„Glashaltiger“ Beton und die Folgen

In einer neu errichteten Ausstellungshalle für Wohnmobile und Caravans sind am Bodenbelag aus keramischen Fliesen nach der Abnahme Schäden durch Risse und Erhebungen aufgetreten. Die Ursache: Eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion im Beton.

Blick auf die keramischen Fliesen mit Rissen und Hohlstellen. - © iba-Institut

Ausgangslage

Der Bauherr hatte eine Gewerbehalle für Ausstellung und Verkauf für Wohnmobile und Caravan mit Teilunterkellerung für den Werkstattbereich neu errichten lassen. Auf dem Stahlbeton wurden keramische Fliesen im Mörtelbett verlegt. Nach der Abnahme sind in den ersten Jahren der Nutzung dann Risse und Erhebungen entstanden. Nach der Mängelrüge konnte sich der Bauherr mit dem Auftragnehmer für den Stahlbeton der Bodenplatte und Geschoßdecke und dem Auftragnehmer für Fliesenarbeiten über die Verursacherfrage und Maßnahmen der Mangelbeseitigung nicht einigen. Daher wurde ein Sachverständiger des iba-Institut beauftragt und ein Ortstermin durchgeführt.

Befunde: Risse und Erhebungen in den Fliesen

Die Ausstellungshalle befindet sich im Obergeschoss des Gebäudes. Im Werkstattbereich ist die Fußbodenkonstruktion unterkellert, im übrigen Bereich erdreichangrenzend ausgebildet. In der Ausstellungshalle war ein anthrazitfarbener Bodenbelag aus keramischen Fliesen mit Abmessungen von ca. 40 cm x 40 cm vorzufinden. Die Nutzung erfolgte vertragsgemäß als Ausstellungshalle für Wohnmobile und Caravan verschiedener Hersteller bzw. Marken.

An den keramischen Fliesen waren in statistisch wahlloser Verteilung punktuelle Erhebungen einzelner Fliesen zu konstatieren. Ausgehend hiervon sind an zahlreichen Fliesen auch netzartige Rissbildungen in den Fliesen festzustellen gewesen. Dabei fiel auf, dass solche negativen Erscheinungsbilder überwiegend im nicht unterkellerten Grundriss-Teilflächenbereich vorhanden waren, wohingegen im unterkellerten Grundriss-Teilflächenbereich zum Zeitpunkt des Gutachtertermins nur eine solche Stelle auffindbar war.

In dem nicht unterkellerten Ausstellungsbereich resultierten folgende Befunde:

  • 459 Hohlleger/Hohlstellen, insbesondere angrenzend zu den Fugenprofilen in den Grundrissfeldern A-B (76 Hohlleger/Hohlstellen) und C-D (79 Hohlleger/Hohlstellen),
  • 163 Pickel bzw. beginnende Pickel, insbesondere in den Grundrissfeldern A-B (14 Pickel), C (45 Pickel) und D (21 Pickel),
  • 34 Risse ausgehend von Pickeln,
  • 9 gerissene Fliesen, wobei die Risse nicht von einem Pickel ausgingen.

Im Ausstellungsbereich wurden Prüfstellen eingerichtet. Hier waren die Fliesen durch netzartige Rissbildungen ausgehend von einer punktuellen Erhebung gekennzeichnet. Nach dem Einschneiden der Mörtelfugen zerbrach die Fliese entlang der Rissflanken bei der weiteren Öffnung der Prüfstellen. An der Stelle, an der die punktuelle Erhebung vorhanden gewesen ist, war festzustellen, dass auch in der Oberfläche des Betons Y-förmige Risse einhergehend mit Abplatzungen der oberflächennahen Randzone des Betons vorhanden waren. Unterhalb vom abgeplatzten Beton sind in der oberflächennahen Randzone glasartige, kristalline Einschlüsse vorhanden gewesen. Zur weiteren Ursachenforschung wurden Bohrkerne entnommen. Deutlich erkennbar waren an den Bohrkernen die glasartigen, kristallinen Einschlüsse mit einem Durchmesser von ca. > 20 mm bis <35 mm.