Neue Serie: Vom Baum zum Holzfußoden Holz – einzigartig bis ins Mark

Nichts ist so individuell wie ein Holzfußboden. Denn der Rohstoff Baum, ganz gleich ob Eiche, Buche oder Wenge, ist in seinem natürlichen Erscheinungsbild einzigartig. Was für Auswirkungen haben Wuchs, Jahresringe, Holzporigkeit oder Faserverlauf auf die Optik von Parkett? Was bedeuten all diese Eigenschaften für die handwerkliche Verarbeitung von Holzfußböden? bwd macht Sie zum Parkettversteher!

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    Eine einzeln stehende Eiche bildet eine mächtige Krone aus.
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    Dieser Keruingbaum verankert sich mit seinem Wurzelgeflecht im Boden.
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    Mangroven stehen im Uferbereich und bilden spezielle Wurzelsysteme aus.
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    Deutlich erkennbarer und nicht zu nutzender Padouksplint.
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    Das dunkle Kernholz der Buche wird zunehmend beliebter.
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    Dichtes Ahornholz lässt sich nur mit großer Sorgfalt ölen, sonst entsteht ein unschönes Oberflächenbild.
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    Die grobporige Eiche eignet sich für viele Bearbeitungsvariationen. Hier im Bild Eiche gebürstet.
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    Palmen weisen kein Dickenwachstum auf und gehören somit botanisch nicht zu den Hölzern.
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    Kein Dickenwachstum: Der Bambus hat seinen Umfang bereits angelegt, wenn er aus dem Boden schießt.
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    Die für den Baum lebenswichtigen Markstrahlen prägen bei radial gesägtem Holz die Optik, speziell bei der Platane.

Holz – einzigartig bis ins Mark

Es gibt keinen Bau- oder Werkstoff, der im Bauwesen so vielen Anforderungen gerecht wird wie das Holz. Man bezeichnet es auch als die dritte Haut des Menschen, denn als äußere Hülle, aber auch als wesentliches Material der Innenausstattung trägt Holz viel zum Wohlbefinden des Menschen bei. Dies wird auch nicht dadurch in Frage gestellt, dass es behördliche Bestrebungen gibt, Bauhölzern im Innenbereich (bestimmte Kiefern) aufgrund von Holzinhaltsstoffen eine gesundheitsschädigende Wirkung zuzuordnen. Auch deren Kombination mit natürlichen Oberflächenmaterialien wird kontrovers diskutiert. Das ist schon seltsam, denn die Lebenserwartung der Menschen in Holzbauländern wie der Schweiz oder in Skandinavien gehört nachweislich weltweit zu den höchsten, ohne aus diesen Gegebenheiten einen direkten Zusammenhang herstellen zu wollen. Der bekannte Baubiologe Dr. Hubert Palm hat einmal gesagt: „Holz ist als Bau- und Einrichtungsmaterial unersetzlich. Man kann nie zu viel Holz in seiner Wohnung haben, sondern nur zu wenig.“

Zurück zu den Wurzeln

Holz hat viele spezielle Eigenschaften, die es so einzigartig machen. Allerdings kann man sie erst dann richtig verstehen, wenn man auch die grundlegenden Zusammenhänge ihres Zustandekommens und damit das Wachstum der Bäume betrachtet. Wie sich ein Parkettstab, eine Massivdiele oder ein Stäbchen in der Mittellage vor und während der Nutzung als Fußboden verhält, ist in wesentlichen Parametern bereits im Baum selbst angelegt. Deshalb steht am Anfang dieser Betrachtung der Baum. Dessen Funktion wiederum wird erst durch die lebenswichtigen Wurzeln gesichert. Sie sorgen nicht nur für die feste Verankerung des Stammes im Boden, sondern verleihen ihm die nötige Standfestigkeit. Unter Mitwirkung von Wasser entzieht die Wurzel dem Boden Mineralstoffe. Das von den Wurzeln aus dem Boden aufgenommene Wasser steigt dann mit den Nährsalzen hinauf bis in die Blätter. Dort werden – initiiert durch das Sonnenlicht – aus dem Kohlendioxid (CO2) der Luft und dem nährstoffhaltigen Wasser organische Substanzen aufgebaut. Dieses natürliche CO2-Bindungsverhalten ist übrigens der Grund für die weltweite Forderung nach verstärkter Nutzung von Holz, die durch den Erhalt und Aufbau von Waldflächen gegen den drohenden Klimawandel auf natürliche und ideale Weise wirksam werden kann.

Arbeitsteilung

Jeder Teil des Baumes hat seine eigene, aber eng untereinander verwobene Funktion. Während der Stamm in erster Linie die gesamte Statik des Baumes sichert und demgemäß auch Träger der Krone ist, die ihrerseits wiederum von den Ästen und Zweigen gebildet wird, sorgen die Blätter für den eigentlichen Entwicklungsprozess. Denn in ihnen findet die so genannte Assimilation statt, die für die Umwandlung von Nährstoffen in Baumsubstanzen verantwortlich ist. Dazu ist allerdings ein weiterer Transport (wiederum durch den Stamm) erforderlich, mit dem die von den Nadeln oder Blättern gebildeten organischen Stoffe in den (in Höhe und Breite wachsenden) Baum zurückfließen. Zusätzlich zu diesem vertikalen Auf- und Abtransport gibt es allerdings im Stamm auch einen horizontalen Transport vom Stammäußeren ins Stamminnere, der durch die Markstrahlen vorgenommen wird. Das sind natürlich vorkommende „Zellenreihen“, die von innen strahlenförmig aus dem Mark nach außen gehen. Sie sind bei manchen Holzarten deutlich, bei anderen eher weniger sichtbar und bestimmen bei einigen Hölzern gerade die exquisiteren Sortierungen. Entscheidend für das Entstehen und das Wachstum eines Baumes ist das Kambium. Dieses nur hauchdünne Bildungsgewebe sorgt dafür, dass der Baum nicht wie Bambus oder Kokospalme lediglich in die Höhe wächst, sondern auch ein Dickenwachstum aufweist und damit für die einmalige Pflanzenform der Bäume entscheidend ist. Diese zwischen Bast und Holz liegende Schicht ist zur Bildung neuer Holzzellen fähig, nach innen und nach außen. Sie umkleidet alle lebenden Teile des Baumes, also Stamm, Äste und Wurzeln. Bei ihrer Tätigkeit sendet sie fortdauernd nach innen Holzzellen und nach außen Rindenzellen ab.

