Blick in den Markt Böden veredeln, Werte erhalten

Es gibt viele Gründe, einen Boden zu veredeln: um ihn zu verschönern etwa oder um ihn den aktuellen Wünschen und Notwendigkeiten des Auftraggebers anzupassen. Oder um seinen Wert zu erhalten. Lohnt sich der Aufwand in jedem Fall? Was ist zu beachten?

Holzoberflächen strukturieren: Die weichen Jahresringe können herausgebürstet werden, während das härtere Holz erhalten bleibt, berichtet Pallmann. - © Pallmann

Bei Holzbodenbelägen sind die Möglichkeiten der Veredelung besonders vielfältig: Gekälkte Böden, gebürstete und geschroppte Beläge, lackierte, gebeizte oder geölte Oberflächen – das kennt auch der Endverbraucher und entwickelt entsprechende Begehrlichkeiten. Eine schöne Maserung ist es wert, hervorgehoben zu werden. Und gut geschützt sollte sie ebenfalls sein. Öle und Lacke sind in vielen Varianten und Farbtönen zu haben. So wird ein Parkettboden nicht nur schöner, sondern auch rutschfest und weniger empfindlich zum Beispiel gegenüber Wasserflecken. Einige solcher Maßnahmen lassen sich wieder rückgängig machen, andere nicht, etwa wenn weichere Bestandteile des Holzes entfernt wurden.

„Neben dem klassischen Schleifen beziehungsweise der Oberflächenbehandlung kann die Holzoberfläche auch strukturiert oder farblich neu gestaltet werden. Hierfür eignet sich die Schleifmaschine Pallmann Spider, die in diesem Fall in Kombination mit dessen Bürstsegmenten verwendet wird. Diese Technik ermöglicht es, die weichen Jahresringe des Holzes herauszubürsten, während das härtere Holz erhalten bleibt“, teilt die Pallmann GmbH in Würzburg dazu mit. Darüber hinaus gebe es verschiedene Optionen zur Anpassung der Oberflächen. „So ist es möglich, aus einer geölten Oberfläche eine Versiegelte zu schaffen und umgekehrt. Auch die Anforderungen an Rutschhemmung und Beständigkeit können flexibel angepasst werden“, so der Hersteller.

Kleiner Kratzer oder doch ein größerer Schaden?

Manchmal geht es bei der Bearbeitung einer Oberfläche lediglich um Geschmacksfragen, oft aber auch um den Zahn der Zeit, der sich auch bei sorgfältiger Behandlung irgendwann bemerkbar macht – und dann muss gerettet werden, was zu retten ist. „Trotz bester Pflege entstehen im Laufe der Nutzung Beschädigungen in Form von Kratzern, matt gelaufenen Bereichen oder kleinen Löchern in der Oberfläche. Kleinere Mängel sollten behoben werden, bevor sich größere Schäden daraus entwickeln – denn nur ein intakter Boden ist ein langlebiger Boden“, sagt Claus Wissutschek, Leiter der Anwendungstechnik bei Loba in Ditzingen.

Ist die Schutzfunktion der Oberflächenbehandlung noch gegeben, ist das Holz unbeschädigt oder hat es keine nutzungsbedingten Verfärbungen, könne ein rechtzeitiges Recoating oder Nachölen die Lebensdauer deutlich verlängern und das ursprüngliche Erscheinungsbild nahezu wiederherstellen.

Vielfältige Designoptionen

Größere Schäden wie tiefe Kratzer, Eindrücke, Abrieb oder Strichspuren sowie lose Parkettstäbe oder Wasserschäden machten zumeist eine umfangreichere Renovierung mit Vollschliff notwendig. Wissutschek: „Oft ist auch der Wunsch nach einer Umgestaltung oder Umnutzung ausschlaggebend. In all diesen Fällen stehen – von Rohholz-Look bis Colorierung, von glänzend bis extramatt – vielfältige Designoptionen zur Wahl. Auch veränderte technische Anforderungen durch eine Umnutzung lassen sich durch die Neuveredelung erfüllen.“

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    © Loba
    Vorher: Renovierung und Umgestaltung durch Vollschliff und Neuveredelung mit EasyPrime und 2K Duo auf Nussbaum im Hotel The Longemont in Shanghai.
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    Nachher: Renovierung und Umgestaltung durch Vollschliff und Neuveredelung mit EasyPrime und 2K Duo auf Nussbaum im Hotel The Longemont in Shanghai.
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    © Dr. Schutz
    „Wenn der Boden in der Substanz intakt ist und eine feste Verbindung zum Untergrund besteht, ist die Sanierung wirtschaftlich und ökologisch deutlich sinnvoller als ein Austausch“, heißt es von Dr. Schutz.
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    © Osmo
    Prinzipiell sei die Veredelung oder Auffrischung von Holzböden immer ­eine lohnende ­Maßnahme, erklärt Osmo, „nicht zuletzt aus Gründen der Nachhaltigkeit“.
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    Holzoberflächen strukturieren: Die weichen Jahresringe können herausgebürstet werden, während das härtere Holz erhalten bleibt, berichtet Pallmann.

