Blasen und Beulen unter elastischen Bodenbelägen, letzter Teil Fehlerquellen auf der Spur

Gegen Wurmfalten, beulenartige Belagsablösungen oder Stauchblasen ist vielleicht kein Kraut gewachsen. Dafür schafft unsere Serie gekonnt Abhilfe und zeigt Ihnen, wie man’s besser macht.

Richtige Verklebung ist nur einer von vielen Faktoren, damit es später nicht zu Blasen und Beulen kommt. - © Thomsit

Fehlerquellen auf der Spur

Ein weit verbreiteter Fehler: Die Spachtelmassendicke wurde nicht ausreichend dick dimensioniert. Das Problem: Spachtelmassenschichten dienen bei der Klebung mit Dispersionsklebern als Feuchtigkeitspuffer, d.h., sie können dank ihrer Saugkraft eine bestimmte Wassermenge aus dem Klebstoff schadensfrei aufnehmen. Saugfähige, aber zu dünn gespachtelte Flächen sind diesbezüglich überfordert. In solchen Fällen wird zu viel Feuchtigkeit unter dem Belag eingeschlossen und es kommt zu Blasen- und Beulenbildung. Besonders bei der Belagsverlegung auf nicht-saugfähigen Untergründen muss die Spachtelmassenschicht daher ausreichend dick dimensioniert sein.

Schon 1991 wies das TKB-Merkblatt „Technische Beschreibung und Verarbeitung von zementären Boden-Spachtelmassen“ auf Seite 2 darauf hin: „Mindestdicken sind - bei dichten Belägen und Einsatz von Dispersionsklebstoffen - 2 mm.“

Umschlagkanten

Widmen wir uns nun folgendem Phänomen: Nach Abschluss der Bodenbelagsarbeiten ist eine längliche, linienartige Unebenheit im Bodenbelag quer zur Verlegerichtung - meist in der Raummitte - zu erkennen. Ein solches Bild ergibt sich häufig im Umschlagbereich der Belagsbahnen. Dabei wird der abgebundene Dispersionsklebstoff im Nahtbereich unter den ersten Bahnenhälften aufgerissen und das Klebstoffbett so beschädigt, dass sich die Strukturen nach dem Einlegen auch der anderen Bahnenseite gegebenenfalls abzeichnen können.

Immer wieder ein Thema ist der doppelte Klebstoffauftrag im Bereich der Umschlagslinie bei der Verlegung des Bodenbelags. Besonders auf glänzend eingepflegten Bodenbelägen zeigt sich gegen das Streiflicht eine wurmartige Unebenheit (Beule), die mittig quer zur Verlegerichtung über die Breite des Raumes verläuft. Bei solchen Bildern kann man sicher sein, dass es zu einem doppelten Klebstoffauftrag im Bereich der Umschlagstelle kam. Offenbar wurde zunächst der Klebstoff in der ersten Hälfte aufgezogen, die Bahn eingelegt und die zweite Bahnenseite umgeschlagen. Jetzt lag im Umschlagbereich auf dem Untergrund der zuerst aufgetragene Kleber entlang der Umschlagkante offen. Gelangt beim Klebstoffaufzug auf der zweiten Seite erneut auch Kleber in die Übergangszone, ergibt sich automatisch ein Höhenunterschied. Der bleibt dauerhaft sichtbar. Wie es richtig gemacht wird, erfahren Sie im Kasten „Umschlagkanten“.

Das Klebstoffbett trocknet unmittelbar nach dem Klebstoffauftrag ungleichmäßig ab

Ein weiteres Phänomen: Die Trocknungsphase eines Dispersionsklebstoffs ist in bestimmten Bereichen weit fortgeschritten, während er in anderen Zonen noch nass ist. An bereits abgetrockneten Stellen kann der Bodenbelag die erforderliche Haftung zum Untergrund nicht mehr aufbauen. Die Folgen sind Blasen und Beulen sowie Ablösungen des Belags. Für diese Schäden sind zwei Ursachen zu nennen.

Intensives Schleifen:

Ungleichmäßig saugende Spachtelmassenrandzonen können durch intensive Schleifgänge entstehen. Die polierten Bereiche sind weniger saugend, die nicht polierten Abschnitte dagegen sind normal saugfähig. In den schwach saugenden Bereichen braucht der Klebstoff länger zum Trocknen als in den anderen Abschnitten.

