Bundesverband Estrich und Belag Mitgliederversammlung - Die schiere Größe"> Bundesverband Estrich und Belag Mitgliederversammlung Die schiere Größe

Ausgerechnet 75 Jahre nach Gründung der Vorläuferorganisation Fachverein Steinholz ist auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) am 25. April in Bad Reichenhall eines deutlich geworden: Das Gewerk bedarf weiterer Strukturreformen, um verbandlich zukunftsfähig zu sein. An der Spitze wurde dies vielfach erkannt.

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    1 Gemeinsam fürs Gewerk: Vorsitzender Heinz Schmitt (2.v.l.) mit den Vorstandskollegen Hans Georg Damm, Peter Erbertz, Bertram Abert, Rüdiger Ade, Heinz Bauernfeind, Manfred König und Geschäftsführer Edgar Leonhardt (v.l.n.r.).
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    2 Heinz-Dieter Altmann, Obmann des Arbeitskreises Sachverständige, sprach sich für eine Öffnung des IBF aus, was Dienstleistungen für andere Verbände betrifft.
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    Wie angekündigt, ernannte Heinz Schmitt (r.) seinen Vorgänger Hans Uwo Freese zum Ehrenvorsitzenden des BEB.

Der flammende Appell des Bundesinnungsmeisters wäre in den Reihen der auf Eigenständigkeit bedachten Estrichleger früher skeptisch beäugt worden. „Lassen Sie uns zusammenführen, was längst zusammengehört. Wir gehen unter, wenn wir nicht zusammen kämpfen“, schreibt Joachim Barth den BEB-Mitgliedern unter den angeblich mehr als 160 Teilnehmern der Gemeinschaftstagung ins Stammbuch. Und weiter: „Wir müssen uns frei machen von der Angst, geschluckt zu werden.“ Stattdessen müsse konsequent das gemeinsame Ziel einer effektiven Interessenswahrung für das mit dem Fußbodenbau „von der Rohdecke bis zur Oberkante Belag“ befasste Handwerk verfolgt werden. Dafür erhält der engagierte Norddeutsche am Fuße der bayerischen Alpen von den Angehörigen des Nachbargewerks lauten Applaus.

Und Heinz Schmitt, der Vorsitzende des Bundesverbands, bekennt, er habe ihm damit „aus der Seele gesprochen“. Er verweist auf die vorausgegangene Vorstandssitzung, auf der die Diskussion zu diesem Punkt breiten Raum eingenommen habe. Die BEB-Mitglieder dürften es als Warnung verstanden haben, dass Barth referierte, die Masse im Fußbodengeschäft erledigten längst Raumausstatter und Maler, Letztere seien stolz auf ein breit gefächertes Berufsbild.

In der Tat, das zeigt ein Blick auf die Anwesenden, geht es für den Verband heute um die schiere Größe. Denn was die Ausbildungsleistung und damit die Basis für eine gesicherte Zukunft angeht, verbietet sich längst ein seriöser Vergleich mit Malern (grob 35.000 Azubis), Raumausstattern (3000), ZVPF-Mitgliedsbetrieben (1.300) – im Estrichlegergewerbe wurden 74 (!) Auszubildende gezählt. Auch um den Organisationsgrad ist es nicht gut bestellt. Eine Tatsache, die der Bundesverband nicht länger ignoriert. Wohl auch weil die Zahl der eigenen Mitglieder aus dem Handwerk zuletzt um 25 Prozent zurückgegangen ist, soll künftig ein Mittun nicht länger an die Bedingung eines Innungseintritts des jeweiligen Betriebs geknüpft sein.

Dafür und für eine Angleichung der bisherigen Unterschiede zwischen Gast- und Fördermitgliedern, ordentlichen und außerordentlichen BEBlern per Beschluss auf der nächsten Mitgliederversammlung 2009 in Berlin votieren die Anwesenden ohne Ausnahme. Nur die Zahl der Gastmitglieder hatte in den vergangenen Jahren um 250 Prozent zugenommen. Vorsorglich rät in Bad Reichenhall der gerade zum Ehrenvorsitzenden ernannte Amtsvorgänger Schmitts, Hans Uwo Freese, die Beiträge bei Bedarf lieber kontinuierlich, dafür aber in kleineren Schritten zu erhöhen.

Auch das wird frühestens in der Hauptstadt umgesetzt, vorerst bleibt der Satz konstant. Wohl noch vorher dürfte realisiert werden, was bei der diesjährigen Versammlung Heinz-Dieter Altmann, Arbeitskreisobmann Sachverständige, anstößt. Als Königsweg hin zu einer noch engeren Verzahnung der Verbände des Fußbodenbaus sieht er die Möglichkeit der technischen Zusammenarbeit. Dabei verweist der Organisator des erfolgreichen BEB-Sachverständigentreffens auf die singuläre Konstruktion im BEB, was das angeschlossene Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) angeht: „Wir sind der einzige Verband mit einem solchen Institut. Und wir sollten dessen Tätigkeit gewerkeübergreifend auf von der Industrie unabhängige Untersuchungen im Bereich Holz und Teppichboden ausbauen.“ So könnten beispielsweise auch dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) angehörige Sachverständige das dort vorgehaltene Know-how nutzen.

Für Zementforschung sind 30.000 Euro nötig

Ferner könnte die Forschungseinrichtung in Troisdorf, für die als Nachfolger Walter Böhls Vorstandsmitglied Rüdiger Ade die Position des Obmanns übernommen hat, in der Auseinandersetzung mit der Zementindustrie hinsichtlich einer vorgeblich zur Verringerung des Kohlendioxidanteils geänderten Zusammensetzung des Baustoffs eine wichtige Rolle spielen. Weil nicht nur Altmann eine für die Estrichherstellung wesentliche Änderung beispielsweise der Oberflächenfestigkeit von CEM-II-Zementen fürchtet und teilweise bereits beobachtet hat, ist dazu am IBF eine zirka 30.000 Euro teure Forschungsreihe angedacht. Hintergrund sind die ins Stocken geratenen Gespräche mit den Vertretern der Industrie, für die entsprechende Versuche überzeugende Argumente liefern sollen.

Wenig Spektakuläres bieten die Regularien: Gegen drei Enthaltungen aus der Vorstandschaft erfolgt die Entlastung durch die Handzeichen 42 stimmberechtigter Mitglieder. Wirtschaftlich steht der Verband auf einem soliden Fundament, auch das technische Engagement stimmt: So präsentiert Obmann Ingo Niedner das im Arbeitskreis Kunstharz erarbeitete Blatt „Industrieböden aus Reaktionsharz, Beschichtungen und Beläge“. Reinhold Kober