Mit Jacintha Fürst rückt eine weitere Generation in die Geschäftsführung der Fürst GmbH in Mosbach nach. Die Parkettlegermeisterin verbindet handwerkliche Praxis mit betriebswirtschaftlichem Know-how und steht für Kontinuität und neue Impulse im Familienbetrieb.
Seit Juli gehört die Parkettlegermeisterin Jacintha Fürst zur Geschäftsführung der Fürst GmbH in Mosbach – und stellt die dritte Generation dar. Der Familienbetrieb bietet die gesamte Bandbreite der Raumgestaltung.
Die 27-Jährige, die über einen Master of Arts (M.A.) in BWL verfügt, berichtet, dass der Einstieg ins Unternehmen ihre eigene Entscheidung gewesen sei. „Mein Vater hat nie Druck auf uns ausgeübt“, sagt Jacintha Fürst. Ihr Vater Karl Fürst ist Inhaber des Unternehmens, Betriebswirt, Bauleiter Objekt, Raumausstatter-, Estrichleger- und Parkettlegermeister, Mutter Margit Fürst arbeitet in der Lohnbuchhaltung des Unternehmens. Jacintha Fürsts jüngere Schwester Felicia studiert derzeit noch Innenarchitektur in Frankfurt. Auch sie wird eines Tages selbst entscheiden können, ob sie ins Unternehmen einsteigt oder nicht.
Jacintha Fürst – nach Studium Ausbildung zur Parkettlegerin
Die Ältere der beiden hat nach dem Studium eine Ausbildung zur Parkettlegerin draufgesetzt. „Ich habe mich nach dem Abitur dafür entschieden, erst einmal ein duales Studium zu machen. Und wegzugehen, um zu lernen, wie in anderen Unternehmen gearbeitet wird, bevor es ins eigene Unternehmen geht. Das war eine Mischung aus Handel und Industrie. Nach dem Studium habe ich die Ausbildung zur Parkettlegerin dann gleich drangehängt“, berichtet sie.
Und nicht nur das: Beim Bundesleistungswettbewerb der Parkett- und Bodenleger in Plauen 2021 ist sie als zweite Bundessiegerin hervorgegangen. „Es war eine große Ehre, eine coole Veranstaltung und hat mir richtig Spaß gemacht. Gegen die Besten aus anderen Ländern anzutreten, das ist super“, sagt Jacintha Fürst. Nachdem sie Parkettlegermeisterin geworden war, hat sie den Abschluss Master of Arts gemacht.
Familienbetrieb: Gemeinsam im Chefsessel
Und nun: gemeinsam mit dem Vater auf dem Chefsessel. „Wir sind ein Familienbetrieb. Mein Opa hat das Unternehmen gegründet, aber er hat nicht damit gerechnet, dass eine seiner Enkelinnen in die Firma einsteigt. Er dachte, das würde mit der Generation seines Sohnes enden. Aber es kam anders. Leider hat er es auch nicht mehr mitbekommen, aber vielleicht schaut er uns ja von irgendwo her zu“, erklärt die Unternehmerin.
Wenn wir ein „Eine von uns“ machen, also mit einem weiblichen Bodenprofi sprechen, kommt das Gespräch manchmal auch auf das Thema „dumme Sprüche“. Aber: Da scheint sich etwas getan zu haben. „Blöde Sprüche habe ich nur ganz zu Beginn der Ausbildung erlebt, von anderen Handwerkern auf der Baustelle, so in Richtung ‚warum willst du nicht ins Büro?‘, aber danach nicht mehr. Ich glaube, dass solche Stereotypen mittlerweile out sind, dass sich das Schubladendenken nicht mehr so zeigt. Ich kenne einige Frauen in männerdominierten Branchen. Mein Eindruck ist: Es bessert sich langsam, das Denken wandelt sich“, hat Jacintha Fürst beobachtet.
