Der interessante Schadensfall Absanden will gelernt sein

In einem Sanierungsprojekt entschied man sich, die gesamten Flächen mit ­Epoxidharz zu grundieren, um die alte Estrichrandzone so gut es geht zu verfestigen. Doch schon wenige Tage später zeigten sich schollenartige Rissbildungen.

Sanierungsprojekt Absanden
Sanierungsprojekt: Die Flächen wurden nur kurz überschliffen. - © Schwarzmann

Der Fall

In einem Sanierungsprojekt sollten die alten Bodenbeläge entfernt werden, um im Anschluss den Estrich wieder so vorzubereiten, dass ein Linoleum-Bodenbelag voll­flächig verklebt werden kann. Das klingt zunächst nach einer typischen Standard­arbeit. Als die seit vielen Jahren genutzten Bodenbeläge entfernt waren, lagen Teil­flächen des Zementestrichs frei. Und zwar ohne Klebstoff- und Spachtelmassenschichten. Diese hafteten an den alten Bodenbelägen. Sie konnten demzufolge auch mit diesen Bodenbelägen entsorgt werden. Auf dem größten Teil der Flächen allerdings haften noch schollenartige Klebstoff- und mehrere Spachtelmassenschichten. Diese Anhaftungen waren so fest, dass man sich entschlossen hat, die Flächen nur kurz zu überschleifen. Um eventuell noch schwach anhaftende Spachtelmassenrückstände zu entfernen (Abb. 1).

Festigung der alten Estrichrandzone

Bei der Prüfung der Estrichrandzone fiel auf, dass dieser fast 60 Jahre alte Zementestrich sehr weich ist und eine besondere Vorbereitung benötigt. Wie so oft entschied man sich, die gesamten Flächen mit Epoxidharz zu grundieren, um die alte Estrichrandzone so gut es geht zu ver­festigen. Diese frisch aufgetragene 2K EP-Grundierung sollte mit feuergetrocknetem Quarzsand im Überschuss abgesandet werden. Entsprechend der Empfehlung des Lieferanten der EP-Grundierung sollte feuergetrockneter Quarzsand in der Körnung 0,4 bis 0,8 mm verwendet werden. Aufgrund des verzögerten Bau­fortschritts konnten zunächst nur die ­Etagen 4 und 5 für die Verlegearbeiten vorbereitet werden.

Wegen der zum Teil verbliebenen Spachtelmassenschollen sollte die gesamte Fläche in einer durchschnittlichen Spachtelmassendicke zischen 3 bis 7 mm nivelliert werden. An einem Freitag wurde die Nivelliermasse aufgebracht, um in der Folge­woche mit den Verlegearbeiten der Lino­leum-Bodenbelagbahnen zu beginnen. Bereits am Montag wurden jedoch vereinzelte schollenartige Rissbildungen erkannt. Die geplanten Verlegearbeiten wurden eingestellt, um einen Techniker des Spachtelmassenlieferanten auf die Baustelle zu bitten. Bis der Techniker auf die Baustelle kommen konnte, vergingen weitere zwei Tage. In dieser Zeit nahmen die schollen­artigen Rissbilder zu. Die Verleger waren der Meinung, dass die Rissbreiten in den vergangenen zwei Tagen breiter geworden sind (Abb. 2).

Sanierungsprojekt: Verarbeitungsfehler festgestellt

Als der Techniker des Hilfsstoffliefe­ranten vor Ort war, stellte dieser Verarbeitungsfehler fest. Laut der Empfehlung des Technikers

  • sollte die Nivelliermasse von allen Hohlstellen entfernt werden.
  • Diese Bereiche sind zu grundieren und mit standfester Ausgleichsmasse auszugleichen.
  • Nach erneutem Grundieren mit Kunstharzdispersion sollte nochmals flächig in einer Dicke von ca. 2 mm eine Spachtelmasse aufge­tragen werden.

Da diese Sanierungsarbeiten sehr zeit- und kostenintensiv sind, hat man sich entschieden, die tatsächliche Schadensur­sache durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen. Letztlich geht es auch um die Feststellung, wer die entstehenden Kosten zu tragen hat. Dabei war der Termindruck so groß, dass eine weitere Etage für die Nivellierarbeiten vorbereitet werden musste. Diese Fläche sollte vom Sachverständigen beurteilt werden, bevor man dort mit den Nivellierarbeiten beginnt.

Sanierungsprojekt – vielfältige Schadensursachen

Die Nivelliermasse konnte im Bereich der Hohllagen sehr einfach abgeschlagen werden. Die Dicke der abplatzenden Nivelliermassenschicht lag im Bereich von ca. 3 bis 7 mm (Abb. 3, 4). Die Unterseite der Nivelliermasse war optisch rau. Dies ist darauf ­zurückzuführen, dass diese wegen des Quarzsandes auf einem rauen Untergrund aufgebracht wurde. Bei näherer Betrachtung fiel auf, dass der Quarzsand zum großen Teil in die EP-Grundierung eingesunken ist. Auf dem tief eingesunkenen Quarzsand bildet sich eine dünne Haut des EP-Harzes. Dies führt dazu, dass der Quarzsand auf der Oberfläche so glatt wurde, dass sich die Nivelliermasse nicht mehr mit der Oberfläche des Quarzsandes verbinden konnte. Im Zuge der Trocknung haben die Schwindspannungen der zementären Nivelliermasse zu den Hohllagen und schollenartigen Riss­bildern geführt.

