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Holzterrasse: Ein Totalschaden mit drei Ursachen

Nicht nur, dass der Terrassenbauer im folgenden Fall im Zuge einer Renovierung die ­neuen Dielen bedenkenlos auf die alte Unterkonstruktion aufbrachte sorgte für Unzulänglichkeiten. Auch Holzwahl und Verschraubung trugen am Ende zum Schadensbild bei.

Totalersatz einer Holzterrasse
Stark vergraute Holzterrassenoberfläche mit vielen Flecken. -

Kaum je zuvor wurde die eigene Terrasse so wichtig und geschätzt, wie im vergangenen Frühling und Frühsommer. Die Pandemie ließ viele Leute zu Hause verweilen, und wer konnte, hielt sich bei dem wunderbaren und warmen Wetter draußen auf der Terrasse oder im eigenen Garten auf.

Doch was, wenn die Holzterrasse nicht schön aussieht, sich nicht reinigen lässt oder derart uneben erscheint, dass kaum ohne Stolpergefahr darauf herum gegangen werden kann? Oft führen mehrere Unregelmäßigkeiten zusammen zu einer Misere, wie auch im nachfolgend beschriebenen Fall.

Die Situation vor Ort

Die Holzterrasse aus Akazie (Robinie) wies stellenweise größere Höhendifferenzen zwischen den einzelnen Dielen auf und die Fugen dazwischen lagen sehr unregelmäßig breit vor. Risse im Holz bildeten gefährlich aufstehende Schiefer mit großer Verletzungsgefahr, so dass ein Barfußbegehen kaum ohne Spreißel im Fuß möglich wurde. Dazu erschien die Holzoberfläche nach nur zwei Jahren sehr dunkel und mit vielen Flecken behaftet. Dies alles zusammen führte zum Gutachten, da sich die Parteien zuvor uneinig waren über die Ursachen und insbesondere die Verantwortlichkeiten.

Beim Augenschein vor Ort erhielt der Experte zusätzlich die Information, dass vor den jetzt eingebauten Brettern bereits eine Holzterrasse vorhanden war, diese aber altershalber ersetzt werden musste. Nach Einschätzung des Terrassenbauers erforderte die Unterkonstruktion für die Neuverlegung von Massivholzdielen keine Änderung oder Reparaturen. Die neuen Terrassenbretter wurden also direkt auf das bestehende Holzlager sichtbar von oben aufgeschraubt. Auch eine Behandlung des neuen Holzes war laut Holzbauer nicht notwendig.

Nebst den sehr großen Unregelmäßigkeiten der Terrassenoberfläche, mit starken Verformungen, Höhendifferenzen, Rissbildungen und intensiven Dunkelverfärbungen mit Flecken, stellte der Sachverständige auch fest, dass die Akaziendielen aus lauter Kurzstücken mit Keilverzinkung vorlagen. Innerhalb dieser Stöße traten Öffnungen, zum Teil Überzähne und Holzabsplitterungen auf. Fast jede Diele wies stirnseitig mehr oder weniger Risse in unterschiedlicher Länge auf. Oberseitig traten ebenso diverse Risse auf, senkrecht oder flach zur Oberfläche verlaufend, dazu stellenweise mit gefährlich aufstehenden Holzpartien.

Konstruktiv wiesen die Anschlüsse gegen bodenabgrenzende Bauteile hin nur wenige Millimeter Fugenbreite auf, im Durchschnitt etwa 5 mm. Die Schrauben lagen in der Längsrichtung der Elemente mit großen Distanzen vor, im Mittel um die 60 cm, und die zwei Schrauben je Diele waren mehr als ein Viertel Stabbreite von außen eingesetzt worden. Die Stirnstöße lagen auf einer Trägerlatte ausgerichtet vor, was nach der Ausbildung von etwa 5 mm Stirnfugen kaum noch eine ordentliche Verschraubung auf der etwa 70 mm breiten Lattenoberfläche zuließ. Seitlich zwischen den Akazienbrettern konnten Fugen von etwa 2 bis 4 mm Breite gemessen werden.

