bwd im Gespräch mit Stephan Wolff und Dieter Overkamp objectflor: "Wir bieten ein Netzwerk"

Nach 35 Jahren am Markt gehört objectflor längst zu den führenden Anbietern elastischer Bodenbeläge für den Objekt- und Wohnbereich. Wir trafen die beiden Geschäftsführer Stephan Wolff und Dieter Overkamp zum Interview.

Stephan Wolff (links), Geschäftsführer objectflor und Karndean sowie Head of Group Overseas Sales James Halstead, und Dieter Overkamp. - © Radziwill

bwd Herr Overkamp, objectflor hatte auf der BAU mit Expona Fabrik eine echte Neuheit im Gepäck. Wie war die Resonanz?

Dieter Overkamp Unsere neue Kollektion Expona Fabrik sorgte für viel Aufmerksamkeit. Das innovative Produkt, das ohne sichtbare Fugen am Stand präsentiert wurde, sprach für sich selbst. Zusammen mit dem spannenden Kollektionsbuch war es ein echtes Highlight, wie uns auch viele Besucher bestätigten.

bwd Expona Fabrik, ein elastischer Belag in der Optik eines Teppichbodens (siehe bwd 1-2/2025), hat etwas Wohnliches, obwohl das Produkt ja eigentlich nicht in erster Linie für den Nutzen im Privatbereich konzipiert ist. Ist es geplant, zu einem späteren Zeitpunkt eine Variante für den Wohnbereich auf den Markt zu bringen?

Dieter Overkamp Ich kann mir schon vorstellen, dass jemand auf der Suche nach der Optik eines Teppichbodens ist, aber das Thema Pflege und Reinigung wird eine wichtige Rolle spielen. Das wird sich zeigen. Das Produkt gelangt ja zum Beispiel über Raumausstatter auch an private Nutzer, und wir bedienen auch den Holz- und Baustoffbereich.

bwd Der Designbodenbelag war früher auch etwas, was im Kaufhaus lag, und erst später eroberte er die privaten Räume. Könnte das bei Expona Fabrik ähnlich sein?

Dieter Overkamp Perspektivisch ist das denkbar, rein technisch auch, natürlich auch in weiteren Farben.

Feedback flächendeckend positiv

Stephan Wolff Wir haben hier im Campus die Ware seit September 2023 auf einer Testfläche ausliegen. Eine große Anzahl von Kunden hat die schon gesehen; viele sprechen uns darauf an. Ein Großhändler hat gleich beschlossen, Expona Fabrik bei sich zu verlegen. Das Feedback ist flächendeckend positiv. Da sehen wir auch viele Chancen im Bereich Office.

bwd Im Büro wird oft textiler Belag gewählt, nicht zuletzt aufgrund der Schallreduzierung. Hat Expona Fabrik die gleichen akustischen Eigenschaften wie eine handelsübliche Objekt-Teppichfliese?

Dieter Overkamp Nein, Expona Fabrik liegt da irgendwo zwischen LVT und Teppich. Der Trend geht beim textilen Belag im Objekt aber zu besserer Berollbarkeit und damit geringere Florhöhen. Im Office wird heute mit Akustikdecken und Elementen an der Wand gearbeitet. Es lässt sich also auch mit einem Bodenbelag wie Expona Fabrik ein vernünftiges Raumkonzept im Büro schaffen.

bwd Das Design ist sehr zurückhaltend, die Farben eher zurückgenommen. Es gibt Teppichfliesen, die sich bei der Optik deutlich mehr trauen. Könnte man da nicht mutiger werden?

Stephan Wolff Könnte man. Im Bereich Designbelag versuchen wir immer, einen Eyecatcher einzubauen. Aber bis auf wenige Ausnahmen verschwinden die auch wieder später.

bwd Und Sie müssen die Ware vier Jahre vorhalten. Und vernichten, wenn keiner von denen, die gesagt haben „ach, wie großartig“ das am Ende haben wollte.

Stephan Wolff So ist es.

Einen Schritt nach vorn

bwd Die LVT-Designs sehen heute mehr oder weniger alle gleich aus. Wie wollen Sie sich da von Marktbegleitern abheben?

Stephan Wolff Das Kopieren einer neuen Kollektion geht schneller als die Entwicklung. In den Expona-Kollektionen sind unsere Designs selbst entwickelt oder auch mal gekauft, aber dann nicht von anderen beziehbar, denn wir kaufen dann auch die Printzylinder. Damit stellen wir sicher, zumindest nicht zu leicht kopierbar zu sein. Wir haben mit der Expona Commercial Kollektion noch einmal einen Schritt nach vorn unternommen, was die neuen Oberflächen angeht. Was können wir tun? Unseren Kunden Sicherheit und Service bieten. Da wird die Anzahl der Wettbewerber wieder kleiner. Wer alles hat eine Vertriebsorganisation, wer bietet breit angelegten Service? Da kommt unser Lager am Eifeltor ins Spiel, wo wir permanent mehrere Millionen Quadratmeter Ware vorhalten. Wenn ein Objekt von 5000, 6000 Quadratmetern reinkommt, können wir innerhalb von einer Woche liefern. Lieferfähigkeit und Lieferschnelligkeit sind extrem wichtig. Dann der Musterversand: Wir verschicken am Tag durchschnittlich 300 bis 350 Mustersendungen. Kostenlos, Tag für Tag. Denn die Haptik eines Produkts kann keine Digitalisierung ersetzen.

bwd Was tun Sie speziell für den Handwerker?

