Dreischichtiges Fertigparkett zeigt konkave Querkrümmungen Ein Waschbrett als Boden

Konkave Verformungen beeinträchtigen das Erscheinungsbild eines Parkettbodens ­erheblich. Was ist die Ursache? Liegt es am ungenügenden Wandabstand oder an der Holzfeuchte? Der Sachverständige nahm beim Ortstermin den Schaden unter die Lupe.

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    1 Die Deckschicht wird im Nutbereich nicht ausreichend stabilisiert.
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    2 Die Parkettebene ist geschwunden, wie dieser Abschnitt zeigt.
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    3 Die einheitlich entstandenen Haarfugen sind nicht mit Quelldruck vereinbar.
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    Der Parkettboden zeigt einen „Waschbrett­effekt“ durch aufgeschüsselte Elementkanten.
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    Solche Querkrümmungen gehen über ein tolerierbares Maß hinaus.

Während des Telefonats verdüstert sich die Miene des Sachverständigen zusehends. Ein Mann hatte im Baumarkt ein Fertigparkett gekauft und mit einem Freund selbst verlegt. Der Fachhandel und ein Parkettleger waren außen vorgelassen.

Das Parkett habe zunächst ganz wunderbar ausgeschaut, meinte der Anrufer, aber in den ersten Wintermonaten habe es angefangen, sich optisch in ein „Waschbrett“ zu verwandeln.

Der Mann habe das Erscheinungsbild im Baumarkt reklamiert. Ein Baumarktmitarbeiter habe sich das Schadensbild zwar angesehen, aber einen Materialmangel kategorisch abgelehnt mit der Begründung, das Parkett wäre ohne genügenden Wandabstand verlegt und durch die Übergangsschienen im Flur eingespannt. Dadurch könne, so der Baumarktmitarbeiter, das Parkett nicht frei arbeiten und müsste zwangsläufig schüsseln.

Der Anrufer versichert, alle Vorgaben hinsichtlich der Anschlüsse und Abstände beherzigt zu haben. Der Sachverständige besinnt sich auf seine öffentliche Bestellung und vereinbart einen Besichtigungstermin.

Schadensbild

Beim Ortstermin springt dem Sachverständigen der am Telefon beschriebene „Wasch­bretteffekt“ förmlich in die Augen. Der Experte kann die Unzufriedenheit des Baumarktkunden verstehen und macht sich mit geweckter Neugier auf die Suche nach den Ursachen.

Schadensanalyse

Verlegt ist ein dreischichtiger Parkettboden mit Buchendeckschicht. Als Verbindung zeigt sich ein Klicksystem in Baumarkt­standard.

Zunächst misst der Sachverständige Raumklima und Holzfeuchte. Das Raumklima zeigt normale Werte und auch die Bausubstanz ist unauffällig. Die Holzfeuchte ist nur mit Vorbehalt zu messen, weil die elektrischen Messverfahren bei Mehrschichtparkett nicht zuverlässig sind und je nach Messgerät und Elektrodeneinschlag Mate­rial­mischungen oder einen Mix von Holz- und Klebstoff messen.

Mit Erfahrung und Gefühl zeigt sich aber eher eine Holzfeuchte unter dem normierten Produktionsfeuchtegehalt. Das Argument einer eingespannten Parkettfläche des Baumarktmitarbeiters erscheint damit bereits abwegig.

Als sich bei der Kontrolle der Randbereiche auch noch eine deutliche Schwindung an den Türstöcken erkennen lässt, wird klar, dass sogar das Gegenteil der Fall ist und das Parkett flächig geschwunden ist.

Die konkave Querkrümmung der einzelnen Elemente ist also sicher nicht auf Feuchteaufnahme aus der Raumluft oder dem Estrich zurückzuführen, sondern auf einen Feuchteverlust zur Raumluft hin.

Dann schaut sich der Sachverständige die Verformung der Elemente nochmals genauer an und stellt fest, dass jeweils die letzten fünf bis zehn Millimeter im Bereich der Längsfugen eine Aufwölbung zeigen. Um diesen Effekt noch genauer untersuchen zu können, nimmt er ein übrig gebliebenes Verlegeelement mit und beendet den Ortstermin.

Wieder zuhause, nimmt der Sachverständige das Element nochmal genau unter die Lupe. Dabei wird bei einem Blick auf die Kopfseite des Elements klar, wo das Problem liegt: Die Deckschicht hat im Nutbereich keinerlei Unterstützung gegen konkave Verformung, weil die Mittellage nicht an die Deckschicht reicht. Die Fräsung ist nämlich bis an die Unterkante der Deckschicht gezogen worden, wodurch diese sich ungehindert verformen kann.

Mit diesem Befund erstattet er dann eine schriftliche, sachverständige Stellungnahme, die der Anwalt des Baumarktkunden seinen rechtlichen Forderungen zugrunde legt.

Schadensregulierung

Wie der Kunde später mitteilt, hat der Baumarkt seine Version des Schadens widerrufen und mit dem Kunden eine einvernehmliche Lösung gefunden.

Dieter Humm

Gut zu wissen

  • Bei Mehrschichtparkett hängt die Neigung zu Verformungen im Kantenbereich wesentlich von der Ausbildung des Nutensystems ab.
  • Tiefe Nuten und Nuten mit wenig „Fleisch“ unter der Deckschicht sind ­abträglich für die Formstabilität.
  • Beim Kauf von Mehrschichtparkett auf bewährte Qualität achten.