Technik -

Holzpflaster: Alles, was Sie wissen müssen

Bei der Tagung der Fachgruppe Holz in Pirmasens sprach Heinz Schwarz, ehemaliger Geschäftsführer der Oldenburger Parkettwerke, über Holzpflaster. Was diese so besonders macht und warum sie Jahrhunderte überdauern, zeigen wir im ersten Teil der Serie.

Holzpflaster, gelegentlich auch Kopf-, Hirn- oder Stirnholz genannt, haben unter allen Holzfußböden einen herausgehobenen Status. Anders als bei Parkett oder Dielen wird die Hirnholzoberfläche als Nutz- und Verschleißschicht eingesetzt. Der Blick auf die stehenden Jahresringe verschafft den Böden nicht nur ein charakteristisches und einzigartiges Aussehen, dessen Faserverlauf verleiht dem Holz auch technische Merkmale, die in jeder Hinsicht höchste Anforderungen erfüllen.

Wie kein anderer Belag überbrücken Holzpflaster die Spanne zwischen Anforderungen an Belastbarkeit und ästhetischem Anspruch, zwischen industrieller Fabrikhalle und trendiger Wohnung im urbanen Stil, zwischen funktionellem Werkraum und repräsentativem Hotelfoyer.

Die aktuelle Mode ausdrucksstarker Designböden und die Aufwertung des Fußbodens zum entscheidenden Gestaltungselement der Innenarchitektur kommt dem Belag aufgrund seiner prägenden Hirnholzoptik entgegen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Möglichkeiten exklusiver Holzpflasterherstellung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind.

Holzpflaster als individuelle Bodenlösung

Obwohl die Nachfrage im Vergleich zu der Boomzeit in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts abgenommen zu haben scheint, sprechen viele Argumente dafür, dass das so strapazierfähige Hirnholz künftig wieder neue Freunde gewinnen wird.

Da wäre der ausgebildete Parkettleger, der Arbeitsfelder sucht, in denen er seine für die Verlegung notwendige Fachkompetenz margenbringend an den Mann bringen kann. Daneben hält der Hersteller Ausschau nach einer sehr gut ausgebildeten Kundenklientel, die in der Lage ist, die fabrizierten Produkte schadensfrei und damit imagefördernd auf den Boden zu bringen. Und schließlich sind Architekten und Innenraumdesigner auf der Suche nach individuellen Bodenlösungen, um damit Räume zu prägen und den eigenen Stil kreativ umzusetzen.

Ein nachhaltiger und robuster Bodenbelag

Alle drei Hauptprotagonisten sind prädestiniert, den Umgang und den Einsatz von Materialien aus natürlichen Rohstoffen zu fördern, denn beim Bauen kommt es zunehmend auf Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Schadstofffreiheit an. Massive und langlebige Holzpflasterprodukte vergrößern wie nur wenige Werkstoffe die "grüne" Habenseite einer jeglichen Ökobilanz. Energieeinsparung, Treibhauseffekt, Recycling – wer auf diesen Feldern punkten will, liegt mit dem extrem langlebigen Pflaster aus naturgewachsenem Holz goldrichtig.

Bereits in längst vergangenen Jahrhunderten statteten Handwerker überdachte Hof­einfahrten mit den robusten Pflasterelementen aus. Dabei profitierte man in erster Linie von deren technischen Eigenschaften, denn der im Sandbett verlegte Straßenbelag entwickelte beim Befahren mit den Kutschen nur wenige Geräusche.

Dass Holzpflaster gleichzeitig nahezu unverwüstlich sind, bezeugen auch heute noch viele Zeugnisse aus historischen Bauwerken in Städten wie Graz, Dublin oder Krakau. Auch in den Folgezeiten wurden dem Belag die schon damals gefragten Eigenschaften immer wieder abverlangt. So zum Beispiel in der Hoch-Zeit der Großindustrie, als viele Fabrikanten ihre Produktionshallen mit Holzpflastern ausstatten ließen. Vor allem in der Schwerindustrie war der Belag ein beliebter Nutzboden. Autohersteller, Gießereien oder Hüttenwerke bauten auf dessen Vorzüge.