Auf dem Bestandsestrich hafteten noch ca. 60 bis 70 % alter Spachtelmassenrückstände in einer Dicke von ca. 3 mm an. Die verbleibenden Flächen des alten Bestandestrichs waren rau und zum Teil sehr saugfähig. Die 2K EP-Grundierung hat man mit einem breiten Gummiwischer aufgetragen. Dies führte dazu, dass in den Vertiefungen vergleichsweise viel Grundierung verblieben ist. Auf den Erhöhungen bzw. den Bereichen, bei denen die Spachtel­masse verblieben ist, war der Auftrag der Grundierung relativ gering.

Die Flächenbereiche, welche tiefer lagen, wiesen vereinzelt pfützenartige Stellen der EP-Grundierung auf. Bei denen ist der Quarzsand wiederum eingesunken. Es waren vereinzelt sogenannte „Glatzen­bildungen“ festzustellen (Abb. 6, 7).

Auf den erhöhten Stellen bzw. den ­anhaftenden Spachtelmassen war aus­reichend Quarzsand vorhanden. Auf den erhöhten Spachtelmassenresten war nur sehr wenig EP-Grundierung beim Auftrag mit dem Gummiwischer verblieben. Diese sehr dünne Schicht der Grundierung war zu gering, um den aufgebrachten Quarzsand ausreichend fest mit der Oberfläche der Spachtelmasse zu verbinden. Der Sand konnte mit der Schuhsohle ohne nennenswerten Widerstand abgeschabt werden (Abb. 8). Hätte man diese so vorbereitete Fläche gespachtelt, wäre auf diesen Flächen die vorgeschilderten Mängel ebenfalls auftreten.

Viskosität der Grundierung beachten

Bei der Auswahl der EP-Grundierung ist auf die Viskosität zu achten. Verwendet man sehr niedrige viskose Grundierungen, können diese in saugfähige Untergründe vergleichsweise tiefer eindringen. Dies führt zu einer besseren Verfestigung der Estrichrandzone. Höhere viskose eingestellte EP-Grundierungen dringen nicht so tief, aber auch in aller Regel nicht so schnell in die Estrichrandzone ein. Dies ist insbesondere in Verbindung mit dem „Einsanden“ zu beachten. Ebenso ist die Reaktionszeit in Abhängigkeit der Raumtemperatur bzw. der Oberflächentemperatur des Untergrundes zu beachten.

  • Grundsätzlich muss die EP-Grundierung in der Menge aufgetragen werden, dass der einzustreuende Quarzsand sich ausreichend fest mit dem Harz verbinden kann.
  • Keinesfalls darf der Quarzsand jedoch so tief einsinken, dass sich auf der Oberfläche ein dünner Film der Grundierung ablagert.

In diesem Fall kann sich die Spachtel- oder Nivelliermasse nicht mit dem Untergrund verbinden. Da der Quarzsand nach dem Einstreuen zunächst auf dem Harz aufliegt und meist sehr langsam einsinkt, muss die Fläche kontrolliert werden. Oft ist ein weiteres „Nachsanden“ an solchen Stellen erforderlich. Daher hat sich der Fachbegriff „im Überschuss absanden“ gebildet. Frei nach dem Motto: „Lieber zu viel als zu wenig Quarzsand aufbringen“. Der Überschuss des Quarzsandens kann nach der Reaktion bzw. dem Abbinden der Grundierung leicht entfernt werden. Meist ist der lose aufliegende „Quarzsand“ wieder auf den weiteren Flächen zum Einsanden zu verwenden.

Sanierungsprojekt: Ursache der Hohllagen eindeutig

  1. Die Erhöhungen der nicht entfernten alten Spachtelmassenschichten führen dazu, dass bei Auftrag der 2K EP-Grundierung mit dem Gummiwischer dort kaum EP-Grundierung verblieben ist. Das ist auch die Ursache, weshalb der Quarzsand keinen ausreichenden Haftverbund zur Oberfläche dieser verbliebenen Spachtelmassen ein­gehen konnte.
  2. In den tiefer liegenden Bereichen bzw. auf dem alten Zementestrich blieb oft so viel von der EP-Grundierung liegen, dass der aufgebrachte Quarzsand zum Teil vollständig eingesunken ist. Die Nivelliermasse kann sich auf solch glatten Oberflächen bzw. auf Glatzenbildungen des Harzes nicht verkrallen. Dies führt zu Abplatzungen und Hohllagen.

