Blick in den Markt Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Ist das Thema Nachhaltigkeit angesichts ernüchternder wirtschaftlicher Aussichten und rückläufiger Zahlen in der Wirtschaft insgesamt sowie in der Fußbodenbranche derzeit überhaupt noch relevant? Wir haben uns bei Unternehmen der Branche umgehört.

Mann sortiert Belagsreste am Band - Recover Recyclingprogramm Unilin
Mit Recover bietet Unilin Flooring ein Recyclingprogramm an, über das gebrauchte Bodenbeläge zurückgenommen werden, um sie dem Kreislauf wieder zuzuführen. - © Unilin

Wer von Bauen, Einrichten, Renovieren, vom Fußboden und vom Untergrund spricht, kommt am Thema Nachhaltigkeit nicht vorbei. Nicht von ungefähr berichten wir regelmäßig darüber. In den vergangenen Monaten hat sich das wirtschaftliche Umfeld allerdings weiter verschlechtert. Der Wohnungsbau liegt meilenweit unter Plan, die Zahlen bei Bodenbelägen sind weitgehend rückläufig, Stichworte wie Kaufzurückhaltung, Inflation und Stellenabbau, auch in unserer Branche, bestimmen die Nachrichten.

Was eine neue Regierung 2025 beschließen wird, was sich daraufhin bei Gesetzgebung und Förderung ändert, weiß heute verlässlich noch niemand. Die Stimmung in der Branche ist derweil eher verhalten, Verbraucher zögern Investitionen weiter hinaus – ist da Nachhaltigkeit überhaupt noch ein Thema? Oder beschäftigen Handwerk, Industrie und Kunden gerade ganz andere Dinge? Zielt die Ausrichtung der Hersteller auf Nachhaltigkeit an den ­eigentlichen Themen der Stunde vorbei?

Wir haben Unternehmen der Branche gefragt, wie sie Nachhaltigkeit bei sich definieren. Außerdem wollten wir wissen, inwiefern ausufernde Bürokratie und hohe Energiekosten die Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit ausbremsen. Überspitzt gefragt: Ist angesichts der wirtschaftlichen Situation das Thema Nachhaltigkeit nicht vielleicht schon wieder überholt?

Transparente Lieferkette

„Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Vom Design bis zur Produk­tion setzen wir uns für umweltfreundliche Prozesse ein“, berichtet Jutta Wiebe, Global Team Lead Public Relations and Corporate Communications beim Bodenbelagshersteller Parador in Coesfeld.

Neben hohen ökologischen Standards gehören eine transparente Lieferkette und ein ganzheitlicher Ansatz dazu. „In der ­Produktion unserer Parkett- und Laminat­böden setzen wir ausschließlich Hölzer aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ein, die besonders materialschonend verwendet werden. Sämtliche Bestandteile des Baumes werden für die unterschiedlichen Komponenten in der Produktion verwendet“, sagt Jutta Wiebe.

Bürokratie und hohe Energiekosten stellten keine Hemmnisse für die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit dar, meint Wiebe: „Wir haben klare Prozesse und Maßnahmen implementiert, um nachhaltiges Handeln zu fördern, ohne von übermäßiger Bürokratie oder hohen Kosten beeinträchtigt zu werden.“ Bei Parador sei man überzeugt, dass Nachhaltigkeit kein Hindernis, sondern vielmehr eine Chance für Innovation und langfristigen Erfolg darstelle.

Nachhaltigkeit ist ein Prozess, kein Trend

Aus Handel und Handwerk wird immer wieder berichtet, dass sich der Kunde attrak­tive, hochwertige, aber auch wirtschaftlich darstellbare Lösungen wünsche. Von sich aus spreche er das Thema Nachhaltigkeit allerdings eher selten an. Müssen Handel und Industrie angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung, der Unsicherheit und Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern umdenken? Und das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Prioritätenliste nach hinten stellen?

