Frage: Vor mehreren Jahren habe ich in einem Einfamilienhaus – es handelte sich um einen von Grund auf renovierten Altbau – in mehreren Wohnräumen des Erdgeschosses Tufting-Teppichboden verlegt. Der Belag wurde nur lose ausgelegt und mit Klebeband fixiert, weil man später einmal Parkett legen wollte und die losen Beläge dann im Dachgeschoss Verwendung finden sollten. In den vier Zimmern waren alte Holzdielen verlegt, noch in gutem Zustand. Erst später habe ich erfahren, dass die Dielen, die teilwese schon stark abgelaufen waren, gewendet und auf den Holzbalken wieder vernagelt wurden. Bei dieser Gelgenheit wurden in den Balkenfeldern neue Füllungen aus Bimskies eingebracht, um eine besonders gute Wärme- und Schalldämmung zu erzielen. Davon habe ich aber ebenfalls später erfahren. Für mich handelte es sich nach dem optischen Eindruck um einen Holzboden in gutem Zustand, der zum Teil sogar abgeschliffen war. Ich hatte somit nicht die geringsten Bedenken, hierauf zu verlegen. Zum Teil habe ich einige Übergänge sogar noch gespachtelt, um jegliche Unebenheit auszuschließen. Unter den Teppichboden kam dann noch eine Malerfolie, die verhindern sollte, dass der Rücken des Belags auf den Dielen anklebt – immer unter dem Gesichtspunkt, dass der Belag später ohne Schwierigkeiten aufgenommen und woanders wieder verlegt wird.
Nun rief mich der Kunde an und sagte, dass der Holzboden an einer Stelle durchgebrochen und der Teppichboden in Mitleidenschaft gezogen sei. Wir haben den Belag sowie die Folie an der beschädigten Stelle aufgenommen und mussten feststellen, dass das Holz an dieser Stelle morsch war. Unter den Dielen fanden wir eine weißliche, langfaserige Masse, ganz offensichtlich ein Pilz. Es ist anzunehmen, dass der Pilz nach und nach den gesamten Holzboden befallen und zerstören wird. Ich vertrete den Standpunkt, dass der Schwamm schon vorher in den alten Dielen saß. Deshalb habe ich mich geweigert, die Reklamation anzuerkennen. Was sagen Ihre Fachleute dazu?
Antwort: Ohne die Sache gesehen zu haben: Völlig falsch war es, den renovierten Holzboden mit einer dicht abschließenden Folie sowie einem ebenfalls dichten Bodenbelag abzudecken. Wir wollen nur hoffen, dass die Idee dazu nicht von Ihnen kam. Dass die Konstruktion überhaupt so lange gehalten hat, ist ein Wunder. Wie wir nachträglich erfahren haben (siehe Kasten), ist das Gebäude auf der gesamten Grundfläche nicht unterkellert, weil der Untergrund auf einem Wiesengelände liegt und man Angst hatte, ständig Wasser im Keller zu haben. Sie haben sich auf den guten Zustand der Dielen verlassen und deshalb angenommen, dass der Untergrund trocken wäre. Die Dielen hätten ohne Beanstandung jahrzehntelang ihren Dienst getan. Daraus kann nur geschlossen werden, dass in dieser Zeit aufsteigende Feuchtigkeit zwischen den Dielenfugen oder am Rande der Fläche entweichen konnte. Sobald aber die Holzbodenfläche durch die Folie und den Belag abgedichtet war, staute sich die Nässe und führte zur Fäulnis des Holzes und zur Schwamm- und Pilzbildung. Handelt es sich um den „echten Hausschwamm“, dann ziehen sich dessen watteartigen Mycelgebilde über weite Flächen und es ist anzunehmen, dass auch die angrenzenden Räume betroffen sind. Sporen des Pilzes sind überall in der Umwelt vorhanden. Bei günstigen Voraussetzungen wie Feuchtigkeit und Wärme keimen diese Sporen, der Pilz kann ungehindert gedeihen. Man kann nicht sagen, ob der Schwamm schon vorher in den Holzdielen vorhanden war, er kann jederzeit auch an frischem Holz gedeihen, vorausgesetzt, die Bedingungen sind günstig. Die Reparaturarbeiten sollten umgehend in Angriff genommen werden, damit die Ausbreitung des Schwammes möglichst bald gestoppt wird. Die Schwammherde müssen weit über die erkennbare Wachstumsgrenze freigelegt werden, befallenes Holz muss verbrannt werden.
Wolfgang Hart wolfgang.hart@holzmannverlag.de