Bast und Mantel

Neue Zellen werden alljährlich während der Wachstumsperiode (Frühjahr bis Herbst) gebildet. Dabei entsteht aus den außen abgeschiedenen neu gebildeten Zellen ein dünner Bast-, aus den nach innen abgeschiedenen ein neuer Holzmantel, der sich dann als so genannter Jahrring um den ganzen Baum herumlegt. Die neu gebildeten Holzzellen vergrößern von Jahr zu Jahr den Umfang des Stammes, wobei jede Holzzelle ihre eigene Aufgabe erhält: Auf- und Abwärtsleitung von Nähr- und Wuchsstoffen, Festigung, Speicherung etc. Laub- und Nadelhölzer sind dabei unterschiedlich konstruiert, wobei die Laubhölzer als technisch ausgereifteres System zu bezeichnen sind. Während des Wachstums findet auch ein Umwandlungsprozess der Zellen selbst statt. Das junge (juvenile) Holz, das übrigens trotz seiner technisch minderwertigen Eigenschaften speziell aus vielen schnellwüchsigen Plantagen gewonnen wird und gelegentlich leider auch im Parkettbereich seinen Einsatz findet, bildet nur sehr dünnwandige und wenig differenzierte Zellen aus. Im Alter werden sie dann kräftiger und spezialisierter, um den zunehmenden statischen Herausforderungen des größer werdenden Baumes gewachsen zu sein. Wenn also jedes Jahr eine neue Schicht von frühem oder spätem Splintholz wächst, wird eine weitere, näher zum Zentrum gelegene Schicht zum tragenden Kernholz umgewandelt. Dieser Verwandlung sind auch die bemerkenswerten Festigkeitseigenschaften von Holz zu verdanken.

Parkettgene

Dem in unseren Zonen schroffen Gegensatz der Jahreszeiten Sommer und Winter passt sich der Baum an. Vor Beginn der kalten Jahreszeit schließt der Baum sein Wachstum ab, um bis zum nächsten Frühling eine Ruhepause einzulegen und dann mit größeren, dünnwandigeren bzw. wasserleitenden Gefäßen die Vegetionsperiode wieder zu beginnen. Im Laufe des Jahres werden im allmählichen Übergang die dickwandigeren, kleinen und auf dem Querschnitt meist dunkler erscheinenden Gefäße des Spätholzes gebildet. Der jährliche Aufbau weiterer Jahresringe ermöglicht übrigens die Altersbestimmung eines Baumes bzw. von Holzelementen.

Bei Hölzern aus gemäßigteren Breiten und speziell aus den Tropen findet sich auf Grund der klimatischen Gegebenheiten mit gleichmäßigeren Temperaturen kein so deutlich erkennbarer Jahrringaufbau. Hier spricht man eher von Zuwachszonen, die vornehmlich durch Regen- und Trockenzeiten beeinflusst werden.

Keine Holzart gleicht exakt der anderen, jede besitzt ihre individuelle und sehr komplexe Mischung an Eigenheiten. Die Unterschiede sind genetisch bedingt und können auch von Wachstumsbedingungen, Bodentyp und Klima abhängen.

Darüber hinaus ist das Verhältnis von Kern- zu Splintholz von Art zu Art verschieden. Die farblichen Unterschiede zwischen beiden Zonen sind zuweilen groß. Bei der wegen seiner Farbwirkung und Maserung beliebten Walnuss ist das krass abgesetzte, helle Splintholz kaum brauchbar, ebenso wenig wie bei Padouk. Es gibt allerdings auch Arten, bei denen Kern- und Splintholz ohne Probleme miteinander verarbeitet werden. Das gilt für viele tropische Herkünfte, wobei die Verkernung das Holz viel resistenter gegen Insekten und Schädlingsbefall macht, als es der noch unveränderte, nährstoffreiche Splintholzmantel ist. Die statischen Eigenschaften sind allerdings nahezu gleich.

Hölzer werden entweder als grob offenporig bzw. fein- oder engporig bezeichnet. Grob porige Hölzer wie die Eiche, Esche oder Walnuss besitzen weniger, aber dafür größere Zellen für den Safttransport. Das führt zu groben Poren auf der Holzoberfläche. Werden solche Oberflächen speziell bearbeitet (zum Beispiel gebürstet, wie es gerade bei der Eiche Trend ist), entstehen markante Oberflächenstrukturen, die bei engporigen Holzarten wie dem Ahorn oder der Birke nicht möglich sind. Diese Hölzer lassen sich allerdings perfekt polieren. Ihre Aufnahmefähigkeit gegenüber eindringenden Ölen ist allerdings geringer, was man zum Beispiel beim Auftragen und Nachölen immer berücksichtigen muss.

Walter Pitt walter.pitt@t-online.de