„Nachhaltigkeit ist kein Trend, der wieder überholt werden kann. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess, der auf lange Sicht betrachtet werden muss“, sagt Jutta Wiebe. Und: „Es ist wichtig, dass Handel und Industrie weiterhin das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Prioritätenliste ganz oben behalten und Lösungen entwickeln, die sowohl attraktiv als auch wirtschaftlich darstellbar sind. Die Bedürfnisse der Kunden mögen sich momentan auf andere Aspekte konzentrieren, aber langfristig werden nachhaltige Lösungen immer wichtiger werden.“

Daher sei es notwendig, dass Unternehmen weiterhin in die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Prozesse investierten, um langfristig erfolgreich zu sein und einen positiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Auswirkung auf die Umwelt

Bei Mapei, dem Hersteller bauchemischer Produkte für die Verlegung von Boden- und Wandbelägen, sei Nachhaltigkeit „ein Eckpfeiler der Strategie“, berichtet Bernd ­Lesker, Leiter Anwendungstechnik und Produktmanagement der Bereiche Fußbodentechnik & Parkett: „Unser wichtigstes An­liegen ist der Schutz des Planeten und das Wohlergehen der Verbraucher. Aus diesem Grund hat sich Mapei schon immer der Entwicklung von Produkten gewidmet, deren Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering sind. Recycling spielt hier eine wichtige Rolle.“

Was hemmt die Entwicklung des Unternehmens hin zu mehr Nachhaltigkeit? Es fehle aktuell an einem tragfähigen Konzept für alle Beteiligten am Bau, sagt Lesker: „Im Moment gibt es viele Insellösungen mit eigenen Interessen, der Blick für das große Ganze fehlt noch.“

Ist die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit vielleicht schon wieder überholt? „Wir müssen anders bauen – und zwar weltweit“, ­findet Bernd Lesker: „Dazu bedarf es zwingend neuer Konzepte und Technologien. Das Ziel muss sein: mit wesentlich weniger Material als bisher für wesentlich mehr Menschen gebaute Heimat zu schaffen! Und wir müssen sicherstellen, dass die verbauten Materialien sortenrein in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können, damit sie auch zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen.“

Dafür seien tragfähige Konzepte für den gesamten Bau nötig, die regulatorisch vorgegeben werden, zum Beispiel bei der Rückführung von Ausbaumaterialien. „Nur mit einem Logistikkonzept über alle Bereiche lassen sich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln und die Ressourcen in den Wirtschaftskreislauf wieder einbringen. Solch ein Projekt kann sich nur langfristig etablieren.“

  • Bild 1 von 6
    © Anker
    „Es braucht ein Zusammenspiel aller Akteure, von der Industrie über den Handel bis hin zur Politik, um nachhaltige Ansätze effektiv umzusetzen“, sagt Christine Rehermann von Hersteller Anker in Düren.
  • Bild 2 von 6
    © Mapei
    Bernd Lesker, der Leiter der Anwendungstechnik bei der Mapei GmbH, fordert: „Wir müssen anders bauen – und zwar weltweit.“
  • Bild 3 von 6
    © Parador
    „In der Produktion unserer Parkett- und Laminatböden setzen wir ausschließlich Hölzer aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ein, die besonders materialschonend verwendet werden“, erklärt der Bodenbelagshersteller Parador.
  • Bild 4 von 6
    Mann sortiert Belagsreste am Band - Recover Recyclingprogramm Unilin
    © Unilin
    Mit Recover bietet Unilin Flooring ein Recyclingprogramm an, über das gebrauchte Bodenbeläge zurückgenommen werden, um sie dem Kreislauf wieder zuzuführen.
  • Bild 5 von 6
    Streifen Marmoleum
    © Forbo
    Seit mehr als 150 Jahren kommen bei der Herstellung von Marmoleum, dem Linoleum des ­Herstellers Forbo, nachhaltige Materialien zum Einsatz. Das Unternehmen setzt auf die Wiederverwendung von Rohstoffen.
  • Bild 6 von 6
    recycelte Bodenbeläge über Band
    © Interface
    Ein Schwerpunkt liegt für Interface auf der Zirkularität der Produkte, denen das Unternehmen durch das Rücknahmeprogramm ReEntry zu einem zweiten Leben verhilft.

