bwd im Gespräch Karl Scheucher, geschäftsführender Gesellschafter der Scheucher GmbH Neue Produktlinie als Türöffner

Das Familienunternehmen Scheucher hat mehr als fünf Millionen Euro in eine verbesserte Logistik investiert. bwd -Chef redakteur Stefan Heinze und bwd -Österreich-Redakteur Thomas Mayrhofer sprachen mit Karl Scheucher über Investitionen, Innovationen und die Zukunft der Branche.

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    bwd-Österreich-Redakteur Thomas Mayrhofer, geschäftsführender Gesellschafter Karl Scheucher und Marketing Director Johann Graupp begutachten die neue Produktlinie (v.l.n.r.).
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    Das neu erbaute Logistikcenter vereinfacht den Warenumschlag des Unternehmens.

Neue Produktlinie als Türöffner

bwd Herr Scheucher, Sie haben über fünf Millionen Euro für ein neues Logistikcenter investiert. Wie finanzieren Sie dies in den derzeit schwieriger werdenden Zeiten?

Scheucher Auch wenn das einen enormen Aufwand für uns bedeutet, so wollten wir doch ein ganz klares Bekenntnis zu unserem Standort und die Zukunft setzen. Neben einem vernünftigen Cashflow, der einen Großteil abdeckt, wurden wir durch öffentliche Mittel des Landes Steiermark, des Bundes und auch der EU unterstützt. Durch die Effizienzsteigerung sparen wir in der Zukunft zudem auch einiges ein.

bwd Wie entwickeln sich Ihre Absatzmärkte?

Scheucher Für uns ist bei einer Exportquote von mehr als 80 Prozent der Inlandsmarkt zwar wichtig, aber er steht nicht an erster Stelle. Unser Hauptmarkt in Deutschland schwächelt, andere wichtige Länder wie Spanien und England sind rückläufig. Grund ist die deutlich nachlassende Baukonjunktur. Wir erschließen ständig neue Märkte, so dass wir weiter auf Wachstum ausgerichtet sind.

bwd Wie steuern Sie auf der Produktseite dem Trend entgegen?

Scheucher Die Kundenwünsche differenzieren sich immer weiter: Auf der einen Seite der Billigkäufer, auf der anderen der Luxuskonsument. Wir verfügen über ein breites Sortiment, das für jedes einzelne Land speziell abgestimmt wird – speziell unsere seltenen Obsthölzer. Wir werden zudem die neue Produktlinie „Impression“ vorstellen.

bwd Können Sie uns Einzelheiten erläutern?

Scheucher Die neue Premiummarke werden wir auf der Domotex vorstellen. Wir haben mit Unterstützung der österreichischen Forschungsförderung ein Projekt zur Prägung der Oberfläche nach der Verleimung realisiert. So können wir diese strukturierte Oberfläche aber nicht nur ölen und wachsen, sondern auch mit einem neuartigen lösemittelfreien Lack mittels Vakuumtechnik perfekt lackieren. Wir haben dieses Verfahren auch zum Patent angemeldet. Mit diesen neuen Produkten haben wir nicht nur eine Monopolstellung, sondern auch einen guten Türöffner für unser gesamtes Sortiment geschaffen.

bwd Wie stehen Sie zum Thema Exotenhölzer und Zertifizierung?

Scheucher Exotenhölzer gehören für uns eindeutig ins Programm. Viele Märkte wie z.B. Italien, Spanien oder Russland verlangen sie. Sie machen zwar nur fünf Prozent unseres Sortiments aus, aber ohne sie können wir manche Märkte überhaupt nicht bedienen. Wir führen keine Thermobehandlung durch, sondern bieten gleich das „Original“ an. Die Zertifizierung ist für einzelne, untereinander konkurrierende Organisationen vor allem ein Geschäft. Wenn Sie heute einem Bauherrn oder Architekten sagen, dass ein Zertifikat einen Euro pro Quadratmeter mehr kostet, lehnen jene gleich ab. In Österreich und fast ganz Europa wird schon seit über 200 Jahren nachhaltige Forstwirtschaft betrieben. Eine Zertifizierung ist aus unserer Sicht nicht notwendig. Bei den Lieferländern der Exotenhölzer ist auch ein Zertifikat kein Freibrief, weil leider nicht alles nachvollziehbar ist.

bwd Sie sind als erster Österreicher vor kurzem in den Vorstand der Vereinigung der europäischen Parkettproduzenten (FEP) gewählt worden. Ist die Zertifizierung kein wichtiges Thema für den Verband?

Scheucher Wir diskutieren darüber bereits im Verband. Ich muss mich aber erst in meine neue Aufgabe einarbeiten. Mir scheint aber die Abgrenzung zum Laminat mit unserer „Real Wood“-Kampagne sehr gut und wichtig. Ich würde mir Exportstatistiken, wie es sie früher gab, wünschen. Damit kann man die Warenflüsse besser nachvollziehen.

bwd Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation mit China ein?

Scheucher Ich war erst vor kurzem in China. Was ich dort gesehen habe, unterscheidet sich schon erheblich von unserem Standard. Wir erzeugen hier ca. 11.000 Quadratmeter pro Mitarbeiter in der Produktion. Ich habe dort ein Werk besichtigt, das mit 1.600 Arbeitern fünf Millionen Quadratmeter Ausstoß hat, was ca. 3.000 Quadratmeter pro Mann und Jahr bedeutet, das entspricht einem Viertel unserer Produktivität. Andererseits stehen dort 150 Leute in Reih und Glied und hobeln den ganzen Tag Dielen mit der Hand. Durch die dortigen Lohnkosten ist das fertige Produkt, ein handgeschroppter Boden, dann deutlich billiger, als wir es in Europa je fertigen könnten. Abgesehen davon findet man hier für diese schwere Tätigkeit keine Arbeitskräfte.

bwd Ist das eine Entwarnung vor der „chinesischen Gefahr“?

Scheucher Wir müssen uns einfach mehr differenzieren. Überall auf der Welt stehen die gleichen Bürkle-Maschinen, auf denen fast das Gleiche produziert wird. Erfolg wird man in Zukunft nur haben, wenn man sich von der Masse abhebt und eine gute Marke hat.

bwd Was erwarten Sie für die Zukunft?

Scheucher Preisdruck und das Abwerben von Kunden durch Mitbewerber werden zunehmen. Ich schätze, dass nicht alle Hersteller die Konsolidierung der Märkte überleben. Wir wollen aus dieser Marktbereinigung gestärkt hervorgehen und mit unseren motivierten Mitarbeitern unseren Kunden noch bessere und innovativere Produkte bieten. Durch unseren neuen Markenauftritt mit neuem Logo und der Zweimarkenstrategie Impression und Steirer-Parkett wollen wir diesen Anspruch am Markt noch klarer kommunizieren.-