Blick in den Markt Fußbodenbeschichtungen: Einfach und sicher verarbeiten

Fußbodenbeschichtungen decken ein breites Spektrum ab – von der Renovierung über die Reinigung und Pflege bis hin zu Systemen, die als eigenständiger Bodenbelag dienen. Welche Anforderungen haben Verarbeiter? Und was bietet die Industrie an?

Fußbodenbeschichtungen
Bei Dr. Schutz geht der Trend zur optischen Aufwertung von Böden mit dekorativen Elementen, farblicher Gestaltung mit Grafikmustern und Chips bis hin zu Glitzer-Einstreuung. - © Dr. Schutz

Im Bereich strapazierfähiger und dekorativer Fußbodenbeschichtungen gibt es einen klaren Trend hin zu fugenlosen, dekorativen Böden, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich – das zumindest hat Jens Zubke, Verkaufsleiter bei Arturo Deutschland, beobachtet. Er sagt: „Was vor einigen Jahren noch eher die Aus­nahme war, setzt sich heute zunehmend in Wohngebäuden, Schulen, Universitäten, Sportstätten und Firmengebäuden durch. Die zentralen Trends sehen wir in der Kombination aus Design, Nachhaltigkeit, hoher Belastbarkeit und Wirtschaftlichkeit.“

Dekorativ soll es sein

Für das Unternehmen Dr. Schutz mit Sitz in Bonn liegt der Schwerpunkt auf der dekorativ-funktionalen Sanierung und dem Werterhalt aller Fußbodentypen. „Dabei ist Holz eigentlich das älteste Paradebeispiel – dessen Sanierung gibt es seit Jahrhunderten: Das hochwertige Material ist auf Dauer angelegt und wurde immer wieder geschliffen und neu eingepflegt oder optisch mit farbigen Ölen, Lacken, Laugen oder Lasuren verändert“, führt Frank Knott, Mitglied der Geschäftsleitung, aus. Der Trend, sagt Knott, gehe zu dekorativen Elementen, farblicher Gestaltung mit Grafikmustern und Chips bis hin zu Glitzer-Einstreuung: „Hier traut man sich wieder etwas mehr. Auch im Objekt und im gewerblichen Bereich will man sich immer stärker abheben und auch attraktiver für Besucher, Mitar­beiter oder Nutzer werden. Und nicht nur schlicht und funktional sein.“

Aktuell stark nachgefragt werde bei der Funktion die Berücksichtigung von Rutschsicherheitsklassen. Und:

  • Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Vorteile und
  • Zeitersparnis in der Sanierung

bleibt weiter wichtig. Wichtiger wird der Bereich Nutzungsänderung in der Industrie. Der steigende Bedarf von optisch an­sprechender, funktionaler und zügiger Auf­wertung vieler gewerblicher Immobilien, die vor der Umnutzung stehen, werde den Markt hinsichtlich Kosteneffizienz weiter antreiben, sagt Knott.

Fußbodenbeschichtungen – Trends wie in der Mode

Für Benedikt Niewald, Produktmanager Floar Coating bei MC-Bauchemie aus Bottrop, zeigen sich im Bereich dekorativer Bodenbeschichtungen Entwicklungen, die ähnlich wie Modetrends in gewissen Zyklen wiederkehren. „Aktuell stehen insbesondere fugenlose, trittfreundliche Beschichtungssysteme im Fokus, die sich für eine Vielzahl von Innenräumen eignen und in verschiedenen Designanwendungen, beispielsweise Marmoroptik, ausgeführt werden können.“ Darüber hinaus erlebe auch der Steinteppich derzeit ein kleines Revival und werde wieder verstärkt nachgefragt.

Veränderte Anforderungen

Wie verändern sich die Anforderungen der Verarbeiter an die Produkte der Hersteller? Worauf kommt es an? „In unseren Augen wird es immer wichtiger, dass die Produkte deutlich weniger geruchsintensiv sind als in den vergangenen Jahren. Unsere Kunden verarbeiten oft mehrere Tonnen Material, zum Beispiel in geschlossenen Industriehallen. Gerade in solchen Umgebungen wirkt ein stark beißender oder intensiver Geruch sehr belastend für die Verarbeiter“, erläutert Jens Zubke.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die klare Kennzeichnung der Produkte, insbe­­son­dere des Mischungsverhältnisses. Es muss eindeutig, gut sichtbar und unmissverständlich auf der Verpackung und in den Unterlagen angegeben sein. Genauso wichtig ist die klare Unterscheidung der A- und B-Komponenten. Beide sollten eindeutig erkennbar und am besten auch visuell gut unterscheidbar sein. Zubke: „Hintergrund ist, dass auf Baustellen zunehmend Verarbeiter tätig sind, die der deutschen Sprache nicht oder nur eingeschränkt mächtig sind.“ Eine intuitive, sprachun­abhängige Kennzeichnung wie Symbole, Farben und Piktogramme hilft dabei, Anwendungsfehler zu vermeiden und die Ver­arbeitung sicherer zu machen.

Einfach und sicher

Auch Benedikt Niewald, Produktmanager Floar Coating bei MC-Bauchemie, bestätigt, dass Verarbeiter Produkte wollen, die ein­facher und sicherer in der Anwendung sind: „Sie wünschen sich Beschichtungssysteme, die möglichst fehlertolerant und weit­gehend unabhängig von Umgebungsbedingungen funktionieren. Wichtige Kriterien sind dabei

  • eine lange Verarbeitungszeit,
  • kurze Trocknungs- und Aushärtungsphasen,
  • geruchsneutrale Materialien sowie
  • ein hohes Maß an Verarbeitungssicherheit.“

Die Systeme sollten insgesamt anwenderfreundlich sein und ein qualitativ hochwertiges Oberflächenergebnis ermöglichen.