Langlebigkeit eingebaut

Wie sieht es bei textilen Bodenbelägen aus? Die Firma Anker kann auf mehr als 170 Jahre am Markt zurückblicken. „Für uns bedeutet Nachhaltigkeit weit mehr als Umwelt- und Klimaschutz. Es geht um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, den Erhalt unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und die Übernahme sozialer Verantwortung“, erklärt Christine Rehermann, Head of Marketing & Communication bei der Anker Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG in Düren.

Die Produkte des Unternehmens seien so konzipiert, dass sie möglichst langlebig sind und nur minimale Ressourcen verbrauchen, sagt Rehermann: „Neben ökologischen Aspekten setzen wir auch soziale Zeichen, etwa durch Hilfsprojekte oder die Ausstattung lokaler Einrichtungen. Und mit 32 Hektar firmeneigenem Land, davon 20 Hektar als Flora-Fauna-Habitat, leisten wir einen aktiven Beitrag zum Naturschutz inklusive Bienenstöcke auf unserem Gelände.“ Erleben Sie es in Ihrem Unternehmen, dass Faktoren wie Bürokratie und Energiekosten die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit hemmen? „Leider ja. Der Dschungel aus Labels und Zertifikaten macht es für Hersteller kompliziert, den Überblick zu behalten“, berichtet die Marketing Managerin.

Was fehle, sei ein einheitliches, praxisnahes Konzept, das Orientierung bietet. „Stattdessen sehen wir eine Flut von Insel­lösungen und privatwirtschaftlichen Systemen, die oft eher verwirren als helfen.“

Anker wünscht sich klare Rahmenbe­dingungen seitens des Gesetzgebers, die Nachhaltigkeit fördern, statt bürokratische Hürden aufzubauen. Christine Rehermann: „Es braucht ein Zusammenspiel aller Ak­teure, von der Industrie über den Handel bis hin zur Politik, um nachhaltige Ansätze ­effektiv umzusetzen.“

Stopp dem Greenwashing

Ist Nachhaltigkeit angesichts vieler anderer Probleme vielleicht gar kein Thema mehr? „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine langfristige Aufgabe, die unsere Handlungsweise bestimmen sollte“, sagt Rehermann.

„Was jedoch überholt sein sollte, ist Greenwashing und der Glaube, dass steigender Konsum einfach kompensiert werden kann. Angesichts wirtschaftlicher Un­sicherheiten und veränderter Kundenprioritäten rückt die Frage nach Qualität wieder stärker in den Fokus. Wir glauben, dass echte Handwerkskunst, Reparierbarkeit und ein Bewusstsein für die Kosten guter Produkte der Schlüssel sind – Werte, die Handwerk und Handel gemeinsam vermitteln können.“ Anker sehe es als Aufgabe, Konsumenten von diesen Werten zu überzeugen. „Für uns ist das weniger ein Problem als ­eine Herausforderung“, erklärt Christine Rehermann.

Recycelte Materialien

Auf drei Hauptbereichen basiert der Nachhaltigkeitsansatz von Unilin Flooring: Kreislaufwirtschaft, verantwortungsbewusste Materialbeschaffung und Energieeffizienz. „Praktisch bedeutet das, dass wir schon jetzt so weit wie möglich recycelte Materialien für unsere Produkte einsetzen“, teilt General Manager D/A der Division Modular, Laurence Maes, mit.

So bestehe etwa der Holzkern des Quick-Step Hydroseal Naturbodens nur aus Altholz, das von Sägewerken, aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder der Straßenrandpflege bezogen wird. Mit Recover bietet das Unternehmen ein Recyclingprogramm an, über das gebrauchte Bodenbeläge zurückgenommen werden, um sie dem Kreislauf wieder zuzuführen.

