr (RZ) an. „Auch Einstreueffekte mit Color-Chips bieten zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Werden farbige PU-Chips in den frischen Farblack eingestreut, entsteht je nach Auswahl und Menge eine moderne Terrazzo- oder Granitoptik. Ein klarer Trend sind außerdem extrem matte Oberflächen, sogenannte Ultra-Matt-Finishes“, erklärt er.

Bei Arturo sind warme, natürliche Farbwelten mit gedeckten, zeitlosen Tönen wie Sand, Greige, Taupe sowie warmen Grau- und Beigetönen gefragt. Auch matte bis seidenmatte Oberflächen gewinnen an Bedeutung. Jeroen Strecker: „Sie wirken zeitgemäß und hochwertig; zugleich treten Lichtreflexionen sowie kleinere Gebrauchsspuren im Alltag häufig weniger deutlich hervor. Gewünscht ist häufig nicht mehr die vollkommen uniforme Fläche, sondern eine individuelle Oberfläche mit Charakter. Hier spielen wir mit unserem Betonlook und gehen mit unseren mineralischen Beschichtungen drauf ein.“

Als neuen Gestaltungstrend wertet er die Lavastein-Optik: „Aktuell beobachten wir insbesondere eine steigende Nachfrage nach sogenannten Lavasteinböden bzw. -beschichtungen. Diese Oberflächen verbinden eine natürliche, mineralisch anmutende Optik mit einer hohen Robustheit. Charakteristisch ist ein lebendiges, steinähnliches Erscheinungsbild, das zugleich modern, hochwertig und authentisch wirkt.“

Gestaltungstrends im Überblick

AnbieterGefragte Optiken und Farben laut Umfrage
KLB KötztalRuhige, matte Farbflächen in Grau- oder Beigetönen; intensive Farben wie Grün oder Orange; Farbchips-Einstreuungen zur Aufwertung bestehender Beläge
PallmannHelle, vergilbungshemmende Rohholzoptik für Parkett
SilikalVielfältige Farben und Oberflächen, individuelle Farbkonzepte (MMA-Böden)
LobaModulare Farbsysteme aus Farben, Beizen und Oberflächensystemen – privat und gewerblich
RZTerrakotta-Nuancen, Salbeigrün, gedämpftes Petrol, Nebelblau (Büros, Praxen, Spa-Zonen); Color-Chips für Terrazzo-/Granitoptik; Ultra-Matt-Finishes
ArturoSand, Greige, Taupe, warme Grau- und Beigetöne; matt bis seidenmatt; Betonlook; Lavastein-Optik

Fazit: Oberflächenveredelung ist Systemarbeit – vom Untergrund bis zur Pflegeanleitung

Über alle Materialklassen hinweg – Parkettlack, PU-Versiegelung für elastische Beläge, Reaktionsharz- und MMA-Beschichtung – nennen die Befragten dieselben Stellschrauben: eine fachgerechte Beurteilung und Vorbereitung des Untergrunds, die Einhaltung von Verarbeitungsfenster, Auftragsmenge und Klimabedingungen sowie eine aktiv kommunizierte Pflege. Wer die Reinigungs- und Pflegeanleitung bei der Übergabe erklärt, statt sie nur abzuheften, verlängert die Lebensdauer der Oberflächenveredelung. Und er sichert sich nach Einschätzung von Pascal Petr das Folgegeschäft aus Sanierung und Langzeitpflege, das viele Bodenleger bislang liegenlassen.

FAQ: Häufige Fragen zur Oberflächenveredelung von Böden

Welche Fehler passieren bei der Oberflächenveredelung von Böden am häufigsten?
Hersteller und Verarbeiter nennen übereinstimmend die unzureichende Untergrundbeurteilung und -vorbereitung: unterschätzte Pflegefilme und haftungsmindernde Rückstände, falsch eingeschätztes Parkett (Holzart, Sortierung, Alter, Zustand), unvollständig entfernte Pflegeschichten auf elastischen Belägen, Schleiffehler, zu geringe Auftragsmengen und nicht eingehaltene Verarbeitungsfenster. Laut Andreas Carstens entfallen circa 70 Prozent des Zeitaufwands einer Sanierung auf die Bodenvorbereitung – und genau dort entstehen die meisten Fehler. (57 Wörter)

Warum müssen alte Pflegeschichten vor einer neuen PU-Versiegelung entfernt werden?
Alte Pflegeschichten, Verschmutzungen und haftungsmindernde Rückstände verhindern, dass eine neue Versiegelung sicher auf dem Untergrund haftet. Pascal Petr (RZ) nennt die unvollständige Entfernung alter Pflegeschichten den häufigsten Fehler bei PVC, Vinyl, Linoleum und Kautschuk. Wird der Boden vor der Einpflege oder PU-Versiegelung nicht gründlich und tiefenrein gereinigt, drohen Flecken, Abplatzungen der neuen Versiegelung oder klebrige Oberflächen.

Sind Design-Vinyl und PU-vergütetes Linoleum wartungsfrei?
Nein. Viele Betreiber kaufen Design-Vinyl oder werkseitig PU-vergütetes Linoleum im Glauben, der Boden sei wartungsfrei. Laut Pascal Petr (RZ) verschleißt jede Werksschutzschicht durch Sand, Straßenschmutz und aggressive Reinigungsmittel und muss irgendwann erneuert werden. Oft fällt das erst auf, wenn der Boden stumpf, vergraut oder irreparabel verkratzt ist. Moderne PU-Versiegelungssysteme versetzen elastische Böden für einen Bruchteil der Neukaufkosten wieder in den Neuzustand.

Was muss der Bodenleger bei der Übergabe zur Pflege mitgeben?
Pascal Petr (RZ) verweist auf die vorgeschriebene Übergabe einer detaillierten Reinigungs- und Pflegeanleitung nach DIN 18365. In der Praxis lande sie häufig nur als „Alibi-Zettel“ in den Projektunterlagen. Jochen Röck (Pallmann) und Jeroen Strecker (Arturo) raten, die Pflege bei der Übergabe aktiv zu thematisieren – mit Pflegehinweisen, Übergabeprotokoll und konkreten Empfehlungen für Reinigung, Schutzmaßnahmen und Renovierungsintervalle.

Welche Oberflächen und Farben sind bei Bodenbeschichtungen aktuell gefragt?
Gefragt sind matte bis seidenmatte und extrem matte Oberflächen (Ultra-Matt-Finishes), helle vergilbungshemmende Rohholzoptik bei Parkett, ruhige Grau- und Beigetöne, erdige Töne wie Terrakotta, Salbeigrün, Petrol, Nebelblau, Sand, Greige und Taupe sowie intensive Farben wie Grün oder Orange. Dazu kommen Farbchips-Einstreuungen für Terrazzo- oder Granitoptik, modulare Farbsysteme mit Beizen, Betonlook und als neuer Trend die Lavastein-Optik.