Architekt, Tischler, Parkettlegermeister und Restaurator, Pilot und Golfer: Martin Hopsch hatte schon viele Hüte auf; viele trägt er bis heute. Angefangen hat er als Ein-Mann-Show, heute leitet er ein Unternehmen, bei dem Bodenbeläge die Hauptrolle spielen.

Der Begriff Beletage bezeichnet das repräsentative Hauptgeschoss in älteren, oft vornehmen Wohnhäusern. Dort, meist im ersten Obergeschoss, dem Hochparterre, waren einstmals die wohlhabenderen Bewohner des Gebäudes zu Hause. Der Altbau in Berlin Charlottenburg mag um die 120 Jahre alt sein, die Wohnung, um die es geht, könnte auch eine klassische Berliner Arztpraxis beherbergen.
Wer die Baustelle betritt, sieht hohe Decken mit Stuck, große Fenster und Dielenboden, sogar im Flur. Noch liegen überall Kabel, stehen Maschinen, liegen Planen, arbeiten Handwerker. Auf solchen Baustellen ist der Tischler, Parkettlegermeister und Architekt Martin Hopsch regelmäßig anzutreffen. Wenn alle anderen Reparaturen abgeschlossen sind, widmen sich sein Team und er wieder dem Holzboden zu, bei dem unter anderem ein Wasserschaden vorliegt. Die Unterkonstruktion war beschädigt, einige Stäbe kaputt. Jetzt ist alles repariert, entschichtet und sorgfältig abgedeckt. Es knarzt beim Gehen. „So ein alter Boden, der muss ein bisschen knarzen“, sagt Hopsch. Zumindest so lange es nicht gerade direkt vor dem Kinder- oder Schlafzimmer ist, „dann greifen wir ein.“
Martin Hopsch Dipl.-Ing. Architekt Tischler und Parkettlegermeisterbetrieb GmbH – so heißt die Firma im Ganzen. Sie hat sich seit 2005, ab 2015 als GmbH, auf den Um- und Ausbau von Wohnungen und Einfamilienhäusern spezialisiert. Als Architekt bietet Hopsch das gesamte Spektrum an Leistungen für diese Arbeiten an und koordiniert den reibungslosen Bauablauf. Als Tischler, Parkettlegermeister, staatlich geprüfter Restaurator und Architekt ist er als Ausführender, Planer und Leitender im Einzelgewerk in kleinen, mittleren und größeren Gesamtprojekten tätig. „Da wir auch mit diversen Fachfirmen des Innenausbaus wie dem
- Elektriker-,
- Trockenbau-,
- Maler- und
- Fliesenlegerhandwerk
zusammenarbeiten, können wir deren Kontakte und Leistungen mit anbieten“, erklärt Hopsch. Auch zum Rohbau/Hochbau, also
- Maurer- und Betonbau,
- Fassadenbau,
- Zimmerei und Dachdeckerei
bestehen langjährige Firmenkontakte.
bwd: Sie sind unter anderem Tischler, Parkettleger, Architekt. Sie haben viele Hüte auf. Wie kam es dazu?
Martin Hopsch: Das hat sich so ergeben. Auch in der DDR war es schwer, Lehrstellen zu finden. Meine Mutter hatte 1986 Kontakte zu einer Tischlerei bei Potsdam, die einen Platz frei hatte. Mein Vater sah mich eher im Metallbereich, als Feinmechaniker. Meine Mutter fand Holz toll. Wir lebten auf dem Land, ich hatte schon immer Spaß daran, Modellboote und -flugzeuge zu bauen, zu basteln, zu werkeln, am Fahrrad, am Simson-Moped, am MZ-Motorrad, am Trabant, am Elternhaus. In der DDR musstest du alles selber machen und machen können.
Das kann es noch nicht sein
Martin Hopsch bekam die Lehrstelle als Bautischler für Türen und Fenster. „Mein Lehrgeselle Rainer Gürges hat mir Sachen und Tricks gezeigt, davon profitiere ich noch heute. Und muss dabei oft schmunzeln“, erinnert er sich. Hopsch arbeitete sich nach der Lehre im Betrieb hoch, war nicht wirklich unzufrieden, ahnte aber: Das kann nicht alles gewesen sein.
