Verlegepraxis: Was bei der Verklebung von Massivdielen zu beachten ist Die Diele bestimmt den Klebstoff

Massivdielen sind weiter auf dem Vormarsch, doch mit ihrer Beliebtheit steigen auch die Reklamationszahlen. Das Wissen um die fachgerechte Verklebung ist für Parkettleger deshalb unerlässlich. Auf der Tagung der Fachgruppe Holz in Bad Wildungen erklärte Klebstoffexperte Dr. Frank Gahlmann, worauf es ankommt.

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    Schüsselungen der Dielen können bei Einsatz eines ungeeigneten Klebstoffs oder fehlerhafter Verarbeitung auftreten.
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    Damit der Klebstoff die Diele erreicht, braucht es einen ebenen Unterboden. Das Beschweren der Diele hilft, die Verbindung zu festigen.
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    Diese mehrschichtigen Dielen haben eine Breite von 40 Zentimeter und wurden direkt auf dem Estrich verklebt.

Die Diele bestimmt den Klebstoff

Wer sich heute fürs Verkleben entscheidet, muss sein Handwerkszeug sehr genau kennen. Früher funktionierte die Verlegung von Massivdielen jahrzehntelang und nahezu ausschließlich auf Lager- bzw. Holzunterkonstruktionen. Die feste Verschraubung respektive Nagelung sorgte für sofortige Stabilität und Festigkeit; das Spannen im Zuge des Zusammentreibens kaschierte auch ein leichtes Verziehen oder Verformen der langen Fußbodenelemente. Seit einigen Jahren werden die Dielen zunehmend auf Estrichen verklebt. Die Unterschiede zur traditionellen Verlegeweise sind offensichtlich.

So soll zum Beispiel im Normentwurf zur EN 13629 der Besteller von Dielen angeben, ob geschraubt bzw. genagelt oder verklebt wird. Grund: Die Anforderungen an die Maßhaltigkeit der Dielen sind bei der Verklebung höher. Die Klebstoffindustrie hat sich zunehmend auf den Trend zu immer breiteren und längeren Produkten eingestellt. Allein: „Die Verklebung funktioniert nur dann, wenn die notwendigen Voraussetzungen eingehalten werden“, sagt Gahlmann, der als generelle Empfehlung nur die Anwendung von hart-elastischen Klebstoffen geben kann. Die Verwendung anderer Klebstoffarten sei abhängig von den Kenndaten der zu verlegenden Massivdiele und den Verlegeumständen.

Einen für alle gibt’s nicht

Denn zu vielfältig ist das Angebot der Massivdielen, die sich hinsichtlich Konstruktion, Profilierung, Maßtoleranzen, Oberflächenbehandlung, Feuchtegehalte, Holzarten und anderer Eigenschaften unterscheiden können. Die TKB hat im Jahre 2007 ein umfangreiches Merkblatt zum Kleben von Parkett herausgebracht und Klebstoffe verschiedenen Produktgruppen zugeordnet. Demnach lassen sich zum Kleben von Massivdielen in Abhängigkeit von deren Kenndaten Lösemittelklebstoffe und verschiedene Typen von Reaktionsharzklebstoffen auf Polyurethan- und Silanbasis einsetzen. Aus technischer Sicht befindet Gahlmann die hartelastischen 2-K-PUR-Klebstoffe als sehr gut geeignet. Die mechanischen Eigenschaften dieser Klebstoffe gewährleisten dem Experten zufolge eine hohe Maßhaltigkeit der verklebten Diele, wobei eine gewisse Elastizität dafür sorgt, dass die Spannungsübertragung vom Holz in den Untergrund reduziert wird. Weitere Vorteile dieser Klebstoffklasse sind die sehr gute Adhäsion an Holz und Untergrund, die schnelle Härtung und eine minimale Holzquellung. Die schon existierende Gefahrstoffkennzeichnung und die kommende Kennzeichnungsverschärfung für MDI sind aus Arbeitsschutzsicht kritisch zu bewerten, was zurzeit gerade wieder neu geschieht. Lösemittelklebstoffe sind aufgrund ihrer Adhäsionseigenschaften und der hartthermoplastischen Mechanik bedingt geeignet. Nachteilig ist hier die erzeugte Holzquellung und natürlich der Lösemittelgehalt unter dem Aspekt von Verarbeiter-, Verbraucher- und Umweltschutz.