Historische Bauwerke zeugen von der Langlebigkeit

Bei den zumeist ölgetränkten Holzpflasterböden kam es auf wirtschaftlichen Nutzen, Langlebigkeit, Robustheit, punktuelle Austauschbarkeit, Ermüdungsminderung und Fußwärme an – Eigenschaften, die kein Wettbewerbsbelag mit diesem Leistungsanspruch in sich vereinen konnte. So kam es, dass die nicht gehobelten, sondern lediglich gesägten und mit schwarzen Teerklebstoffen verklebten Bodenelemente das klassische Bild alter Werkhallen prägten.

Neben den rein funktional geprägten Eigenschaften rückte anschließend auch immer mehr die optische Wirkung der Holzpflaster in den Mittelpunkt. In zahlreichen Werkräumen von Berufsschulen oder industriellen Ausbildungsstätten, in denen es neben Fußelastizität und -wärme auch auf eine angenehme Arbeitsatmosphäre sowie beruhigende und positive Ausstrahlung ankommt, verlegten Handwerker das gelenkschonende Material.

Warum ist Holzpflaster so robust?

Die Robustheit eines Bodenbelags wird mit der Holzhärte gemessen. Die Holzhärte ist der Widerstand, den das Material dem Eindringen eines härteren Körpers entgegensetzt. Diese holzartenspezifische und rohdichtenabhängige Eigenschaft hängt unter anderem von der Schnittrichtung ab.

Nach Niemz-Physik des Holzes ist die Härte bei Belastung parallel zur Faser, wie es bei Holzpflastern der Fall ist, im Vergleich zu der Härte in radialer beziehungsweise tangentialer Richtung bis zu 2,5-mal höher. Das erklärt die robusten Eigenschaften von Holzpflastern gegenüber Böden aus Längsholz und ihren Einsatz in Bereichen mit extremer Beanspruchung.

Herunterfallende Gegenstände hinterlassen – immer in Abhängigkeit von der Holzart – in Holzpflastern deutlich geringere Eindrücke als in Parkett und Gewichtsbelastungen im Gebrauch merklich weniger Spuren.

Nun war der Schritt vom gewerblichen Bereich in den des Wohnens und der Repräsentation nicht mehr sonderlich weit. Mit unterschiedlichen Anforderungen an die Holz-Güte, zielorientierter Bearbeitung, flexiblen Holzfeuchten sowie an den Verwendungszweck angepasster Verklebung und Oberflächenbehandlung eroberte der Belag neue Anwendungsbereiche.

Inzwischen sind Holzpflaster nicht nur in Kirchen, Hotelhallen, Museen oder Foyers zu finden, sondern auch in Klassenzimmern oder Werkstätten sowie in heimischen Wohn- oder Kaminzimmern. Die normativen Einteilungen in GE (Gewerblich), WE (Werkräume) und RE (Repräsentativ) ordnen dabei die Vorgaben für die jeweiligen Einsatzbereiche.

Holzarten: Eiche, Kiefer oder Lärche

Für die Herstellung von Holzpflastern verwenden die Produzenten zumeist Nadelhölzer wie Kiefer, Fichte, Douglasie oder Lärche. Doch auch der allgemeine Trend zur Eiche hat vor dieser Belagart nicht Halt gemacht. Laut einer aktuellen Meldung des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH) betragen die Anteile des Fußbodenlaubholzes Nummer eins mittlerweile bis zu 60 Prozent. Gelegentlich werden auch andere Holzarten für die Herstellung von Holzpflastern eingesetzt und erweitern damit das Spektrum der Belagart.

Je mehr Holzpflaster in die neuen Anwendungsbereiche und hier speziell in den Wohnbereich Einzug halten, umso mehr steigen die Ansprüche an Komfort und Design. Dem folgt man mit unterschiedlichen Bearbeitungen. So kann man die Klötze künstlich altern, oberflächlich strukturieren, die Kanten abrunden, einfärben, die Fugen betonen oder das Muster ändern.

Aber nicht nur der Verband ist gefragt. Aufgrund neuer Dimensionen und Formen kommen neben rechteckigen auch immer mehr quadratische Klotzformen zum Einsatz. Mit speziellen Fugenverfüllungen lassen sich individuelle und authentisch erscheinende Fußbodenbilder erzielen. Daneben ist ein deutlicher Trend zu immer dünneren Holzpflasterelementen erkennbar. Mit der entsprechenden Klebstoffwahl können Handwerker auch diesen Wünschen nachkommen, ohne die Funktion bei Beibehaltung trendiger Formatgrößen negativ zu beeinflussen.