Stephan Wolff Wir haben verschiedene Veranstaltungsformate hier in unserem Campus, machen aber auch Veranstaltungen bei unseren Großhandelspartnern bei denen vor Ort. Wir bieten ein Netzwerk, wir bieten regelmäßige Schulungen durch unsere erfahrene Anwendungstechnik an. Es geht um die Praxis, aber auch darum, dem Handwerker Wissen zu vermitteln, zum Beispiel was Normen, was Vermarktung und Verkauf der Produkte angeht. Der Handwerker ist im Fokus bei allem, was wir tun. Unser Außendienstnetz in Deutschland umfasst 14 Gebiete, dazu kommen sechs Objektberater, vier Key Accounts und vier Verkaufsleiter. Mit dreißig Mitarbeitern im Vertriebsaußendienst hat der Handwerker vor Ort immer einen Ansprechpartner. Unsere Anwendungspartner beraten am Telefon, aber fahren auch schon mal zum Handwerker.

"Der Handwerker ist im Fokus bei allem, was wir tun."

Stephan Wolff, Geschäftsführer objectflor

Der Blick geht Richtung Österreich

bwd Welche Rolle spielt innerhalb der James Halstead Gruppe und innerhalb von objectflor der DACH-Markt und hier insbesondere Deutschland?

Dieter Overkamp, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, präsentiert die Neuheit Expona Fabrik. - © Radziwill

Stephan Wolff innerhalb der James Halstead Gruppe ist objectflor die zweitgrößte Vertriebseinheit. Das gibt uns die Möglichkeit, sehr selbständig zu agieren. Alle Kollektionen, die Sie hier sehen, werden hier bei uns erarbeitet. Innerhalb von objectflor liegt der bei Weitem größte Umsatzanteil in Deutschland. Nach Frankreich und Benelux richten wir den Blick in naher Zukunft auf Österreich, um dort vor Ort zu sein, und dann in den benachbarten Ostmärkten. Wir wollen immer aus dem Markt heraus wachsen. In Norwegen zum Beispiel sind wir Marktführer bei elastischen Belägen, weil wir ein Unternehmen und ein Lager vor Ort haben und dort Schulungen machen. Ab einem gewissen Volumen müssen Sie vor Ort präsent sein.

bwd Wie unterschiedlich gestalten sich die Märkte, welche Besonderheiten gibt es?

Dieter Overkamp Der Umsatz von Herringbone ist ein gutes Beispiel für Unterschiede in den Märkten. England und Benelux waren da viel schneller als wir. Hier spielt das noch keine Rolle beim Umsatz, das wird erst langsam. Die V-Fuge beim Laminat und bei LVT kamen aus Benelux, speziell auch aus Holland herüber.

Stephan Wolff Die Niederlande sind ein sehr moderner, sehr offener Markt, wo sich ganz andere Dinge vermarkten lassen, wo Trends viel schneller umgesetzt werden.

Die Trends Astigkeit, Rustikal, Heritage gehen zurück

Dieter Overkamp Was Trends angeht, sehen wir Astigkeit stark zurückgehen. Rustikal, Heritage – das geht zurück, wie auch die rauen Oberflächen, Sägespuren und dergleichen. Alle suchen die alternative Holzart zu Eiche. Im Private Label-Bereich haben wir auf Wunsch des Außendiensts hin eine Lärche aufgenommen, auch zwei Nussbaumtöne. In den USA kann es nicht dunkel genug sein, aber hier will das keiner haben.

bwd Wie sehen Sie zu Zukunft von LVT? Wir haben zuletzt auch mal rückläufige Zahlen gesehen. Ist der Peak überschritten oder erholt sich der Markt wieder?

Dieter Overkamp Bei LVT am Markt insgesamt ist das Volumen nicht rückläufig. Es verteilt sich aber auf mehr Anbieter. Die Frage für uns wird sein, wie wir uns in diesem Umfeld behaupten.

Stephan Wolff LVT in Dryback hat große Marktanteile gewonnen – ich sehe da kein riesiges Wachstum mehr in den nächsten Jahren. Im Looselay-, im Klickbereich bei den Rigid-Produkten kann LVT noch viele Marktanteile gewinnen, gegen Parkett und Laminat. Da ist die Reise noch nicht zu Ende. Expona Fabrik hat aus meiner Sicht große Chancen, aus der Nische herauszurücken. Es braucht wahrscheinlich aber mehrere Anbieter, um es bekannter zu machen. Wettbewerb hilft auch, um Produkte bekannter zu machen und im Markt zu etablieren.