Vor allem wenn es nicht der Boden für die Ewigkeit, sondern nur für eine gewisse Nutzungszeit – wie zum Beispiel in einem Verkaufsbereich oder in einer Mietwohnung – sein soll, geraten modulare Bodenbelagslösungen zunehmend ins Blickfeld.

Modulare Bodenbeläge werden gern für individuelle Lösungen eingesetzt. Sie bieten Flexibilität, und die ist unter anderem im Ladenbau, aber zunehmend auch im privaten Bereich gefragt.
Manchmal wird der Begriff „modular“ mit anderen gleichgesetzt, vor allem mit der Bezeichnung „Loose-Lay“. Modular heißt: aus Modulen bestehend, also aus einzelnen Elementen, aber bedeutet damit nicht zwingend lose verlegt. So könnten modulare Bodenbeläge vollflächig verklebt, aber auch geklickt, fixiert oder eben auch lose verlegt werden. Auch über das Material sagt der Begriff „modular“ nichts aus.
In Deutschland sei nach wie vor die vollflächige Verklebung die bevorzugte Variante, da sie höchste Stabilität biete, berichtet Désirée Fehlhauer, Produktmanager DACH LVT, Carpet, Wood bei der Tarkett Holding GmbH in Ludwigshafen. „Gleichzeitig sehen wir ein starkes Wachstum bei Klick-Produkten, insbesondere bei Rigid-Varianten, die eine schnelle und saubere Renovierung ermöglichen. Loose-Lay ist im Bereich Teppichfliesen bereits etablierte und gängige Praxis, bei LVT jedoch noch eine Nische.“
Verleger, sagt Fehlhauer, zögerten hier noch, sodass die Anwendung derzeit vor allem bei temporären Einsätzen wie Messen oder Pop-up-Stores erfolge. „Wir erwarten jedoch, dass dieser Markt wächst, da die Produkte beim Thema Nachhaltigkeit, einfacher Verlegung und rückstandsloser Entfernung deutliche Vorteile bieten“, so die Produktmanagerin.
„Eigentlich unkaputtbar“
Worin bestehen die besonderen Vorteile modularer Lösungen? „Wenn wir die Verlegung betrachten, dann überzeugen die fest verklebten Systeme mit ihrer absoluten Strapazierfähigkeit. Richtig verlegt und gepflegt sind diese Art von Bodenbelägen eigentlich unkaputtbar“, teilt Hersteller Gerflor mit. Bei den lose liegenden Bodenbelägen liege dagegen der Hauptvorteil darin, dass sie schnell, einfach, geräuscharm und ohne Staub verlegbar und jeder Zeit wieder aufnehmbar sind: „Insbesondere bei Renovierungen findet dieses Produkt seine Verwendung. Wenn man an den Einsatz des Bodens an verschiedenen Orten oder an ein Doppelbodensystem denkt, schafft das zudem maximale Flexibilität. Mit dem Blick auf die Rückbaubarkeit oder Umnutzung von Gebäuden, sind modulare Bodenbeläge dann auch noch sehr nachhaltig“, heißt es dazu aus Troisdorf.
Drei Lösungen
Forbo Flooring-Geschäftsführer D/A/CH Peter Schulte führt bei der Frage nach modularen Lösungen drei Produktgruppen an, die Forbo allesamt als Loose-Lay-Lösungen konzipiert hat: Loose-Lay-Vinyl (etwa Allura Click Flexcore oder Allura Puzzle), Loose-Lay-Linoleum (Marmoleum Click) und Loose-Lay-Textilböden (Coral Sauberlaufzonen, Flotex Next Textilboden).
„Anstelle klassischer Klebeverbindungen setzen Loose-Lay-Böden auf Dimensionsstabilität oder spezielle Rückenkonstruktionen. Das Ergebnis: maximale Flexibilität bei der Verlegung, einfache Rückbaubarkeit und minimale Ausfallzeiten auf der Baustelle“, sagt Schulte. Besonders im laufenden Objektbetrieb, während Umbauphasen oder für temporäre Nutzungen würden Loose-Lay-Bodenbeläge eine wirtschaftliche und saubere Lösung ohne Kompromisse bei Qualität oder Design darstellen.
