Die hohe Kunst der Parkett-Restaurierung Huthaus in Zinnwald: Hirnholzpflaster originalgetreu wiederhergestellt

Über 13.500 einzelne Klötze waren zur Wiederherstellung des historischen Hirnholzpflasters im Bergbaumuseum „Huthaus“ Zinnwald nötig. Doch es war weit mehr als eine „Fleißaufgabe“, die die Parkettexperten bei diesem Auftrag bewältigen mussten.

Vorgefundener Zustand: Pflaster locker, Boden aufgewölbt, fehlende Verbindung zwischen Pflaster und Untergrund. - © Domschke

Das Huthaus in Zinnwald mit seinem Hirnholzpflaster ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das eine zentrale Rolle in der Bergbaugeschichte im Erzgebirge spielte. Es wurde 1853 von der Gewerkschaft „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“ genutzt. Bei einem Huthaus handelte es sich um ein typisches Gebäude im sächsischen Bergbau zur Aufbewahrung von Werkzeugen. Gleichzeitig diente es aber auch als Treffpunkt für Bergleute vor und nach der Schicht. Seit 1983 beherbergte es ein Heimatmuseum, das die Geschichte des Zinnbergbaus und den Alltag der Bergleute dokumentierte.

In den letzten Jahren wurde das Huthaus Zinnwald inklusive der im Erdgeschoss befindlichen Bergschmiede umfassend renoviert. Im Zentrum stand dabei auch die Erneuerung des historischen Bodenbelags. Mit der Restaurierung wurde Im Herbst 2024 die Parkett & Restaurierungswerkstatt Domschke aus Pockau-Lengefeld beauftragt. Bei der ersten Begehung mit dem Museumsleiter und dem Planer wurde schnell klar, dass das vorhandene historische Hirnholzpflaster nicht mehr zu retten ist. Das Pflaster hatte sich vom Untergrund gelöst. Auch sind größere Aufwölbungen entstanden. Es wurde daher beschlossen, das Holzpflaster originalgetreu wiederherzustellen.

Klotz für Klotz exakt nach historischem Vorbild

Da es sich bei dem Museum mit Schmiede um ein nur am Wochenende genutztes Objekt handelt, das nur sporadisch beheizt wird, galt es zunächst, die Holzfeuchte am vorhandenen Holzpflaster zu ermitteln. Die Messungen ergaben eine Holzfeuchte von 15 Prozent. In Folge dessen wurde das neue Holzpflaster auch mit derselben Holzfeuchte hergestellt. Nachdem die Restauratoren das alte Holzpflaster entfernt hatten, zeigte sich, dass sich der Unterboden der Schmiede in einem nicht akzeptablen Zustand befand. Um einen verlegereifen Unterboden zu erhalten, haben die Restauratoren den Fußboden zweimal mit Epoxidharz abgerollt und mit Quarzsand versehen.

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    Das Huthaus in Zinnwald.
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    Vorgefundener Zustand: Pflaster locker, Boden aufgewölbt, fehlende Verbindung zwischen Pflaster und Untergrund.
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    Der Untergrund wurde zweimal mit Epoxidharz gerollt und abgesandet.
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    Der Anfang von über 13.500 Einzelklötzern.
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    Fast geschafft.
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    Anschlussarbeiten am Amboss.
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    Der fertige Boden mit geölter Oberfläche. Die Fugen wurden mit Korkgranulat ausgekehrt.

Über 13.500 Holzklötze verlegt

Anschließend konnte mit der Verlegung der über 13.500 einzelnen Klötze begonnen werden. Diese wurden mit einem HPK-Klebstoff einzeln und Reihe für Reihe nacheinander und genau nach dem historischen Vorbild verlegt. Anpassarbeiten an das Schmiedefeuer und den Amboss wurden originalgetreu erledigt. Nach der Trocknung des Klebstoffs (14 Tage) behandelten die Experten die einzelnen Klötze zweimal mit Eukula Oil 1 FS, um eine Schmutz abweisende und beständige Oberfläche zu erhalten. Als letzten Schritt wurden die Fugen mit einem Korkgranulat 1-2 mm ausgekehrt. Dieses Material wurde gewählt, um Spannungen zu reduzieren, die sich ergeben, wenn sich das Holzpflaster infolge der raumklimatischen Schwankungen in den Sommer- und Wintermonaten bewegt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und für die Experten der Parkett & Restaurierungswerkstatt Domschke erwies sich die Wiederherstellung des Holzpflasters als willkommene Abwechslung. Seit Frühjahr 2025 steht das Heimatmuseum wieder den Besuchern offen, die damit auch einen Blick auf den originalgetreu wiederhergestellten Fußboden werfen können.

Der Autor

Marko Domschke ist Restaurator im Parkettlegerhandwerk und Fachgruppenleiter der Parkettrestauratoren im BVPF.