Von Dispersionen ist abzuraten

Die Eignung von Dispersionsklebstoffen für Massivdielen ist laut Gahlmann stark beschränkt. Das ist auf deren Wassergehalt, die dadurch erzeugte starke Holzquellung sowie die geringe Kohäsion in flüssiger Phase zurückzuführen. Bei dieser Variante sind daher optimale Bedingungen hinsichtlich Raumklima und Ebenheit des Unterbodens vonnöten. Zudem bedarf es nicht zuletzt der Erfahrenheit des Handwerkers im Umgang mit diesen Klebstoffen. Dazu gehört auch das Arbeiten vor den Dielen, um den Klebstoff nicht in seiner Filmbildungsphase zu stören. Dispersionen sind daher allenfalls für kurze Dielen mit günstigen Kenndaten geeignet.

Bei 1-K-PUR-Klebstoffen differenziert Gahlmann zwischen den hartelastischen MDI-basierten Produkten und den weichelastischen TDI-basierten. Hartelastische 1-K-PUR-Klebstoffe sind ähnlich wie 2-K-PUR-Systeme gut für die Massivdielenverklebung geeignet. Weichelastische Klebstoffe erlauben aufgrund ihrer mechanischen Eigenschaften in deutlich höherem Ausmaß Maßänderungen der verlegten Dielen in Abhängigkeit des Raumklimas und damit Holzfeuchteänderungen. Dieses ist natürlich wiederum stark abhängig von den Kenndaten der einzelnen Diele. Bei den Silanklebstoffen gibt es eine fortschreitende Entwicklung hin zu höher-moduligen Systemen, so dass einige Produkte mittlerweile eine recht weitreichende Eignung auch für die Massivdielenklebung erreicht haben. Für deutlich elastisch eingestellte SMP-Klebstoffe gelten die gleichen Einschränkungen wie für die weichelastischen 1-K-PUR-Klebstoffe.

Gahlmann bezeichnet Dielen mit Abmessungen von 200 Millimeter Breite bei einer Dicke von zirka 20 bis 21 Millimeter als die Grenze, bis zu der eine Verklebung in den meisten Fällen sinnvoll und möglich ist. Um Verformungen zu reduzieren, sollte das Verhältnis von Breite zu Dicke nicht über dem magischen Zahlenverhältnis von 7:1 liegen, ohne diesen Quotienten überzustrapazieren. Die Art der Konstruktion hat ebenfalls Einfluss auf die Formstabilität. Gefaste Kanten sind von Vorteil, da sie zwangsläufige Maßänderungen der Dielen infolge Holzfeuchtewechsels weit weniger offenbaren als scharfkantige.

Ebener Untergrund ist Pflicht

Beim Einsatz von Lösemittelklebstoffen gilt: Schüsselungen, die durch die Lösemittelaufnahme entstehen, lassen sich nach dem Abbinden des Klebstoffs durch Schleifen beseitigen. Dieses ist bei rechtwinkligen Kanten problemlos durchführbar, bei gefasten Kanten problematisch. Eine Versiegelung der Dielen ist in diesem Zusammenhang optisch empfindlicher als die geölte Variante.

Einen Punkt hebt Klebstoffexperte Gahlmann bei seinen Empfehlungen besonders hervor: „Die Anforderungen an die Ebenheit des Untergrundes sind ausnehmend hoch.“ Eine lange Diele entwickelt zügig ein Eigenleben und kann sich bei größeren Unebenheiten und nur unzureichender Benetzung sehr schnell aus dem Klebebett heben. Bisweilen liegen die Klebstoffriefen noch fast unverändert vor, wenn Verformungen im Dielenboden festgestellt werden.

Vollsatt auftragen

Um die Untergrundebenheit zu erhöhen, rät Gahlmann zu einer ausreichenden Spachtelung unter Verwendung einer Spachtelmasse, die den Belastungen gewachsen ist. Um Verformungen von vornherein wirkungsvoll zu unterdrücken, empfiehlt er außerdem, die Dielen in der Abbindephase des Klebstoffs zu beschweren. Besonders im Randbereich und an den Kopfstößen sind solche Maßnahmen wirkungsvoll.

Wichtig für das Auftragen des Klebstoffs ist die Wahl der Zahnung des Spachtels. Notwendig ist laut Gahlmann ein gleichmäßiger, vollsatter Klebstoffauftrag. Dabei ist nicht so sehr die Höhe der Klebstoffriefe entscheidend, sondern in erster Linie das Volumen der einzelnen Klebstoffriefe und die Gesamtauftragsmenge je Quadratmeter, um eine ausreichende Benetzung der Diele zu gewährleisten. Zahnleisten mit Zahnungen der Größe B13, B14, bzw. B15 sind dem Experten zufolge gut geeignet, um ein optimales Klebeergebnis zu gewährleisten. Walter Pitt

walter.pitt@t-online.de