Hat es jemals so viele unterschiedliche Bodenbelagsgattungen gegeben wie heute? Für jeden Bedarf, Zweck und Geschmack stehen innovative Lösungen und Materialien bereit. Und doch muss es für viele Entscheider nach wie vor Holz sein.

Ralf Budde, Produktmanager Osmo Anstrichsysteme und gelernter Tischlermeister, ist überzeugt: „Ein massiver Holzfußboden wertet Innenräume nicht nur optisch auf, sondern ist auch eine Investition in Wohnkomfort, Immobilienwert, Nachhaltigkeit und ein gesundes Raumklima. Da Echtholzböden sich im Renovierungsfall mehrfach abschleifen beziehungsweise auffrischen lassen, bilden sie über Generationen hinweg eine robuste und nachhaltige Basis für eine schadstofffreie Innenraumgestaltung“. Durch eine professionelle Instandsetzung würden in die Jahre gekommene oder vermeintlich „altbackene“ Holzböden mit transparentfarbigen Ölen einen modernen Look erhalten, sagt Budde. Dem Endkunden könne eine breite Palette an individueller Gestaltungsvielfalt geboten werden – zum optischen Upgrade kämen ein lang anhaltender Oberflächenschutz und eine unkomplizierte Pflege hinzu.

Werterhalt und Funktionalität

Als Anbieter von Werterhaltungssystemen für Bodenbeläge bietet die Dr. Schutz Group ein breites Produktspektrum. Die Marke Dr. Schutz etwa steht für die Reinigung und Pflege von Bodenbelägen wie zum Beispiel elastische Böden und Teppichböden, die Marke eukula speziell für Produkte rund um Parkett und Kork.

Ralf Edelmann, Leitung Anwendungstechnik bei Dr. Schutz in Bonn, hebt bei der Frage nach der Veredelung die Punkte Werterhalt und Funktionalität hervor: „Eine professionelle Veredelung schützt vorhandene Bodenbeläge effektiv und langfristig vor mechanischer Abnutzung, Feuchtigkeit oder chemischen Einflüssen – das erhöht ihre Lebensdauer und trägt wesentlich zum Werterhalt in jeglichem Objektbereich bei. Dabei hat ein langlebiges und dauerhaftes PU-Siegel im Vergleich zur herkömmlichen Pflegedispersion, die regelmäßig wieder erneuert werden muss, klar die Nase vorn.“

Es sei möglich, Böden sowohl funktional als auch optisch vollständig an neue Anforderungen anzupassen, etwa durch Veränderung des Glanzgrads, durch das Nachrüsten von Rutschhemmung, ESD-Schutz oder eine farbliche Gestaltung mit PU Color, um einen Boden zu modernisieren, ohne ihn austauschen zu müssen.

Erhalt des Bodens hat Vorteile

Welche Vorteile hat das? Edelmann: „Der Erhalt des Bestandsbodens vermeidet Müll, reduziert CO₂ und spart Ressourcen. Auch die Vermeidung von Mikroplastik, das bei Erneuerung herkömmlicher Dispersionspflege ins Grundwasser gelangt, ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Austausch.“ Eine dauerhaft versiegelte Oberfläche reduziere den Aufwand bei der Unterhaltsreinigung deutlich: weniger Wasser, weniger Chemie, weniger Zeit. „Das spart Kosten und reduziert wiederum die Umweltbelastung“, sagt Ralf Edelmann.

Im Vergleich zur Neuverlegung sei das Schleifen und Neuveredeln der ressourcenschonendste Weg zu einem Boden, erklärt Loba Anwendungstechniker Claus Wissutschek. Bei der Aufarbeitung werde zwischen einer Permanentpflege (die materialschonendste Möglichkeit), dem Recoating beziehungsweise Nachölen mit vorangehender Grundreinigung sowie der umfangreichen Renovierung mit Vollschliff und Neuveredelung unterschieden: „Sind aufwendige Reparaturmaßnahmen in größerem Umfang notwendig, zum Beispiel lose liegende Parkettstäbe oder Lamellenablösung, muss die Wirtschaftlichkeit einer Renovierung gegenüber einem Austausch abgewogen werden. Ist die Nutzschicht des Parketts zu dünn, muss der Handwerker vor der Renovierung Bedenken beim Auftraggeber anmelden; oftmals ist ein Austausch des Bodens in diesem Fall unvermeidlich.“

Schlägt Sanierung immer den Austausch?

