Im Rahmen einer Veranstaltung der Parkettleger on Tour e.V. wurde im Juni 2022 in einem Raum von Schloss Altenstein Tafelparkett neu angefertigt und verlegt. Parkettlegermeister Ernst Müller beschreibt in diesem Beitrag die Vorgehensweise.
Schloss Altenstein brannte in den 80er-Jahren nieder. Aus dieser Zeit gab es aber noch Fotos, welche den ursprünglichen Boden zeigten: ein Tafelparkett, jede Platte Diagonalstäbe von einem Fries umrandet. Außerdem lag der Boden schon in einem angrenzenden Raum. Die Parkettleger on Tour mussten sich nur an dieser Größe von circa 39 × 39 cm orientieren. Aus diesem Muster ergab sich die Plattengröße. An der Seite treffen 2,5 Gehrungslängen auf das Fries. Das zur Verfügung stehende Material, ein Eiche-2-Schicht-Fertigparkett, hat das Maß 70 × 500 mm.
Berechnung mithilfe des Satzes des Pythagoras:
70 mm × 1,414 = 98,98 mm × 2,5 Gehrungslänge = 247,45 mm.
247,45 mm + (2 Friesbreite = 140 mm) = 387,45 mm = Plattengröße. Um Material zu sparen, wird nicht mit dem mittleren diagonalen Stab begonnen, sondern mit denen daneben. Diese werden aus einem Stab hergestellt, um Verschnitt zu vermeiden.Bilder: Parkettleger on Tour e.V.↓
Vor dem Zuschnitt der Stäbe wird ein Anschlag (Zulage) hergestellt, welcher die Feder aufnimmt. Hier ist darauf zu achten, dass eine Nut entsteht, damit die Oberwange immer sauber anliegt und keinen Versatz bildet. Der Versatz entsteht, weil das Trägermaterial minimal schmäler als die Deckschicht ist.↓
Zuschnitt der Stäbe: Zuerst wird der exakte Mittelpunkt des Stabes gesucht und angezeichnet.↓
Diese Linie muss nun genau auf der Mitte des Kreissägeblattes angelegt werden.↓
Nach dem Durchsägen erfolgt die Kontrolle der Länge.↓
Erst jetzt wird der mittlere Diagonalstab zugeschnitten. Am Diagonalanschlag wird mittels Schraubzwinge eine Begrenzung angebracht. Diese sorgt dafür, dass man den Stab nur herumdrehen muss, um immer genau die Mitte des Stabes zu treffen.↓
Nun wird zuerst der Rahmen zugeschnitten, da seine Reste für die kleinen Dreiecke benötigt werden. Beim Sägen der Dreiecke ist darauf zu achten, dass sowohl ein Dreieck mit Feder als auch eines mit einer Nut entsteht. Zwischendurch wird immer wieder die Länge der einzelnen Teile kontrolliert. Alle geschnittenen Seiten der Stäbe werden mit einer Nut versehen. ↓
Jetzt können die Platten mit den Originalfedern in sich verleimt werden. Dies erfolgt in einer speziellen Vorrichtung, die gewährleistet, dass alle Platten gleich groß werden und sich im rechten Winkel befinden. Falls nötig wird eine kleine Fuge bewusst eingebaut. Den rechten Winkel einzuhalten ist wichtiger.↓
Die Verlegung der fertigen Platten erfolgte dann wie aus dem Lehrbuch: Von der Mitte aus wurde kreisförmig verlegt, die einzelnen Platten wurden mit Fremdfedern verbunden. Auch hier war es wichtig, sauber zu arbeiten und die rechten Winkel einzuhalten. Daher war ständige Kontrolle angesagt. Da es sich um Fertigparkett handelte, wurde die werkseitig aufgebrachte Oberflächenversiegelung abgeschliffen und die geschliffene Fläche anschließend geölt.↓
Tipp vom Profi zum Profi:
Fertigt man 750 Platten an, mit 16 Schnitten pro Platte, dann ist es unbedingt nötig, rechtzeitig das Sägeblatt zu wechseln. Die Schränkung der Zähne nimmt über den Tag kontinuierlich ab, was zur Folge hat, dass die Platten größer werden können. Daher ist bei Dauerbetrieb einer Kreissäge die Kontrolle der Länge der zugeschnittenen Teile zwischendurch unerlässlich!