Teppichfliesen verlegen ist heute leichter – im wörtlichen Sinn, nicht im handwerklichen. Vliesrücken ersetzen zunehmend schwere Bitumenschichten, sparen Gewicht und lassen sich besser recyceln. Es kann jedoch die Planlage leiden. Ab welcher relativen Luftfeuchte Schüsseln droht, was DIN EN 1307 Anhang A zur Gesamtmasse fordert und wie Sie Haftvermittler und Untergrund auf den Rücken abstimmen.
Aktuelle Teppichfliesenprodukte verdrängen zunehmend die Bahnenware in Objekt- und Bürobereichen. Wer heute Teppichfliesen verlegen will, arbeitet mit anderen Rückenkonstruktionen als früher: leichter, besser recycelbar, aber anspruchsvoller beim Raumklima. Was die Norm dazu sagt und worauf Sie bei Haftvermittler und Untergrund achten müssen, zeigt dieser Beitrag.
Warum Teppichfliesen die Bahnenware im Objekt verdrängen
Moderne Teppichfliesen punkten durch mehrere Eigenschaften:
- Viel Gestaltungsfreiheit: Unterschiedliche Farben, Muster und Verlegerichtungen lassen sich kombinieren. So können Laufwege, Arbeitszonen oder Besprechungsbereiche optisch hervorgehoben werden.
- Nachhaltigkeit: Viele Hersteller bieten Teppichfliesen mit hohem Recyclinganteil an.
- Hohe Funktionalität: Teppichfliesen bieten eine gute Trittschalldämmung und verbessern die Raumakustik. Sie sind robust und für stark frequentierte Bereiche ausgelegt.
- Einfacher Austausch bei beschädigten oder verschmutzten Fliesen
- Flexibilität bei Umbauten
- Schnelle Verlegung, häufig ohne lange Betriebsunterbrechungen
- Geringere Verlegekosten
- Weniger Verschnitt
Es lohnt sich daher, die Entwicklung von Teppichfliesen näher zu betrachten. Denn auch die Norm hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte angepasst.
Was DIN EN 1307 Anhang A zur Gesamtmasse fordert
Teppichfliesen sind schon immer in der "DIN EN 1307 Textile Bodenbeläge – Einstufung von Polteppiche" beschrieben. Genauer gesagt stehen die Anforderungen an Teppichfliesen im Anhang A. Vergleicht man die Anforderungen, wie sie z. B. in der Normausgabe von 1997 beschrieben sind, fällt Folgendes auf: Für lose auszulegende Teppichfliesen war ein Flächengewicht je m² von ≥3,5 kg erforderlich. Eine veränderte Angabe für wiederaufnehmbar verklebte Teppichfliesen gab es nicht.
In der aktuellen Ausgabe der DIN EN 1307 Anhang A hat sich das Flächengewicht – heute Gesamtmasse genannt – von ≥3,5 kg nicht verändert. Für wiederaufnehmbar verklebte Teppichfliesen werden je m² ≥2,0 kg gefordert. Diese veränderte Normfestlegung ist der technischen Entwicklung der "neuen Schwerschichtausführungen" geschuldet.
| Verlegeart | Normausgabe 1997 | Ausgabe |
| Lose auszulegende Teppichfliesen | Flächengewicht ≥3,5 kg/m² | Gesamtmasse ≥3,5 kg/m² (unverändert) |
| Wiederaufnehmbar verklebte Teppichfliesen | keine gesonderte Angabe | Gesamtmasse ≥2,0 kg/m² |
Vom Bitumenrücken zum thermofixierten Vlies: Warum sich die Rücken verändert haben
Früher waren die Teppichfliesen im Objektbereich meist mit dicken und schweren Bitumenbeschichtungen ausgestattet. Heute sind viele unterschiedliche Rückenausstattungen geläufig. Zum Teil werden noch speziell versteifende Schwerschichten appliziert. Einige Hersteller applizieren thermofixierte Vliesrücken, um Dimensionsstabilität und Planlage zu erzielen.
Diese Veränderungen sind nicht nur auf die Reduzierung der Emissionen zurückzuführen. Es gibt viele weitere Gründe für die veränderten Rückenkonstruktionen. Oft lassen sich die jetzigen Rückenausführungen besser recyceln. Es gibt bereits Verfahren, bei denen man den Rücken von der Tuftingdecke trennen kann – ein wesentlicher Schritt in Richtung der artenreinen Wiederverwertung für den angestrebten Rohstoffkreislauf.
Die heutigen thermofixierten Vliesrücken verbessern oft die akustische Wirksamkeit und erhöhen zusätzlich die Trittelastizität. Die Reduzierung des Gewichts erleichtert den Transport und führt oft dazu, dass sich die Teppichfliesen leichter schneiden lassen. Die Vorteile sind vielschichtig. Markt und Verarbeiter nehmen sie offensichtlich gerne an.
"Verlegen sich fast von selbst" – warum das ein Trugschluss ist

Es scheint, als gäbe es nur Vorteile und die modernen Teppichfliesen "verlegen sich fast von selbst". Bei näherer Betrachtung ist das – wie so oft – nicht der Fall. Durch das reduzierte Gewicht leidet eventuell die Planlage. Die Teppichfliesen neigen bei Schwankungen des Raumklimas, insbesondere bei niedriger relativer Luftfeuchte, zum Aufbau von Spannungen.