„Wenn der Boden in der Substanz intakt ist und eine feste Verbindung zum Untergrund besteht, ist die Sanierung wirtschaftlich und ökologisch deutlich sinnvoller als ein Austausch“, heißt es von Dr. Schutz. - © Dr. Schutz

Schlägt die Sanierung eine Bodens immer den Austausch? „In fast allen Fällen: ja“, sagt Ralf Edelmann (Dr. Schutz). Wenn der Boden in seiner Substanz noch intakt sei und eine feste Verbindung zum Untergrund bestehe, sei die Sanierung wirtschaftlich und ökologisch deutlich sinnvoller als ein Austausch. Aber, erklärt Ralf Edelmann: „Wenn der Boden zu stark beschädigt ist oder die Untergrundvorbereitung zu aufwendig wäre, sprengt dies schnell den Kostenrahmen. Dann kann ein Austausch wirtschaftlicher sein.“

Prinzipiell, sagt auch Osmo-Produktmanager Ralf Budde, sei eine Veredelung oder Auffrischung von Holzböden immer eine lohnende Maßnahme – nicht zuletzt aus Gründen der Nachhaltigkeit. Zudem sei ein neuer Anstrich deutlich günstiger und weniger zeitaufwendig als ein kompletter Austausch. Budde: „Ob eine Auffrischung oder Renovierung des Holzfußbodens sinnvoll ist, kommt allerdings auch immer auf den Zustand des vorhandenen Bodens sowie die Art der Verlegung an.“

Es gebe Rahmenbedingungen, die eine Instandsetzung nicht mehr zuließen, ergänzt die Firma Pallmann: „Ist beispielsweise die Nutzschicht zu gering oder können Anforderungen an den Brandschutz nicht mehr erfüllt werden, muss ein Rückbau in Betracht gezogen werden. Alte Kunstharzklebstoffe neigen zudem zum Verspröden, was die flächige Arretierung zum Estrich gefährden kann. In solchen Fällen hat der Mosaikparkettboden das Ende seines Lebenszyklus erreicht.“

Renovierung bei laufendem Betrieb

Oft muss ein Boden bei laufendem Betrieb veredelt werden, etwa in der Gastronomie, im Krankenhaus, im Retail-Segment. Das klappt, aber mit Einschränkungen, meint Ralf Edelmann: „Die Sanierung erfordert eine gewisse Ausfallzeit – diese ist jedoch meist auf wenige Tage begrenzt und häufig sogar nur auf wenige Stunden.“ Mit UV-härtenden Systemen gehe es sogar noch schneller: „In besonders sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern oder Notaufnahmen kann durch UV-Aushärtung die Fläche direkt nach dem Auftrag beziehungsweise dem Belichten mit der UV-Lampe wieder zu hundert Prozent genutzt werden. Bei kleinen Flächen ist eine Sanierung meist innerhalb eines Tages möglich.“

Claus Wissutschek, Loba: „Häufig können Böden im laufenden Betrieb aufgearbeitet oder sogar neu veredelt werden. Hierfür empfehlen sich staubfreie, geruchs- und geräuscharme Verfahren, um die Belästigung so gering wie möglich zu halten. Es empfiehlt sich, einzelne Bereiche abzusperren und abschnittsweise vorzugehen.“

Oftmals reiche für eine Ertüchtigung eine Grundreinigung mit anschließender Pflege oder Permanentpflege aus. Um bestimmte optische oder funktionale Oberflächeneigenschaften beizubehalten, zum Beispiel für Sportböden und Flächen in Arbeitsbereichen, seien spezielle Pflegemittel erforderlich – Prüfzeugnisse zur Rutschhemmung und Sportbodeneignung seien dabei zu beachten.