Lose verlegbare Bodenbeläge benötigen keine Klebstoffe bei der Verlegung. Bei Forbo Flooring wird das Prinzip Loose-Lay gemeinsam mit geringeren Emissionen und dem Vermeiden von Abfall, mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz gedacht – und auch so kommuniziert. Das gilt für Linoleum-, Vinyl- und textile Bodenbeläge.
Die Vorteile? Peter Schulte: „Schneller Projektfortschritt: Durch die klebstofffreie Verlegung sparen Sie Zeit – ideal für Renovierungen, Nutzungswechsel oder kurzfristige Projekte. Dann der minimale Aufwand bei der Untergrundvorbereitung, also kein Spachteln, kein Schleifen. Bei geeigneten Untergründen kann sofort verlegt werden.“

Welche Rolle spielt die Austauschbarkeit?
Die Beläge ließen sich zudem leicht aufnehmen, austauschen oder an anderer Stelle wiederverwenden. Ein weiteres Plus sei die geruchsfreie, saubere Verarbeitung, die gerade bei Verlegearbeiten im laufenden Betrieb oder in sensiblen Bereichen zum Tragen komme. Außerdem spielten weniger Materialeinsatz, kürzere Verlegezeiten und niedrigere Gesamtkosten eine wichtige Rolle.
Bei textilen modularen Bodensystemen im Objekt denken manche Anwender zuerst an die schnelle und unproblematische Austauschbarkeit. „Austauschbarkeit ist in der Regel bei Kugelgarn kein Entscheidungskriterium, denn Kugelgarn ist selbst in stark frequentierten Bereichen so langlebig, dass üblicherweise auch nach zehn oder selbst nach zwanzig Jahren keine Module ausgetauscht werden müssen“, erklärt Carsten Klever, Verkaufsleiter Süddeutschland bei der Fabromont AG in Schmitten/Schweiz. Bei einem perfekten Unterboden ergebe sich ein perfektes Fugenbild mit Kugelgarn-Modulen als flächiger, optisch homogener Boden ohne sichtbare Fugen oder Stoßkanten.
Klever: „Für viele Planer ist die Designvielfalt in Kombination mit technischen Stärken wie rutschhemmenden Eigenschaften, Stuhlrolleneignung und emissionsarmen Materialien ein zentrales Argument. Dank unserer weit über hundert Farben und Kombinationsmöglichkeiten bleiben Räume wandlungsfähig und können mit Kugelgarn immer wieder neu gestaltet werden.“
Seit Jahrzehnten bewährt – und zu Ende entwickelt?
Die Teppichfliese gibt es schon seit den fünfziger Jahren. Modularere textile Systeme präsentieren sich heute unter anderem mit innovativen Verlegesystemen oder dank Digitaldrucktechnologie in größerer Vielfalt denn je. Existiert in der Entwicklung modularer textiler Bodensysteme noch viel Raum für Entwicklung? Oder sind die Produkte im Prinzip zu Ende entwickelt?
„Wer behauptet, seine Produkte seien ‚zu Ende entwickelt‘, verschläft in der Regel die neuen Entwicklungen und Trends am Markt“, findet Klever. Sein Unternehmen arbeite an neuen, noch überzeugenderen Lösungen, etwa in Richtung neuer Fixierungstechniken. Der Fabromont-Verkaufsleiter: „Die Möglichkeiten der Trocken-Verklebung haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, die wir uns genau ansehen.“
Was zählt bei modularen Belägen für den Profi?
Was zählt bei modularen Produkten für den professionellen Verleger am meisten: die Flexibilität? Die Schnelligkeit? Der leichte Transport? „Flexibilität und Schnelligkeit sind sicherlich wesentliche Aspekte für einen professionellen Verleger. Bei Reparaturen können einzelne Module schnell ausgetauscht oder Bereiche komplett neu verlegt werden“, heißt es von Gerflor.
Gerade in stark frequentierten Bereichen ließen sich so lange Schließzeiten vermeiden. „Aber, rein pragmatisch an den Verleger gedacht, ist natürlich auch das kompakte Verpackungsformat ein gern gesehener Vorteil. Rein in den Kofferraum und an der Baustelle, leicht und einfach durch das Treppenhaus zum Verlegeort transportiert“, teilt Gerflor mit.