Unternehmen Fürst – Renovierung spielt eine wichtige Rolle
Im Unternehmen Fürst wird relativ viel neu verlegt, daneben spielt die Renovierung eine wichtige Rolle. Privat- und Geschäftskunden halten sich die Waage. Verlegt wird alles, was der Kunden will. Elastische Beläge nehmen inzwischen prozentual einen größeren Anteil als Parkett ein, „aber vielleicht ändert sich das auch wieder einmal“, hofft Jacintha Fürst. Derzeit sind drei Azubis im dritten Lehrjahr im Betrieb; ein Vierter hat gerade die Prüfung gemacht und für das nächste Jahr suchen die Fürsts wieder. „Wir wollen, dass alle bei uns eine sehr gute Ausbildung ablegen und entsprechende Prüfungen ablegen, und darum kümmern wir uns auch. Wir haben eine Art Nachhilfelehrer im Unternehmen, der die Dinge mit den Auszubildenden nochmal durchgeht und mit ihnen vor den Prüfungen übt. Dafür bekommen sie einige Wochen Zeit. Wir versuchen da, unser Bestes zu geben, das ist uns sehr wichtig. Es macht uns Spaß zu sehen, wenn es dann gut läuft, manchmal auch besser als zuvor in der Schule“, so die Geschäftsführerin.
„Gegen die Besten aus anderen Ländern anzutreten, das ist super.“
Jacintha Fürst aus Mosbach, Parkettlegermeisterin
und Master of Arts (M.A.) BWL
Wie findet das Unternehmen seine Auszubildenden?
Vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda, sagt Jacintha Fürst: „Wir werden von Familien empfohlen, die auf uns aufmerksam geworden sind und ihre Erfahrungen geteilt haben. Praktika bieten wir sehr oft an. Dabei versuchen wir immer, die jungen Leuten etwas selbst machen zu lassen und nicht nur Spachtelmasse schleppen. Die sollen ein realistisches Bild von unserem Beruf erhalten. Wir gehen auch auf Azubimessen und ich habe schon öfters Vorträge in Schulen gehalten. Social Media machen wir auch, das lassen wir von einer Marketingagentur betreuen. Das spricht potenzielle Kunden an, aber natürlich auch künftige Mitarbeiter.“ Dort gibt das Familienunternehmen Fürst Einblicke in seine Arbeit und berichtet auch mal von „hinter den Kulissen“. Die Jung-Chefin sagt: „Da kommt man heute nicht mehr drum herum. Gerade haben wir in Re-Branding gemacht mit neuem Slogan und neuer Website. Das muss man immer aktuell halten. Der Auftritt trägt die Handschrift von meinem Vater und mir. Und er zeigt auch, dass die neue Generation frischen Wind mit reinbringt, aber die alte noch da ist. Die Tradition, die Werte – da bleibt alles erhalten.“ Beide Generationen arbeiten bis auf Weiteres zusammen; konkrete Pläne für den Übergang gibt es nicht. „Wir machen uns da keinen Druck. Das kommt, wie es kommen soll. Mein Vater ist 57, ich bin 27, da haben wir keine Eile mit dem Übergang“, sagt Jacintha Fürst.
Wenn sie selbst nicht in den elterlichen Betrieb eingestiegen wäre, was hätte sie stattdessen gern gemacht? So richtig stelle sich ihr die Frage eigentlich gar nicht, erklärt die Unternehmerin: „Meine Kindergartenfreundin erzählt immer die Anekdote von ihrem Freundschaftsbuch in der Grundschule. Das hat sie immer noch. Und da habe ich in der dritten Klasse in der Rubrik ‚Was will ich werden?‘ reingeschrieben: Chefin der Firma Fürst. Meine Wahl scheint also schon sehr früh festgestanden zu haben.“
Autor
Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.
Kontakt
Fürst GmbH, Adalbert-Stifter-Weg 10, 74821 Mosbach, www.fuerst-fussboden.de, Mail: info@ fuerst-fussboden.de, Telefon 0 62 61 / 93 40 0
