bwd vor Ort Teppichboden verspannen in der Praxis

Vor Kurzem wurde im Südwesten Berlins, in der Nähe des Botanischen Gartens, ein Einfamilienhaus neu gestaltet. Der Teppichboden im Dachgeschoss wurde verspannt.

Der Teppichboden wird mit Hilfe des Kniekickers verspannt. - © Radziwill

Auf jeder Etage ist ein anderes Gewerk tätig, denn in ein paar Wochen schon möchte die Familie einziehen. Ganz oben unterm Dach sollen Schlafzimmer entstehen. Die Wände sind schon fertig, nun arbeitet ein Team von Fussböden Mike Zimmermann am Bodenbelag. Und nicht nur die Ware ist besonders, sondern auch die Technik: Der Teppichboden des Herstellers Ulster Carpets/Roger Oates Design soll verspannt werden.

Für diese spezielle Verlegetechnik hat sich über Jahrzehnte hinweg Luis Vogl aus München (siehe auch Hausbesuch in bwd 8-25, S. 19-21) stark gemacht. Vogl hat das Verspannen nicht nur auf Messen demonstriert, sondern auch in unzähligen Seminaren geschult. Auch Handwerker von M. Zimmermann kamen in den Genuss dieser Weiterbildung, um sie nun in dem Wohnhaus in Berlin praktisch anzuwenden.

Der Boden unterm Dach ist nicht völlig eben, die alten Holzdielen sehen aber ganz gut aus. Hie und da musste ein bisschen gespachtelt werden, die ein oder andere Fehlstelle wurde nach unten hin ausgepolstert. Nun kann es losgehen mit den Nagelleisten. Diese müssen als kleine Stücke am Boden angebracht werden, um Unebenheiten der Wand auffangen zu können.

Nägel in Richtung Wand

Bei einem mineralischen Untergrund lässt sich die Leiste nicht an den Boden schrauben, sondern muss verklebt werden. Hier konnte aber geschraubt werden. Die Leisten sind aus Sperrholz, die Nägel sind bei diesem Modell schon eingebaut. Sie müssen in Richtung Wand zeigen, sonst hat der Teppichboden später keinen Halt, denn er wird in die Nagelreihe einfach eingehängt.

Der Vorteil der Verspannung: Man kann auch auf alten Dielenböden oder Holz­untergründen wie hier im Dachgeschoss durch die Spannung eine optisch ebene Oberfläche herstellen, denn der Teppich wird nach allen Seiten hin ausgespannt.

Ein Abstand zur Wand und zu den Einbauteilen ist notwendig, damit der Teppichboden nachher in den Zwischenraum eingeklemmt werden kann. Zwei Drittel der Teppichbodenstärke Pi Mal Daumen muss als Abstand gelassen werden. Bei der hier verwendeten Ulster-Ware beträgt der Abstand rund sechs Millimeter.

Zum Einsatz kommt überwiegend eine zweireihige ­Nagelleiste, partiell auch eine dreireihige so genannte Herkulesleiste, wenn mehr Zug gebraucht wird. Eine Teppichverspannung ist nur möglich, wenn der Teppichboden dafür auch geeignet ist. Die Beläge müssen ein gewisses Rückstell­verhalten, die Rückenkonstruktionen eine gewisse Elastizität aufweisen.

Zug auf dem Nahtbereich

Der Teppichboden liegt auf einer Dämm­unterlage, die hier rund zehn Millimeter stark ist. Die 42 Quadratmeter große Fläche unterm Dach umfasst zwei Räume und einen Flur, unterbrochen von Türschwellen. Der Teppichboden wurde im Lager schon zugeschnitten. Die zwei Meter breite Ware muss nun vor Ort mit Schmelzklebeband entlang der Nähte konfektioniert werden. Auf dem Nahtbereich „liegt Zug“, wie die Handwerker sagen; so stehen also nach der Ver­legung unter Spannung und müssen nicht nur bombenfest sein, sondern auch noch möglichst unsichtbar.