Dann kam die Wende und der Betrieb wurde abgewickelt. Der ortsansässige Parkettlegermeister Detlev Kudell machte sich selbständig, dessen Frau war Hopschs Mathelehrerin gewesen. In kleinen Orten kennt jeder jeden. So kam eins zum anderen und Hopsch wurde Parkettleger und kurze Zeit später Parkettlegermeister – 1993 Meister Teil 1 und 2 in Halle (Saale).
bwd: Aber das kam erst später, denn vorher hatten Sie noch anderes zu erledigen.
Martin Hopsch: Bei mir setzte ein Reifeprozess ein. Die Welt stand mir offen und ich wollte mehr. Und zwar fliegen. Ich hatte Modelle gebaut und die zum Fliegen gebracht. Ich dachte: Die Bundeswehr kommt sowieso, also meldest du dich freiwillig und gehst zur Luftwaffe.
Martin Hopsch – ausgesiebt mit 27
Für Strahlflieger, also Flugzeuge mit Düsentriebwerken, war der knapp zwei Meter lange Hopsch zu groß, für Hubschrauber ebenso, blieb also der Transportflieger.
Ab Mitte der Neunziger folgte Lehrgang auf Lehrgang, zunächst quer durch Deutschland, dann Europa und USA. Im Schnitt kamen bei den Transportfliegern auf einen Piloten hundert Bewerber; es wurde immer weiter ausgedünnt und die Reihen lichteten sich nach jedem neuen Lehrgang, berichtet Hopsch. Nach dreieinhalb Jahren traf es auch ihn: als Vorletzter in Phoenix Arizona ausgesiebt mit 27.
Was tun? Zurück zum Parkett: Damals fehlten ihm noch zwei Teile zum Meister, Teil 3 und 4, die absolvierte er immer nach dem Dienst nahe dem Geschwader bei Hannover. Mit dem Ende bei der Luftwaffe war er schließlich im Januar 2000 Parkettlegmeister und hatte zudem die Fachhochschulreife, die ihm das Architekturstudium (FH) eröffnete. Und das trat er an.
Nach vier Jahren war er damit durch, Abschluss mit 34. Sein BAföG hatte er bis dahin immer wieder mit Parkettarbeiten aufgebessert, also war er im Thema.
„Die Nachfragen häuften sich, ich verdiente gutes Geld und habe 2005 schließlich mein Gewerbe als Einzelunternehmer Parkettleger angemeldet“, erinnert sich der Handwerker.
In Berlin habe es damals eine regelrechte Architektenschwemme gegeben, alle wollten dorthin. Nach ersten unterbezahlten Anstellungen als freier Architekt konzentrierte sich Hopsch wieder aufs Parkett und kaufte Maschinen bei Industrieversteigerungen. Als fertiger Architekt hatte er jede Menge Kontakte zu ehemaligen Kommilitonen, die Parkettleger suchten.
Die Zeit als Ein-Mann-Show ging zu Ende. Hopsch lernte einen Altgesellen kennen, den er als seinen ersten Mitarbeiter einstellte. Zeitweise hatte er neun Angestellte. Heute besteht das Team aus sechs Köpfen,
- den Chef Martin Hopsch mitgezählt,
- davon zwei Lehrlinge und
- drei Gesellen.
Er bilde schon lange und auch gern aus, sagt der Unternehmer. Am liebsten ist es ihm, immer zwei Lehrlinge parallel zu haben.
Heute ist Martin Hopsch Inhaber, Gesellschafter, Geschäftsführer, Meister in eigenem Ausbildungsbetrieb und damit Ausbilder, Dipl. Architekt FH, alles in einer Person. „Dass ich Unternehmer geworden bin, hat sich einfach so ergeben, das war nicht von langer Hand geplant.“ Sein Unternehmen, sagt er, habe nun „eine halbwegs entspannte Größe, mit der man eine Menge bewegen kann“.
bwd: Heute müssen Sie längst nicht mehr jeden Auftrag annehmen, oder?
Martin Hopsch: Nein. Ich erinnere mich aber auch an Wochen, in denen ich nachts wach lag und mich gefragt habe, wie ich die Miete bezahlen soll und was ich dafür als Erstes verkaufen kann. Dann kam der nächste Auftrag doch. Diese Nächte sind jetzt zehn, 15 Jahre vorbei. Seitdem habe ich durchweg zu tun.
Die Website? Kommt noch meint Martin Hopsch
Ein externes Büro, eine Werkstatt, das gibt es ebenso wenig, wie eine Website. Stattdessen existieren drei kleinere Lagerboxen, jeweils eine
- mit Maschinen,
- mit Holz und
- mit Bauchemie.