Böden veredeln: Schnell, möglichst einfach und zuverlässig

Was ist eigentlich am wichtigsten: Wirtschaftlichkeit, Schnelligkeit, Nachhaltigkeit? Oder etwas ganz anderes? „Insgesamt“, heißt es dazu von Pallmann, „ist es für den professionellen Anwender von entscheidender Bedeutung, dass die Produkte einfach in der Handhabung sind und den Erfolg nicht gefährden. Daher ist es ein wesentlicher Aspekt in der Produktentwicklung, Systeme auf den Markt zu bringen, die ein breites Anwendungsspektrum abdecken und handwerkerfreundlich sind. Dies impliziert, dass die Produkte auch unter suboptimalen Bedingungen oder in komplexen Raumgeometrien zuverlässig funktionieren.“ Neben der Benutzerfreundlichkeit spielten auch Wirtschaftlichkeit und Schnelligkeit eine bedeutende Rolle. Nachhaltigkeit werde zunehmend von Endkunden und Planern in den Fokus gerückt, was auf ein wachsendes Bewusstsein für umweltfreundliche Lösungen hinweise.

„Je nach Spezialisierung und Auftragslage des Betriebs sowie nach Anforderung des Auftraggebers können verschiedene Aspekte priorisiert werden“, sagt Claus Wissutschek (Loba). Permanentpflege oder Recoating sparten Zeit und ließen sich gegebenenfalls auch bei starker Auftragslage noch einplanen. Und: Sie sind teilweise auch im laufenden Betrieb wie zum Beispiel in der Gastronomie oder dem Einzelhandel möglich.

Prinzipiell sei die Veredelung oder Auffrischung von Holzböden immer ­eine lohnende ­Maßnahme, erklärt Osmo, „nicht zuletzt aus Gründen der Nachhaltigkeit“. - © Osmo

Wissutschek: „Das Interesse an einer materialschonenden Lösung geht bisher vornehmlich vom Endkunden aus, weniger vom Verarbeiter. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit sollten verstärkt Möglichkeiten der Reparatur und Wiederaufarbeitung genutzt werden, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu vermeiden. Ist ein Austausch unumgänglich, muss das ausgebaute Holz im Sinne der Kreislaufwirtschaft genutzt werden, zum Beispiel durch Wiederherstellung, Umfunktionierung, Recycling oder Energierückgewinnung.“

Verarbeiter wünschen ein funktionierendes System

Aus Sicht des Verarbeiters, sagt Ralf Edelmann (Dr. Schutz), sei ein sicheres, funktionierendes System gefragt, das sowohl funktionale als auch optische Anforderungen erfülle und es dem Verarbeiter ermögliche, wirtschaftlich zu arbeiten. „Für viele Verarbeiter spielt auch die Erweiterung des eigenen Dienstleistungsportfolios eine Rolle – zum Beispiel durch Systeme wie das einfache eukula AAA-Konzept zur Aufarbeitung von Holzböden, das auch für Reinigungsdienstleister umsetzbar ist und zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven eröffnet.“ Aus Sicht von Auftraggebern und Kunden stehe besonders bei der öffentlichen Hand die Nachhaltigkeit stark im Fokus.

Edelmann: „Eine Sanierung statt eines kompletten Austauschs ist nicht nur ressourcenschonend, sondern spart auch erhebliche Kosten. Zeitersparnis ist ebenfalls entscheidend: Kürzere Betriebsunterbrechungen bedeuten mehr Planbarkeit und weniger Ausfallkosten – ein wesentlicher Vorteil im laufenden Betrieb. Ebenso wie die stark erleichterte Unterhaltsreinigung über viele Jahre.“

Wirtschaftlichkeit, Schnelligkeit und Nachhaltigkeit gewinnen an Relevanz

Die Faktoren Wirtschaftlichkeit, Schnelligkeit und Nachhaltigkeit würden zunehmend an Relevanz gewinnen, hat Ralf Budde (Osmo) beobachtet. „Bei Osmo sorgt die Kombination aus eigenem Holz- und Farbenwerk dafür, dass die Anstrichsysteme perfekt auf den nachwachsenden Rohstoff Holz abgestimmt sind. So werden zum Beispiel die Bindemittel von Anfang bis Ende in Eigenproduktion hergestellt und die Produkte sind durch ihren hohen Festkörperanteil besonders ergiebig. Das ermöglicht bis zu fünfzig Prozent mehr Flächenleistung.“

Auch zertifizierte Wohngesundheit und Nachhaltigkeit würden bei dem Unternehmen bereits seit der ersten Stunde im Fokus stehen. Budde: „Nicht umsonst werden bei den atmungsaktiven und ressourcenschonenden Innenraum-Anstrichsystemen seit über fünfzig Jahren ausschließlich hochwertige natürliche Öle wie Sonnenblumen-, Soja-, und Distel-Öl sowie natürliche Wachse verwendet. Auf allergieauslösende Zusatzstoffe wie Aromen oder Konservierungsmittel wird komplett verzichtet.“