  • Bild 1 von 8
    © Radziwill
    Die Nagelleiste wird, in kleine Stücke portioniert, am Boden angebracht, um Unebenheiten der Wand auffangen zu können.
  • Bild 2 von 8
    © Radziwill
    Der Teppichboden liegt auf einer Dämm­unterlage, die hier rund zehn Millimeter stark ist.
  • Bild 3 von 8
    © Radziwill
    Verlegt wird ein Teppich­boden des ­britischen Herstellers ­Roger Oates.
  • Bild 4 von 8
    © Radziwill
    Der Teppichboden wird mit dem Andrückroller leicht nach ­unten gedrückt.
  • Bild 5 von 8
    © Radziwill
    Der Kniekicker heißt tatsächlich so, weil der Bodenleger das Gerät mit dem Knie nach vorn kicken kann.
  • Bild 6 von 8
    © Radziwill
    Hier werden zwei Teppichbahnen ­zusammengefügt.
  • Bild 7 von 8
    © Radziwill
    Nun lässt sich ein Blick auf den verlegten Boden werfen…
  • Bild 8 von 8
    © Radziwill
    …und auf das verwendete Werkzeug, zumindest einen Teil ­davon.

Sollen zwei Meter Bahnen zusammengefügt werden, liegt unten das Schmelzband, das mit einem Schmelzkleber ver­sehen ist, der lange offen bleibt, um beide Bahnen optimal konfektionieren zu können. Das Band wird in der benötigten Länge zugeschnitten, dann wird Ware leicht stippend ausgelegt, mit dem Zentrierschieber zieht man genau auf die Mitte. Das so genannte Konfektionseisen sieht ein bisschen aus wie Bügeleisen und aktiviert den Schmelz­kleber. Das Eisen langsam nach vorn schieben, dann werden beide Teile des Teppichbodens miteinander verbunden. Zu Hilfe nimmt der Profi außerdem das Beschwer­eisen. Er schiebt langsam und gleichmäßig durch und konfektioniert die Naht. Der Schmelzkleber muss ein paar Minuten härten, dann ist Naht geschlossen.

Jetzt kommt der Kniekicker

Der so verbundene Teppichboden wird mit dem Andrückroller leicht nach unten gedrückt. Um den Teppichboden zur Wand hin richtig positionieren zu können, kommt der Kniekicker. Der heißt so, weil der Bodenleger das Gerät mit dem Knie nach vorn kicken kann. Unten sind Nadeln dran, die sich in den Teppich einhaken. Diese sind auch in der Höhe verstellbar, da es ja auch unterschiedlich hohe Teppichböden gibt. Das Gerät schiebt den Teppichboden nach vorn, der dann in den Nagelleisten einrastet, dann ist der Teppichboden gespannt.

Für Spannung sorgt auch der Hebelspanner, der sich auf bis zu 15 Metern ausziehen lässt. Die zur Verlängerung bereitstehenden Rohre sind zur leichteren Handhabung aus Aluminium. Mit dem Hebelspanner ist der Zug stärker als mit dem Kniekicker. Verschiedene Spannköpfe bieten unterschiedlich feine Qualitäten, der so genannte Igelkopf zum Beispiel ist für dünne Veloure geeignet. Das Beschwereisen, das die Profis in Berlin einsetzen, ist mit ­Teflon beschichtet. So kann kein Rost ent­stehen und das Eisen ist immer glatt.

Wichtig beim Verspannen: Immer schön Ruhe bewahren und nicht schnell, schnell arbeiten. Alle Arbeitsgänge sollten Stück für Stück erledigt werden. Die Profis von M. Zimmermann haben bei Luis Vogl gelernt und bringen die Technik nun ihrerseits den Auszubildenden bei. So wird die Fackel des Verspannens weitergetragen.