Der Unternehmenssitz ist ein Zimmer in der Mietwohnung, der Schreibtisch im Schlafzimmer, das kleine Aktenregal daneben. Hopsch sagt, er habe in seiner gesamten Geschäftstätigkeit noch keine Akquise gemacht. Statt der Website existiert ein Profil auf einer Expertenseite - mit hervorragenden Bewertungen. Die Website, ja, die müsse er dringend mal angehen. Aber wann bloß?
Auf seine Innung, die Innung Nordost, lässt er nichts kommen. Dort engagiert er sich nach Möglichkeit und nutzt die Gelegenheiten, die sich ihm dort bieten. Zum Beispiel den Restaurator. „Im Newsletter der Innung wurde dazu aufgerufen, den Kurs zu machen, unterstützt durch ein Stipendium. Ich hatte schon vorher bei Kudell alte Tafeln in Sanssouci repariert und nachgebaut. Aber nicht mit eigenen restauratorischen Erfahrungen. Diese Arbeiten habe ich in die Bewerbung für ein Stipendium mit hineingegeben und das hat geklappt. Ich habe das Stipendium bekommen. Der Restaurator kam zu mir, ohne dass ich ihn gesucht hätte. Mir war nicht klar, wie arbeitsintensiv das werden würde. Ich habe einige Federn gelassen. Aber jetzt im Nachgang möchte ich’s nicht missen“, erklärt Martin Hopsch.
Holzböden Aufarbeiten
Zurück zum Altbau in Charlottenburg. Rund 200 Quadratmeter Parkett- und Dielenboden sind es – wie soll am Ende die Oberfläche aussehen? Das hängt von der zukünftigen Nutzung ab, die sich im Laufe der Sanierung schon mal ändern kann. Der Eigentümer hat das letzte Wort hier bislang noch nicht gesprochen.
„Ich biete immer alles an, aber mein Favorit ist die Öl-Imprägnierung“, sagt Hopsch.
- Holzböden machen den Löwenanteil der Geschäftstätigkeit aus,
- aber auch mal ein paar Fenster sind dabei,
- hin und wieder kommen Türen und Treppen entschichten und beschichten, sowie
- Möbelmontagen
hinzu. Früher haben sich neu verlegen und aufarbeiten die Waage gehalten. Heute geht es fast ausschließlich um das Aufarbeiten.
Was ist eigentlich aus dem Traum vom Fliegen geworden? Der ist ausgeträumt. Statt auf dem Flugplatz trifft man Martin Hopsch nun auf dem Golfplatz. Und auch das hat mit der Branche zu tun. Vor 14 Jahren kam die Einladung eines Herstellers aus der Branche auf den Golfplatz. Das Ziel: Platzreife.
bwd: Golf? Darauf wäre ich jetzt bei Ihnen nicht gekommen.
Martin Hopsch: Bei Golf dachte ich an Rentnersport. Und: nichts für mich. Doch weit gefehlt. Der Kopf ist frei und ganz woanders und der Körper kommt auch voll und ganz auf seine Kosten. Auf dem Platz werden auch Geschäfte gemacht. Also habe ich die Einladung nach Bayern wahrgenommen. Es hat endlos geregnet damals, aber am Ende hatte ich die Platzreife.
Golfsachen griffbereit
Es gibt Phasen, da geht der Parkettprofi einmal die Woche golfen, dann wieder wochenlang nicht, „aber ich bleibe am Ball“. Die Golfsachen liegen immer griffbereit im Kofferraum, sodass er überall mal für ein paar Stunden auf den Platz gehen könnte.
Aber einfach so spielen und entspannen, das geht nicht. Hopsch: „Ich bin immer noch Ingenieur und Sohn eines Physikers. Von meinem Vater habe ich die Marotte, alles physikalisch und wissenschaftlich hinterfragen zu müssen. Ich will wissen, warum etwas passiert. Was geschieht aus Sicht der Physik, wenn Holz angefeuert wird? Was bei einem Regenbogen? Wann ist die Sonne, wann der Mond größer – und warum? Beim Golf will ich wissen, warum sich der Ball so herum dreht und nicht andersrum. Das hat mich vor Kurzem so lange beschäftigt, bis ich die Lösung hatte und dann viel weiter schlagen konnte. Ich gebe erst Ruhe, wenn ich es aus der Natur nachvollziehen kann.“
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Autor
Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.