Für professionelle Verleger, ergänzt Désirée Fehlhauer (Tarkett Holding), seien vor allem Effizienz und Verlässlichkeit entscheidend: „Ein großer Vorteil modularer Produkte besteht darin, dass viele Flächen problemlos von einer einzelnen Person verlegt werden können, während bei großformatigen Rollen meist mindestens zwei Personen erforderlich sind. Darüber hinaus zählen Schnelligkeit in der Verlegung, unkomplizierter Transport und die Sicherheit, dass das System dauerhaft stabil funktioniert.“
Was ist mit Nachhaltigkeit?
Ein Thema der Stunde ist auch bei modularen Belägen der Aspekt der Nachhaltigkeit. Auch bei Fabromont? Wie sehen die Überlegungen und Umsetzungen des Unternehmens dazu aus?
„Nachhaltigkeit“, sagt Carsten Klever, „beginnt für uns und unsere Kunden mit der Langlebigkeit unserer Produkte. Wenn Kugelgarn-Module anders als Wettbewerbsprodukte keinen Schwerrücken benötigen, um planeben auf dem Boden zu liegen, dann ist das Nachhaltigkeit, denn es spart Ressourcen und Material ein, das gar nicht erst produziert und transportiert werden muss. Zweitens erleichtert das den Verlegern die Arbeit, denn es spart oft bis zu einem Kilogramm Gewicht je verlegtem Quadratmeter.“
Fabromont strebe eine noch größere Nachhaltigkeit seiner Bodenbelagslösungen an. Themen seien dabei die weitere Verwendung von regenerierten Garnen, neue Verklebetechniken in Richtung Trockenkleber-Lösungen und bessere Trennbarkeit der verschiedenen Materialien am End-of-Life, damit diese wieder neu in Fabromont-Produkte oder andere Produkte einfließen können. Klever: „Zudem werden wir uns im Rahmen der Science Based Targets Initiative (SBTi) zu konkreten Zielen zur CO₂-Reduktion verpflichten. Nachhaltigkeit beginnt bei Fabromont nicht am Produktende, sondern schon beim ersten Entwurf.“
Von Wand zu Wand
Die Weseler Teppich GmbH & Co. KG (tretford) erklärt zum Thema Nachhaltigkeit: „Wir arbeiten ständig daran, unsere Produkte zu verbessern, aber nicht nur die Produkte, sondern die Rohstoffe, die Recyclingfähigkeit, die gesamte Wertschöpfungskette, aber auch unser Unternehmen und Mitarbeiterverhalten.“
Wer bei der Raumgestaltung flexibel bleiben wolle, sei mit Teppichfliesen von tretford bestens beraten. „Sie werden fixiert, von Wand zu Wand, verlegt. So lassen sich Räume mit wenig Aufwand verwandeln. Wählt man einen Grundton und platziert das Muster so, dass keine schweren Möbel stören, lässt sich das Fliesen-Muster einfach ändern und schon entsteht ein neuer Raumeindruck“, heißt es aus Wesel dazu.
Forbo Flooring-Geschäftsführer D/A/CH Peter Schulte sagt: „Wir bieten flexible und modulare Lösungen, die sich mehrfach wiederverwenden und am Ende der Lebensdauer für die Produktion neuer Bodenbeläge recyceln lassen. Dabei möchten wir verhindern, dass gebrauchte Bodenbeläge auf Deponien entsorgt oder in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden.“

Mehrfache Verwendung
Ziel von Forbo Flooring sei es, den höchstmöglichen Wert im Kreislauf zu erhalten, indem das Unternehmen der Wiederaufbereitung, dem Recycling und der Wiederverwendung den Vorrang vor der energetischen Verwertung durch Verbrennung einräume, erklärt der Geschäftsführer.
Schulte verweist auf das Forbo-Rücknahmeprogramm „Back-to-the-Floor“ hin: „Dieses Recyclingprogramm umfasst die Sammlung von gebrauchten Forbo-Bodenbelägen sowie von Verschnittresten, deren Rohstoffe einer erneuten Verwendung in der Produktion neuer Forbo-Bodenbeläge zugeführt werden.“
Als weitere Option biete sich die Zweitnutzung der Bodenbeläge an einem anderen Standort an. Der Vorteil hier liege darin, dass keine Klebstoff- oder Estrichrückstände vorhanden sind und das Produkt somit für eine weitere Nutzung geeignet ist.
Der Autor
Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.