Jan Dirkschnieder, Parkettlegermeister aus Drensteinfurt, hat sich bei den EuroSkills in Dänemark eine Exzellenzmedaille für herausragende Leistung bei den Bodenlegern erarbeitet. Im Gespräch mit bwd zeigt er sich über den vierten Platz ganz und gar nicht unzufrieden.

bwd Platz vier ist knapp am Podium vorbei: Sind Sie im Rückblick enttäuscht oder doch froh, dabei gewesen zu sein?
Jan Dirkschnieder: Ich bin super zufrieden mit meiner Leistung. Die Umstände vor Ort waren so, dass ich zwischenzeitlich auch nicht mehr mit dem vierten Platz gerechnet habe. Der Druck, der Stress, dann klappt etwas nicht so, wie im Training. Ich war zwischendrin kurz davor zu sagen: Nach der Pause komme ich nicht mehr. Aber dann ging’s doch weiter.
bwd Sie haben einen anstrengenden Beruf. Trotzdem haben Sie sich auf diese körperlich, aber auch nervlich sehr fordernde Reise begeben, die Sie bis zu den EuroSkills geführt hat. Was hat Sie dazu getrieben?
Jan Dirkschnieder: Mein Ego. Ich wollte mir selber beweisen, dass ich das kann. Ich werde von meinen Sponsoren unterstützt, denen ich sehr dankbar bin, aber wir bekommen dafür eigentlich nichts. Am Ende kriegst du, wenn du Glück hast, eine Medaille und ein Handschlag, dann fährt du wieder nach Hause.
bwd Die Medaille können Sie sich neben die Meister-Urkunde hängen.
Jan Dirkschnieder: Das mache ich auch. Ich habe das durchgezogen - dafür steht die.
bwd Bei Profi-Sportlern ist nach dem Wettkampf vor dem Wettkampf. Bei Ihnen nicht. Der aktive Wettbewerb ist jetzt vorbei, oder?
Jan Dirkschnieder: Ja, höher geht’s nicht. Weltmeisterschaft gibt, es, aber leider nicht im Bodenlegen. Bei der EM kann ich nicht noch einmal antreten. Aber man muss es anerkennen, wenn die anderen besser waren, und das waren sie diesmal einfach.
bwd Haben Sie während des Wettkampfs die Möglichkeit gehabt, links und rechts zu schauen, was die Kollegen so machen?
Jan Dirkschnieder: Ja. Ich konnte am zweiten Tag sagen, wer in welcher Reihenfolge die Plätze 1 bis 5 macht. Bei der Deutschen Meisterschaft hatte ich Gold knapp verfehlt und bin Zweiter geworden, da war ich niedergeschlagen. In Dänemark wusste ich schnell: Erster und Zweiter wirst du hier nicht, eventuell Dritter. Die anderen waren einfach superstark, insofern bin ich ein glücklicher Vierter.
bwd Was geben Sie jungen Menschen mit auf den Weg, die Ihnen auf dem Weg zu internationalen Wettkämpfen nachfolgen möchten?
Jan Dirkschnieder: Das Privatleben hast du später auch noch, aber nach der Europa-Meisterschaft hast du keine Europa-Meisterschaft mehr. In dem Sinn: Stell dein Privatleben für einige Zeit zurück und fokussier dich auf die EM. Denn das machst du nur einmal. Gib alles!
Das Gespräch mit Jan Dirkschnieder führte bwd-Redakteur Alexander Radziwill