Knarrgeräusche werden zunehmend von Kunden leimfrei verlegter Parkettböden moniert. Dies ergab eine Umfrage unter Sachverständigen. ’bwd‘ fragte bei Volker Brückner, Otto Hiendl, Norbert Strehle und Sönke Stoltenberg nach den Ursachen. Fazit: Unzulänglichkeiten bei Profilpassungen, Holzfeuchte, Mittellagenqualität, Verlegung und Unterboden.
Hohe Anforderungen ans Material
Können Sie bestätigen, dass zunehmend Knarrgeräusche bei leimlos schwimmend verlegtem Mehrschichtparkett moniert werden?
Das Problem scheint tatsächlich vermehrt die Sachverständigen zu beschäftigen. Das bestätigen zumindest Otto Hiendl, Norbert Strehle und Sönke Stoltenberg. Letzterer sieht allerdings Unterschiede bei den Produkten einzelner Lieferanten und vermutet, dass die zunehmenden Beanstandungen proportional mit den verlegten Quadratmetern wachsen. Hiendl stellt fest, dass das Problem bei Laminatböden mit Holzwerkstoffträgern gegenüber dem Parkett mit Vollholzträgern kaum bekannt ist.
Treten die Geräusche mit einer gewissen Zeitverzögerung auf oder sind auch andere Fälle bekannt?
Das können die vier Sachverständigen generell so nicht bestätigen. Die Experten sind sich einig, dass solche Erscheinungen auch gleich nach Ende der Verlegung auftreten können. Dabei scheinen sich Abweichungen von der Ebenheit des Unterbodens, zu weiche Dämmunterlagen oder die qualitative Beschaffenheit der Verbindung selbst sich relativ unmittelbar zu zeigen. Auch kommt es vor, dass im Hochsommer bei hoher Luftfeuchte verlegte Dielen erst ein Jahr später mit Knarrgeräuschen reagieren. Überhaupt tragen Klimaeinflüsse zeitversetzt dazu bei, dass holzartenspezifische oder konstruktionsbedingte Faktoren für unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb der Nut-Feder-Verbindung sorgen.
Wie sind Knarrgeräusche bei Holzfußböden generell zu bewerten? Sind sie vermeidbar?
Für alle vier Experten steht außer Zweifel, dass Knarr-, Knister- oder Knackgeräusche grundsätzlich bei schwimmenden Parkettkonstruktionen nicht zu vermeiden sind. Dennoch sollte man hier differenzieren. „Selbstverständlich kann ein schwimmend und damit fast lose verlegtes Parkett bei normalem Begehen oder aufgrund von Temperatur- und Luftfeuchteänderungen durchaus einmal einen Knacks von sich geben, ohne dass dies als Mangel zu bewerten ist“, sagt Strehle. Jedoch ist es nach seiner Auffassung nicht hinnehmbar, wenn der Boden bei nahezu jedem Schritt deutlich wahrnehmbare Geräuschentwicklungen zeigt. Auch Brückner wägt ab, ob es sich um ein beispielsweise nur selten wahrnehmbares Knistern oder eher um eine grundsätzliche Erscheinung beim Begehen und Belasten handelt.
Stoltenberg verlangt eine Hinweispflicht des Verkäufers, wenn er Konstruktionen anbietet, die zum Knarren neigen. Mit einer Verlegeanleitung im Paket ist es nicht getan. „Keinesfalls darf es so sein, dass der Nutzer sich beim Hören klassischer Musik gestört fühlt, oder Kleinkinder aus dem Bett hochschrecken, wenn der Boden begangen wird“, berichtet er von drastischen Erfahrungen aus der Gutachterpraxis. Hiendl nimmt dagegen den Werkstoff Holz in Schutz und nennt zum Beispiel das Knarren von genagelten Stabparkettböden im Altbau ein Echtheitszertifikat.
Was ist die Ursache für diese Geräuschproblematik bei leimlosen Verbindungen?
Volker Brückner nennt fünf Gründe:
◊Unebenheiten: Wenn der Parkettboden fest aufliegt und nicht nachgeben kann, entsteht auch kein Knarren/Knistern.
◊Nachgiebigkeit der Unterlage: siehe oben.
◊Ausbildung des Verbindungsprofils: Hier ist das Luftspiel im Verbindungsmechanismus gemeint.
◊Verlegereife Unterböden: Ein Unterboden, der eine zu hohe Restfeuchte hat, gibt diese in die Parkettkonstruktion ab. Dadurch verändert sich die Passgenauigkeit der Verbindungsprofile.
◊Nutzungsklima: Das muss stimmen.
Als weiteren Grund nennt Strehle eine mögliche Untertrocknung der Mehrschichtelemente. Er hat Werte bis unter 5,0 % Holzfeuchte gemessen. Für Strehle resultiert daraus Folgendes: Durch geringe konvexe Verformung in der Deckschicht aufgrund zwangsläufiger Feuchteaufnahme wird das Verriegelungssystem, das in idealer Weise zum Nachbarelement einen Winkel von 180° einnimmt, gestört. Die am „Reißbrett“ gezeichnete Passung verringert diesen Winkel mit der Folge von Bewegungen, Reibungsvorgängen und Knarrgeräuschen.
Hiendl nennt noch weitere Aspekte wie die punktuellen Bauwerkskontakte des Bodens, flächenunterschiedliche Belastungen sowie vermeidbare und unvermeidbare Montagefehler. Schwimmend verlegte Böden bergen grundsätzlich bei teilflächiger Belastung durch Mobilar das Risiko unterschiedlicher Bewegungsmöglichkeit der jeweiligen Teilbereiche in sich. Folge: großflächige Spannungen in den unbelasteten Zonen. „Werden diese Bereiche begangen, dann knarrt’s“, sagt Hiendl. Stoltenberg stellt dagegen die langfristige Wirksamkeit von gleitungsverbesserndem „Wachsen“ in Frage.
Spielt die Art der Profilierung und Verlegung – ob eingewinkelt oder waagerecht zusammengetrieben – eine Rolle?
Waagerecht zusammengetriebene Verbindungen hält Stoltenberg für wesentlich sensibler, da das Material stärker durch Manipulationen bei der Verlegung belastet wird. Hiendl pflichtet dem bei. Durch den Krafteinsatz beim Montieren können Partikelausrisse und Anrisse in der Profilverbindung entstehen, die ihre Funktion negativ beeinflussen. Die bisherigen Erkenntnisse lassen jedoch keinen allgemeingültigen Einfluss der Art des Verbindungssystems auf die Entwicklung von Knarrgeräuschen zu.L