Interview Günter Moser, Geschäftsführer Bauwerk-Kährs Parkett GmbH Direktgeschäfte – ohne uns

Nach dem überraschenden Abgang von Dr. Wilhelm Jörg nach nur neun Monaten ist Günter Moser seit November 2007 als Geschäftsführer des Parkettherstellers Bauwerk für Österreich und die zentraleuropäischen Länder verantwortlich. Im Interview äußert er sich zur aktuellen Situation im Parkettsektor und beschreibt seine zukünftige Geschäftsstrategie.

Direktgeschäfte – ohne uns

Der gelernte Mechatroniker war nach einer Station im Möbelhandel von 1995 bis 2003 zuletzt als Vertriebsleiter tätig. Anschließend wechselte er als Produktmanager zu Bauwerk. 2005 übernahm er die Gesamtvertriebsleitung. bwd- Österreich-Redakteur Thomas Mayrhofer traf ihn in der Bauwerk-Niederlassung in Wien.

bwdGratulation zu Ihrer neuen Position. Ihre Berufung sowie das Ausscheiden Ihres Vorgängers nach nicht einmal einem Jahr kamen sogar für Brancheninsider überraschend.

MoserIch will gar nicht viel zur Vergangenheit sagen, sondern blicke mit Freude in die Zukunft. Ich habe mich rasch für diese neue Herausforderung entschieden und arbeite nun mit meinem hervorragenden Team an der Umsetzung unserer Ziele.

bwdBitte präzisieren Sie das.

MoserBauwerk-Kährs steht für Qualitätsparkett im Zwei- und Dreischichtbereich. Mit unserem Hauptwerk in St. Margareten bieten wir ein breites Sortiment für alle Anforderungen. Mit einem Produktionsvolumen von mehr als 1,3 Millionen Quadratmeter in Salzburg gehören wir zu den großen Anbietern und geben dadurch den Kunden Sicherheit für eine kontinuierliche und verlässliche Produktstrategie.

bwdWorin sehen sie den Hauptvorteil für die Kunden?

MoserSicher in unserem Entwicklungs- und Produktions-Know-how. Produktionsleiter Roland Hennermann mit seinem Team leistet fantastische Arbeit. Wir sehen uns als Qualitätsführer und die Kunden wissen, dass neue Produkte wie Monopark einfach funktionieren, wenn wir sie auf den Markt bringen.

bwdGibt es noch weitere Vorteile gegenüber den Mitbewerbern?

MoserUnser umfangreiches Servicepaket von den Schauräumen über die Logistik bis hin zu den Schulungen ist ein schlüssiges Konzept, welches die Kunden einfach brauchen und erwarten.

bwdSie investieren viel in Schulungsmaßnahmen?

MoserDies ist unserer Meinung nach besonders wichtig. Wir schulen jedes Jahr mehr als 800 Personen, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch in Verkaufs-, Logistik- und Rechtsthemen. Unser Schulungsprogramm wird gut angenommen.

bwdStichwort Verkauf. Warum sind denn die Preise am Markt für die Handwerker so schlecht?

MoserDie Preise sind auch für die Industrie und den Handel nicht befriedigend. Dies liegt sicher an den Überkapazitäten im Inland und einem sehr starken Importdruck. Das Handwerk hat derzeit wirklich schwer zu kämpfen, teilweise geht es um die Existenz. Entwicklungen wie die Direktgeschäfte mit dem Bauherrn unter Umgehung des verlegenden Handwerkes nehmen leider zu. Wir lehnen dies ab und machen da nicht mit.

bwdWie wollen sie dann wachsen, oder ist dies nicht geplant?

MoserNatürlich sind wir zum Wachstum verpflichtet. Wir stimmen unsere Ziele eng mit den Eigentümern ab und haben ansonsten freie Hand. Da wir auf dem gesättigten Markt in Österreich kaum noch Wachstumschancen haben, suchen wir unsere Zuwächse in den neuen zentraleuropäischen Länder, die noch viel Bedarf haben.

bwdSind Sie mit diesem Plan nicht etwas spät dran?

MoserDas glaube ich nicht. Die Kaufkraft in diesen Märkten entwickelt sich erst langsam, so dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, unsere dortigen Aktivitäten zu stärken. Generell ist die Nachfrage nach hochwertigen Produkten sowohl in Österreich als auch in den Exportmärkten hoch.

bwdWie steht es derzeit mit der Rohstoffversorgung und der damit zusammenhängenden Preissituation?

MoserIn der Tat sind die Rohstoffmärkte hart umkämpft. Man muss langfristig planen und disponieren. Speziell bei Nuss- und Ahorn, die aus dem Dollarraum kommen, muss mit Preiserhöhungen gerechnet werden.

bwdSie haben die Preise mit Jahresanfang erhöht. Wie hat der Markt darauf reagiert?

MoserWir haben nach Jahren der Zurückhaltung im Februar eine moderate Anpassung um vier Prozent vorgenommen, die vom Markt gut verkraftet wurde. Wir rechnen mit einer Stabilisierung auf hohem Niveau.

bwdThema Messe. Sie nehmen nicht mehr an der CASA teil?

MoserLeider hat die Reed-Messe unseren Schrei nach einem Zwei-Jahres-Rhythmus alternierend mit der Bau in München nicht gehört. Wir sind daher nur mehr auf der Parkettmesse in Wien, die ein wichtiger Branchentreffpunkt geworden ist, vertreten. Mir würde auch eine Parkettmesse in Salzburg gut gefallen.

bwd Zum Abschluss: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

MoserIch bin ein Teamspieler. Alleine kann man nichts ausrichten. Alle müssen wissen, wohin der Weg geht und an einem Strang ziehen. Weil unsere Mitarbeiter wissen, dass es bei Bauwerk gute Aufstiegschancen z. B. vom Lagerarbeiter zum Innendienstverkäufer gibt, ist die Motivation wirklich hoch. Man muss als Chef aber immer mit gutem Beispiel vorangehen. Ich lasse es mir nicht nehmen, an zwei Tagen in der Woche Großkunden vor Ort zu betreuen. So habe ich das Ohr am Markt und weiß um die Sorgen und Nöte der Kunden ungefiltert Bescheid.

bwdWas planen Sie für die Zukunft?

MoserLangfristige Planungen sind in unserer schnelllebigen Zeit nicht mehr möglich. Alles über drei Jahre ist nicht sinnvoll. Unser Ziel ist es, in Österreich die Marktposition zu halten und im Export Zuwächse zu erzielen. Weil wir eine echte Partnerschaft mit unseren Kunden haben, bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Ziele auch erreichen werden.-