„Das funktioniert bereits jetzt insbesondere bei klebstofffrei verlegten LVT- und Vinylböden sehr gut. Natürlich nehmen wir neben unseren eigenen Böden auch die von anderen Hersteller zurück, um Kreislaufwirtschaft möglichst ganzheitlich umzusetzen. Darüber hinaus reduzieren wir unseren CO₂-Fußabdruck, indem wir in unseren Produktionsstätten mehr und mehr erneuerbare Energien nutzen“, berichtet Laurence Maes.

Druck durch zunehmende Bürokratie

Das Unternehmen spüre Druck durch wachsende Bürokratie, immer neue Regularien und die dadurch gebundenen personellen Kapazitäten. Maes: „Und wie in vielen anderen Branchen sind die gestiegenen Energiekosten auch für uns als Bodenbelagshersteller ein Thema. Trotz dieser Hindernisse betrachten wir diese Herausforderungen als Ansporn, effizientere Prozesse zu entwickeln und innovative Wege zu finden, um unsere Nachhaltigkeitsziele in allen Unternehmensbereichen zu erreichen.“

Müssen Handel und Industrie angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und der Unsicherheit und Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern umdenken und das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Prioritätenliste nach hinten stellen?

„Nein“, sagt Maes: „Wir werten Nachhaltigkeit nicht als vorübergehenden Trend, sondern als eine langfristige Notwendigkeit und Verantwortung. Auch wenn derzeit ­viele Verbraucher aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten andere Prioritäten setzen, sehen wir Nachhaltigkeit als einen Prozess, der auf lange Sicht betrachtet werden muss. Diese Entwicklung wird einerseits durch politische Vorgaben wie den Green Deal vorangetrieben, andererseits aber auch durch ganz handfeste Faktoren, denn viele Ressourcen sind endlich.“ Nachhaltigkeit sei für Unilin kein „Entweder-Oder“-Thema, sondern ganz klar die wichtigste Investition in die Zukunft.

Zweites Leben für Produkte

Wenige Unternehmen werden in der Branche schon so lange Zeit mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbunden wie Interface. „Nachhaltigkeit ist eine der zentralen Säulen unserer Unternehmensphilosophie“, bestätigt EMEA Marketing Director Anne Salditt.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der ­Zirkularität der Produkte, denen Interface durch das Rücknahmeprogramm ReEntry zu einem zweiten Leben verhilft. Je nach Zustand und Zusammensetzung des zurückgegebenen Materials kommen ReUse (Wiederverwendung gebrauchter Teppichfliesen), ReCycling oder ReCover (Energierückgewinnung) in Frage. Bis 2040 will das Unternehmen CO2-negativ sein, indem es bei der Herstellung seiner Produkte, bei den Geschäftstätigkeiten und in der Lieferkette möglichst viel CO2 vermeidet, reduziert und speichert.

recycelte Bodenbeläge über Band
Ein Schwerpunkt liegt für Interface auf der Zirkularität der Produkte, denen das Unternehmen durch das Rücknahmeprogramm ReEntry zu einem zweiten Leben verhilft. - © Interface

„Die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit ist ungebremst und treibt uns zusätzlich an. Darüber hinaus sehen wir aber auch die Notwendigkeit für gesetzliche Regelungen, um das Thema weiter zu fördern“, sagt Anne Salditt. Bei Interface spiele Nachhaltigkeit bereits seit 1994 eine entscheidende Rolle.