Fußbodenbeschichtungen
„MC-Dur TopSpeed“ von MC-Bauchemie kann unter anderem zur Überarbeitung von Bestandsbeschichtungen eingesetzt werden. - © Fotodesign Karsten Rabas - Wolfgang Helm

Aus Sicht von Frank Knott (Dr. Schutz) kommt es darauf an, dem Verarbeiter

  • möglichst einfache, schlüsselfertige System­lösungen und
  • verständliche Aufbauempfehlungen

zu bieten. „Dabei möchte er schnell und gelingsicher arbeiten und auch in Grenzsituationen mit passenden Helfern gerüstet sein.“ Der Verarbeiter wolle

  • dekorative Vielfalt,
  • für jede objektspezifische Situation das richtige Produkt,
  • Lösungen für alle Bodentypen aus einer Hand,
  • leichte Verarbeitung sowie
  • technischen Support auf der Baustelle.

Verändert hätten sich, so Knott,

  • die Anforderungen vor allem im Glanzgrad hin zu mehr ultramatten Optiken und –
  • in objektspezifischen Bedingungen – etwa ESD-Fähigkeit, gesteigerte Desinfektionsmittelbeständigkeit oder antibak­terielle Aufrüstung im Krankenhaus sowie
  • auch die noch schnellere Anwendung und Härtung mit UV-Technologie.

Wo liegen die Schwerpunkte?

Stehen Beschichtungssysteme im Mittelpunkt, die als eigenständiger Bodenbelag eingesetzt werden können? Oder liegt der Fokus primär auf Lösungen zur Renovierung, Sanierung und zum Schutz bestehender Bodenbeläge?

Benedikt Niewald (MC-Bauchemie): „Unser Schwerpunkt liegt auf Beschichtungssystemen für industrielle Bereiche. Grundsätzlich spielt es dabei keine Rolle, ob es sich um

  • partielle Instandsetzungen,
  • flächige Überarbeitungen oder
  • vollständige Neuaufbauten auf unbeschichteten Untergründen

handelt.“

Arturo biete Bodensysteme, die sowohl als eigenständiger Bodenbelag als auch für die Renovierung vorhandener Böden eingesetzt werden können, sagt Jens Zubke. „Viele unserer Systeme decken dabei beide Einsatzbereiche flexibel ab.“

Das Dr. Schutz-Produkt Reno Flow für elastische Böden sowie PU Flow für mineralische Böden ist sowohl eine Sanierungslösung als auch ein neuer Bodenbelag. „Die gebrauchsfertige flüssige 2K-Verlaufsbeschichtung wird direkt aus dem Eimer aufgegossen. Sie schafft einen neuen Bodenbelag mit einer Schichtdicke von etwa 1 bis 3 mm“, erklärt Frank Knott. Dieser könne, nach der Grundierung, direkt auf den Estrich eingesetzt als neue Grundlage für einen farbig lackierten Boden dienen.

Fußbodenbeschichtungen: Thema Schulungen

Sollte oder muss der Boden- und Parkett­leger besonders geschult werden, wenn es darum geht, Fußbodenbeschichtungen zu verarbeiten? Welche Vorbereitungsmaßnahmen sind zwingend erforderlich, um ein einwandfreies Ergebnis zu erzielen?

„Unsere Beschichtungssysteme sollten grundsätzlich von spezialisierten Beschichtungsunternehmen verarbeitet werden. Boden- und Parkettleger arbeiten in der Regel nicht täglich mit solchen Systemen, so dass die erforderliche Routine und Erfahrung häufig nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind“, erläutert Jens Zubke (Arturo Deutschland).

Möchte ein Boden- oder Parkettleger im Bereich Fußbodenbeschichtungen tätig werden, sei es zwingend erforderlich, dass er

  • eine Schulung beim jeweiligen Hersteller der Beschichtungssysteme besuche und
  • die Verarbeitungsrichtlinien genau kenne.

Idealerweise sollten die ersten Projekte in Begleitung eines erfahrenen Beschichters durchgeführt werden. Für ein einwandfreies Ergebnis sind laut Zubke insbesondere folgende Vorbereitungsmaßnahmen zwingend notwendig:

  • die sorgfältige und fachgerechte Untergrundvorbereitung,
  • die Einhaltung der Herstellervorgaben für alle Systemschichten und
  • die tägliche Prüfung und Dokumentation der Umgebungsbedingungen wie Bodentemperatur, Lufttemperatur, Luftfeuchte und Taupunkt.

Frank Knott (Dr. Schutz): „Der Bezug unserer Profi-Systeme ist nur nach einer Schulung möglich. Dafür bieten wir in unserer Karl Schutz Akademie zweitägige Basis-­Seminare an, wo die Fertigungs­technik theoretisch erlernt und in der Praxis direkt umgesetzt wird.“

Für Boden- und Parkettleger „ist eine gezielte Schulung zwingend erforderlich, wenn sie Beschichtungen auf Basis von ­Reaktionsharzen verarbeiten möchten“, ­betont auch Benedikt Niewald von MC-­Bauchemie. „Reaktionsharze besitzen spezielle Eigenschaften, die fundiertes Fachwissen erfordern.“ Ebenso wichtig sei die Schulung im Bereich Arbeitssicherheit. „Der Verarbeiter muss den sicheren Umgang mit Reaktionsharzen beherrschen – sowohl zum persönlichen Schutz als auch zum Schutz der Umgebung“, sagt Niewald. Eine fachgerechte Untergrundvorbereitung bilde zudem die Grundlage für ein dauerhaft einwandfreies Ergebnis.