Hausbesuch beim Familienbetrieb Generationswechsel im Bodenlegerbetrieb: fließend statt abrupt

Der Generationswechsel im Bodenlegerbetrieb Urban & Hörtreiter läuft fließend: Seit 2024 führt Maximilian Urban den 1960 gegründeten Betrieb, Vater Michael Urban zieht sich schrittweise zurück. Der Hausbesuch zeigt, wie der Objekteur mit 26 Mitarbeitern Parkett, Textil und Hartbeläge verbindet, wer im Team zum Junior und wer zum Senior geht und mit welchen Benefits der Betrieb dem Nachwuchsmangel begegnet.

In einer ehemaligen Schreinerei befindet sich Urban & Hörtreiter heute. Hier arbeiten Vater und Sohn Urban mit einem Team von Bodenprofis Seite an Seite. - © Radziwill

Als Zwei-Mann-Betrieb ist Urban & Hörtreiter 1960 gegründet worden, heute ist mit Geschäftsführer Maximilian Urban bereits die dritte Generation am Ruder. Im Raum München und Umgebung zählt das Unternehmen zu den größten Objekteuren. Der Generationswechsel im Bodenlegerbetrieb vollzieht sich dabei nicht an einem Stichtag, sondern Schritt für Schritt – mit Vater und Sohn gemeinsam in der Geschäftsführung.

Alles außer Fliesen: Das Portfolio des Objekteurs aus Unterhaching

Bei Urban & Hörtreiter gibt es an Bodenbelägen alles von Textil über Hartbeläge wie Linoleum, LVT und PVC bis zum Parkett – außer keramische Fliesen, inklusive der dazugehörigen Untergrundvorbereitung. 26 Mitarbeiter sind im Betrieb beschäftigt, darunter drei Parkettlegermeister und vier Parkettlegergesellen. Von Rosenheim bis Augsburg reicht der Radius. Auch in Starnberg und Garmisch, Nürnberg und auch mal in Köln ist das Team unterwegs, wobei das Hauptgeschäft im Umkreis von Unterhaching und München stattfindet.

Parkettböden, zwei- und dreischichtig oder massiv, als Kleinstab oder XL-Diele: Das ist seit einigen Jahren ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Parkett macht rund dreißig Prozent des Portfolios aus, ebenfalls wichtig sind textiler Belag und Hartbeläge. "Wir sind stark im Objektgeschäft tätig und verlegen Parkett vor allem im Privatbereich und in kleineren Objekten", berichtet Maximilian Urban, gelernter Parkettleger und seit 2024 Geschäftsführer.

Betriebsdaten auf einen Blick

MerkmalAngabe
Gründung1960 als Zwei-Mann-Betrieb, damals in Giesing
Sitz heuteUnterhaching, in einer ehemaligen Schreinerei
GeschäftsführungMichael Urban (gelernter Raumausstatter) und Maximilian Urban (gelernter Parkettleger, Geschäftsführer seit 2024)
Mitarbeiter26, darunter drei Parkettlegermeister und vier Parkettlegergesellen
LeistungsspektrumTextil, Linoleum, LVT, PVC, Parkett inklusive Untergrundvorbereitung – keine keramischen Fliesen
Parkettanteilrund dreißig Prozent des Portfolios
EinzugsgebietRosenheim bis Augsburg; auch Starnberg, Garmisch, Nürnberg, gelegentlich Köln; Schwerpunkt Unterhaching und München
ShowroomParkettstudio, eröffnet 2019, 150 Quadratmeter, in einer ehemaligen Metzgerei; Schwerpunkte Parkett und textiler Belag

LVT auf dem Vormarsch, Teppichfliese im Objekt gefragt

LVT, sagt Maximilian Urban, sei wie überall auch im Unternehmen auf dem Vormarsch. Im Objekt beliebt sei außerdem die Teppichfliese. "Widerstände dagegen gibt es heute eigentlich nicht mehr. Die Produkte sind vom Nahtschluss her so gut geworden, ebenso die Materialien, die Fixierungen, das Design – das ist heute alles auf sehr hohem Niveau", berichtet Michael Urban, ebenfalls Geschäftsführer, gelernter Raumausstatter und der Vater von Maximilian Urban.