Hohe Energiekosten sind ein Thema

„Und wir lassen uns in unseren Nachhaltigkeitsbestrebungen auch jetzt nicht hemmen oder gar aufhalten.“ Aktuell seien hohe Energiekosten zwar ein Thema, aber Interface habe in den Produktionsstätten bereits frühzeitig auf erneuerbare Energien gesetzt. Salditt: „So produziert unser Standort in Scherpenzeel bereits sein Januar 2014 mit hundert Prozent erneuerbarer Energie. Zudem arbeiten unsere Maschinen so effizient, dass der Abfall deutlich minimiert wurde, wodurch sich der Energieverbrauch ebenfalls reduziert.“

Produkte mit niedrigem CO2-Fußabdruck und zirkuläre Produkte würden explizit nachgefragt, hat Anne Salditt beobachtet. Kunden seien heute deutlich besser informiert und die Nachhaltigkeitsanforderungen in der Baubranche seien gestiegen.

„Niemand kann sich seiner Verpflichtung entziehen, von daher ist das Thema nicht überholt, sondern ganz im Gegenteil höchst aktuell. Wir stehen als Unternehmen mit unseren Marken Interface und nora für Transparenz, da wir unsere Nachhaltigkeitskennzahlen kommunizieren und die EPDs unserer Produkte zur Verfügung stellen. Es geht uns nicht um das kurzfristige Erfüllen von Anforderungen und Erreichen von Zielen, sondern darum, das Thema konzep­tionell und langfristig zu denken.“ Die Baubranche, sagt Anne Salditt, müsse insgesamt Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen, da sie einen hohen Einfluss auf die CO2-Emissionen habe.

Loose-Lay-Produkte als nachhaltige Bodenlösungen

Streifen Marmoleum
Seit mehr als 150 Jahren kommen bei der Herstellung von Marmoleum, dem Linoleum des ­Herstellers Forbo, nachhaltige Materialien zum Einsatz. Das Unternehmen setzt auf die Wiederverwendung von Rohstoffen. - © Forbo

„Nachhaltigkeit ist unser Fundament“, erklärt Mirko Bachmann, a. i. Marketingleiter D/A/CH beim Hersteller Forbo: „Unser Portfolio beinhaltet nachhaltige Boden­lösungen wie Loose-Lay-Produkte und klima­positiv hergestelltes Linoleum für jedes Bauprojekt, egal ob im Bauen im Bestand oder im Neubau.“ Die Allura Designbeläge etwa seien mit Blick auf Nachhaltigkeit entwickelt worden und vollständig recycelbar. Das Produkt lasse sich bis zu zehn Mal ohne Qualitätseinbußen in den Herstellprozess zurückführen und zu neuen hochwertigen Allura Belägen verarbeiten.

Mirko Bachmann: „Durch die Rückführung von Recyclingmaterial in die Produkt­ion wird der Bedarf an Neumaterialien gesenkt, Ressourcen geschont und langfristig der CO2-Fußabdruck reduziert. Die lange Haltbarkeit von Vinylböden trägt auch zur Abfallreduzierung bei, da Beläge seltener ausgetauscht werden müssen oder klebstofffrei verlegte Beläge sich am Ende der Nutzungsdauer anderweitig weiterverwenden lassen.“

Vollständig recycelbar

Das Rücknahmeprogramm Back-to-the-Floor umfasse die Sammlung und Wiederverwendung von Produktionsabfällen, Verschnittresten und Forbo-Altbeläge, um neue hochwertige Linoleum- und Vinyl­böden daraus herzustellen. 2023 wurden weltweit bereits 250 Tonnen Forbo Lino­leum und Vinylbeläge zurückgeführt und recycelt.

„Echte Nachhaltigkeit erfordert geschlossene Kreisläufe. Deshalb verbessern wir unsere modularen Angebote kontinuierlich und finden Möglichkeiten, sie am Ende der Nutzungsdauer zu recyceln. Darüber hinaus entwickeln wir Bodenbeläge, die aus recycelten Rohstoffen bestehen, damit alte Bodenbeläge heute und in Zukunft eine neue Bestimmung finden. Wir wollen es ­Architekturbüros, Bauunternehmen, Ver­legebetrieben und Immobilieneigentümern leicht machen, sich für einen nachhaltigen Bodenbelag zu entscheiden, den CO2-Fußabdruck zu verringern, Abfälle zu reduzieren und den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe zu maximieren“, teilt Bachmann mit.