Die Schadensursache war demzufolge eine Fehleinschätzung des Untergrundes. Grundsätzlich muss auf der gesamten ­Fläche ein ausreichend dicker Film der EP-Grundierung stehen bleiben, um den einzustreuenden Quarzsand die Möglichkeit zu geben,

  • in diese Grundierung zum Teil einzudringen und
  • sich mit dieser zu verbinden.

Es sollten ca. 2/3 des Quarzkornes oberhalb der EP-Grundierung stehen bleiben.

Achtung:

  • Die Flächen sind vor dem Abbinden der Grundierung zu kontrollieren,
  • um gegebenenfalls nochmals an den Stellen, an denen der Quarzsand zu tief ein­gesunken ist, nachzusanden.

Vom Beschichter lernen

Die Untergrundvorbereitung mit EP-Grundierungen ist für Firmen, welche Kunstharzbeschichtungen etc. ausführen, ein alltäg­liches Geschäft. Es ist bekannt, dass der Erfolg einer Kunstharzbeschichtung im hohen Maß von der Untergrundvorbereitung abhängt. Ein Beschichter kommt nie auf die Idee, alte Spachtelmassenreste oder sons­tige Ablagerung auf dem Untergrund zu belassen. Betonuntergründe werden oft gefräst und oder im Kreuzgang im Kugelstrahlverfahren vorbereitet.

Die Beton­oberfläche bzw. eine Sole ist daher

  • frei von labilen Zonen,
  • frei von Trennmitteln und
  • sehr rau bzw. griffig (Abb. 12).

Nicht selten werden beim Sanierungsprojekt nach dem Fräsen oder Kugelstrahlen Risse im Beton erkennbar. Eventuell sollte ein Statiker eingeschaltet werden. Dieser sollte kontrollieren, ob die Rissbildungen konstruktive Ursachen haben. Wird die Fläche vom Statiker freigegeben, müssen die Risse selbstverständlich kraftschlüssig geschlossen werden (Abb. 13).

So geht‘s richtig

Die EP-Grundierung sollte selbstverständlich in die raue Oberfläche des vorbereiteten Betonuntergrundes etwas eindringen und sich dort verkrallen. Allerdings soll ­diese Schicht auch einen großen Teil der Be­ton­oberfläche schon verfüllen. Um eine möglichst ebene Fläche nach diesem ersten Auftrag zu erhalten. Bei Bedarf können kleinere Erhebungen noch abgeschliffen werden (Abb. 12, 13).

Zu beachten ist, dass an allen Anschlüssen, Deckeln, Profilen etc. der Beschichtungsaufbau so ausgeführt wird, dass ein möglichst höhengleicher Übergang entsteht. Daher ist bereits bei den Vorarbeiten der Flächen auf die weiteren benötigten Schichtdicken zu achten. Nur so können Höhenversätze vermieden werden (Abb. 13).

Absanden: Mischung und Mischzeit

Der Verarbeiter entscheidet beim Sanierungsprojekt vor Ort, ob er in die EP-Grundierung sehr feinen „Stecksand“ als Füllstoff beimischt. Sofern ein Füllstoff zugegeben wird, erfolgt dies keinesfalls nach „frei Hand“, sondern mit einer Waage. Um stets eine gleichmäßige Mischung zu gewährleisten (Abb. 14, 15). Auch die Einhaltung der Mischzeit inkl. des Umtopfens in ein sauberes, weiteres Gebinde zum „Nachmischen“ ist für den erfahrenen Beschichter selbstverständlich. Der Auftrag erfolgt mit einem Rakel zur exakten Bestimmung der gewünschten Auftragsmenge (Abb. 17). Je nach Flächengröße richtet sich die Anzahl der erforderlichen Mitarbeiter. Am Mischplatz muss die benötigte Harz­mischung so schnell zu mischen sein, dass der Auftrag kontinuierlich erfolgen kann (Abb. 16, 17).

Nach dem Auftrag der Harzmischung wird diese noch mit einer Stachelwalze angeregt. Dies vermeidet Lufteinschlüsse. Gleichzeitig führt das Abrollen mit der ­Stachelwalze dazu, dass eine möglichst gleichmäßige, glatte Materialoberfläche erzielt wird (Abb. 18).

Das Absanden muss unmittelbar im Anschluss erfolgen. Der feuergetrocknete Quarzsand sollte staubfrei sein, um eine grobe, raue und griffige Oberfläche zu erhalten. Bei solchen Harzmengen ist es häufig erforderlich drei bis vier Mal nachzu­sanden. Der Quarzsand sinkt langsam in die aufgetragene Harzmischung ein. Es muss so oft nachgesandet werden, bis ein ausreichender Sandüberschuss liegen bleibt (Abb. 19, 21). Der Sandüberschuss kann, nach dem das Harz ausgehärtet ist, abgekehrt werden. Der lose aufliegende Quarzsand kann selbstverständlich für weitere abzusandenden Flächen verwendet werden. Dies jedoch nur, wenn keine Verunreinigungen vorhanden sind (Abb. 22).