Mit Parkett wird der Betrieb heute vor allem verbunden, aber
das war nicht immer ein Thema bei Urban & Hörtreiter. Zu Beginn dominierte textiler Bodenbelag. - © Urban & Hörtreiter

"KI ersetzt keinen Bodenleger": Der Junior und die Digitalisierung

Während der Senior textile Beläge schätzt, bezeichnet sich der Junior als "Holzwurm", der alle Beläge gern verarbeite. "Ich habe schon als Kind nie etwas anderes gesehen und gehört als Boden. Auch zu Schulzeiten, als die anderen Kinder sich Gedanken gemacht haben, was sie werden möchten, stand für mich fest: Ich steige in die Firma ein. Meine Eltern haben auf mich keinen Druck ausgeübt. Ich hätte auch etwas anderes machen können, aber ich wollte hier dabei sein", sagt er.

Neben Bodenbelägen beschäftigt sich der Dreißigjährige gern mit digitalen Technologien und bespielt auch die Social-Media-Kanäle des Unternehmens. Er sagt: "KI kann im Büro helfen, Abläufe zu vereinfachen, aber das ersetzt keinen Bodenleger. Draußen brauchen wir Handwerker."

Fließender Übergang: So läuft der Generationswechsel im Bodenlegerbetrieb

Der Übergang von einer Generation auf die nächste verläuft fließend, nicht abrupt. "Ich trete schleichend ab", lacht Michael Urban. Montags kommt er nun später ins Geschäft, freitags (manchmal) gar nicht mehr. Noch ist er aber aktiv im Unternehmen tätig und regelmäßig im Büro und auf der Baustelle.

Sein früheres Chefbüro hat der Sohn im vergangenen Jahr übernommen. Der Vater zog erst "in eine Kammer", wie er sagt. Dort gefiel es ihm aber nicht, nun hat er ein schönes, etwas kleineres Büro. Die jungen Mitarbeiter kommen zum jungen Chef, die älteren zum Senior, wenn sie etwas zu besprechen haben.

Wie hat sich das Team verändert?

Michael Urban: "Die Mannschaft, die ich damals aufgebaut habe, war jung. Die sind mit mir älter geworden und manche sind auch schon gar nicht mehr da oder gehen nach und nach in den Ruhestand."

Von 1960 bis heute: Teppichboden, Olympia 1972 und der späte Einstieg ins Parkett

Die Welt war 1960, als Urban & Hörtreiter an den Start ging, noch eine andere. Nicht nur, aber auch am Boden: Damals war Teppichboden überragend, Laminat noch nicht einmal erfunden und Parkett spielte, zumindest in dem Unternehmen, das damals in Giesing residierte, noch keine Rolle.

Der Betrieb begann 1972 so richtig zu florieren, als in München die Olympischen Spiele stattfanden. In der Region wurde damals umfangreich gebaut, was dem jungen Unternehmen zahlreiche Aufträge einbrachte.

Welche Art von Bodenbelägen haben Sie seinerzeit vor allem verlegt?

Michael Urban: "Damals haben wir nur textile Beläge gemacht. Es gab sowieso nur Teppich, PVC, Linoleum – mehr nicht. Mein Vater wollte Parkett nicht. Damals war Wohnungsbau mit Teppich das große Thema. Mein Vater hat dann in Moskau am Flughafen Teppichboden und in Libyen PVC verlegt. In Zermatt gab es ein Hotel, dann die Filialen des Herstellers Hettlage in ganz Deutschland – das waren seinerzeit die großen Aufträge. Damals kam ich dazu. Als dann Laminat aufkam, haben wir uns davon ferngehalten, aber dann ging das los mit Parkett. Wir mussten uns Subunternehmer holen, denn wir konnten das damals noch nicht verlegen."

Die Geschäftsführer Michael Urban (links), der Vater, und Maximilian Urban, der Sohn, leiten das Unternehmen mit Sitz in Unterhaching. - © Radziwill

Stationen des Betriebs

  • 1960: Gründung als Zwei-Mann-Betrieb, Sitz in Giesing; Schwerpunkt textile Beläge
  • 1972: Olympische Spiele in München – der Bauboom bringt dem jungen Unternehmen zahlreiche Aufträge
  • Nach dem Tod des Firmengründers: Der erste Parkettlegermeister kommt ins Unternehmen
  • 1998: Michael Urban übernimmt den elterlichen Betrieb und führt die Partnerschaft mit Co-Gründer Eugen Hörtreiter fort
  • 2000: Vollständige Übernahme durch Michael Urban, der Firmenname bleibt
  • 2019: Eröffnung des Parkettstudios mit 150 Quadratmetern in einer ehemaligen Metzgerei
  • 2024: Maximilian Urban wird Geschäftsführer – die dritte Generation

Nachwuchs fehlt: Was der Betrieb gegen den Azubi-Mangel tut

Der Verzicht auf eigene Parkettleger sollte sich nach dem Tod des Firmengründers ändern, als der erste Parkettlegermeister ins Unternehmen kam. In dem Bereich bildet das Unternehmen heute auch aus – im September kommt der nächste Lehrling.

Auszubildende finden, das ist ein wichtiges Thema. Damit tut sich auch ein Unternehmen wie Urban & Hörtreiter nicht leicht. Michael Urban: "Wir müssen uns über den fehlenden Nachwuchs Gedanken machen. Es wird viel debattiert, aber zu wenig kommt dabei raus. Die fehlenden jungen Bodenleger und Parkettleger, die sind das größte Manko."

Woran liegt’s? Zum Beispiel am Geld: Maximilian Urban berichtet, wie er seinen Beruf einmal an einer Schule vorgestellt hat. Die erste Frage sei gewesen: Was verdient man da? Nach der Antwort sei kein Interesse mehr da gewesen. "Und dann noch körperlich arbeiten? Dann lieber zur Bank, dort gibt es im ersten Lehrjahr schon mehr als der Boden- oder Parkettleger im dritten Lehrjahr erhält", erzählt der junge Geschäftsführer.

Checkliste: Diese Benefits bietet Urban & Hörtreiter

Michael und Maximilian Urban wollen sich davon nicht beeindrucken lassen und setzen auf Benefits für die Mitarbeiter: "Das Handwerk hat goldenen Boden und du kannst richtig gut Geld verdienen, wenn du etwas leistest. Wir zahlen Prämien für Arbeit am Samstag, wenn es keine Fehltage gibt, wir stellen den großen Transporter zur Verfügung, wenn mal jemand etwas Schweres zu transportieren hat, betriebliche Krankenversicherung, Jobrad, Bahncard."

Im Überblick:

  • Prämien für Arbeit am Samstag, wenn es keine Fehltage gibt
  • Großer Transporter zur Verfügung, wenn jemand etwas Schweres zu transportieren hat
  • Betriebliche Krankenversicherung
  • Jobrad
  • Bahncard

Der alte Name blieb: Übernahme 1998 und 2000

Das 2019 eröffnete Parkettstudio, der Showroom, war früher eine Metzgerei. Michael und Maximilian Urban haben auf 150 Quadratmetern eine betont wohnliche Ausstellungs fläche geschaffen. - © Radziwill

Michael Urban, der gelernte Raumausstatter, hat den elterlichen Betrieb 1998 übernommen. Nach dem Tod seines Vaters setzte er die Partnerschaft mit dem Co-Gründer Eugen Hörtreiter fort; da war er bereits seit fünf Jahren im Unternehmen tätig. Als Urban das Unternehmen im Jahr 2000 vollständig übernahm, blieb der alte Name, der längst eine Marke für professionelle Bodenverlegung geworden war, bestehen.

So wie seinerzeit Michael Urban, der Senior, das Unternehmen "komplett umgekrempelt" hat, wie er sagt, als er die Verantwortung von seinem Vater übernahm, so drückt ihm heute Maximilian Urban, der Junior, seinen Stempel auf. Wie es bei Vater und Sohn oft der Fall ist, sind sich auch die beiden Bodenprofis nicht immer einig. Aber: Da müsse man durch, erklären die beiden.

Reibungspunkte gehören dazu: Was Vater und Sohn über das Loslassen sagen

"Ich versuche, mich nicht überall einzumischen“, sagt der Vater. "Das ist manchmal auch besser so", antwortet der Sohn. Er mache sich eben Gedanken, ob auch alles gut laufe, erklärt Michael Urban, das sorge manchmal eben auch für Konflikte.

"Wir haben unsere Reibungspunkte, aber im Großen und Ganzen funktioniert es. Jeder muss sein Lehrgeld zahlen, das musste ich auch. Man lernt nur aus eigenen Fehlern. Und er macht es ja gut", erklärt der Senior über seinen Sohn. Er sei froh, sagt Vater Michael Urban, einen Nachfolger zu haben. "Das Loslassen fällt schon schwer, aber ich weiß den Betrieb in guten Händen."

Der Generationswechsel im Bodenlegerbetrieb Urban & Hörtreiter ist damit kein Stichtag, sondern ein Prozess: mit einem Senior, der weiter auf die Baustelle geht, einem Junior, der dem Betrieb seinen Stempel aufdrückt, und einem Team, das sich je nach Alter den passenden Ansprechpartner sucht.