Frage und Antwort Wie viel Risiko birgt eine Loseverlegung von Teppichboden? Klebeband – nur ein Kompromiss?

Klebeband – nur ein Kompromiss?

Frage: Manchmal möchten Kunden ihren Teppichboden beim Wohnungswechsel mitnehmen und in der neuen Bleibe wieder verlegen oder zumindest bei Renovierungsarbeiten als Abdeckmaterial verwenden. Andererseits fürchten sie, dass ein in einer Mietwohnung verklebter Teppichboden beim Herausreißen beschädigt wird oder zumindest durch den teilweise noch anhaftenden Klebstoff verunreinigt. Das Entfernen ist ein Risiko und mit Kosten verbunden, wenn man zum Beispiel an das Abschleifen eines Parkettbodens denkt. Deshalb sind wir oft gezwungen, den neuen Belag lose zu verlegen. Kürzlich mussten wir in einer Dachwohnung einen Teppichboden verlegen, aus Platz- und Transportgründen (enge, steile Treppe) habe ich die Ware in zwei Meter Breite bestellt. Die Bahnen wurden auf vorhandene Holzspanplatten verlegt, wobei die Stöße mit doppelseitigem Klebeband befestigt wurden. Jetzt gibt es Schwierigkeiten, weil sich beiderseits der Nähte kleine Beulen bilden. Es sieht aus, als wäre der Belag größer geworden. Mein Großhändler riet mir von der Verwendung eines doppelseitigen Klebebandes ab. Er meinte, es sei besser, für die Stöße ein einseitiges Klebeband zu verwenden, damit sich die Fläche des Teppichbodens frei bewegen kann. Was sagen Ihre Experten dazu?

Antwort: Wir haben hierzu einige Kollegen befragt, eine eindeutige Antwort erhielten wir nicht. Die meisten sind der Ansicht, dass eine Loseverlegung von Teppichboden – Rollenware – immer nur ein Kompromiss sein könne. Die feste, vollflächige Verklebung ist in jedem Fall die bessere, sicherere Lösung. Sie verweisen aber auch auf die seit einigen Jahren eingeführten Klebevliese, -pappen oder -gewebe, die lose auf den vorhandenen Bodenbelag ausgelegt werden und dann als Träger für den neuen Belag dienen. Probleme wie die vom Fragesteller dargelegten gibt es dabei nicht. Dass die Sache etwas mehr kostet, versteht sich. Die Ansichten über einseitige oder doppelseitige Klebebänder gehen auseinander. Grundsätzlich wird darauf hingewiesen, dass man Nähte möglichst vermeidet, selbst wenn man die Ware übers Dach reinziehen muss! Sind Nähte nicht zu verhindern, müssen die Bahnenkanten miteinander verbunden werden. Außer denjenigen, die bisher mit doppelklebendem Band keine Schwierigkeiten hatten, gibt es auch solche, die das einseitig klebende bevorzugen. Sie vertreten den Standpunkt, dass der Teppichboden eine Einheit bilden müsse. Bei partiell höherer Austrocknung in der Nähe der Heizkörper können Teppichböden je nach Material mehr oder weniger stark schrumpfen. Infolge einseitiger Beeinflussung durch hohe Luftfeuchtigkeit vom geöffneten Fenster her, wie man sie in schwülen Sommern erlebt, dehnt sich die Ware wieder. Diese Bewegungen sind nur dann möglich, wenn sie sich über die gesamte Fläche erstrecken können. Das ist nicht der Fall, wenn im Raum Möbel, Tische und Sitzgruppen stehen. Das Gleiche tritt ein, wenn der Teppichboden durch ein doppelseitiges Klebeband am Boden festgehalten wird. Kleinere Flächen arbeiten weniger, größere mehr, so dass es zu den vom Fragesteller beobachteten Beulen kommen kann. Dass doppelseitig klebende Bänder zum Anheften des Belages im Wandbereich, bei leicht hochstehenden Kanten und im Tür- und Eingangsbereich – wo der Belag beim Betreten des Raumes besonders stark beansprucht wird – eingesetzt werden können, versteht sich von selbst. Alle Kompromisse sollte man meiden und den oben genannten Unterlagen, Klebevliesen, den Vorzug geben. Sie vermitteln Sicherheit und schonen den vorhandenen Erstbelag zuverlässig. Abschließend der Hinweis: Ist das Loseverlegen nicht zu umgehen, sollte der Kunde darüber informiert werden, dass lose verlegte Bodenbeläge – das betrifft nicht nur Teppichböden – immer ein Risiko darstellen. Das gilt natürlich nicht für die vom Hersteller ausdrücklich für eine Loseverlegung freigegebenen Beläge.

Wolfgang Hart wolfgang.hart@holzmannverlag.de