Die intensiven Verfärbungen mit Fleckenbildungen auf der Holzoberfläche ließen sich mit einem Stechbeitel mühelos abschaben. Darunter kamen die Dielen ohne jegliche unnatürliche Farbveränderungen zum Vorschein, das heißt, in der Originalholzfarbe.

Die Bilder zum Schadensfall

Den Experten interessierte natürlich auch die Unterkonstruktion. Dazu schraubte der Gutachter vor Ort einige Dielen ab. Zum Vorschein kamen nasse Trägerlatten aus Hartholz, teilweise bereits mit Fäulnis behaftet. Direkt unter der Lattung befand sich ein Kiesbett. Die Hartholzträger wurden vor vielen Jahren direkt auf das Kiesbett ausgelegt. Zwischen den Latten kamen viele Schmutzpartikel, Blätter und Erdkrümel zum Vorschein. Oben, das heißt zwischen Trägerlatten und Terrassendielen, wurden sachgerecht Distanzhalter mit „Kunststoffbrillen“ eingesetzt. Diese wiesen einen senkrecht angeordneten Stengel/Nocken von nur 3 mm Durchmesser auf. Mit diesen „Distanzhaltern“ wurden bei der Montage die Fugenbreiten zwischen den Akazienbrettern konstruiert.

Beurteilungsgrundlagen

Verschiedene Dokumentationen (für die Schweiz die Broschüre Lignatec „Terrassenbeläge aus Holz“, das Lignum Merkblatt „Compact Terrassengestaltung mit Holz“ und das ISP Merkblatt Nr. 35 „Holzterrassen“) umschreiben mehr oder weniger identische Vorgaben zu einer Holzterrassenkonstruktion. Die meisten Details liegen gleich beschrieben vor und dienen insbesondere einer raschen Austrocknung des Holzes nach Regen oder anderen Auffeuchtungen.

Für den konstruktiven Holzschutz im Terrassenbau sind folgende Punkte zu beachten:
  • Trägerlatten aus Holz sollten nicht direkt auf oder in einem Kiesbett liegen. Ein Hohlraum darunter dient der Unterlüftung.
  • Stehendes Wasser unter einer Holzterrasse ist unbedingt zu vermeiden, was mit ordentlichen Gefällen von mind. 1,5 - 2 % der Unterkonstruktion (z.B. Betondecke, Dachdämmung etc.) und einer wasserführenden Folie darauf konstruiert werden kann.
  • Das Achsmaß einer Lattung darf 50 cm nicht übersteigen. Je nach Dielenholzart und Stärke der Bretter sind auch kürzere Distanzen einzuhalten.
  • Fugen zwischen den Terrassenbrettern sollten bei der Montage mindestens 7 mm Breite messen, auch stirnseitig.
  • Anschlussfugen zu Fassaden oder anderen bodenabgrenzenden Bauteilen hin erfordern 15 - 20 mm Fugenbreite.
  • Stirnstöße sind auf zwei Latten zu kon­struieren, damit auch eine ordentliche Verschraubung möglich wird.
  • Die Schrauben sind so weit möglich nach außen zur Brettkante hin anzuordnen. Jedoch sollte der Abstand mind. 15 mm zur Dielenseite messen.
  • Zwischen Dielen und Lattung sind etwa 5 mm Spielraum mit Distanzhaltern zu konstruieren.

Schadensursachen

Die intensiven und übermäßigen Verformungen sowie Höhendifferenzen/Überzähne der Akazienbretter waren zum einen auf Holzeigenschaften der keilverzinkten Bretter mit nur sehr kurzen Holzstücken zurückzuführen. Normalerweise gelangen für Holzterrassen möglichst lange Bretter zum Einsatz, welche entsprechend auch weniger Verformungen erzeugen. Die Kurzstücke (eher Abfallholz) sind oft mit größeren Verformungseigenschaften vorliegend.

Die zum Teil geöffneten Keilverzinkungen mussten ebenso auf extreme Bewegungseigenschaften des Holzes zurückgeführt werden. Schwind- und Quellveränderungen sind bei Robinie allgemein als mittelstark bis intensiv einzustufen.