Das wirkt sich zum Teil so aus, dass die Teppichfliesen zum Schüsseln neigen. Das Bild rechts zeigt einen solchen Extremfall. Auffällig ist, dass der Spannungsaufbau meist in Produktionsrichtung stattfindet.
Wie das Polgarn auf Luftfeuchte reagiert
Was kann die Ursache solcher Materialspannungen sein? Das Nutzschichtgarn – meist aus Polyamid PA 6.0 oder PA 6.6 – bzw. die Polfasern reagieren auf die Luftfeuchtigkeit. Das Garn verhält sich wie ein Hanfseil, das zwischen zwei Bäume gespannt wurde: Regnet es (hohe relative Luftfeuchte), hängt das Seil durch. Ist es trocken (niedrige relative Luftfeuchte), spannt sich das Seil wieder.
Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass diese Veränderung bei der Polhöhe keine Rolle spielt, weil man sie weder erkennt noch bemerkt. Betrachtet man die Tuftkonstruktion, erkennt man jedoch: Das Garn wird unter dem Tuftvlies bis zur nächsten Einstichstelle geführt (siehe Zeichnungen). Dort führt es zum Spannungsaufbau oder Spannungsabbau.



Ab welcher relativen Luftfeuchte Teppichfliesen schüsseln
Die Konstruktion der Teppichfliesen soll möglichst maß- bzw. dimensionsstabil sein und plan liegen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies bei jedem noch so erdenklichen Klima gegeben ist. Hieraus ergibt sich die Frage: Ab welchem Klima beginnt der kritische Bereich mit der Neigung zu Verformungen?
| Relative Luftfeuchte (längere Klimasituation, übliche Temperaturen) | Verhalten der Teppichfliesen |
| 40 bis 65 % | Fliesen müssen plan und ohne nennenswerte Fugen liegen |
| 35 bis 40 % | Minimale Verformungen können entstehen, je nach Lichteinfall optisch erkennbar |
| unter 35 % über längeren Zeitraum | Bleibende Verformungen können entstehen, die sich bei Anstieg der relativen Luftfeuchte nicht mehr zurückbilden |
Haftvermittler: Was "wieder aufnehmbar verklebt" in der Praxis bedeutet
In der EN 1307 Anhang A steht "wieder aufnehmbar verklebt". Gemeint sind sogenannte Haftvermittler. Sie werden meist aufgewalzt und bilden nach dem Abtrocknen einen transparenten und haftklebrigen Film auf dem Untergrund. Leider konnten sich die Klebstoffhersteller noch nicht zu einem einheitlichen Begriff für diese Produkte durchringen, daher wird der Begriff Haftvermittler weiterverwendet.
Achtung: Sowohl die Haftklebrigkeit als auch die Auftragsmenge können je nach Untergrund und Rückenausführung der Teppichfliesen stark differieren. Gemeint ist in diesem Fall nicht nur der Untergrund. Wie üblich darf der Untergrund den Haftvermittler nicht so stark aufsaugen, dass die benötigte Menge nicht mehr ausreicht. Bei stark saugenden Untergründen ist eine Grundierung erforderlich.
Der Rücken hat seine Tücken: Haftvermittler auf die Rückenstruktur abstimmen
Ebenso ist die Rückenausführung der Teppichfliesen von Bedeutung. Es gibt Vliesrücken mit sehr groben, stark abstehenden Fasern. Diese führen dazu, dass die Teppichfliesen – wie auf Spinnenbeinen – nur an wenigen Stellen Kontakt zum Untergrund bzw. Haftvermittler haben. In diesem Fall ist meist ein sehr stark klebriger Haftvermittler erforderlich, um den nötigen Hafteffekt auf Dauer zu erzielen.
Weist der Rücken der Teppichfliese eine vergleichsweise glatte Struktur auf, reicht meist ein Haftvermittler mit geringerem Hafteffekt.
| Rückenstruktur | Kontakt zum Haftvermittler | Erforderlicher Haftvermittler |
| Vliesrücken mit sehr groben, stark abstehenden Fasern | nur wenige Kontaktstellen ("Spinnenbeine") | meist sehr stark klebrig |
| Vergleichsweise glatte Rückenstruktur | / | meist geringerer Hafteffekt ausreichend |
Der Verleger sollte sich auf jeden Fall stets an die Produktempfehlung des Herstellers halten. Dieser kennt seine Produkte und hat aufgrund von Versuchen während der Entwicklung die Erfahrung, um eine optimale Lösung in der Verlegeanleitung anzugeben. Zu beachten ist neben der Auftragsmenge des Haftvermittlers auch die eventuelle Vorgabe der Walzenstruktur, die zum Auftrag empfohlen wird.
Fazit: Leichter, aber anspruchsvoll
Werden diese Aspekte sowie die Verlegeanleitungen der Hersteller beachtet, sind die "neuen Teppichfliesen" eine deutliche Verbesserung gegenüber den Teppichfliesen der "alten Generation". Wer moderne Teppichfliesen verlegen will, betrachtet Raumklima, Untergrund und Rückenstruktur zusammen. Dann zahlen sich geringeres Gewicht, bessere Recyclingfähigkeit und einfachere Verarbeitung aus.