Die Besonderheiten: Hirnholzschnitt macht Holzpflaster belastbarer

Um die Besonderheiten bei Holzpflastern zu verstehen, braucht man Kenntnisse über die unterschiedlichen Schnittrichtungen von Holz. Das Längsholz, aus dem Parkett und Dielen gefertigt werden, besteht entweder aus tangentialen beziehungsweise liegenden oder aus stehenden beziehungsweise radialen Anschnitten mit allen seinen Zwischenformen, da in der Regel ein Mix beider Typen mit dem Belag entsprechenden Gewichtungen verarbeitet wird.

Holzpflaster hingegen werden durch einen Hirnholzschnitt gewonnen, und zwar so, dass die stehenden Jahresringlagen die Oberfläche der Klötze bilden. Der Blick auf die stehenden Ringlagen verleiht den Hölzern nicht nur eine einzigartige Optik, sondern in der Nutzung auch eine doppelte Härte. Dadurch ist die Lauffläche circa zwei- bis 2,5-mal belastbarer als bei Längsholz. Doch die Härte ist nur eine Besonderheit.

Besonderheit 2: Schneller Feuchtewechsel

Da die Fasern des Holzes quer angeschnitten sind, geschieht die Feuchteaufnahme in der "oben offenen Richtung" vergleichsweise schnell. Der rasche Feuchtewechsel erfolgt dabei zunächst an der Seite, die der Feuchte ausgesetzt ist. Das betrifft jedoch nicht nur die dem Raum zugewandte Fläche, sondern gleichermaßen die Unterseite der Klötze. Dieses Verhalten des Unterbodens ist bei der Wahl des Klebstoffs, der Oberflächenbehandlung, den raumklimatischen Einflüssen und letztlich auch bei der Pflege zu berücksichtigen.

Daneben entstehen Quelldrücke an den Stirnseiten zeitlich früher und rufen entsprechende Reaktionen im Boden hervor. Diese Besonderheiten, auf die im Rahmen der Ausführungen zur Verklebung beziehungsweise Oberflächenbehandlung noch näher eingegangen wird, muss jeder, der mit Holzpflastern umgeht, verinnerlichen – zumal nicht nur die Geschwindigkeit des Feuchtewechsels, sondern auch die einwirkende Kraft der Holzpflasterklötze erheblich höher ist als bei Längsholz.

Besonderheit 3: Umgang mit Fugen

Sie werden zudem nicht wie bei Längsholz in der Querrichtung wirksam, sondern in beiden Verlegerichtungen, also in den vier horizontalen Richtungen der Einzelklötze.

Auch der Umgang mit Fugen spielt bei Holzpflastern eine große Rolle. Weil diese Belagart in beide Verlegerichtungen arbeitet, entstehen im Falle einer Schwindung Fugen. Sie sind materialbedingt und daher unvermeidbar, charakteristisch und – sofern die Verlegung fachgerecht erfolgte – regelmäßig. Dann sind sie nicht störend, sondern gehören zum Bild eines Holzpflasterbodens wie das Wasser zum Meer.

Warum leitet Holzpflaster die Wärme so gut?

Die Wärmeleitfähigkeit ist die Wärmemenge, die durch einen Würfel von einem Meter Kantenlänge in einer Stunde hindurchfließt bei einer definierten Temperaturdifferenz der beiden Seitenflächen. So lautet eine technische Definition, die für einen Bodenbelag insbesondere beim Einsatz auf einer Fußbodenheizung wichtig ist.

Bei Holz wird diese Eigenschaft der Wärmeleitung durch den strukturellen Aufbau merklich mitbestimmt. Diese wichtige Abhängigkeit kommt dem Holzpflaster neben der von der Rohdichte und der Feuchtigkeit insofern zugute, als dass die Wärmeleitfähigkeit parallel zur Faser größer ist als senkrecht dazu. 30 Millimeter ­dickes Hirnholz hat demnach eine vergleichsweise bessere Leitfähigkeit als ein 22 Millimeter dickes Längsholz.

Andererseits ist Holz aufgrund seiner porigen Struktur gegenüber anderen zumeist homogenen Werkstoffen ein guter Wärmeisolator, weshalb die Fußwärme von Holzpflastern in vielen Anwendungsbereichen einer ihrer gefragtesten Eigenschaften ist, was bei den gängigen Materialdicken kein Widerspruch ist.

© boden-wand-decke.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen