3 Hilfreiche Checklisten Kugelgarn verlegen: So vermeiden Bodenleger teure Reklamationen

Kugelgarn verlegen heißt: hochwertiger textiler Objektbelag, aber wenig Toleranz für Fehler. Wer den Fabromont-Belag falsch lagert, den Untergrund unzureichend vorbereitet oder beim Anreiben zu viel Druck ausübt, riskiert Stippnähte, Farbunterschiede und eine teure Reklamation. Worauf Bodenleger von der Akklimatisierung bis zur Übergabe der Pflegeanleitung achten müssen – inklusive Checkliste.

Großer Raum mit Teppich
Bodenbeläge aus Kugelgarn kommen in stark strapazierten Objektbereichen, wie Büros, zum Einsatz. - © Fabromont

Kugelgarn verlegen Bodenleger überwiegend im Objekt: in Großraumbüros, Verkaufsräumen, Schulen oder Pflegeeinrichtungen, also überall dort, wo trotz hoher Beanspruchung ein textiler Belag gewünscht ist. Der Belag des Schweizer Herstellers Fabromont verspricht hohe Strapazierfähigkeit, langlebige Qualität und einfache Pflege. Wer ihn jedoch falsch lagert, schneidet oder verklebt, produziert Reklamationen, die schnell teuer werden.

Was Kugelgarn von anderen textilen Belägen unterscheidet

Kugelgarn ist ein besonders strapazierfähiger textiler Bodenbelag des Herstellers Fabromont aus der Schweiz. Kennzeichen ist die Kugelstruktur, die aus vielen Fasern gesponnen wird. Die Garne bestehen aus vielen verschiedenen Stapelfasern. Diese Fasern sind spinndüsengefärbt, also durch und durch tiefengefärbt – die Farbkraft ist dadurch haltbarer.

Grundsätzlich ist Kugelgarn den Polvliesbelägen zuzuordnen. Es bildet jedoch eine völlig eigenständige Kategorie, da die Oberfläche zu hundert Prozent aus Faserkugeln aus Polyamid und Polypropylen gefertigt wird. Das Herzstück bildet diese Oberfläche aus Kugelgarnen, die Trittkraft und Schallwellen aufnimmt.

Kugelgarnbeläge verbinden textilen Charakter mit einer hohen Strapazierfähigkeit und einer geringen Schmutzanfälligkeit, wie man sie sonst nur von elastischen Objektbelägen oder Hartbelägen kennt. Sie bilden damit eine Lösung für alle Bereiche, in denen trotz hoher Beanspruchung ein attraktiver, textiler Bodenbelag gewünscht wird.

Eigenschaften: robust, fugenlos, punktuell reparierbar

Nach Angaben des Herstellers ist das Kugelgarnmaterial sehr robust, langlebig, stuhlrollengeeignet, widerstandsfähig und resistent gegen Druckstellen von Möbeln sowie licht- und abriebfest. Kugelgarn-Bodenbeläge bilden fugenlose, homogene Flächen, die „wie aus einem Guss" aussehen. Sie ermöglichen so eine hochwertige Bodenausstattung mit exklusiver optischer Wirkung. Der Boden zeigt eine moderne, meist melierte oder strukturierte Optik.

Richtungsfrei, maßstabil, schnittfest

Durch Richtungsfreiheit, Maßstabilität und Schnittfestigkeit entsteht bei der Verlegung kaum Verschnitt. Der Kugelgarnbelag ist rapportfrei und auch in schwierig geschnittenen Räumen einfach verlegbar, wie die Erfahrung zeigt. Die Schnittkanten sind dabei frei von Fransen.

Unterschiedliche Farbvarianten können miteinander kombiniert werden. Durch die Richtungsfreiheit und Maßstabilität lassen sich verschiedene Muster oder Logos legen, einzelne Bereiche voneinander abgrenzen oder akzentuieren.

Reinigung, Allergiker, Reparatur

Die Oberfläche bindet Feinstaub. Das macht den Belag besonders für Allergiker geeignet. Kugelgarn-Bodenbeläge sind zudem leicht zu reinigen, beispielsweise einfach mit einem Bürstsauger. Außerdem sind sie beständig gegen die meisten Desinfektionsmittel.

Stark verschmutzte, aber auch beschädigte Partien lassen sich punktuell „reparieren". Da der Belag völlig richtungsfrei und schnittfest ist, schneiden Sie stark verschmutzte oder beschädigte Abschnitte aus und ersetzen sie durch ein neues Stück. Die Bodenfläche erscheint danach wieder „wie aus einem Guss".

Bodenleger bei der Arbeit
Bodenleger sollten den Dispersionsklebstoff mit der richtigen Zahnspachtel TKB B2 Auftragen. - © Steinhäuser

Brandschutz, Trittsicherheit, Schall

Kugelgarnböden sind nicht nur schwer entflammbar, sondern bieten – je nach Kollektion – eine integrierte Löschschicht aus unbedenklichem Aluminiumhydroxid. Diese Schicht stoppt die Flammen und verhindert Rauch und erhöht so die Evakuierungszeit im Brandfall.

Außerdem weist Kugelgarn von Fabromont eine hohe Trittsicherheit auf und bietet sich auch als Bodenbelag für Treppen an. Nach Angaben des Herstellers bietet der Belag eine sehr gute Trittschall- und Raumgeräuschdämpfung, da die Kugelgarne den Lärm „schlucken". Das Produkt ist antistatisch.

Kugelgarn auf Fußbodenheizung: 27 °C sind die Grenze

Kugelgarn ist für Fußbodenheizungen geeignet. Die Oberflächentemperatur der Fußbodenheizung darf laut Hersteller 27 °C nicht überschreiten. Zum Vergleich: Die maximale Oberflächentemperatur einer Fußbodenheizung beträgt laut DIN EN 1264 in Wohnräumen in der Regel 29 °C. In Randzonen (Fensternähe) sind bis zu 35 °C erlaubt. Die optimale Temperatur für Behaglichkeit liegt eigentlich bei 23 bis 26 °C.

BezugOberflächentemperatur
Herstellervorgabe Fabromont für Kugelgarnmax. 27 °C
DIN EN 1264, Wohnräume (in der Regel)29 °C
DIN EN 1264, Randzonen (Fensternähe)bis zu 35 °C
Optimale Behaglichkeit23 bis 26 °C

Einsatzbereiche: vom Großraumbüro bis zum Kinderzimmer

Typische Anwendungsgebiete von Kugelgarnbelägen im Objekt sind:

  • Großraumbüros
  • Hotelzimmer
  • Verkaufsräume und Ladenbau
  • Schulen und Universitäten
  • Verwaltungsgebäude
  • Pflegeeinrichtungen und Altersresidenzen
  • Krankenhäuser – hier vor allem in administrativen Bereichen

Lieferformen: Bahnenware, selbstliegende Fliesen, Treppen

Ein Kugelgarn-Bodenbelag ist als Meterware in zwei Metern Breite für die vollflächige Verklebung erhältlich. Darüber hinaus gibt es auch selbstliegende Kugelgarn-Fliesen. Für diese ist eine Haftfixierung ausreichend. Die Kugelgarnmodule kommen ohne Bitumenrücken aus und bilden ebenfalls eine homogene, fugenlose Fläche.

Fabromont stellt Kugelgarn- und Kugelvliesmodule her. Diese selbstliegenden Fliesen bieten zahlreiche Vorteile, etwa ein einfacheres Handling bei der Verlegung oder eine rasche partielle Auswechslung im Falle starker Verschmutzung oder Beschädigung. Für Treppen gibt es spezielle Quick step-Verlegeanleitungen, bei denen Kontaktkleber verwendet wird und die Naht nicht auf der Trittfläche liegen sollte.

LieferformVerlegungHinweise
Bahnenware, 2 m Breitevollflächige VerklebungDispersionsklebstoff, Zahnspachtel TKB B2
Selbstliegende Kugelgarn- und KugelvliesmoduleHaftfixierung ausreichendohne Bitumenrücken, homogene fugenlose Fläche, einfaches Handling, partielle Auswechslung
TreppenKontaktkleber nach spezieller Quick step-VerlegeanleitungNaht nicht auf der Trittfläche

Fehler beim Kugelgarn verlegen – und wie Sie sie vermeiden

Zu den häufigsten Fehlern bei der Verlegung von Kugelgarnbelägen gehören mangelnde Akklimatisierung des Materials, falsche Schnitttechniken und eine unzureichende Untergrundvorbereitung. Bodenleger sollten die spezifische Verlegeanleitung sowie die Reinigungs- und Pflegeanleitung des Herstellers beachten. Die folgende Checkliste fasst zusammen, was bei Lagerung und Verlegung zählt.

Checkliste 1: Lagerung und Vorbereitung

  • Akklimatisierung: Der Bodenbelag muss vor der Verlegung 24 bis 40 Stunden bei einer Raumtemperatur von mindestens 18 °C im Raum lagern.
  • Lagerung und Transport: Kugelgarn-Rollen sollten immer stehend gelagert und transportiert werden.
  • Wareneingang: Die Ware ist vor dem Schnitt auf Chargengleichheit und Fehler zu prüfen.
  • Chargen: Ratsam ist, die Bahnen aus der gleichen Produktionsnummer (Charge) zu verwenden, um Farbabweichungen zu vermeiden.
  • Reklamation beim Hersteller: Farbabweichungen, die ein bestimmtes Maß (großer Graumaßstab < 3) überschreiten, sind beim Hersteller zu reklamieren.
  • Raum einmessen: Zuerst den Raum vermessen und die Verlegeachse in der Raummitte markieren.

Checkliste 2: Zuschnitt und Nahtschnitt

  • Richtungsfreiheit nutzen: Kugelgarn ist in der Regel richtungsfrei verlegbar, was den Verschnitt reduziert.
  • Bahnen stürzen: Für ein optimales Nahtbild wird empfohlen, die Bahnen zu stürzen. Bei einer gestürzten Verlegung wird jede zweite Bahn um 180° gedreht verlegt. Dadurch werden Farbunterschiede zwischen den einzelnen Bahnen ausgeglichen.
  • Doppelnahtschnitt: Der Nahtschnitt erfolgt in der Regel als Doppelnahtschnitt, bei dem zwei Bahnen 3 bis 4 cm überlappend geschnitten werden, um eine nahezu unsichtbare und dichte Fuge zu erhalten.
  • Scharfe Klingen: Scharfe Klingen sind essenziell, um alle Fasern sauber zu durchtrennen.
  • Kein Klarsichtleim: Kugelgarn ist schnittfest und braucht keinen Klarsichtleim, um Nahtkanten zu verfestigen.

Checkliste 3: Klebstoff, Einlegen und Anreiben

  • Klebstoffwahl: Der Dispersionsklebstoff sollte eine gute Anfangshaftung und eine längere offene Zeit haben.
  • Auftrag: Der Kleber ist gleichmäßig mit dem richtigen Zahnspachtel TKB B2 (ca. 450 g/m²) aufzutragen.
  • Ablüften: Den Klebstoff entsprechend den raumklimatischen Bedingungen ablüften lassen, bei ausreichender Oberflächenklebrigkeit den Belag einlegen.
  • Zeitpunkt: Den Kugelgarnbelag rechtzeitig ins Klebstoffbett einlegen, besser etwas zu früh als zu spät.
  • Anwalzen oder Anreiben: Nach dem Einlegen in das Klebstoffbett muss der Kugelgarnbelag angewalzt oder angerieben werden. Diesen Vorgang sollte man gegen Ende der offenen Zeit des Klebstoffes wiederholen. Bei dieser Vorgehensweise werden Stippnähte verhindert.
  • Gliederwalze: Durch das Anwalzen mit einer Gliederwalze wird der Belag fest auf den Untergrund arretiert und Lufteinschlüsse vermieden.
  • Hartholzbrett: Beim Anreiben ist ein gerundetes Hartholzbrett zu verwenden.
  • Nicht zu viel Druck: Wird zu viel Druck beim Anreiben ausgeübt, nimmt der Belag den gesamten Kleber auf und die Klebkraft geht verloren. Der Kugelgarnbelag ist in einem solchen Fall nicht kraftschlüssig mit dem Untergrund verbunden und die Stippnähte bleiben erhalten.

Baustellenstaub: Farbunterschiede und Reklamationen vermeiden

Bei Baumaßnahmen kommt es manchmal vor, dass die Kugelgarnbeläge in Teilbereichen von Raumeinheiten zeitlich versetzt verlegt werden. Werden in diesen Bereichen oder in benachbarten Gebäudeteilen Bauarbeiten mit einem hohen Staubanfall durchgeführt, können die bereits verlegten Kugelgarnbeläge stark verschmutzt werden. Dadurch entstehen Farbunterschiede.

Auftraggeber und Bauherren beschweren sich dann über diese Verschmutzungen und Farbabweichungen der verlegten Beläge und fordern die Beseitigung der Mängel. Damit diese gar nicht erst entstehen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Bodenbelagsarbeiten ablehnen, wenn noch Baumaßnahmen mit einem hohen Staubanfall anstehen.
  2. Gefährdete Bereiche schützen: Die gefährdeten Bereiche sind möglichst staubfrei abzudecken oder die betreffenden Räume zu verschließen.

Fazit: Kugelgarn verlegen lohnt sich – aber nur fachgerecht

Kugelgarn-Beläge sind aufgrund ihrer hohen Qualität im Vergleich zu anderen textilen Bodenbelägen teurer. Doch Kugelgarn ist sehr lange haltbar und pflegeleicht, die Unterhaltskosten sind somit gering. Eine unsachgemäße Verlegung von Kugelgarnbelägen kann für den Bodenleger dagegen zu einer sehr teuren Reklamation werden.

Wer Kugelgarn verlegen will, sollte deshalb die hier aufgeführten Hinweise, aber auch unbedingt die Verlegeanleitung und die Hinweise des Belagherstellers beachten. Die schriftliche Übergabe der Reinigungs- und Pflegeanleitung an den Auftraggeber/Bauherrn ist für jeden Bodenleger Pflicht.