Baukrise Windmöller: Bodenbelag-Hersteller sucht Rettung unter dem Schutzschirm

Windmöller, der Detmolder Hersteller der Marke wineo will sich in Eigenverwaltung sanieren. Auslöser ist ein Nachfrageeinbruch im Handel. Der Betrieb läuft weiter, die Gehälter der rund 280 Beschäftigten sind vorerst gesichert.

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Mit seiner Marke Wineo erheilt Windmöller unter anderem den IF Design Award für diese Arztpraxis. - © Wineo/Windmöller

Die Windmöller GmbH hat beim Amtsgericht Detmold ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Gericht gab dem Antrag mit Beschluss vom 9. Oktober 2026 statt, wie der Hersteller von Bodenbelägen und Akustiklösungen am Montag mitteilte. Zuvor hatte das Gericht eine Bescheinigung der dhs GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft, wonach das Unternehmen über ausreichende Liquidität verfügt und gute Sanierungsaussichten hat.

Der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter, bestehende Aufträge würden wie gewohnt bearbeitet und neue Aufträge könnten jederzeit platziert werden, heißt es in der Mitteilung.

Nachfrageeinbruch im Handel

Als Grund für den Schritt nennt Windmöller deutliche Umsatzeinbußen in den vergangenen drei Monaten. Vor allem im Handelssegment für Bodenbeläge sei die Nachfrage im Zuge der allgemeinen Krise in der Baubranche drastisch gesunken. Das Familienunternehmen hatte nach eigenen Angaben bereits mehr als zwei Sanierungsjahre hinter sich, als es der Markteinbruch erneut traf.

„Mit dem Schutzschirmverfahren nutzen wir rechtzeitig einen Weg des Gesetzgebers, um das Unternehmen in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage beschleunigt zu sanieren und im Laufe des nächsten Jahres wieder zukunftsfähig aufzustellen“, sagt CEO Matthias Windmöller.

Restrukturierungsexperten an Bord, Sachwalter bestellt

In den kommenden Wochen will die Geschäftsführung Sanierungsoptionen prüfen. Dafür hat sich Windmöller externe Unterstützung geholt: Frederik Wittop, Partner der Unternehmensberatung Montag & Montag, übernimmt die Rolle des CFO und Chief Restructuring Officer (CRO). Rechtlich begleiten Holger Rhode und Dr. Raul Taras, beide Partner der Kanzlei Görg, sowie Dr. Sebastian Hagemann von der Reitze Recker Hagemann Rechtsanwaltsgesellschaft die Sanierung.

Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht den Bielefelder Dr. Yorck T. Streitbörger. Er begleitet das Verfahren im Interesse der Gläubiger.

Die rund 280 Beschäftigten seien bereits über die Situation informiert worden, ihre Löhne und Gehälter seien bis auf Weiteres gesichert, so das Unternehmen.

Familienunternehmen in dritter Generation

Windmöller mit Sitz in Detmold ist mit der Dachmarke wineo als Hersteller von Bodenbelägen bekannt. Das Familienunternehmen wird in dritter Generation geführt und ist seit mehr als 75 Jahren am Markt. Zuletzt erwirtschaftete es mit 280 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 83 Millionen Euro. Es verfügt über ein weltweites Vertriebsnetz sowie Tochtergesellschaften in Polen und den USA. bwd


Hintergrund: Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Das Schutzschirmverfahren ist eine Variante der Sanierung in Eigenverwaltung nach § 270d Insolvenzordnung. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist, sondern lediglich drohend zahlungsunfähig oder überschuldet – und dass ein Experte bescheinigt, dass die Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und wird von Restrukturierungsexperten unterstützt; ein vom Gericht bestellter vorläufiger Sachwalter überwacht das Verfahren im Sinne der Gläubiger. Innerhalb einer Frist von höchstens drei Monaten soll das Unternehmen einen Insolvenzplan vorlegen.