Zum andern lag die Verschraubung zu weit auseinander vor, das heißt, das Achsmaß der Trägerlattung war zu groß. Mit ca. 45 bis 50 cm von Lattenmitte zu Lattenmitte hätten die Dielen einigermaßen fest fixiert werden können, ohne dass in der Mitte der Auflagen und Verschraubungen Höhendifferenzen zwischen einzelnen Brettern von einem halben Zentimeter aufgetreten wären. Längsstöße von Terrassenbrettern auf nur eine Latte einzuteilen erschien ebenso nicht sachgerecht.

Skizze 1 Terrassenstirnstoss

Die Stirnstoßausbildung hätte mit zwei Trägerlatten konstruiert werden sollen, welche ca. 5 - 10 cm von außen der Dielen­stirnflächen zurückliegen. Durch die Verschraubung der Bretter weiter innen entstünden auch weniger Risse im Kopfbereich der einzelnen Terrassenhölzer. Dazu hätten die Schrauben etwas weiter zum Dielenrand hin eingesetzt werden können, womit eine größere Breite der Bretter auf der Lattung fixiert worden wäre. Etwa 15 mm von außen erscheinen praxisgerecht. Dadurch würden weniger Schüsselungen der Einzelbretter resultieren.

Rissbildungen können bei Terrassendielen nie vermieden werden. Senkrecht zur Oberfläche verlaufende Risse sind als Trocknungsrisse einzustufen und zu tolerieren, solange dabei keine Holzabsplitterungen mit Verletzungsgefahren auftreten. Flach zur Oberfläche verlaufende Risse, manchmal auch quer zu den Holzfasern vorliegend, stellen jedoch Windrisse (Schilferrisse) dar, welche als Holzfehler gelten und nicht zu tolerieren sind, da oben liegende Holzschiefer aufstehen und Stolper- sowie Verletzungsgefahren erzeugen. Wind­risse haben ihre Ursache in Überbelastungen des stehenden Baumes oder in einem unsachgemäßen Fällen des Stammes. Vorliegend mussten einige derartige Risse als „nicht akzeptabel“ eingestuft werden.

Bei den Verfärbungen der Dielenoberflächen lag eine starke Anschmutzung vor, welche jedoch nur über dem Holz auftrat. Beim Test vor Ort durch leichtes Abschaben der Dielenoberfläche kam darunter das Holz in der Originalfarbe zum Vorschein. Mit einer regelmäßigen Reinigung durch Bürsten und Terrassenreiniger hätten die Dunkelverfärbungen und Flecken abgetragen werden können. Zusätzliche Behandlungen mit Öl könnten die Verfärbungen und Anschmutzungen sogar verlangsamen, womit auch die nachfolgenden Reinigungen weniger intensiv ausfallen müssten.

Schadenbehebung

Auf Grund der verschiedenen Unzulänglichkeiten wie den starken Verdrehungen der Bretter mit Kurzstücken, zu schmalen Fugen, zu große Achsmaße bei der Lattung sowie ungenügende Anschlussfugenbreiten, erforderte die Holzterrasse einen Total­ersatz. Nach dem Ausbau der Bodendielen mussten die Trägerlatten enger versetzt werden, so dass 45 bis max. 50 cm Achsmaß resultierten. An Stelle von Massivholzträgerlatten empfahl der Experte, neu spezielle Terrassen-Aluschienen einzusetzen, welche keine Verrottung erfahren, weniger Dicke aufweisen und dadurch ein Hohlraum für die Unterlüftung der Terrassenkonstruktion erstellt werden kann.

Auf die neu erstellte Unterkonstruktion konnten sodann ebenso neu gelieferte Massivholzdielen montiert werden, wiederum mit sichtbar verbleibender Verschraubung von oben, neben oder durch die Distanzhalter zwischen Dielen und Latten. Zusätzlich war das Holz nach dem Verlegen zu ölen, um einen besseren Oberflächenschutz zu erhalten. Reinigungen und Nachölungen im Rahmen von Unterhaltsarbeiten sollten anschließend periodisch ausgeführt werden, empfohlen im Frühjahr und Herbst je einmal.

Bernhard Lysser

Bernhard Lysser ist Experte ISP und
Mitglied von Swiss Experts, der
schweizerischen Kammer technischer
und wissenschaftlicher Gerichtsexperten.

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