Durch den fachgerechten Einbau der Spachtelmassen - auf zuvor fachgerecht grundiertem Untergrund - mittels Rakel und Stachelwalze entstehen sehr ebene, kellenschlagsfreie Flächen. Ein nachträgliches intensives Schleifen ist dann in der Regel nicht notwendig. Der in Fleisch und Blut übergegangene „Sauberkeitsschliff“ zum Entfernen letzter „Pickelchen“ kann somit bei sach- und fachgerecht eingebauten Ausgleichsmassen nicht zu den skizzierten unterschiedlichen Saugfähigkeiten führen.

Starke Sonneneinstrahlung:

Durch intensive Sonneneinstrahlung, beispielsweise in Fensterbereichen, lüften Dispersionsklebstoffe schneller ab als auf der übrigen Fläche. So entstehen Bereiche, wo Beläge unter Umständen in ein bereits übermäßig abgelüftetes Klebstoffbett gelegt werden. In der späteren Nutzung können die Beläge in diesen Bereichen „hohl“ liegen, sich im Extremfall auch beulenartig vom Untergrund ablösen. Solche Erscheinungsbilder lassen sich trotz starken Sonneneinflusses ausschließlich durch Abhängen oder Verdunkeln der Fenster vermeiden.

Bei Fußbodenheizungen muss die Oberflächentemperatur gemäß BEB-Merkblatt „Beurteilen und Vorbereiten von Untergründen“, Stand Oktober 2008, Absatz 6.1 Verlegebedingungen, zwischen 18 und 22 °C betragen. Beim Überschreiten dieser Temperaturen und auch bei ungleichmäßigen Oberflächentemperaturen vor, während oder auch nach den Bodenbelagsarbeiten können die genannten Schäden ebenfalls auftreten. Insofern lautet die allgemeine Empfehlung: Die raumklimatischen Bedingungen sind drei Tage vor Beginn der Vorarbeiten und mindestens sieben Tage nach Fertigstellung beizubehalten.

Zu frühe Nutzung oder Überlastung des Belags - zum Beispiel durch zu kleine Möbelstellflächen oder andere Punkt-Belastungen

Punktuelle Belastungen eines frisch in das Klebstoffbett eingelegten Belags sind grundsätzlich zu vermeiden. In solchen Fällen kann es zu Klebstoffquetschungen kommen, die sich in der Belagoberfläche als dauerhafte Eindrücke oder Stauchblasen abzeichnen. Daher sollte die Nutzung des Belags immer erst nach Ablauf der vom Klebstoffhersteller vorgegebenen Abbindezeit (Endklebkraft) beginnen.

Möbelgleiter und Aufstandsflächen müssen auf das Belagmaterial abgestimmt sein, ebenso wie Belag und Verlegung auf die Nutzungsanforderungen.

Elastische Bodenbeläge wurden gar nicht bzw. nicht fachgerecht verschweißt/verfugt oder die Schweißschnur löst sich

Bei unverschweißten bzw. nicht fachgerecht verschweißten/verfugten elastischen Belägen kann Wasser in die offenen Nahtbereiche eindringen und Blasenbildung, hoch stehende Nahtkanten und die Ablösung der Beläge begünstigen. Durch fachgerechtes Verschweißen/Verfugen sind derartige Gefahren gebannt.

Elastische Beläge wurden vor der Verlegung unzureichend akklimatisiert

Elastische Beläge müssen vor der Klebung gemäß Herstellerangaben den klimatischen Verhältnissen im Verlegungsraum ausreichend angepasst sein. Das Risiko, dass Spitznähte entstehen, besteht dann, wenn die Beläge kälter sind als die Umgebungstemperatur am Verlegeort. Spätestens bei Wärmezufuhr dehnen sie sich aus und die Stippnahtbildung ist eingetreten. Zu Fugenbildungen im Nahtbereich kann es kommen, wenn die Beläge deutlich wärmer sind als die Umgebungstemperatur am Verlegeort. Bei der unweigerlich eintretenden Abkühlung zieht sich der Belag zusammen und es entstehen Fugen. Eindringendes Wasser kann dann Blasenbildung verursachen oder zu hoch stehenden Nahtkanten und Ablösung der Beläge führen.