Report nach ESG-Richtlinien

„Das Thema Nachhaltigkeit hat für uns eine große Bedeutung, weil es sowohl ordnungspolitische als auch unternehmensstrategische Relevanz hat“, sagt Robert Bieger, Geschäftsführer Europa bei Kährs Parkett Deutschland. Das Unternehmen sei aufgrund seiner Größe zum 1. Januar 2025 rechtlich verpflichtet, nach den ESG-­Richtlinien zu reporten. ESG steht für Environmental Social Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

„Wir orientieren uns dabei am höchsten Standard innerhalb ESG-Richtlinien. Darunter verstehen wir unser Handeln in Bezug auf Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung“, teilt Robert Bieger weiter mit.

Ein großer Aufwand? „Wenn man das ESG-Reporting anschaut und die Tatsache, dass wir dafür erhebliche personelle Ressourcen einsetzen, könnte man zu der Meinung kommen, dass ausufernde Bürokratie eine Bürde ist. Aber für uns steht die Wertentwicklung durch die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Erst recht, weil wir ein international agierendes Unternehmen sind, das aus dem Land der hohen Umwelt- und Sozialstandards kommt, nämlich Schweden. Wir stellen die Notwendigkeit unserer Nachhaltigkeitsziele definitiv nicht infrage“, berichtet der Kährs-Geschäftsführer.

Im Handel werde unter Nachhaltigkeit meist die Anforderung an Zertifikate für die Umweltfreundlichkeit der Endprodukte gemeint, fokussiert auf Wohngesundheit. Bieger: „Dies ist natürlich ein wichtiger Teil von Nachhaltigkeit, aber eben nur einer von vielen Parameter. Andere Parameter, zum Beispiel wie umweltfreundlich die Produkte hergestellt werden, sind im aktiven Kommunizieren des Handels und der Handwerker noch nicht so stark verankert. Trotzdem finden wir schon, dass sich trotz gestiegener Preisorientierung der Konsumenten und Bauherren das Thema Nachhaltigkeit vom Handel und Handwerk als wichtig angesehen wird.“ Im Objektbereich, wo das größere Profihandwerk tätig ist, sei es längst zum Pflichtenheft geworden, „weil Sub­ventionen und Steuervorteile für die insti­tu­tionellen Bauherren winken“.

Nachhaltigkeit - ein Generationenprojekt

Bei der Bembé Parkett GmbH & Co. KG in Bad Mergentheim setzt Geschäftsführer Hans-Juergen Schmitz darauf, im Einkauf auf höherwertige Produkte mit möglichst geringen Emissionen zu achten. „Bürokratie und Energie hemmen natürlich in der Entwicklung der Nachhaltigkeit. Dennoch gibt es viele kleine Punkte, bei denen man auch ohne diese Hemmnisse Ansetzen kann – nach dem Motto ‚auch Kleinvieh macht Mist‘“, sagt Schmitz.

Wäre es für Handel und Industrie angebracht, das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Prioritätenliste nach hinten zu stellen? „Meines Erachtens ist das Thema nicht überholt, wird jedoch derzeit seitens der Kunden aufgrund wichtigerer Entscheidungspunkte in den Hintergrund gerückt. Weist man den Kunden jedoch unsererseits auf Nachhaltigkeitspunkte hin, werden diese wohlwollend und zustimmend der Wichtigkeit entsprechend aufgenommen und respektiert.“

Das Thema Nachhaltigkeit sollte weiterhin mit entsprechendem Engagement seitens der Unternehmen bearbeitet werden, findet Hans-Juergen Schmitz. „Aber mit der Klarheit, dass es sich hier um ein Generationenprojekt handelt, welches nur auf lange Sicht Erfolg und bessere ­Zukunftsaussichten bieten kann.“