Die Scheinfugen und Risse im Estrich wurden nicht oder nur unzureichend fachgerecht verharzt

In einem solchen Fall werden sich die einzelnen Estrichplatten bedingt durch die mechanische Belastung - vor allem bei schwimmenden Estrichen - gegeneinander bewegen. Ein Mechanismus also, den es durch die Verharzung gerade zu verhindern gilt. Damit löst sich zunächst die Spachtelmasse im Fugen- und Rissbereich, anschließend der Belag. Die weitere mechanische Bewegung des Bodenbelags bei anhaltender Nutzung führt zu Dehnungen und anschließend zu Aufwölbungen entlang der nicht fachgerecht verharzten Fugen und Risse. Es entstehen „längliche Blasen“ im Belag, die als Wurmfalten oder Wurmbildungen bezeichnet werden.

Solche Schäden zu beseitigen ist in der Regel mit hohem Aufwand verbunden. Deshalb sollte auf eine fachgerechte, kraftschlüssige Verharzung der Scheinfugen und Risse großer Wert gelegt werden. An dieser Stelle ist auch die Verantwortung des Planers gefordert. Er muss einen Fugenplan erstellen, aus dem die Lage und die Art der Fugen eindeutig zu entnehmen sind. Außerdem hat er festzulegen, welche Fugen kraftschlüssig zu verharzen und welche als Bewegungsfugen auszubilden sind.

Jetzt kommen wir zu einem weiteren wichtigen Thema: der falschen Nutzung der Fußbodenkonstruktionen. Auch hier gibt es verschiedene Fälle zu unterscheiden.

Die Fußbodenkonstruktion ist der mechanischen Belastung nicht gewachsen

Fußbodenkonstruktionen werden außer der üblichen Gehbeanspruchung in bestimmten Bereichen auch durch Stuhlrollen sowie Gabelstapler und Hubwagen mechanisch belastet. Auf Beanspruchungen dieser Art sind der Untergrund (Estrich), die Verlegewerkstoffe sowie der Bodenbelag bereits in der Planungsphase abzustimmen. Andernfalls erzeugt man ein geschwächtes Glied in der Kette aller eingesetzten Produkte, mit anderen Worten: eine Sollbruchstelle. Dann kann es unter anderem zu Blasenbildungen verbunden mit Belagsablösungen kommen. Auf Dauer würden außerdem das Klebstoffbett, die Spachtelmasse und die Estrichrandzone zerstört. Mehr dazu im Kasten „Mechanische Belastung“.

Einsatz falsch ausgewählter oder falsch eingesetzter Stuhlrollen

Gemäß DIN EN 12529 müssen für jeden Bodenbelag die richtigen Stuhlrollen eingesetzt werden. Die Norm unterscheidet vier Typen von Stuhl- bzw. Möbelrollen. Rollen des Typs „H“ weisen eine harte Lauffläche auf und sind ausschließlich für textile (weiche) Beläge einzusetzen. Rollen des Typs „W“ mit weicher Lauffläche sind bei Hartbelägen zu verwenden. Beim Einsatz falscher Stuhlrollen löst sich der Belag im Stuhlrollenbereich vom Untergrund. Es kommt zu Beulenbildung, zur Beschädigung der Belagsoberfläche - im Extremfall zur Zerstörung des Belags.

Die Beläge kommen kontinuierlich mit mineralischen und organischen Ölen und Fetten, aber auch mit alkoholhaltigem Desinfektionsreiniger in Berührung

In Fußbodenbereichen, in denen mit Ölen und Fetten bzw. mit öl- oder fetthaltigen Produkten gearbeitet wird, sind zwingend nur entsprechend beständige Beläge einzusetzen. Ansonsten droht auch hier die Zerstörung des gesamten Aufbaus.

Alkoholhaltige Desinfektionsreiniger/-mittel, wie sie beispielsweise im medizinischen Bereich verwendet werden, können ebenso zu Beulenbildung führen.

Fazit

Für Blasen- und Beulenbildung unter elastischen Bodenbelägen gibt es eine Vielzahl von Ursachen, häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Durch fachgerechte Ausführung der Belagsarbeiten kann der Bodenleger dieses Ärgernis allerdings in den meisten Fällen bereits im Vorfeld ausschließen und so Schäden vermeiden.

Klaus Losch, Wolfram Steinhäuser